Georges Adéagbo
Georges Adéagbo (* 1942 in Cotonou, Benin – damals Dahomey) ist ein international anerkannter Konzeptkünstler. Seit den frühen 1970er Jahren hat er eine eigenständige Praxis der Assemblage entwickelt, in der er gefundene Objekte, handgeschriebene Texte und von beninischen Handwerkern angefertigte Werke kombiniert. Seine Installationen, die er als ein „Tribunal der Dinge“ bezeichnet, hinterfragen kanonisierte Narrative aus westlicher Perspektive und dekonstruieren Vorstellungen von Zentrum und Peripherie. Sie stellen konsequent einfache Unterscheidungen zwischen populärer und elitärer Kultur, dem Banalen und dem Tiefgründigen sowie dem Sakralen und dem Profanen infrage.<ref>Bhabha, Homi 2004: La Question Adéagbo. In: Friedrich, Julia; König, Kasper (Hg.): DC: Georges Adéagbo. L'explorateur et les explorateurs devant L'histoire de l'exploration...! Le théâtre du monde. Museum Ludwig, Köln, S. 25–29, hier S. 30.</ref><ref>Dagen, Philippe 2025: Georges Adéagbo ou l’art politique du bric-à-brac. Le Monde, 16. Februar 2025.</ref> Adéagbos Arbeiten wurden bei großen internationalen Ausstellungen präsentiert, darunter Documenta 11 in Kassel, die Biennale von Venedig, die Biennale von Johannesburg und die Biennale von São Paulo, sowie in führenden Museen in Europa, Asien und den Vereinigten Staaten. Kuratoren und Kritiker wie Harald Szeemann, Okwui Enwezor, Carolyn Christov-Bakargiev, Hans Ulrich Obrist, Kasper König, Emma Lavigne und Homi K. Bhabha haben seine Praxis als einzigartigen Beitrag zur postkolonialen und dekolonialen Kunst hervorgehoben,<ref>Kravagna, Christian 2001: Georges Adéagbo: Das Pythagoreische Zeitalter. Galerie im Taxispalais. In: Springerin. Hefte zur Gegenwartskunst. Okt.–Dez. 2001, S. 65–66.</ref> wodurch jüngere Generationen geprägt wurden und sie dazu angehalten sind, stereotype Vorstellungen von „afrikanischer Gegenwartskunst“ zu vermeiden. Seine Werke befinden sich in bedeutenden Sammlungen, darunter das Centre Pompidou, die Pinault Collection, das Museum Ludwig, die Hamburger Kunsthalle, das Moderna Museet in Stockholm, das Toyota Municipal Museum of Art sowie das Smithsonian National Museum of African Art. 1999 erhielt Adéagbo eine lobende Erwähnung der Jury der 48. Biennale von Venedig.<ref>48th Venice Biennale, Wikipedia entry</ref> Obwohl Adéagbos internationale Anerkennung an seines Teilnahme an großen Biennalen und seiner Präsenz in Museumssammlungen abzulesen ist, liegt das Momentum seiner Arbeit in einer autonomen künstlerischen Praxis, die er über zwanzig Jahre hinweg unbeachtet in Cotonou entwickelte – ohne jemals für sich zu beanspruchen, ein Künstler zu sein.
Künstlerische Praxis
Adéagbos Installationen entfalten ihre Wirkung durch die wohlüberlegte Assemblage von gefundenen Objekten, handgeschriebenen Texten und von beninischen Handwerkern angefertigten Arbeiten. Auf seinen täglichen Spaziergängen sammelt er „detritus gathered from urban environments“ (Abfall aus urbanen Umgebungen)<ref>Enwezor, Okwui 1996: The Ruined City: Desolation, Rapture and Georges Adeagbo. In: NKA, Journal of Contemporary African Art, Nr. 41, Spring 1996, S. 14–18, hier S. 14. https://read.dukeupress.edu/nka/article-abstract/1996/4/14/48420/THE-RUINED-CITY-DESOLATION-RAPTURE-AND-GEORGES?redirectedFrom=fulltext</ref> – Dinge, die ihn „rufen“<ref>Rush, Dana 2013: Vodun in Coastal Benin. Unfinished, Open-Ended, Global. Nashville: Vanderbilt University Press, S. 25.</ref> – und arrangiert sie später in komplexen Konstellationen, die persönliches mit kollektivem Gedächtnis verbinden. In seinen Texten diskutiert er, wie die Beobachtung der Konsequenzen menschlichen Handelns helfen kann, weise Entscheidungen zu treffen<ref>Bhabha, Homi 2004: La Question Adéagbo. In: Friedrich, Julia; König, Kasper (Hg.): DC: Georges Adéagbo. L'explorateur et les explorateurs devant L'histoire de l'exploration...! Le théâtre du monde. Ausstellungskatalog, Museum Ludwig, Köln, S. 25–29, hier S. 31.</ref>. Er gibt dem Französischen, der Sprache des ehemaligen Kolonisators, einen eigenen Rhythmus, indem er ihre Syntax verändert<ref>Köhler, Stephan 2012: A dimension to explore. Georges Adéagbo as a writer and Historian. In: Okwui Enwezor (Hg.): Le Journal de La Triennale de Paris #5, Forest of Signs. Paris, S. 28–39.</ref>.<ref>Fillitz, Thomas 2002: Georges Adéagbo. In: Contemporary Art from Africa. 14 Contemporary Artists from Côte d’Ivoire and Bénin. Wien/Köln/Weimar, S. 158–170, hier S. 162.</ref> Daher kann er neben seiner Tätigkeit als bildender Künstler auch als Dichter betrachtet werden. Über mehr als zwei Jahrzehnte lebte Adéagbo unbeachtet in Cotonou und entwickelte seine Assemblagen unabhängig von europäischen Avantgarden.<ref>Köhler, Stephan 2024: Das Tribunal der Dinge. S. 4.</ref>
Adéagbo erinnert sich an eine seiner ersten installationen: „Eine der ersten Kombinationen, die ich im Hof unserer Familie platzierte, war ein Päckchen Zigaretten und eine Schachtel Streichhölzer daneben. Warum? Die Zigaretten gelten als kostbarer als die Streichhölzer, teurer und wichtiger, aber wie könnte man eine Zigarette anzünden ohne ein Streichholz? Oft ist das, was billig erscheint, unwichtig, im Schatten lebt, wesentlich, um etwas Wertvolles überhaupt funktionsfähig zu machen. - “<ref>Fillitz, Thomas 2002: Georges Adéagbo. In: Contemporary Art from Africa. 14 Contemporary Artists from Côte d’Ivoire and Bénin. Wien/Köln/Weimar, S. 158–170, hier S. 161 und 165.</ref>
Masken, Skulpturen und Gemälde, die von lokalen Handwerkern in Benin produziert wurden, ebenso wie auf der Straße gefundene Objekte, Bücher, Schallplatten und Familienfotos von Flohmärkten, verweisen sowohl auf Adéagbos Herkunft als auch auf die Mentalität der Gesellschaft, in der er ausstellt<ref>Schmidt-Linsenhoff, Viktoria 2004: Produktionsästhetik von A–Z. In: Friedrich, Julia; König, Kasper (Hg.): DC: Georges Adéagbo. L’explorateur et les explorateurs devant L’histoire de l’exploration..! Le théâtre du monde. Ausstellungskatalog, Museum Ludwig, Köln, S. 17–24.</ref>. Er beschreibt seine Praxis als ein „Tribunal der Dinge“<ref>Köhler, Stephan 2024: Das Tribunal der Dinge. Schauplatz Assemblage im Werk von Georges Adéagbo. Dissertation, Universität Hamburg, S. 1. https://ediss.sub.uni-hamburg.de/handle/ediss/10658?mode=full</ref> – ein Gerichtssaal, in dem Objekte und Texte unterschiedliche Perspektiven präsentieren. Episoden aus seiner eigenen Biographie, darunter seine Kindheit im kolonialen Dahomey und seine unterbrochenen Studien in Frankreich, überschneiden sich mit breiteren historischen Narrativen. Populärkultur wird kanonisierter Hochkultur gegenübergestellt, das Banale dem Tiefgründigen. Die Betrachter sind eingeladen, aktiv teilzunehmen, die von Objekten und Worten präsentierten „Beweise“ abzuwägen und eigene Schlüsse zu ziehen.
Adéagbo hat seine künstlerische Haltung mehrfach in prägnanten Aussagen zusammengefasst:
- „Ich glaube, ein Kunstwerk muss nicht schön sein, aber es muss dich aufrütteln, dich zum Nachdenken bringen.“ (« Je crois qu’une œuvre d’art n’a pas besoin d’être belle, mais elle doit te bouleverser, te faire réfléchir. »)
- „Kunst ist in der Natur, es ist nicht der Künstler, der Kunst macht…“ (« L’art est dans la nature, ce n’est pas l’artiste qui fait l’art.. »)
- „Kunst ist eine Art, mit seinem Nächsten zu sprechen, ohne sein Feind zu werden.“ (« L’art est une manière qu’on prenne pour parler avec son prochain sans devenir son ennemi. »)<ref>Köhler, Stephan 2024: Das Tribunal der Dinge. Schauplatz Assemblage im Werk von Georges Adéagbo. Dissertation, Universität Hamburg, S. 283. [1]</ref>
Adéagbo widersteht bewusst den stereotypen Motiven, die oft von „afrikanischen“ Künstlern erwartet werden<ref>Schankweiler, Kerstin 2012: Die Mobilisierung der Dinge. Ortsspezifik und Kulturtransfer in den Installationen von Georges Adéagbo. Bielefeld, S. 52.</ref>. Mitunter inszeniert er diese Erwartungen satirisch und legt die Klischees offen, die auf nicht‑westliche Kunst projiziert werden. Aus der Perspektive eines nicht‑europäischen Ethnologen untersucht er die Bräuche jedes Ausstellungsortes und spiegelt sie wider – manchmal in übersteigerter Form, parallel zu der Art und Weise, wie seine eigene Kultur häufig missverstanden und falsch dargestellt wurde<ref>Kravagna, Christian 2001: Georges Adéagbo: Das Pythagoreische Zeitalter. Galerie im Taxispalais. In: Springerin. Hefte zur Gegenwartskunst. Okt.–Dez. 2001, S. 66.</ref>. Humor und Kritik spielen ebenfalls eine zentrale Rolle. In mehreren Installationen hat er gezeigt, wie europäische Künstler, die als Genies gefeiert werden, afrikanische Formen übernommen haben, ohne deren Quellen anzuerkennen. In seiner Ausstellung in der Galerie Mennour<ref>Dagen, Philippe 2025: Georges Adéagbo ou l’art politique du bric-à-brac. Le Monde, 16. Februar 2025.</ref> etwa verfolgte er, wie Pablo Picasso, Alberto Giacometti und Constantin Brâncuși das, was sie von afrikanischen Künstlern gelernt hatten, als eigene Innovationen präsentierten.<ref>Quelle für diese Analyse ergänzen</ref> Gemeinsam mit seinem Team von Handwerkern in Benin schuf Adéagbo ein Arsenal von Bumerangs, um das Ungleichgewicht kultureller Aneignung zu verdeutlichen<ref>https://mennour.com/exhibition/ma-personne-de-georges-ad%C3%A9agbo</ref>. Er versteht sich als Archäologe, der vielfältige Proben sammelt und bewertet, die von der Mentalität einer Gesellschaft erzählen. In vielen seiner Installationen schreibt er: „Die Archäologie ist die Wissenschaft, die von der Forschung und Entdeckung der Geheimnisse spricht, die ein Land, eine Stadt oder eine Person regieren.“<ref>Köhler, Stephan 2024: Das Tribunal der Dinge. Schauplatz Assemblage im Werk von Georges Adéagbo. Dissertation, Universität Hamburg, S. 78. https://ediss.sub.uni-hamburg.de/handle/ediss/10658?mode=full</ref>
Rezeption durch Kuratoren, Kritiker und Galerien
Adéagbos zunächst unbeachtete Praxis erlangte erst Anfang der 1990er Jahre internationale Aufmerksamkeit. 1993 dokumentierte Jean‑Michel Rousset, Mitarbeiter von André Magnin, eine seiner Hof‑Installationen in Cotonou.<ref>https://www.revuenoire.com/edition/revue-noire-18/</ref> Während die Fotografien ihren ursprünglichen Auftraggeber zunächst nicht überzeugten, erkannte die Pariser Kuratorin Régine Cuzin die Originalität der Arbeitsweise und lud Adéagbo 1994 zur Teilnahme an La route de l’art sur la route de l’esclave in der Saline Royale d'Arc-et-Senans ein.<ref>https://africultures.com/expo-la-route-de-lart-sur-la-route-de-lesclave-498/</ref> Diese erste Ausstellung öffnete ihm die Türen zur weltweiten Anerkennung.
Weitere Einladungen folgten rasch. 1995 nahm Adelina von Fürstenberg seine Arbeiten in Dialogues of Peace am Hauptsitz der Vereinten Nationen in Genf auf.<ref>https://www.artfortheworld.net/dialogues-of-peace</ref> 1996 veröffentlichte Okwui Enwezor, der Adéagbos Debüt gesehen hatte, den grundlegenden Essay „The Ruined City, Desolation, Rapture and Georges Adéagbo“ in NKA: Journal of Contemporary African Art.<ref>Enwezor, Okwui 1996: The Ruined City: Desolation, Rapture and Georges Adeagbo. NKA Journal of Contemporary African Art, Nr. 41, Spring 1996, S. 14–18.</ref>
Enwezor lud ihn anschließend 1997 zur Johannesburg Biennale ein, wo seine Arbeit für ihre Poesie mit Dingen und Worten Beachtung fand.<ref>https://www.artthrob.co.za/november/biennale.htm</ref> 1998 lernte Adéagbo während der São Paulo Biennale den unabhängigen Kurator Stephan Köhler kennen, damals „curator at large“ am Toyota Municipal Museum of Art.<ref>Mulcaire, Thomas; Ferguson, Lorna 1998: The Tempest. In: Pedrosa, Adriano (Hg.): Roteiros. 24th São Paulo Biennial Catalogue, S. 204–241.</ref> Köhler lud ihn ein, eine Installation für das Campo dell’Arsenale in Venedig zu konzipieren. Ursprünglich als eintägiges Kollateralprojekt geplant, wurde es von Harald Szeemann in seine Biennale d’Appertutto integriert. Adéagbo erhielt eine lobende Erwähnung der Jury für The Story of the Lion – Venise d’hier, Venise d’aujourd’hui.<ref>https://georges-adeagbo.org/exhibitions/venise-d-hier-venise-d-aujourd-hui-venice-biennial-1999</ref><ref>Szeemann, Harald 1999: Aperto Overall. In: Catalogue of the 48th Venice Biennial, S. 40–43.</ref><ref>Bijutsu Techo Vol. 51, Nr. 775, 1999, S. 34–35.</ref><ref>Lange, Clemens Tobias 1999: The Story of the Lion. CTL‑Presse Hamburg.</ref><ref>https://vimeo.com/332395404/274108b6f6</ref>
Das Projekt beschäftigte Kunsthistoriker noch Jahrzehnte später: Kathryn Floyd analysierte 2015, wie Adéagbo mit der Geschichte des öffentlichen Raums – dem Eingang zum Arsenale von Venedig, dem Machtzentrum des Mittelmeerraums – in Dialog trat.<ref>Floyd, Kathryn 2015: Georges Adéagbo. In: Graciano, Andrew (Hg.): Exhibiting Outside the Academy. Ashgate, S. 234–258.</ref>
Carolyn Christov-Bakargiev lud Adéagbo 2000 zu seiner ersten US‑Einzelausstellung im MoMA PS1 ein.<ref>https://www.moma.org/calendar/exhibitions/4710</ref> Seine Assemblage Abraham, l’ami de Dieu war Abraham Lincoln und dem komplexen Prozess der Abschaffung gewidmet. 2006 wurde sie von Carlos Basualdo für das Philadelphia Museum of Art erworben.<ref>https://www.visitpham.org/objects/296477</ref>
2001 baten Christov‑Bakargiev, Hans Ulrich Obrist und Laurence Bossé Adéagbo, ein Werk für die Loggia der Villa Medici in Rom zu schaffen, das er Napoleon widmete.<ref>https://villamedici.it/programme/la-ville-le-jardin-la-memoire/</ref>
Ein weiterer Wendepunkt war Adéagbos Teilnahme an der Documenta 11, kuratiert von Enwezor. Sein Schlüsselwerk Der Entdecker und die Entdecker angesichts der Geschichte der Entdeckung – Das Welttheater wurde in zahlreichen Documenta‑Besprechungen diskutiert und schließlich von Kasper König für das Museum Ludwig in Köln erworben.<ref>Beaucamp, Eduard 2002: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14. Juni 2002.</ref><ref>Wyss, Beat 2002: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 9. Juni 2002.</ref><ref>https://museum-ludwig.kulturelles-erbe-koeln.de/documents/obj/05093074</ref> Als es 2004 erneut installiert wurde, schrieb Homi K. Bhabha seinen poetisch analytischen Essay „La Question Georges Adéagbo“ für den Ausstellungskatalog.<ref>Bhabha, Homi 2004: La Question Adéagbo. Museum Ludwig, Köln.</ref>
2008 erhielt Galleria Frittelli in Florenz die Genehmigung, Adéagbo Installationen in 23 Räumen des Palazzo Vecchio gestalten zu lassen. The Grand Tour of an African war der Titel der von Chiara Bertola und Stephan Köhler herausgegebenen Publikation.<ref>Bertola; Köhler 2008: Grand Tour di un Africano. Carlo Cambi Editore.</ref>
Der erste lange Dokumentarfilm von Matteo Frittelli, La personne de Georges Adéagbo, erschien 2012 und enthält Interviews mit Enwezor, Basualdo, Daniel Birnbaum, Bertola sowie Szenen des Künstlers bei der Arbeit in Benin und an internationalen Orten.<ref>https://vimeo.com/ondemand/georgesadeagbo</ref>
2014 veröffentlichte Kerstin Schankweiler die erste Dissertation über Adéagbo, mit Schwerpunkt auf Kulturtransfer in seiner Praxis: Die Mobilisierung der Dinge.<ref>Schankweiler 2012b: Transcript Verlag.</ref>
Anerkennung in seinem Heimatland Benin kam deutlich später. 2022 erwarb die National Gallery of Benin (heute ADAC) eine Installation und zeigte sie mit 40 weiteren Künstlern in Art du Bénin, de la Restitution à la Révélation im Präsidentenpalast, später weltweit tourend.<ref>https://www.paris-conciergerie.fr/agenda/revelation-!-art-contemporain-du-benin</ref><ref>https://www.gouv.bj/article/2774/exposition-revelation-contemporain-benin-conciergerie-paris-octobre-2024-janvier-2025-lire-communique-/</ref>
Bénédicte Savoy und Georges Adéagbo wurden am 26. Mai 2021 vom Kindl Berlin eingeladen, den komplexen Prozess der Restitution zu diskutieren.<ref>https://www.kindl-berlin.com/artist-talk-adagbo</ref>
Adéagbo erhielt 2021 die prestigiöse Smithsonian Artists’ Research Fellowship und widmete sie Abraham Lincoln und dem Prozess der Abolition. Er wurde von Kuratorinnen des National Museum of American History betreut.
Atlantic-Artspace eröffnete im Dezember 2022 in Ouidah mit einer Einzelausstellung von Adéagbo, initiiert und kuratiert von Marie‑Sophie Eiche‑Demester.<ref>https://www.atlantic-art.org/archive/ouidah-dhier-et-ouidah-daujourdhui/?entry_id=1195</ref>
Adéagbo wurde 2023 eingeladen, mit dem 2021 während seiner fellowship gesammelten Material, Installationen über Abraham Lincoln in President Lincoln’s cottage WashingtonDC<ref>https://www.lincolncottage.org/event/create-to-free-yourselves-georges-adeagbo-installation/ und im National Museum für afrikanische Kunst zu komponieren. National Museum of African Art</ref> National Museum of African Art Washington DC 2023<ref>https://africa.si.edu/exhibitions/current-exhibitions/create-to-free-yourselves-abraham-lincoln-and-the-history-of-freeing-slaves-in-america/</ref>
Die Hamburger Kunsthalle lud ihn 2024 zu einer Einzelausstellung ein, die Adéagbo Aby Warburg widmete. Zu den jüngsten Wendepunkten seiner Rezeption gehören der Ankauf von Souvenir d’un présent invisible (Erinnerung an ein unsichtbares Geschenk) durch François Pinault und dessen Präsentation durch Emma Lavigne in Corps et Âmes in der Bourse de Paris 2025.<ref>Lavigne, Emma 2025: Corps et Âmes. Pinault Collection, S. 106–107.</ref><ref>https://www.pinaultcollection.com/en/boursedecommerce/corps-et-ames</ref> Darüber hinaus begann Adéagbo im Frühjahr 2025 mit der Zusammenarbeit mit der Galerie Mennour.<ref>https://mennour.com/exhibition/ma-personne-de-georges-ad%C3%A9agbo</ref>
Seitdem werden Adéagbos Installationen in Ausstellungskatalogen, kritischen Essays und akademischen Studien diskutiert. Sein Werk wird dafür gelobt, konventionelle Narrative afrikanischer Kunst infrage zu stellen, sich satirisch mit kulturellen Stereotypen auseinanderzusetzen und komplexe Dialoge zwischen Geschichte, Erinnerung und zeitgenössischer Kultur zu inszenieren.<ref>Bhabha, Homi 2004: La Question Adéagbo. Museum Ludwig, Köln.</ref>
Neben Museumspräsentationen wurde Adéagbos Werk auch von mehreren Galerien gezeigt, darunter Frittelli Arte Contemporanea in Florenz<ref>https://www.frittelliarte.it/en/georges-adeagbo</ref>, Barbara Wien in Berlin<ref>https://www.barbarawien.de/exhibition.php?archive=83</ref>, Lumen Travo Gallery in Amsterdam<ref>https://www.lumentravo.nl/artists/georges-adeagbo</ref> und jüngst die Galerie Kamel Mennour in Paris.<ref>https://mennour.com/artist/georges-ad%C3%A9agbo-2</ref>
Biographischer Kontext
Georges Adéagbo wurde 1942 in Cotonou, Kolonie Dahomey (heutiges Benin) geboren. Seine Familie stammt ursprünglich aus Abeokuta, Nigeria, von wo sie Mitte des 19. Jahrhunderts auswanderte.<ref>Bloch, Muriel 1998: Conversations avec Muriel Bloch.</ref> Der Nachname „Adéagbo“ ist Yoruba und bedeutet nach Aussage des Künstlers: „Man erkennt einen echten Löwen an seiner Mähne.“<ref>Köhler, Stephan 2024: Das Tribunal der Dinge. S. 3.</ref>
Adéagbo begann 1964 ein Jurastudium an der Universität Abidjan und setzte es ab Ende der 1960er Jahre in Frankreich mit Betriebswirtschaft fort.<ref>Bloch, Muriel 1998.</ref><ref>Fillitz, Thomas 2002: Contemporary Art from Africa. S. 159.</ref> Wenn man Adéagbo fragt, warum er begann, Installationen zu machen, erklärt er: „Ich habe mein Studium in Frankreich unterbrochen und kam 1971 nach dem Tod meines Vaters als ältester Sohn für ein paar Monate nach Hause, um meiner Familie zu helfen, ihr Leben neu zu ordnen. Doch sie nahmen mir den Reisepass weg und erlaubten mir nicht, mein Studium und Praktikum abzuschließen. Ich begann, Objekte und meine handgeschriebenen Texte auszulegen, um Familienmitglieder und Besucher zu bewegen, mich wieder nach Frankreich zurückkehren zu lassen. Ich lebte 23 Jahre lang am Existenzminimum, manchmal wurde ich in die Psychiatrie gebracht, bis ich am 4. April 1993 zufällig entdeckt wurde.“<ref>Bloch, Muriel 1998: Georges Adéagbo, Conversations avec Muriel Bloch, éditions au figuré/Le Quartier.</ref><ref>Fillitz, Thomas 2002: Contemporary Art from Africa. S. 159.</ref><ref>https://www.revuenoire.com/edition/revue-noire-18/</ref> Die Begegnung mit Rousset führte 1994 zu Adéagbos erster internationaler Ausstellung und markierte den Beginn seiner Karriere auf der globalen Kunstbühne.<ref>https://africultures.com/expo-la-route-de-lart-sur-la-route-de-lesclave-498/</ref>
Ausstellungen und Sammlungen
Adéagbos Werke wurden weltweit in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen präsentiert. Zu seinen bedeutendsten Einzelausstellungen zählen Le Quartier (Quimper, 1997), MoMA PS1 (New York, 2000), Museum Ludwig (Köln, 2004), Ikon Gallery (Birmingham, 2004), Philadelphia Museum of Art (2006), DAAD Galerie (Berlin, 2007), Palazzo Vecchio (Florenz, 2008), MAK (Wien, 2009), MUSAC (León, 2011), Moderna Museet (Stockholm, 2014), Israel Museum (Jerusalem, 2016), Palace of Nations (Vereinte Nationen, Genf, 2018), Aby Warburg Haus (Hamburg, 2019), Kindl – Zentrum für zeitgenössische Kunst (Berlin, 2021), Hamburger Kunsthalle (2024) und Galerie Mennour (Paris, 2025).<ref name="ga">Georges Adéagbo auf georges-adeagbo.org</ref>
Er nahm auch an wichtigen Gruppenausstellungen teil, darunter La route de l’art sur la route de l’esclave (Saline Royale d'Arc-et-Senans, 1994), Dialogues of Peace (Vereinte Nationen, Genf, 1995), die Johannesburg Biennale (1997), die São Paulo Biennale (1998), die Biennale von Venedig (1999, 2009), The Short Century kuratiert von Okwui Enwezor (München, 2001), Documenta 11 (Kassel, 2002), Belgique Visionnaire kuratiert von Harald Szeemann (Brüssel, 2005), die Pariser Triennale (2012), die Biennale Regard Benin (2012), die Shanghai Biennale (2016) sowie Ausstellungen im Centre Pompidou (Paris, 2020), im Museo Reina Sofía (Madrid, 2023), in der Bourse de Paris (Pinault Collection) und im Centre Pompidou-Metz (2025).<ref name="ga" />
Adéagbos Werke befinden sich in bedeutenden öffentlichen Sammlungen, darunter das Centre Pompidou (Paris), die Pinault Collection, das Smithsonian National Museum of African Art (Washington, D.C.), die Hamburger Kunsthalle, das Museum Ludwig (Köln), das Albertinum (Dresden), das Moderna Museet (Stockholm), Kiasma (Helsinki), das Nasjonalmuseet (Oslo), das Philadelphia Museum of Art, die Whitworth Art Gallery (Manchester), das Toyota Municipal Museum of Art (Japan) sowie die Sammlung zeitgenössischer Kunst der Bundesrepublik Deutschland, daneben zahlreiche Privatsammlungen.<ref>https://www.visitpham.org/objects/296477</ref><ref>https://museum-ludwig.kulturelles-erbe-koeln.de/documents/obj/05093074</ref><ref>https://www.modernamuseet.se/stockholm/en/event/a-larger-world/</ref>
Trotz seiner heutigen Bekanntheit betont Georges Adéagbo immer wieder: Wer sich selbst rühmt, macht sich zugleich klein.
„Alfa, der weise Mann, der den 26 Buchstaben Leben gab, wählte das kleine i, den neunten Buchstaben, um ihm etwas aufzusetzen, ihm als einzigem unter den 26 Buchstaben einen Hut zu geben. Wer sich klein machen kann, wird groß werden, und wer sich groß machen will, wird klein. Siehst du das große I mit einem Hut…?“<ref>Köhler, Stephan 2024: Das Tribunal der Dinge. S. 149.</ref>
Literatur
- Bloch, Muriel 1998: Georges Adéagbo. Conversations avec Muriel Bloch. Éditions au figuré / Le Quartier. [2]
- Boucher, Martine 2014: Bois Sacré. Ausstellungskatalog, Brüssel: Wallonie‑Bruxelles International.
- Cambio, Sam 1997: Georges Adeagbo, le Petit Poucet fractal. Paris: Galerie Nathalie Obadia.
- CTL‑Presse Hamburg 1999: Georges Adéagbo – The Story of the Lion. [3]
- Cuzin, Régine 1995: Big City. Georges Adeagbo. London: The Serpentine Gallery.
- Cuzin, Régine 1998: Georges Adeagbo. Katalog, 7. Triennale der kleinen Skulptur, Stuttgart.
- Cuzin, Régine; Rousset, Jean‑Michel 1996: Contemporary Art of Africa: World: Georges Adeagbo. New York: Harry N. Abrams.
- Demir, Anaïd 1998: Veilleurs du Monde. CQFD/AFAA/Ministère des Affaires étrangères, Frankreich.
- Enwezor, Okwui 1996: „The Ruined City: Desolation, Rapture and Georges Adéagbo“. NKA Journal of Contemporary African Art, Nr. 41. [4]
- Enwezor, Okwui 2001: The Short Century – Independence and Liberation Movements in Africa. München: Prestel.
- Fillitz, Thomas 2002: Georges Adéagbo. In: Contemporary Art from Africa. Wien/Köln/Weimar.
- Fürstenberg, Adelina von 2017: AFRICA: Telling a world. Padiglione d’Arte Contemporanea, Mailand. [5]
- Kersting, Rita; Ben‑Meir, Kobi 2016: Georges Adéagbo – „Knowing oneself, does one know who the other is...?“. Jerusalem: Israel Museum.
- Köhler, Stephan 2024: Das Tribunal der Dinge. Schauplatz Assemblage im Werk von Georges Adéagbo. Dissertation, Universität Hamburg. [6]
- Mulcaire, Thomas; Ferguson, Lorna 1998: The Tempest. In: Herkenhoff, Paulo; Pedrosa, Adriano (Hg.), Roteiros... : 24th São Paulo Biennal. Brasilien.
- Pagé, Suzanne; Parent, Béatrice 2000: Voilà: le monde dans la tête. Paris: Paris Musées.
- Peres, Adon 2018: Georges Adéagbo en sa demeure: l’artiste béninois a pris ses quartiers à la Maison Tavel. MAH, Genf. [7]
- Pouzolles, Caroline 1997: Entretiens avec Georges Adeagbo. Paris: L’Harmattan.
- Ritter, Michel 1997: Exposition à FRI‑ART, Fribourg: Georges Adéagbo et Honoré D’o. Lausanne: Espace 2 (Radio Suisse Romande), Tonaufnahme.
- Schankweiler, Kerstin 2014: Die Mobilisierung der Dinge. Transcript Verlag. [8]
- Wofford, Tobias 2010: Facing History through the art of Georges Adéagbo. CAJ, S. 65‑78, Los Angeles: UCLA.
- Zaya, Octavio 2012: Georges Adeagbo: la misión y los misioneros. Mailand: Charta.
Weblinks
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- Offizielle Website
- Galerie Mennour – Ma personne de Georges Adéagbo (2025)
- Ernst Barlach Haus – Ausstellung 2022–2023
- Kindl – Zentrum für zeitgenössische Kunst, Berlin (2021)
- Atlantic‑Artspace Ouidah – Ausstellung 2022
- Installation in Abraham Lincolns Wohnhaus in Washington DC
- Installation im Smithsonian Museum of African Art
- Pinault Collection – Ausstellung Corps et Âmes (2025)
- Dialogues of Peace, Genf (1995)
- Frittelli Arte Contemporanea – Georges Adéagbo
- Galerie Barbara Wien – Georges Adéagbo
- Lumen Travo Gallery – Georges Adéagbo
- Galerie Mennour – Georges Adéagbo
Filme und Videodokumentationen
- La personne de Georges Adéagbo (2012), Regie: Matteo Frittelli – https://vimeo.com/ondemand/georgesadeagbo
- Venise d’hier, Venise d’aujourd’hui (48. Biennale von Venedig, 1999) – https://vimeo.com/332395404/274108b6f6
- Georges Adéagbo in Wonderland (Documenta 11, 2001–2002) – https://vimeo.com/327769688
- Biennale von Venedig 2009 – https://www.youtube.com/watch?v=RIZBomFSuxk
- Podcast, Nationalmuseum Oslo (2009) – http://www.youtube.com/watch?v=L1xtSIf669g
- MUSAC León – The Mission and the Missionaries (2012) – https://www.youtube.com/watch?v=3uG8INNyOYM
- Adéagbo im öffentlichen Raum in Hamburg (2014) – https://vimeo.com/107207305
- Moderna Museet Stockholm – The Birth of Stockholm (2014) – https://www.youtube.com/watch?v=FcJzDI1_tg0
- À la rencontre de l’Art (Finkenwerder Kunstpreis, 2017) – https://vimeo.com/243081074
- Jedem sein Kreuz (St. Petri Lübeck, 2018) – https://vimeo.com/321564929
- Interview mit Georges Adéagbo (Kindl Berlin, 2021) – https://www.youtube.com/watch?v=Pt3EHvZyNCI
- Gespräch mit Bénédicte Savoy (Kindl Berlin, 2021) – https://www.kindl-berlin.com/artist-talk-adagbo
Einzelnachweise
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