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Gesetz der Nachfrage

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Als Gesetz der Nachfrage ({{#invoke:Vorlage:lang|full|CODE=en|SCRIPTING=Latn|SERVICE=englisch}}) bezeichnet man in der Volkswirtschaftslehre ein häufig benutztes Theorem, das in der einfachsten Version besagt, dass die Nachfrage nach einem normalen Gut abnimmt, wenn sich sein Preis erhöht. Dabei bezeichnet man ein Gut als „normal“, wenn eine Erhöhung des Einkommens dazu führt, dass mehr von dem Gut nachgefragt wird. Pendant ist das Gesetz des Angebots.

Allgemeines

Außerhalb der Rechtswissenschaft (formales Gesetz) spricht man in den Wissenschaften von einem Gesetz, wenn aus einer Theorie orts- und zeitunabhängig allgemeingültige Aussagen abgeleitet werden, die weltweit gelten (Gesetzmäßigkeiten). Das Gesetz der Nachfrage wurde aus empirischen Beobachtungen und logischen Ableitungen entwickelt und mündet in dem Grundsatz, dass im Regelfall bei einem niedrigen Preis eines Gutes unter sonst gleichen Bedingungen eine größere und bei einem hohen Preis eine kleinere Menge nachgefragt wird.<ref>Wolfgang J. Koschnick, Management, 1996, S. 224</ref> Dabei ist es ohne Bedeutung, ob das Konsumverhalten der Verbraucher rationalen oder irrationalen Überlegungen folgt, weil das für die Nachfrage verfügbare Einkommen begrenzt ist.

Formale Definition und Herleitung

Theorem

Sei <math>x_{i}(\mathbf{p},y)</math> die Marshallsche Nachfrage nach einem Gut <math>i</math> in Abhängigkeit von einem Preisvektor <math>\mathbf{p}=(p_1,\ldots,p_n)</math> und dem individuellen Einkommen <math>y</math>. (Die marshallsche Nachfrage resultiert aus dem Nutzenmaximierungsproblem des Haushalts und gibt die Gütermenge – in Abhängigkeit von den Güterpreisen – an, die erforderlich ist, um mit einem gegebenen Einkommen <math>y</math> ein möglichst hohes Nutzenniveau zu erreichen.)

Gesetz der Nachfrage<ref>Hal Varian, Intermediate Microeconomics. A Modern Approach. 8. Aufl., 2010, S. 147; Geoffrey A. Jehle/Philip J. Reny, Advanced Microeconomic Theory. 3. Aufl., 2011, S. 56.</ref>: Sei i ein normales Gut, das heißt sei <math>\partial x_{i}(\mathbf{p},y)/\partial y>0</math>, dann gilt:

<math>\frac{\partial x_{i}(\mathbf{p},y)}{\partial p_{i

<0</math>

}}

Beweis

Das Theorem folgt direkt aus der Slutsky-Gleichung, wonach

<math>\underbrace{\frac{\partial x_{i}(\mathbf{p},y)}{\partial p_{j}}}_{\mathrm{Gesamteffekt}}=\underbrace{\frac{\partial x_{i}^{h}(\mathbf{p},\overline{u})}{\partial p_{j}}}_{\mathrm{Substitutionseffekt}}\underbrace{-x_{j}(\mathbf{p},y)\frac{\partial x_{i}(\mathbf{p},y)}{\partial y}}_{\mathrm{Einkommenseffekt}}</math>

(Für eine Erläuterung wird auf den Artikel Slutsky-Gleichung verwiesen.) Im Eigenpreisfall i=j geht aus dieser unmittelbar hervor, dass der Einkommenseffekt negativ ist (gemäß der Annahme von Normalität). Der Substitutionseffekt ist jedoch ebenfalls negativ, da die Hicks’sche Nachfrage nach einem Gut stets im Preis dieses Gutes fällt. Dies folgt aus Shephards Lemma<ref>Vgl. nur Geoffrey A. Jehle/Philip J. Reny, Advanced Microeconomic Theory. 3. Aufl., 2011, S. 53–56.</ref>: Wegen <math>x_{i}^{h}(\mathbf{p},\overline{u})=\partial e(\mathbf{p},\overline{u})/\partial p_{i}</math> auch <math>\partial x_{i}^{h}(\mathbf{p},\overline{u})/\partial p_{i}=\partial^{2}e(\mathbf{p},\overline{u})/\partial p_{i}^{2}</math>. Da die Ausgabenfunktion <math>e</math> aber konkav ist, ist diese partielle Ableitung <math>\leq0</math>.

Folglich ist der Gesamteffekt ebenfalls negativ, was zu zeigen war.

Gesetz der kompensierten Nachfrage

Definition

{{{1}}}

Zusammenhang zur Theorie offenbarter Präferenzen

Vorüberlegung

Man überlege sich, dass in der Ausgangssituation ein Nachfrager gegeben die Güterpreise <math>\mathbf{p}^{0}=\left(p_{1}^{0},\ldots,p_{n}^{0}\right)</math> und das Haushaltseinkommen <math>y^0</math> ein optimales Güterbündel <math>\mathbf{q}^{0}=\left(q_{1}^{0},\ldots,q_{n}^{0}\right)</math> wählt. Nun falle der Preis von Gut i von <math>p_{i}^{0}</math> auf <math>p_{i}^{1}</math>, woraus ein neues Preistupel <math>\mathbf{p}^{1}</math> resultiert. Zur gleichen Zeit modifiziert ein allwissender Planer das Haushaltseinkommen so, dass für den Haushalt das beste vor der Preisänderung erreichbare Güterbündel, <math>\mathbf{q}^{0}</math>, auch nach der Preissenkung gerade noch so bezahlbar ist (Slutsky-Kompensation).

Annahmegemäß ist der Nutzen aus <math>\mathbf{q}^{0}</math> also gleich dem aus <math>\mathbf{q}^{1}</math>. Da der Haushalt beim Preissystem <math>\mathbf{p}^{0}</math> das Güterbündel <math>\mathbf{q}^{0}</math> und nicht <math>\mathbf{q}^{1}</math> gewählt hat, muss bei Gültigkeit des schwachen Axioms offenbarter Präferenzen (weak axiom of revealed preferences – WARP) das Güterbündel <math>\mathbf{q}^{1}</math> zu Preisen <math>\mathbf{p}^{0}</math> mindestens so teuer gewesen sein als <math>\mathbf{q}^{0}</math>, da es für den Haushalt sonst schon im Zeitpunkt 0 strikt besser gewesen wäre, <math>\mathbf{q}^{1}</math> zu wählen.<ref>Die nachfolgende Darstellung der Herleitung folgt Cornes 1992, S. 64.</ref> Formal:

1) <math>\mathbf{p}^{0}\cdot\mathbf{q}^{0}\leq\mathbf{p}^{0}\cdot\mathbf{q}^{1}</math>.

Umgekehrt lässt sich mittels WARP auch analog einsehen, dass beim Preissystem <math>\mathbf{p}^{1}</math> der Haushalt wenigstens einen schwachen Anreiz haben muss, das Güterbündel <math>\mathbf{q}^{1}</math> dem Bündel <math>\mathbf{q}^{0}</math> vorzuziehen – sonst hätte er nicht <math>\mathbf{q}^{1}</math> gewählt. Das Güterbündel <math>\mathbf{q}^{1}</math> kann also zu Preisen <math>\mathbf{p}^{1}</math> nicht teurer sein als das Bündel <math>\mathbf{q}^{0}</math>, das heißt

2) <math>\mathbf{p}^{1}\cdot\mathbf{q}^{1}\leq\mathbf{p}^{1}\cdot\mathbf{q}^{0}</math>.

Addieren von 1) und 2) liefert nun sofort

<math>\mathbf{p}^{0}\cdot\mathbf{q}^{0}+\mathbf{p}^{1}\cdot\mathbf{q}^{1}\leq\mathbf{p}^{0}\cdot\mathbf{q}^{1}+\mathbf{p}^{1}\cdot\mathbf{q}^{0}\quad\Leftrightarrow\quad\left(\mathbf{p}^{1}-\mathbf{p}^{0}\right)\cdot\left(\mathbf{q}^{1}-\mathbf{q}^{0}\right)\leq 0</math>,

was zu zeigen war.

Äquivalenz zu WARP

In der Vorüberlegung wird gezeigt, dass das schwache Axiom offenbarter Präferenzen die Gültigkeit des Gesetzes der kompensierten Nachfrage impliziert. Es lässt sich zeigen, dass hierzu auch die Rückrichtung gilt.

Äquivalenz von WARP und dem Gesetz der kompensierten Nachfrage<ref>Vgl., auch zum Beweis, Mas-Colell/Whinston/Green 1995, S. 30 f.</ref>: Sei die Marshallsche Nachfragefunktion <math>\mathbf{x}(\mathbf{p},y)</math> homogen vom Grade null und genüge sie dem Walras-Gesetz. Dann genügt <math>\mathbf{x}(\mathbf{p},y)</math> dem schwachen Axiom offenbarter Präferenzen genau dann (und nur dann), wenn das Gesetz der kompensierten Nachfrage erfüllt ist.

Literatur

  • Richard Cornes: Duality and modern economics. Cambridge University Press, Cambridge u. a. 1992, ISBN 0-521-33601-5.
  • Geoffrey A. Jehle und Philip J. Reny: Advanced Microeconomic Theory. 3. Aufl. Financial Times/Prentice Hall, Harlow 2011, ISBN 978-0-273-73191-7.
  • Andreu Mas-Colell, Michael Whinston und Jerry Green: Microeconomic Theory. Oxford University Press, Oxford 1995, ISBN 0-195-07340-1.
  • Nolan H. Miller: Notes on Microeconomic Theory. <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />{{#if:20111215223851
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       }}
  }} (PDF; 1 MB), S. 65, abgerufen am 2. Januar 2015. [Hier S. 23 ff.]
  • Hal Varian: Intermediate Microeconomics. A Modern Approach. 8. Aufl. W. W. Norton, New York und London 2010, ISBN 978-0-393-93424-3.

Einzelnachweise

<references />