Zum Inhalt springen

Gerhard Schwarz (Kirchenmusiker)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Gerhard Schwarz (* 22. August 1902 in Reußendorf (bei Waldenburg), Schlesien; † 13. Oktober 1994<ref>Musiker, Lehrer, Anreger. Zum Tode von Gerhard Schwarz. In: Der Weg, Rheinischer Teil. Band 1994, Nr. 48, S. 4.</ref> in der Kommunität Imshausen bei Bebra) war ein deutscher Kirchenmusiker, Organist und Komponist.

Leben

Datei:Gedenktafel Schönwalder Allee 26 (Haken) Heinrich Schütz Haus.jpg
Gedenktafel am „Janusz-Korczak-Haus“, Schönwalder Allee 26, in Berlin-Hakenfelde

Schwarz studierte nach dem Abitur, das er 1922 in Waldenburg abgelegt hatte, von 1923 bis 1927 Kirchen- und Schulmusik sowie Philosophie und Musikwissenschaft in Berlin.<ref>Gerhard Luchterhandt: Zwischen Volksmusik und Zwölftonreihe. Biographisches zu Gerhard Schwarz. In: Ulrich Cyganek, Gerhard Luchterhand (Hrsg.): Von der Singbewegung zur neuen Musik. Festschrift zum 100. Geburtstag von Gerhard Schwarz (1902–1994). Düsseldorf 2002, S. 3.</ref> Sein Orgellehrer war Fritz Heitmann. Durch seinen Chorleitungsdozenten Fritz Jöde kam er in Kontakt mit der Singbewegung.<ref>Gerhard Luchterhandt: Zwischen Volksmusik und Zwölftonreihe. Biographisches zu Gerhard Schwarz. In: Ulrich Cyganek, Gerhard Luchterhand (Hrsg.): Von der Singbewegung zur neuen Musik. Festschrift zum 100. Geburtstag von Gerhard Schwarz (1902–1994). Düsseldorf 2002, S. 1.</ref> Zum 1. Februar 1928 wurde er Organist an der Neuen Kirche, dem so genannten Deutschen Dom am Berliner Gendarmenmarkt. Im gleichen Jahr begann seine Lehrtätigkeit an der neu gegründeten Evangelischen Schule für Volksmusik im Spandauer Johannesstift, deren Leitung er zum 1. April 1929 übernahm.<ref>Gerhard Schwarz: Aufstellung „Kirchenamtliche Tätigkeiten“. Typoskript, Eingangsstempel 20. April 1949, Archivnummer 5285 innerhalb der Personalakte Gerhard Schwarz, aufbewahrt im Landeskirchlichen Archiv Düsseldorf.</ref> 1930 wurde unter seiner Leitung dann die Berliner Kirchenmusikschule im Johannesstift eingerichtet, an die auf Schwarz’ Betreiben zuerst Hugo Distler, später dann Ernst Pepping als Dozenten berufen wurden.<ref>Gerhard Luchterhandt: Zwischen Volksmusik und Zwölftonreihe. Biographisches zu Gerhard Schwarz. In: Ulrich Cyganek, Gerhard Luchterhand (Hrsg.): Von der Singbewegung zur neuen Musik. Festschrift zum 100. Geburtstag von Gerhard Schwarz (1902–1994). Düsseldorf 2002, S. 1.</ref> Am 1. November 1932 wurde Schwarz Mitglied der NSDAP (Mitgliedsnummer 1.467.044).<ref name="Prieberg">Fred K. Prieberg: Handbuch Deutsche Musiker 1933–1945. CD-ROM-Lexikon, 2. Auflage. Kiel 2009, S. 6905.</ref>

Nach der „Machtergreifung“ der Nationalsozialisten bearbeitete er das Fahnenlied der NSDAP und komponierte in der Folge verschiedene Gebrauchsmusikstücke im Sinne des Nationalsozialismus.<ref name="Klee558">Ernst Klee: Das Kulturlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. Fischer, Frankfurt am Main 2007, ISBN 978-3-10-039326-5, S. 558.</ref> 1934 wurde er Sachbearbeiter beim Reichsjugendpfarrer. Daneben war er Musikreferent beim Oberbann Süd der Hitlerjugend der „Kurmark“<ref name="Prieberg" />. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde in der Sowjetischen Besatzungszone Schwarzens Liederbuch Eine Trommel geht in Deutschland um (Bärenreiter-Verlag, Kassel 1935) auf die Liste der auszusondernden Literatur gesetzt.<ref>http://www.polunbi.de/bibliothek/1948-nslit-s.html</ref>

Im Juli 1935 musste Schwarz alle Ämter aufgeben, da gegen ihn eine Haftstrafe wegen Verstoßes gegen den Paragraphen 175 des Strafgesetzbuches verhängt wurde.<ref>Gerhard Luchterhandt: Zwischen Volksmusik und Zwölftonreihe. Biographisches zu Gerhard Schwarz. In: Ulrich Cyganek, Gerhard Luchterhand (Hrsg.): Von der Singbewegung zur neuen Musik. Festschrift zum 100. Geburtstag von Gerhard Schwarz (1902–1994). Düsseldorf 2002, S. 5 f.</ref><ref name="Klee558"></ref> Im Februar 1941 wurde er zur Wehrmacht eingezogen, der er bis 1945 angehörte. Er diente als Gefreiter beim schlesischen Landes-Schützen-Bataillon 590 und war unter anderem in Schweidnitz zur Bewachung von Gefangenen eingesetzt. Von Juli 1944 bis Mitte Oktober 1945 amtierte er nominell als Organist an der Kirche Sankt Bernhard in Breslau. Da die Kirche jedoch kriegszerstört war, beauftragte ihn die Evangelische Kirchenleitung für Ober- und Niederschlesien mit der ständigen Beratung in kirchenmusikalischen Fragen und ernannte ihn zum „Kirchenmusikrat“. Die Zwangaussiedlungen aus Schlesien hatten zu jener Zeit bereits begonnen, weshalb Schwarz bis Juli 1947 in Waldenburg blieb.<ref>Gerhard Schwarz: Tätigkeitsbericht seit dem II. Weltkrieg. Anlage 1 zur Aufstellung „Kirchenamtliche Tätigkeiten“. Typoskript, Eingangsstempel 20. April 1949, Archivnummer 5285 innerhalb der Personalakte Gerhard Schwarz, aufbewahrt im Landeskirchlichen Archiv Düsseldorf.</ref> Selbst zwangsausgesiedelt, kam er zuerst nach Erfurt, wo ihn die Gemeinde der Predigerkirche als Organist zu gewinnen suchte.<ref>Gerhard Schwarz: Tätigkeitsbericht seit dem II. Weltkrieg. Anlage 1 zur Aufstellung „Kirchenamtliche Tätigkeiten“. Typoskript, Eingangsstempel 20. April 1949, Archivnummer 5285 innerhalb der Personalakte Gerhard Schwarz, aufbewahrt im Landeskirchlichen Archiv Düsseldorf.</ref> Auf Betreiben von Oskar Söhngen wurde er jedoch zum 1. September 1947 zum Landessingwart der Kirchenprovinz Berlin-Brandenburg ernannt. Mit diesem Amt war eine Lehrtätigkeit sowohl an der Spandauer Musikschule und der Berliner Musikhochschule als auch ein Lehrauftrag an der Leipziger Musikhochschule verbunden. Karl Straube versuchte Schwarz für eine hauptamtliche Tätigkeit in Leipzig zu gewinnen, was Schwarz jedoch ablehnte.<ref>Gerhard Schwarz: Tätigkeitsbericht seit dem II. Weltkrieg. Anlage 1 zur Aufstellung „Kirchenamtliche Tätigkeiten“. Typoskript, Eingangsstempel 20. April 1949, Archivnummer 5285 innerhalb der Personalakte Gerhard Schwarz, aufbewahrt im Landeskirchlichen Archiv Düsseldorf.</ref> Im November 1948 endete Schwarz' Berliner Verpflichtung, da ihn die Evangelische Kirche im Rheinland zum Leiter ihrer neu zu gründenden Landeskirchenmusikschule bestimmt hatte, die im April 1949 eröffnet wurde. Bereits zum 1. Februar 1949 hatte Schwarz das Amt des Organisten an der Düsseldorfer Johanneskirche angetreten, wobei die Gemeinde bis zur Wiedereröffnung der kriegszerstörten Kirche im Jahre 1953 ihre Gottesdienste in der Neanderkirche feierte.<ref>Wolfgang Horn: Der Kirchenmusik entscheidende Impulse gegeben. Professor Schwarz feierte 75. Geburtstag – „Sommerliches Orgelkonzert“ Ehren des Jubilars. In: Der Weg. Band 1977, Nr. 36, S. o. S.</ref> Den Einbau der 1954 in Dienst gestellten Orgel aus der Werkstatt Rudolf von Beckerath in der Johanneskirche begleitete Schwarz sehr eng.<ref>Gerhard Luchterhandt: Zwischen Volksmusik und Zwölftonreihe. Biographisches zu Gerhard Schwarz. In: Ulrich Cyganek, Gerhard Luchterhand (Hrsg.): Von der Singbewegung zur neuen Musik. Festschrift zum 100. Geburtstag von Gerhard Schwarz (1902–1994). Düsseldorf 2002, S. 5 f.</ref> 1951 wurde er zum Landeskirchenmusikdirektor ernannt, 1960 heiratete Schwarz die Sängerin Christa Walter (bürgerlich Margarete Schiller) und wurde im selben Jahr vom Kultusminister des Landes Nordrhein-Westfalen zum Professor ernannt. An der Hochschule für Musik Köln unterrichtete er ab 1949 im Fach liturgisches Orgelspiel und Improvisation. Nach Erreichen des Rentenalters wurde Schwarz im Oktober 1967 in den Ruhestand verabschiedet.<ref>Gerhard Luchterhandt: Zwischen Volksmusik und Zwölftonreihe. Biographisches zu Gerhard Schwarz. In: Ulrich Cyganek, Gerhard Luchterhand (Hrsg.): Von der Singbewegung zur neuen Musik. Festschrift zum 100. Geburtstag von Gerhard Schwarz (1902–1994). Düsseldorf 2002, S. 13.</ref> Seine Nachfolgerin an der Düsseldorfer Johanneskirche wurde 1967 Almut Rößler. Schwarz übersiedelte nach Göttingen-Herberhausen, wo der Bruder seiner Ehefrau als Pfarrer wirkte.<ref>Gerhard Luchterhandt: Zwischen Volksmusik und Zwölftonreihe. Biographisches zu Gerhard Schwarz. In: Ulrich Cyganek, Gerhard Luchterhand (Hrsg.): Von der Singbewegung zur neuen Musik. Festschrift zum 100. Geburtstag von Gerhard Schwarz (1902–1994). Düsseldorf 2002, S. 13.</ref> 1992 übersiedelten die Eheleute Schwarz in die Kommunität Imhausen. Beigesetzt wurde Gerhard Schwarz auf dem Friedhof in Herberhausen.<ref>Gerhard Luchterhandt: Zwischen Volksmusik und Zwölftonreihe. Biographisches zu Gerhard Schwarz. In: Ulrich Cyganek, Gerhard Luchterhand (Hrsg.): Von der Singbewegung zur neuen Musik. Festschrift zum 100. Geburtstag von Gerhard Schwarz (1902–1994). Düsseldorf 2002, S. 15.</ref>

Schwarz schrieb die Melodie zu Kurt Müller-Ostens Weihnachtslied Also liebt Gott die arge Welt, die im Evangelischen Gesangbuch die Nummer 51 trägt.

Werke (Auswahl)

  • Die Weihnachtsgeschichte, für Soli, Chor und Instrumente (1940)
  • Osterkantate „Da der Sabbat vergangen war“ (1941)
  • Ihr habt nicht einen knechtischen Geist empfangen. Geistliches Konzert I (1949)
  • Ich vermahne euch aber. Geistliches Konzert II (1948)
  • Geschichte vom verlornen Sohn (Du hast meine Klage verwandelt), für Chor und Instrumente (1957)
  • Psalmen und Antiphonen – Seligpreisungen – Magnificat, für Chor, Gemeinde, Instrument ad libitum (1960)
  • Der Turmbau zu Babel, Oratorium für Soli, Chor und Orchester (1966)
  • Kleiner Kalender. Zwölf Chorlieder nach Gedichten von Josef Weinheber (1938)
  • Stimme der Heimat. Ein schlesischer Liederkreis nach Gedichten aus Friedrich Bischoffs „Füllhorn“ (1942)
  • Lieb und Leid. 14 Chorlieder nach Gedichten von Clemens Brentano (1943)
  • Chorlieder zu vier Stimmen nach Gedichten von Theodor Storm
  • Eichendorff-Gesänge, für zwei- bis sechsstimmigen Männerchor (1967)

Weblinks

Commons: Gerhard Schwarz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Literatur

  • Gerhard Schwarz. Eine Selbstdarstellung. In: Zeitgenössische schlesische Komponisten. Eine Dokumentation. Laumann, Dülmen 2002, S. 75–87 (Werkverzeichnis 183–198).
  • Ulrich Cyganek, Gerhard Luchterhandt (Hrsg.): Von der Singbewegung zur neuen Musik: Festschrift zum 100. Geburtstag von Gerhard Schwarz (1902–1994). Bärenreiter, Kassel 2002.
  • Fred K. Prieberg: Handbuch Deutsche Musiker 1933–1945. CD-ROM-Lexikon, 2. Auflage. Kiel 2009, S. 6905–6915 (online).

Einzelnachweise

<references />

Vorlage:Hinweisbaustein