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Gerichtsbezirk Görkau

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Ehemaliger Gerichtsbezirk
Görkau
(tschechisch: soudní okres Jirkov)
Basisdaten
Kronland Böhmen
Bezirk Komotau
Sitz des Gerichts Görkau (Jirkov)
Vorlage:Infobox Gerichtsbezirk/Wartung/Keine Kennziffer
zuständiges Landesgericht  Brüx
Fläche 203,87 km2
(1910)
Einwohner 25,579
Aufgelöst 1949
Abgetreten an Tschechoslowakei


Der Gerichtsbezirk Görkau (tschechisch: soudní okres Jirkov) war ein dem Bezirksgericht Görkau unterstehender Gerichtsbezirk im Kronland Böhmen. Er umfasste Gebiete im Nordwesten Böhmens im Okres Chomutov. Zentrum des Gerichtsbezirks war die Stadt Görkau (Jirkov). Das Gebiet gehörte seit 1918 zur neu gegründeten Tschechoslowakei und ist seit 1993 Teil der Tschechischen Republik.

Geschichte

Die ursprüngliche Patrimonialgerichtsbarkeit wurde im Kaisertum Österreich nach den Revolutionsjahren 1848/49 aufgehoben. An ihre Stelle traten die Bezirks-, Landes- und Oberlandesgerichte, die nach den Grundzüge des Justizministers geplant und deren Schaffung am 6. Juli 1849 von Kaiser Franz Joseph I. genehmigt wurde.<ref>Landes-Gesetz- und Regierungs-Blatt für das Kronland Böhmen (Dritte Abtheilung des Ergänzungs-Bandes) 1849, Nr. 110: „Organisirung der Gerichte in dem Kronlande Böhmen.“</ref> Der Gerichtsbezirk Görkau gehörte zunächst zum Kreis Saaz und umfasste 1854 die 39 Katastralgemeinden Bartelsdorf, Bernau, Eisenberg, Gabrielahütten, Gersdorf, Görkau, Göttersdorf, Hannersdorf, Holschitz, Kaitz, Kallich, Kienhaid, Kleinpriesen, Kunnersdorf, Natschung, Neuhaus, Neundorf an der Biela, Pahlet, Pirken, Platten, Pößwitz, Quinau, Rodenau, Rothenhaus, Sadschitz, Schergau, Schimberg, Schößl, Seestadtl, Sperbersdorf, Stolzenhan, Trubschitz, Tschernitz, Türmaul, Udwitz, Uhrissen, Ukkern, Ulbersdorf und Wurzmes.<ref>Landes-Regierungs-Blatt für das Königreich Böhmen 1854, I. Abtheilung, XLVII. Stück, Nr. 277: „Verordnung der Ministerien des Inneren, der Justiz und der Finanzen vom 9. Oktober 1854, betreffen die politische und gerichtliche Organisirung des Königreichs Böhmen“</ref>

Der Gerichtsbezirk Görkau bildete im Zuge der Trennung der politischen von der judikativen Verwaltung<ref>Reichs-Gesetz-Blatt für das Kaiserthum Oesterreich. Jahrgang 1868, XVII. Stück, Nr. 44. „Gesetz vom 19. Mai 1868 über die Einrichtung der politischen Verwaltungsbehörden in den Königreichen ...“</ref> ab 1868 gemeinsam mit den Gerichtsbezirken Komotau (Chomutov) und Sebastiansberg den Bezirk Komotau.<ref>Reichs-Gesetz-Blatt für das Kaiserthum Oesterreich. Jahrgang 1868, XLI. Stück, Nr. 101: Verordnung vom 10. Juli 1868, die Durchführung des Gesetzes vom 19. Mai 1868 (Reichs-Gesetz-Blatt Nr. 44) in Böhmen, Dalmatien, Oesterreich unter und ob der Enns, Steiermark, Kärnthen, Bukowina, Mähren, Schlesien, Tirol und Vorarlberg, Istrien, Görz und Gradiska betreffend.</ref>

Im Gerichtsbezirk Görkau lebten 1869 16.834 Menschen,<ref>Böhmische k. k. Statthalterei (Hrsg.): Orts-Repertorium des Königreiches Böhmen. Mit Benützung der von der k .k. statistischen Central-Commission zusammengestellten Ergebnisse der Volkszählung vom 31. Dezember 1869 herausgegeben. Prag 1872, S. 8</ref> 1900 waren es 22.201 Personen.<ref>C.k. místodržitelství (Hrsg.): Seznam míst v Království českém. K rozkazu c. k. místodržitelství na základě úřadních udání sestaven. Prag 1907, S. 112</ref>

Zum 1. Juli 1903 wechselten Kienhaid und Natschung in den Gerichtsbezirk Sebastiansberg.<ref>Reichsgesetzbl. 1903, VII. Stück, Nr. 16, S. 25 Digitalisat</ref>

Der Gerichtsbezirk Görkau wies 1910 eine Bevölkerung von 25.579 Personen auf, von denen 23.886 Deutsch und lediglich 1.310 Tschechisch als Umgangssprache angaben. Im Gerichtsbezirk lebten zudem 383 Anderssprachige oder Staatsfremde.<ref>k.k. Statistische Zentralkommission (Hrsg.): Spezialortsrepertorium von Böhmen. Bearbeitet auf Grund der Ergebnisse der Volkszählung vom 31. Dezember 1910. Wien 1915, S. 184</ref>

Durch die Grenzbestimmungen des am 10. September 1919 abgeschlossenen Vertrages von Saint-Germain kam der Gerichtsbezirk Görkau vollständig zur neugegründeten Tschechoslowakei, wobei die Gerichtseinteilung bis 1938 im Wesentlichen bestehen blieb. Nach dem Münchner Abkommen wurde das Gebiet dem Landkreises Komotau bzw. dem Sudetenland zugeschlagen.

Der Gerichtsbezirk Jirkov wurde zum 1. Februar 1949 aufgelöst.<ref>Nařízení č. 11/1949 Sb. (Verordnung des Justizministers zur Festlegung der Sitze der Regionalgerichte sowie der Sitze und Bezirke der Bezirksgerichte; vgl. § 4 Abs. 2 und Beil.) Digitalisat</ref> Sein Gebiet kam zu den Bezirken Litvínov und Chomutov.<ref>Nařízení vlády č. 3/1949 Sb. (Regierungsverordnung zur territorialen Gliederung der Bezirke in Böhmen; vgl. Beil. zu § 15, 5. Punkt Nr. 4 und 5) Digitalisat</ref>

Nach der Auflösung des Bezirks Litvínov 1960 wurde das Gebiet vollständig Teil des Okres Chomutov, zu dem es bis heute gehört. Nachdem die Bezirksbehörden im Zuge einer Verwaltungsreform 2003 ihre Verwaltungskompetenzen verloren, werden diese von den Gemeinden bzw. dem Ústecký kraj wahrgenommen.

Gerichtssprengel

Der Gerichtssprengel umfasste Ende 1914 die 28 Gemeinden Bartelsdorf (Dřínov), Bernau (Zákoutí), Gersdorf (Gerštorf), Görkau (Jirkov), Göttersdorf (Boleboř), Holschitz (Holešice), Kallich (Kalek), Kleinpriesen (Malé Březno), Kunnersdorf (Kundratice), Neundorf an der Biela (Novosedly nad Bělou), Pirken (Březenec), Platten (Blatno), Pößwitz (Pesvice), Quinau (Květnov), Rodenau (Radenov), Rothenhaus (Červený Hrádek), Schergau (Šerchov), Schößl (Všestudy), Seestadtl (Ervěnice), Sperbersdorf (Hrádečná), Stolzenhan (Pyšná), Trupschitz (Strupčice), Türmaul (Drmaly), Udwitz (Otvice), Uhrissen (Orasín), Ukkern (Okořín), Ulbersdorf (Albrechtice) und Wurzmes (Vrskmaň).

Einzelnachweise

<references />

Literatur

  • k. k. Statistische Zentralkommission (Hrsg.): Spezialortsrepertorium von Böhmen. Bearbeitet auf Grund der Ergebnisse der Volkszählung vom 31. Dezember 1910. Wien 1915 (Spezialortsrepertorien der österreichischen Länder)

Vorlage:Klappleiste/Anfang Adlerkosteletz | Arnau | Asch | Auscha | Außig | Bad Königswart | Bechin | Beneschau | Bensen | Beraun | Bergreichenstein | Bilin | Bischofteinitz | Blatna | Blowitz | Böhmisch Aicha | Böhmisch Brod | Böhmisch Kamnitz | Böhmisch Leipa | Böhmisch Skalitz | Brandeis an der Elbe | Braunau | Březnitz | Brüx | Buchau | Budweis | Časlau | Chlumetz | Chotěboř | Chrudim | Dauba | Deutsch Gabel | Deutschbrod | Dobřiš | Dobrzan | Duppau | Dux | Eger | Eipel | Eisenbrod | Elbogen | Eule | Falkenau | Frauenberg | Friedland | Gablonz an der Neiße | Görkau | Graslitz | Gratzen | Grulich | Habern | Haida | Hainspach | Hartmanitz | Hlinsko | Hochstadt an der Iser | Hohenelbe | Hohenfurth | Hohenmauth | Holitz | Horažďowitz | Hořitz | Hořowitz | Hostau | Humpoletz | Jaroměř | Jechnitz | Jičin | Jungbunzlau | Jungwoschitz | Kaaden | Kalsching | Kamenitz an der Linde | Kaplitz | Karbitz | Karlsbad | Karolinenthal | Katharinaberg | Kauřim | Kladno | Klattau | Kohljanowitz | Kolin | Komotau | Königgrätz | Königinhof an der Elbe | Königliche Weinberge | Königsaal | Königstadtl | Kralowitz | Kralup an der Moldau | Kratzau | Krumau | Kuttenberg | Landskron | Laun | Ledeč | Leitmeritz | Leitomischl | Liban | Libochowitz | Lischau | Lobositz | Lomnitz an der Lainsitz | Lomnitz an der Popelka | Luditz | Manetin | Marienbad | Marschendorf | Melnik | Mies | Mirowitz | Moldauthein | Mühlhausen | Münchengrätz | Nachod | Nassaberg | Nechanitz | Nepomuk | Netolitz | Neubenatek | Neubistritz | Neubydžow | Neudek | Neuern | Neugedein | Neuhaus | Neupaka | Neustadt an der Mettau | Neustadt an der Tafelfichte | Neustraschitz | Neweklau | Niemes | Nimburg | Nusle | Oberleutensdorf | Oberplan | Opočno | Pardubitz | Patzau | Petschau | Pfraumberg | Pilgram | Pilsen | Pisek | Plan | Planitz | Platten | Počatek | Poděbrad | Podersam | Polička | Politz | Polna | Postelberg | Prachatitz | Prag-Altstadt | Prag-Josefstadt | Prag-Kleinseite | Prag-Obere Neustadt | Prag-Untere Neustadt | Přelauč | Preßnitz | Přestitz | Příbram | Přibyslau | Pürglitz | Rakonitz | Raudnitz | Reichenau an der Kněžna | Reichenberg | Říčan | Rochlitz an der Iser | Rokitnitz | Rokycan | Ronsperg | Rumburg | Saaz | Sankt Joachimsthal | Schatzlar | Schlan | Schluckenau | Schüttenhofen | Schwarzkosteletz | Schweinitz | Sebastiansberg | Sedletz | Selčan | Semil | Senftenberg | Skutsch | Smichow | Soběslau | Sobotka | Staab | Starkenbach | Stecken | Strakonitz | Tabor | Tachau | Tannwald | Taus | Tepl | Teplitz-Schönau | Tetschen | Trautenau | Turnau | Tuschkau | Unhošt | Unterkralowitz | Wallern | Warnsdorf | Wegstädtl | Weipert | Weißwasser | Wekelsdorf | Welwarn | Weseli an der Lainsitz | Weseritz | Wildenschwert | Wildstein | Winterberg | Wittingau | Wlašim | Wodňan | Wolin | Wotitz | Wrschowitz | Zbirow | Žižkov | Zwickau Vorlage:Klappleiste/Ende