Genera Plantarum
Genera Plantarum ist der Titel eines Werkes von Carl von Linné, in dem er die von ihm gemäß seinem Sexualsystem der Pflanzen akzeptierten Pflanzengattungen beschrieb. Von besonderer nomenklatorischer Bedeutung sind die 5. Auflage (1754) und die 6. Auflage (1764).
Werk
Die erste Auflage erschien 1737 unter dem vollständigen Titel Genera plantarum eorumque characteres naturales secundum numerum, figuram, situm, & proportionem omnium fructificationis partium (deutsch: „Die Gattungen der Pflanzen und ihre natürliche Kennzeichnung, gemäß Anzahl, Gestalt, Lage und Proportion aller Fruchtbildungsorgane“) in Leiden bei Conrad Wishoff.<ref>Das Vorwort ist auf den 20. November 1736 datiert.</ref>
Die Erstausgabe ist dem niederländischen Arzt und Botaniker Herman Boerhaave gewidmet. Sie enthält eine von Georg Dionysius Ehret gezeichnete Tafel mit dem Titel Caroli Linnaei classes sive literae, auf der die Unterscheidungsmerkmale der 24 Pflanzenklassen dargestellt werden, die von Linné jedoch ohne das Wissen Ehrets verwendet wurde.
Entstehungsgeschichte
Am 24. September 1735 zog Linne auf das Anwesen von George Clifford in Hartekamp um dessen umfangreiche Sammlung zu katalogisieren.<ref>Veröffentlicht als Hortus Cliffortianus dessen Vorwort auf den 30. Juli 1737 datiert ist.</ref> Bereits 1735, in der ersten Auflage von Systema Naturæ, hatte er das Pflanzenreich in 24 Klassen mit zahlreichen Ordnungen unterteilt. In dem ein Jahr später veröffentlichten Fundamenta Botanica legte er unter anderem seine Definition der einzelnen Fruchtbildungsorgane (Kapitel IV.) und Regeln zur Benennung von Pflanzen (Kapitel VII.) dar.
Auf dieser Grundlage untersuchte Linné die Blüten von mehr als 8000 Pflanzen. Er verwarf mehr als die Hälfte der bestehenden Gattungsnamen und beschrieb zahlreiche Gattungen zum ersten Mal. Die Erklärung für sein rigoroses Umgehen mit den bestehenden Gattungsnamen lieferte er wenig später in Critica Botanica nach.<ref>Das Vorwort ist auf den 31. Mai 1737 datiert.</ref>
Inhalt
In der ersten Auflage von Genera Plantarum beschrieb Linné 935 Gattungen. Noch im selben Jahr beschrieb er in seiner Schrift Corollarium generum plantarum, exhibens genera plantarum sexaginta, addenda prioribus characteribus, expositis in generibus plantarum. Accedit methodus sexualis (Leiden, 1737) weitere 60 Gattungen. Die sechste, von Linné selbst noch bearbeitete, Auflage von 1764 umfasste bereits 1239 Gattungen.
Die Gattungen kennzeichnete er anhand von 26 Merkmalen:<ref>Das entspricht der Anzahl der Buchstaben des lateinischen Alphabetes. Zitat Linné: „Wir müssen diese Buchstaben studieren.“ Zitiert nach Jahn et al., S. 274</ref><ref>Übersetzung nach: Jahn et al., S. 274, aus Ratio Operis. Punkt 11, S. VII-VIII. In: Genera Plantarum. lat:
CALYCIS 1 Involucrum. 2 Spatha. 3 Perianthium. 4 Amentum. 5 Cluma. 6 Calyptra.
COROLLAE 7 Tubus seu ungues. 8 Limbus. 9 Nectarium.
STAMINUM 10 Filamenta. 11 Antherae.
PISTILLI 12 Germen. 13 Stylus. 14 Stigma.
PERICARPII 15 Capsula. 16 Siliqua. 17 Legumen. 18 Nux. 19 Drupa.
SEMEN 22 ejusque. 23 Corona.
RECEPTACULUM 24 fructificationis. 25 floris. 26 fructus.</ref>
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| {{#if:trim|Die natürlichen Kennzeichen sind alle Teile der Blumenorgane:
- am Kelch: Hülle (1), Scheide (2), Blumendecke (3), Kätzchen (4), Bälglein (5), Haube (6)
- an der Krone: Röhre oder Nägel (7), Mündung (8), Honigbehälter (9)
- an Staubfäden: Träger (10), Staubbeutel (11)
- am Stempel: Fruchtknoten (12), Griffel (13), Narbe (14)
- Früchte: Kapsel (15), Schote (16), Hülse (17), Nuss (18), Steinfrucht (19), Beere (20), Kernfrucht (21)
- Samen (22) und dessen Krone (23)
- Boden der Blume (24), der Staubfäden (25) und des Fruchtknotens (26).}}
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Linnés Gattungsdiagnosen sind nach dem folgenden Schema aufgebaut:
| Abkürzung | Latein | Deutsch |
|---|---|---|
| Cal. | Calyx | Kelch |
| Cor. | Corolla | Krone |
| Stam. | Stamina | Staubblätter |
| Pist. | Pistill | Stempel |
| Per. | Pericarp | Fruchtwand |
| Sem. | Semen | Samen |
Seine lateinische Beschreibung der Gattung Plumeria sieht beispielsweise wie folgt aus:
219. PLUMERIA. Tournef. 439.
{{#if:Cal. | Cal. | Vorlage:Kapitälchen – Text fehlt}} Perianthium quinquepartitum, obtusum, minimum.
{{#if:Cor. | Cor. | Vorlage:Kapitälchen – Text fehlt}} Petalum infundibuliforme. Tubus longus, sensim amplia- tus. Limbus quinquepartitus, erecto-patens: laciniis ovato- oblongis, cum sole flexis.
{{#if:Stam. | Stam. | Vorlage:Kapitälchen – Text fehlt}} Filamenta quinque, subulata, e medio tubi. Antherae con-
niventes {{#if:Pist. | Pist. | Vorlage:Kapitälchen – Text fehlt}} Germen oblongum, bifidum. Styli vix ulli. Stigma du-
plex, acuminatum.
{{#if:Per. | Per. | Vorlage:Kapitälchen – Text fehlt}} Folliculi duo, longi, acuminati, ventricosi, deorsum fle-
xi, nutantes, uniloculares, univalves. {{#if:Sem. | Sem. | Vorlage:Kapitälchen – Text fehlt}} numerosa, oblonga, membranae majori ovatae ad basin in-
serta, imbricata.
Ordines Naturales in der 6. Auflage
Am Ende der 6. Auflage Genera Plantarum von 1764<ref>Carl von Linné: Genera Plantarum. Lars Salvius, Stockholm 1764 (online).</ref> listet Linné unter dem Titel Ordines Naturales 58 Ordnungen auf und gibt im Anschluss daren einen Überblick, welche seiner Gattungen in welche Ordnung gehören.<ref>Frans A. Stafleu: The origin of taxa. In: Linnaeus and the Linnaeans. The spreading of their ideas in systematic botany, 1735–1789. IAPT, Utrecht 1971, ISBN 90-6046-064-2, S. 134–139 (online).</ref><ref>A. J. Cain: Linnaeus’s Ordines naturales. In: Archives of Natural History. Band 20, Nr. 3, S. 405–415 (doi:10.3366/anh.1993.20.3.405).</ref> Linnés Sexualsystem der Pflanzen beruhte auf der Annahme, dass der „Schöpfer“ alle bekannten Arten schuf: „Species tot numeramus, quot diversae formae in principio sunt creatae.“ („Es gibt so viele Arten, als Gott am Anfang als verschiedene Gestalten geschaffen hat“). Diese Annahme findet sich zuerst unter der Nummer 157 in Fundamenta Botanica (1736)<ref>Carl von Linné: # 157. In: Fundamenta Botanica. Salomon Schouten, Amsterdam 1736, S. 18 (online).</ref> und später in ausgearbeiteter Form in Philosophia Botanica (1751)<ref>Carl von Linné: # 157. In: Philosophia Botanica. Gottfried Kiesewetter, Stockholm 1751, S. 99–100 (online).</ref>. In Ordines Naturales wich er davon ab. Linné geht davon aus, dass der „Schöpfer“ die in der Natur vorhandenen „Ordnungen“ erschuf. Aus diesen konstruierte der „Allmächtige“ die „Gattungen“. Auf natürliche Weise entstanden daraus, durch Kreuzung – wie Linné spekulierte – die Arten.<ref>P. F. Stevens, S. P. Cullen: Linnaeus, the cortex-medulla theory, and the key to his understanding of plant form and natural relationships. In: Journal of the Arnold Arboretum. Band 71, Nr. 2, 1990, S. 179–220 (online).</ref>
Nachwirkungen
Linnés Herangehensweise blieb nicht ohne Kritik. Prominenteste Kritiker waren Johann Amman<ref>Brief vom 26. November 1737 von Johann Amman an Carl von Linné</ref> und insbesondere Johann Georg Siegesbeck.
Nach dem Tod von Linné gaben die deutschen Autoren Johann Jacob Reichard, Johann Christian Daniel Schreber und Kurt Sprengel erweiterte Neuauflagen von Genera Plantarum heraus.
Linnés Werk Species Plantarum enthält keine Gattungsbeschreibungen. Im Internationalen Code der Nomenklatur für Algen, Pilze und Pflanzen (ICN) ist im Artikel 13.4 festgelegt, dass die Gattungsnamen der 1. Auflage von Species Plantarum (1753) mit denen in der 5. Auflage von Genera Plantarum (1754) verbunden sind. Gleiches gilt für 2. Auflage von Species Plantarum (1762–1763) und die 6. Auflage von Genera Plantarum (1764).<ref>Nicholas J. Turland et al. (Hrsg.): International Code of Nomenclature for algae, fungi, and plants (Shenzhen Code) adopted by the Nineteenth International Botanical Congress Shenzhen, China, July 2017 (= Regnum Vegetabile. Band 159). Koeltz Botanical Books, Glashütten 2018, ISBN 978-3-946583-16-5 (online).</ref>
Auflagen
- 1. Auflage, Leiden, 1737, 4° – 935 Gattungen
- 2. Auflage, Leiden, 1742, 4° – 1021 Gattungen
- 3. Auflage, Paris, 1743, 8°
- 4. Auflage, Halle-Magdeburg, 1752, 8° – 1090 Gattungen
- 5. Auflage, Stockholm, 1754, 8° – 1105 Gattungen
- 6. Auflage, Stockholm, 1764, 8° – 1239 Gattungen
- 7. Auflage, Frankfurt am Main, 1778, 8°; durch Johann Jacob Reichard – 1343 Gattungen
- 8. Auflage, Frankfurt am Main, 1789–1791, 8°; durch Johann Christian von Schreber – 1766 Gattungen
- 9. Auflage, Göttingen, 1830–1831, 8°; durch Kurt Sprengel
Nachweise
Literatur
- Kurt Sprengel: Geschichte der Botanik. Altenburg/Leipzig 1818, Band 2, S. 236
- Richard Pulteney: A General View of the Writings of Linnaeus. 2. Auflage, London 1805, S. 57–59 (online).
- Ilse Jahn, Rolf Löther, Konrad Senglaub: Geschichte der Biologie. Theorien, Methoden, Institutionen, Kurzbiographien. 2., durchgesehene Auflage, VEB Gustav Fischer Verlag, Jena 1985, S. 272 ff.
Anmerkungen und Einzelnachweise
<references />
Weiterführende Literatur
- Felice Bryk: Bibliographia Linnaeana ad Genera Plantarum Pertinens. In: Taxon. Band 3, Nummer 6, 1954, S. 174–183 ({{#invoke:JSTOR|f|1=1215955}}{{#if:
| {{#ifeq: 0 | 0
| }}
}}).
- Staffan Müller-Wille, Karen Reeds: A translation of Carl Linnaeus’s introduction to Genera plantarum. In: Studies in History and Philosophy of Science Part C: Studies in History and Philosophy of Biological and Biomedical Sciences. Band 38, Nummer 3, 2007, S. 563–572 (doi:10.1016/j.shpsc.2007.06.003).
- Staffan Müller-Wille: Collection and collation: theory and practice of Linnaean botany. In: Studies in History and Philosophy of Science Part C: Studies in History and Philosophy of Biological and Biomedical Sciences. Band 38, Nummer 3, 2007, S. 541–562 (doi:10.1016/j.shpsc.2007.06.010).
Weblinks
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