Datei:Gerersdorf im Bezirk St. Pölten.svg | zentriert|rahmenlos | 305x305px | Lage der Gemeinde Gerersdorf (Niederösterreich) im Bezirk St. Pölten (anklickbare Karte)
Gerersdorf liegt im Mostviertel in Niederösterreich. Die Fläche der Gemeinde umfasst 13,66 Quadratkilometer, etwa drei Prozent der Fläche ist bewaldet.
Das ganze Gemeindegebiet gehört zum Einzugsgebiet der Pielach. Von Norden nach Süden misst die Gemeinde 6 km, von Osten nach Westen beträgt die Ausdehnung ca. 4 km. Die Seehöhen bewegen sich zwischen 254 m in Hetzersdorf und 312 m beim Pummersdorfer Kreuz. Bei der Kirche sind es 290 m. Der höchste Punkt der Gemeinde ist der Kirchturm und dieser liegt bei 330 m.
Die durchschnittliche Menge an Niederschlag eines Jahres beträgt etwa 650 mm, der größte Niederschlag wurde 2002 gemessen (872 mm), der niedrigste Wert war 1994 mit 498 mm.
Gerersdorf grenzt im Osten an St. Pölten, im Süden an Ober-Grafendorf, im Südwesten an Markersdorf-Haindorf, im Westen an Prinzersdorf und Hafnerbach sowie im Norden an Neidling.
Die erste Erwähnung der Gemeinde datiert auf das Jahr 1040 mit dem damaligen Namen Geroltestorff. Im Jahre 1313 wurde die Pfarre Gerersdorf erstmals urkundlich erwähnt. Bis zum Jahre 1150 sind alle Orte im Gemeindegebiet bereits gegründet worden.
Nach der Aufhebung der Grunduntertänigkeit der Bauern durch den Reichstag am 7. September 1848 wurde im Reichsgemeindegesetz vom 17. März 1849 verfügt, das eine oder mehrere Katastralgemeinden zu Gemeinden zusammengefasst werden sollten. Nach Möglichkeit sollten die Gemeinden das Gebiet der Pfarrgemeinden abdecken.
Im Jahre 1850 wurde nach dem provisorischen Gemeindegesetz von 1849 aus 15 Katastralgemeinden die Gemeinde Gerersdorf. Das Gemeindegebiet umfasste das Gebiet der Pfarre Gerersdorf. Folgende Ortschaften waren Teil der neuen Gemeinde: Gerersdorf, Eggsdorf, Stainingsdorf, Loipersdorf, Völlerndorf, Matzersdorf, Salau, Uttendorf, Prinzersdorf, Weitendorf, Hetzersdorf, Hofing, Distelburg, Friesing, Grillenhöfe und Jägerhöfe. Auf 18,1 km² lebten damals 894 Einwohner. Erster Bürgermeister von Gerersdorf wurde Johann Staindl.
1868 wurde die Pfarrschule Gerersdorf auf Grund des Reichsschulgesetz zur Volksschule Gerersdorf – ab diesen Zeitpunkt fiel die Erhaltung des Gebäudes in den Aufgabenbereich der Gemeinde. 20 Jahre später kam es zur Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Gerersdorf. 1925 wurde das Gemeindehaus gebaut. Laut Adressbuch von Österreich waren im Jahr 1938 in der Ortsgemeinde Gerersdorf zwei Gastwirte, zwei Gemischtwarenhändler, ein Sattler, ein Schmied, zwei Schneider, ein Schuster, ein Tischler, ein Wagner und einige Landwirte ansässig.<ref>Adressbuch von Österreich für Industrie, Handel, Gewerbe und Landwirtschaft, Herold Vereinigte Anzeigen-Gesellschaft, 12. Ausgabe, Wien 1938 PDF, S. 250</ref>
Das Jahr 1950 war das Jahr der ersten „Gebietsverluste“. Prinzersdorf und Uttendorf bilden eine eigene Gemeinde – die Gemeinde Prinzersdorf und Matzersdorf schlossen sich der Gemeinde Pummersdorf an.
Am 1. Jänner 1972 wurde laut dem Niederösterreichischen Landesgesetz die Gemeinde Gerersdorf aufgelöst und zwischen St. Pölten und Prinzersdorf aufgeteilt.<ref>Vorlage:StatistikAustria Gemeindeänderungen</ref> Der letzte Bürgermeister der Gemeinde vor der Auflösung war Johann Dangl. Dieser wurde 1972 zu einem Gemeinderat in der Stadt St. Pölten und war verantwortlich dafür, dass im Stadtbereich Gerersdorf verschiedene Vorhaben durch- und umgesetzt wurden.
Die Aufteilung der Katastralgemeinden war wie folgt: Hetzersdorf, Weitendorf, Distelburg, Grillenhöfe, Friesing, Hofing, Gerersdorf, Stainingsdorf und Eggsdorf kamen zur Stadtgemeinde St. Pölten. Völlerndorf, Loipersdorf und Salau wurden Teil der 1950 gegründeten Gemeinde Prinzersdorf.
Den Gerersdorfern passte die verlorene Unabhängigkeit überhaupt nicht – eine über Jahrhunderte bestehende Gemeinschaft wurde aufgelöst. In der ehemaligen Gemeinde regte sich Widerstand. Angeführt von Helmut Lechner und Hans Mayer wurde recherchiert und man versuchte dem Beispiel der Gemeinde Alberndorf im Pulkautal zu folgen. Alberndorf schaffte es 1977 wieder unabhängig zu werden (die Fusionierung mit Haugsdorf wurde als verfassungswidrig aufgehoben).<ref>Vorlage:StatistikAustria Gemeindeänderungen</ref>
Eine Befragung der Bevölkerung ergab, dass 78 % der Wahlberechtigten für eine Wiederherstellung der Gemeinde Gerersdorf waren. Im Juni 1978 wurde die Beschwerde beim Verfassungsgerichtshof eingebracht. Am 27. April 1981 stand schließlich fest: Gerersdorf wird mit Ende des 31. Dezember 1981 wieder frei sein.<ref>Vorlage:StatistikAustria Gemeindeänderungen</ref> Dies wurde am Jahreswechsel zu Silvester in einer großen Silvesterfeier um 0 Uhr verkündet: „Gerersdorf ist frei!“ Die ersten Gemeinderatswahlen nach der Neugründung fanden am 14. März 1982 statt. Erster Bürgermeister der neuen Gemeinde wurde Helmut Lechner.
Am 23. März 1985 verlieh die Niederösterreichische Landesregierung der Gemeinde Gerersdorf das Gemeindewappen. Am 5. Mai 1996 feierte ganz Österreich das 1000-jährige „Bestehen“ des Landes (Erste urkundliche Erwähnung) und Gerersdorf selbst feierte auch Geburtstag – 1200 Jahre Gerersdorf. Die Jahre 1999–2001 brachten im Verkehrswesen der Gemeinde große Änderungen. So wurde die Westbahn dreigleisig und die Bahnhaltestelle Friesing wurde aufgelassen.
Gemeindename
Der Name von Gerersdorf hat sich im Laufe der Jahrhunderte mehrfach geändert. Folgende Namensänderungen im Laufe der Geschichte sind überliefert:<ref>Geschichte Gerersdorf. Gemeinde Gerersdorf, abgerufen am 13. November 2021 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
1040 Geroltestorff
1250 Geroltsdorf
1313 Gerolezsdorf
1380 Gerestorf
1388 Gerolstorff
1393 Geroldstorff
1429 Gereinsdorf
1475 Geroltsdorf
1507 Gerestorf
1591 Gerestorff
Auszug aus dem Heimatbuch Gerersdorf zur Namensherkunft:
Bald darauf dürfte das Kloster St. Pölten errichtet und dessen Umgebung besiedelt worden sein, so auch unser Gemeindegebiet. Nach Gerold II., der von 811 bis 832 Präfekt des Ostlandes war, dürfte der Ortsname „Geroltzsdorf“ stammen, der erstmals um 1040 in einer Schenkungsurkunde des Passauer Bischofs an das Kloster St. Pölten aufscheint.
Nichtlandwirtschaftliche Arbeitsstätten gab es im Jahr 2001 34, land- und forstwirtschaftliche Betriebe nach der Erhebung 1999 52. Die Zahl der Erwerbstätigen am Wohnort betrug nach der Volkszählung 2001 418. Die Erwerbsquote lag 2001 bei 49 Prozent.
Bildung
In Gerersdorf befindet sich ein Kindergarten<ref>Kindergärten in NÖ. NÖ Landesregierung, abgerufen am 8. November 2020.</ref> und eine Volksschule.<ref>Schulensuche. In: Schulen online. Abgerufen am 2. Oktober 2020.</ref>
Verkehr
Straßen
Wiener Straße B 1: führt 3,2 km durch das Gemeindegebiet.
West Autobahn A1: im Süden der Gemeinde (nördlich von Völlerndorf), verläuft 1,4 km durch die Gemeinde. Die Raststation St. Pölten liegt teilweise im Gemeindegebiet.
Landesstraßen: 18,8 km (14 mal über die Gemeindegrenze), verbinden die Ortschaften.
Gemeindestraßen: 5,76 km (im Ort Gerersdorf mit Straßennamen), führen zu allen Häusern der Ortschaften.
Feldwege: 31 km (exklusive 5,5 km Bahnbegleitwege).
Westbahn: früher Kaiserin Elisabeth Bahn, führt 3 km über das Gemeindegebiet, im Süden verläuft die Güterzugumfahrung St. Pölten.
Mariazellerbahn: im Süden des Gemeindegebiets, führt 1,8 km durch die Gemeinde
Politik
Im Gemeinderat gibt es bei insgesamt 15 Sitzen nach der Gemeinderatswahlen in Niederösterreich 2020 folgende Mandatsverteilung:<ref>Gemeinde Gerersdorf, auf noe.gv.at</ref>
Das Gemeindewappen zeigt einerseits im geteilten Schild zwei auseinanderschreitende, überdeckte Löwen, die in seiner Darstellung Teile des Wappens des Chorherrenstiftes St. Pölten sind, das bis zu seiner Aufhebung 1784 die Ortsobrigkeit über die Gemeinde ausgeübt hat. Andererseits soll dieses Wappen durch die Opferschale mit emporschlagenden Flammen den unbedingten Willen seiner Gemeindebürger in einem unabhängigen kommunalen Gemeinwesen zu leben sichtlich zum Ausdruck bringen.
Die abzuleitenden Farben der Gemeindefahne sind „Rot-Gelb-Blau“. Verliehen und gesiegelt wurde dieses Wappen im Niederösterreichischen Landhaus zu Wien am 23. März 1985.