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Gert Wendelborn

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Datei:Bundesarchiv Bild 183-1986-0529-005, Rostock, CDU-Bezirkstagskandidat Gert Wendelborn.jpg
Im Gespräch mit Parteifreunden: (v. l. n. r.) Siegfried Metzner, Dieter Klemm, Gert Wendelborn
Datei:Bundesarchiv Bild 183-1986-0529-004, Rostock, CDU-Bezirkstagskandidat Gerd Wendelborn.jpg
Gert Wendelborn mit westdeutschen Besuchern in der Volkswerft Stralsund

Gert Günther Joachim Wendelborn (* 13. Juli 1935 in Rostock; † 10. Februar 2026 ebenda<ref>Das Sterbedatum folgt der Angabe im CPR. Vgl. auch Traueranzeige in der Ostsee-Zeitung vom 7. März 2026, abgerufen am 7. März 2026</ref>) war ein deutscher evangelisch-lutherischer Theologe, Politiker der Blockpartei CDU der DDR und inoffizieller Mitarbeiter der DDR-Staatssicherheit.

Leben

Gert Wendelborn, aus einer Werftarbeiterfamilie stammend, war Sohn des Arbeiters Willi Wendelborn und dessen Frau, der Schneiderin Betti Wendelborn, geb. Wiening. Er wurde 1949 Mitglied der FDJ und studierte von 1953 bis 1958 Theologie an der Universität Rostock.<ref>Siehe dazu den Eintrag der Immatrikulation von Gert Wendelborn im Rostocker Matrikelportal</ref> Nach Promotion in Rostock (1964) und Habilitation an der Universität Jena (1969) war er von 1969 bis 1977 Hochschuldozent für Ökumenische Kirchengeschichte und Angewandte Theologie, ab 1977 außerplanmäßiger Professor für Ökumenik und Neue Kirchengeschichte an der Wilhelm-Pieck-Universität Rostock. Seine Berufung 1969 geschah ohne Beteiligung der Rostocker Theologischen Fakultät „in einem einseitigen Akt des Ministeriums“ und war für die Fakultät „eine böse Überraschung“.<ref>Gert Haendler, zitiert in: Heinrich Holze [Hrsg.]: Die Theologische Fakultät Rostock unter zwei Diktaturen. Studien zur Geschichte 1933–1989; Festschrift für Gert Haendler zum 80. Geburtstag. [Rostocker theologische Studien; 13]. LIT Verlag, Berlin, Hamburg, Münster 2004. ISBN 978-3-8258-6887-1. S. 223.</ref> Im Sommer 1989 wurde er entgegen dem Vorschlag der Fakultät ordentlicher Professor für Kirchengeschichte; 1992 wurde er nach Überprüfung seiner Stasi-Tätigkeit durch eine Ehrenkommission aus dem Universitätsdienst entlassen.<ref>Gert Wendelborn: Warum ich als bewußter Christ gern in der DDR lebte und arbeitete, abgerufen am 26. Oktober 2009.</ref> Sein Nachfolger wurde Friedhelm Winkelmann, den die Fakultät bereits 1988 hatte berufen wollen.

Wendelborn war Mitglied in der Christlichen Friedenskonferenz (CFK) und arbeitete mit in der von ihr einberufenen I. Allchristlichen Friedensversammlung (ACFV) 1961 und in der II. ACFV 1964 in Prag.<ref>Sekretariat der Christlichen Friedenskonferenz [Hrsg.]: ... und Friede auf Erden. Praha 1961; Internationales Sekretariat der Christlichen Friedenskonferenz [Hrsg.]: Mein Bund ist Leben und Frieden (Mal.2,5). Dokumente und Materialien der II. Allchristlichen Friedensversammlung in Prag, 28. Juni bis 3. Juli 1964, Praha 1964.</ref>

Er publizierte wissenschaftliche Arbeiten über Joachim von Fiore (1974), Franziskus von Assisi (1977), Martin Luther (1983) und Bernhard von Clairvaux (1993).<ref>Jens Langer: Rezension zu: Friedrich-Martin Balzer, Christian Stappenbeck [Hrsg.]: Sie haben das Recht zur Revolution bejaht. Christen in der DDR. Ein Beitrag zu 50 Jahre „Darmstädter Wort“ (Pahl-Rugenstein, Bonn 1997). In: Utopie Kreativ. Diskussion sozialistischer Alternativen 88 (1998), S. 94–95 (Digitalisat, pdf; 115 kB), abgerufen am 26. Oktober 2009.</ref>

Politik

Er war seit 1962 Mitglied der Christlich-Demokratischen Union Deutschlands in der DDR, später Mitglied des Hauptvorstandes der CDU.

Wendelborn war Bezirkstags-, dann Volkskammerabgeordneter der DDR in der 7. Wahlperiode (1976–1981), 8. Wahlperiode (1981–1986) und 9. Wahlperiode (1986–1990); der 10. Wahlperiode 1990 nach der ersten freien Wahl gehörte er nicht mehr an. Seit 1981 war er Mitglied des Ausschusses für Auswärtige Angelegenheiten der Volkskammer.

Er war stellvertretender Bezirksausschuss-Vorsitzender der Nationalen Front. Neben seinem Engagement im Weltfriedensrat war er Vizepräsident des Friedensrates der DDR, dessen Mitglied er seit 1966 war.

Inoffizieller Mitarbeiter der Staatssicherheit

Wendelborn unterschrieb am 12. August 1959 eine Verpflichtungserklärung und wurde ab 1960 vom Ministerium für Staatssicherheit als IMS Heinz Graf geführt.<ref>Clemens Vollnhals: Die Kirchenpolitik von SED und Staatssicherheit: eine Zwischenbilanz. Analysen und Dokumente 7; Berlin: Ch. Links Verlag, 1996; ISBN 978-3-86153-122-7; S. 282 Anm. 100.</ref> Er berichtete bis 1989 regelmäßig und ausführlich, nach Einschätzung des Kirchengeschichtlers Gert Haendler „ohne jede Rücksichtnahme“,<ref>Gert Haendler, in: Heinrich Holze [Hrsg.]: Die Theologische Fakultät Rostock unter zwei Diktaturen. Studien zur Geschichte 1933–1989; Festschrift für Gert Haendler zum 80. Geburtstag. [Rostocker theologische Studien; 13]. LIT Verlag, Berlin, Hamburg, Münster 2004. ISBN 978-3-8258-6887-1. S. 205.</ref> über die Ost-CDU und über Rostocker Fakultätskollegen.

Ehrungen in der DDR

Schriften

  • Gott und Geschichte. Joachim von Fiore und die Hoffnung der Christenheit; Leipzig: Koehler und Amelang, 1974; Wien, Köln: Böhlau, 1974; ISBN 3-20500-516-3
  • Franziskus von Assisi. Eine historische Darstellung; Leipzig: Koehler & Amelang, 19822; ISBN 3-20500-525-2
  • Martin Luther. Leben und reformatorisches Werk; Berlin: Union Verlag, 1983; Wien, Köln, Graz: Böhlau, 1983; ISBN 3-20500-542-2
  • mit Gerhard Brendler, Katharina Flügel: Geschichte und Gestalt; Berlin: Bvu Buchverlag Union 19892; ISBN 3-37200-086-2
  • mit Friedrich-Martin Balzer: Miszellen zur Geschichte des deutschen Protestantismus. Gegen den Strom. Marburg: Verlag Arbeit und Gesellschaft, 1990; ISBN 3-89419-018-3
  • Bernhard von Clairvaux. Ein großer Zisterzienser in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts; Frankfurt am Main u. a.: Lang, 1993; ISBN 3-63145-557-7
  • mit Friedrich-Martin Balzer: Wir sind keine stummen Hunde. Heinz Kappes (1893–1988). Christ und Sozialist in der Weimarer Republik; Bonn: Pahl-Rugenstein, 1994; ISBN 3-89144-197-5
  • Christentum und Sozialismus. Als Theologieprofessor in der DDR, hrsg. von Friedrich-Martin Balzer, Bonn 2010, 198 Seiten, ISBN 978-3-89144-428-3

Literatur

  • Friedrich-Martin Balzer [Hrsg.]: Gert Wendelborn für Einsteiger und Fortgeschrittene. Enthält u. a. „Martin Luther. Leben und reformatorisches Werk“ und Gesamtbibliographie mit rund 500 Titeln. CD-Rom. Bonn 2005<ref>Friedrich Martin Balzer: Publikationen, friedrich-martin-balzer.de, abgerufen am 26. Oktober 2009.</ref>
  • Ernst-Rüdiger Kiesow: Theologen in der sozialistischen Universität. Persönliche Erinnerungen und Dokumente 1965–1991. Historisches Institut der Universität, Rostock 2000. ISBN 3-86009-184-0
  • Friedemann Stengel: Die Theologischen Fakultäten in der DDR als Problem der Kirchen- und Hochschulpolitik des SED-Staates bis zu ihrer Umwandlung in Sektionen 1970/71. Leipzig 1998. 824 Seiten. ISBN 3-374-01708-8

Weblinks

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Einzelnachweise

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