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Gemeinschaft vom heiligen Johannes

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Die Gemeinschaft vom heiligen Johannes oder Johannesgemeinschaft (abgekürzt CSJ; franz. „Communauté Saint Jean“) ist eine Ordensgemeinschaft des diözesanen Rechts in der römisch-katholischen Kirche, sie untersteht dem Diözesanbischof von Autun.

Geschichte

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p. François-Xavier Cazali CSJ, aktueller Generalprior

Im Sommer 1975 wollten einige französische Studenten der Universität Freiburg (Schweiz) in einer religiösen Gemeinschaft zusammenleben und baten den Dominikanerpater und Philosophieprofessor Marie-Dominique Philippe um spirituelle Begleitung. Dieser holte sich Rat bei der französischen Mystikerin Marthe Robin, die ihn ermutigte, die Bitte dieser Studenten nicht abzulehnen. Als Gründungstag gilt der 8. Dezember 1975, als sechs Studenten gemeinsam mit Marie-Dominique Philippe auf der Insel Lérins bei Cannes die Weihe an Maria ablegten.

Marie-Dominique Philippe wollte die Gemeinschaft an einen anderen Orden angliedern. Die Zisterzienserabtei Lérins war bereit, die Gruppe als Oblaten aufzunehmen. Am 28. April 1978 wurde diese Angliederung genehmigt. Die neue Gemeinschaft gab sich den Namen „Congrégation Saint Jean“ nach dem Apostel Johannes. Danach siedelte die Gemeinschaft nach Rimont (Gemeinde Fley) bei Chalon-sur-Saône (Frankreich) über. Die Gemeinschaft war inzwischen auf etwa 80 Brüder angewachsen und gründete 1983 ein Noviziat in Saint-Jodard (Département Loire). 1986 wurde sie als Kongregation diözesanen Rechts anerkannt und dem Bischof von Autun unterstellt.

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Mutterhaus in Rimont (Fley), Frankreich

Marie-Dominique Philippe leitete die Neugründung, trat ihr selber aber nicht bei, sondern blieb bis 1982 Universitätsprofessor in Freiburg. Er war von 1975 bis 2001 Generalprior der Gemeinschaft. Im Generalkapitel von 2001 wurde Pater Jean-Pierre-Marie als Nachfolger ins Amt des Generalpriors gewählt.<ref>Die Geschichte der Gemeinschaft. Chronik der Johannesgemeinschaft, Website johannesgemeinschaft.at (abgerufen am 20. August 2025)</ref>

Die Brüder sind als Seelsorger in Pfarreien, Schulen und Universitäten tätig, außerhalb Europas auch als Missionare. Die einzige Niederlassung im deutschsprachigen Raum befindet sich in Marchegg, Niederösterreich.

Im Herbst 2019 beschlossen die Brüder vom Heiligen Johannes „eine Neugründung der Gemeinschaft“, eine Reform des Ordensstatut, und sie distanzierten sich von ihrem Gründer, von dem inzwischen wiederholter sexueller Missbrauch von Ordensfrauen bekannt geworden war.<ref>Pater Thomas Joachim, Schwester Paul-Marie, Schwester Claire de Jésus: Brief der drei Generalprioren. Brüder vom Hl. Johannes, 7. Februar 2019, abgerufen am 6. März 2019.
TV-Doku über Missbrauch von Ordensfrauen erschüttert Frankreich. In: katholisch.de. 5. März 2019, abgerufen am 7. November 2019.
Marie Pierre Raimbault, Eric Quintin: Religieuses abusées. L’autre scandal de l’Église. (deutsch: Gottes missbrauchte Dienerinnen.) Dream Way Productions/ARTE France 2019, deutsche Erstausstrahlung: 5. März 2019 (Archiv bei WebCite, abgerufen am 6. März 2019)</ref> Zudem beschloss die „Gemeinschaft eine Dezentralisierung ihrer Organisationsstruktur.“<ref name="katholisch_de">Missbrauch: Ordensgemeinschaft sagt sich vollständig von Gründer los. In: katholisch.de. 6. November 2019, abgerufen am 7. November 2019.</ref><ref>Katholische Johannes-Gemeinschaft distanziert sich von Gründer. Vorwurf des jahrelangen Missbrauchs von Ordensfrauen, Website domradio.de (6. November 2019, abgerufen am 21. August 2025)</ref>

In Österreich

1994 sind die Brüder vom heiligen Johannes auf Wunsch des damaligen Erzbischofs Groër von Wien nach Marchegg (Österreich) gekommen. 2001 wurde die neue Klosterkirche eingeweiht. Zurzeit leben sechs Brüder in Marchegg, und Bruder Clemens-Maria Jas (NL) ist seit dem Jahr 2022 Prior. Ihre Aufgaben sind Gebet, Begegnung, Empfang von Personen und Gruppen, pastorale Aufgaben und geistliche Begleitung und die Betreuung der Pfarren Marchegg, Breitensee und Markthof.<ref>Website der Johannesgemeinschaft in Österreich (abgerufen am 11. August 2025)</ref>

Die kontemplativen Johannesschwestern waren ab dem Jahr 2000 in Österreich tätig; ein Kloster in Marchegg bestand zwischen 2006 und 2012.<ref>Frauenorden: Johannesschwestern. ordensgemeinschaften.at, abgerufen am 11. März 2023. (Anm.: Die Webseite identifiziert fälschlich die ehemals in Marchegg ansässigen kontemplativen Johannesschwestern mit den in Wien ansässigen Schwestern von Johannes von Gott.)</ref>

Datei:Marchegg monasterium.jpg
Priorat der Brüder in Marchegg

Leitung

Alle Generalprioren stammten aus Frankreich:

Der Generalprior wird für sechs Jahre gewählt, sein Mandat kann drei Jahre verlängert werden. Der Generalprior wird von einem Generalrat in der Leitung der Kongregation unterstützt. Die Kongregation ist in Provinzen eingeteilt, die durch einen Provinzial geleitet werden.

Statistiken

2022 hatte die Kongregation 453 Mitglieder, wovon 85 Brüder in Ausbildung waren.

Der Altersdurchschnitt beträgt ungefähr 50 Jahre.

Die Brüder kommen aus 33 Nationen: Frankreich: 49 %, Afrika: 22 %, Europa (ohne Frankreich): 13 %, Amerika: 11 % und Asien: 5 %.

Schwestern

Datei:Troussures chapelle.JPG
Schwestern in Troussures, Frankreich.

Am 8. Dezember 1982 wurde eine Schwesterngemeinschaft gegründet, die im September 1983 ihre endgültigen rein kontemplativen Regeln erhielt. Sie wurde am 25. Januar 1987 kirchlich anerkannt und erhielt 1994 den Status einer Kongregation diözesanen Rechts.

Da einige Schwestern ein apostolisches Leben führen wollten, wurde am 8. September 1984 in Rimont ein neuer Zweig des Schwesternordens gegründet, welcher am 7. Oktober 1993 den Status einer Kongregation diözesanen Rechts erhielt.

Die Schwestern beider Zweige tragen einen grauen Habit mit ebensolchem Skapulier. Die apostolischen Schwestern tragen zudem einen grauen Schleier, die Kontemplativen einen weißen.

  • Apostolische Schwestern (17 Niederlassungen in Frankreich, Deutschland (Velburg, Haus Betanien<ref>Die Priorate: Haus Betanien. Kongregation der Apostolischen Schwestern vom Heiligen Johannes, abgerufen am 7. November 2019.</ref>), Guinea, Kamerun, Litauen, Mexiko, Philippinen, Togo und USA)

Brüder und Schwestern bilden zusammen mit den regulierten Oblaten die „Familie vom heiligen Johannes“.

Missbrauch

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Der französische Sektenschutzbund (UNADFI) machte bereits seit den 90er Jahren auf den übertriebenen Personenkult um Pater Philippe und sektenähnliche Strukturen der Johannesgemeinschaft aufmerksam. Die verlangte Isolation junger Ordensleute von der Herkunftsfamilie begünstige geistliche, emotionale und sexuelle Manipulation und Übergriffe im Orden. Die Folgen seien Einsamkeit, Krankheiten wie Depressionen und Suizid.<ref>Papst wirft Ordensgemeinschaft «Versklavung von Frauen» vor. Franziskus hat erstmals sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche eingeräumt. Nun gibt er gar an, wo dies stattfand, Website bazonline.ch (6. Februar 2019, abgerufen am 20. August 2025)</ref>

Papst Benedikt XVI. ermahnte die Gemeinschaft vom heiligen Johannes zu Beginn des Jahres 2006 zu mehr Sorgfalt bei der Aufnahme neuer Mitglieder.<ref>Gründer der Gemeinschaft vom heiligen Johannes gestorben. (pdf, 40 kB) In: kath.ch. 28. August 2006, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 4. September 2006; abgerufen am 12. Oktober 2018.</ref> Das französische Medienunternehmen Médiapart publizierte 2016 aus einem Schreiben des Vatikans, dass die Ordensgemeinschaft zu nachsichtig sei im Umgang mit Skandalen, und sich dadurch verdächtig mache.<ref>Papst wirft Ordensgemeinschaft «Versklavung von Frauen» vor. Franziskus hat erstmals sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche eingeräumt. Nun gibt er gar an, wo dies stattfand, Website bazonline.ch (6. Februar 2019, abgerufen am 20. August 2025)</ref>

Ein Bruder der Johannesgemeinschaft wurde im Jahr 2015 zu acht Jahren Haft wegen Vergewaltigung und Missbrauch verurteilt. Im April 2016 begann ein weiterer Prozess gegen einen anderen Bruder, der ausgeschlossen wurde. Ihm wurde vorgeworfen, dass er zwei Personen, darunter ein Kind, sexuell missbraucht habe. Er war in einem Kloster in der Elfenbeinküste tätig, wo er mit Kindern im Kontakt gewesen war. Die Johannesgemeinschaft hatte ihn wahrscheinlich wegen Verdächtigungen nach Frankreich zurückgeholt, trotzdem wurde er weiter unter Jugendlichen eingesetzt. Die Leitung schaute damals weg und der zuständige Bischof reagierte trotz Akteneinsicht nicht.<ref>Bettina Kaps: Frankreich: Sexueller Missbrauch erschüttert die Kirche, Website deutschlandfunk.de (28. April 2016, abgerufen am 20. August 2025)</ref>

François-Xavier, der Generalobere der Gemeinschaft vom heiligen Johannes, sprach bei einem ersten Generalkapitel 2019 davon, dass „ganz klar die abnormen Seiten unseres Gründers“ zu bekennen seien. Ein Bericht wurde vorgestellt, worin 32 Beschwerden bezüglich Missbrauch an Erwachsenen enthalten waren, 86 Prozent bezogen sich auf Fälle vor dem Jahr 2013. 27 Brüder wurden als Täter verdächtigt, 80 Prozent der Missbrauchsfälle sollen im Rahmen einer geistlichen Begleitung stattgefunden haben. Auf dem zweiten Generalkapitel 2019 beschlossen die Brüder vom Heiligen Johannes „sich in aller Deutlichkeit von ihrem Gründer“ zu distanzieren.<ref>Katholische Johannes-Gemeinschaft distanziert sich von Gründer. Vorwurf des jahrelangen Missbrauchs von Ordensfrauen, Website domradio.de (6. November 2019, abgerufen am 21. August 2025)</ref>

2022 wurde auch von der von ihm geprägten „Lebensregel“ Abstand genommen und ein Text angenommen, der das Charisma der Kongregation unabhängig vom Gründer darlegt.

Im Juni 2023 wurde ein ausführlicher historischer, theologischer und psycholigisch-systemischer Bericht über den Missbrauch in der Kongregation veröffentlicht.<ref>Release of the Report “To understand and to heal”, auf brothers-saint-john.org</ref> Darin wurde festgehalten, dass die einflussreiche Familie Philippe mit Onkel Thomas Dehau, Bruder Thomas, Marie-Dominique, Schwester Cécile Philippe und weiteren Personen ein heimliches Netzwerk des Missbrauchs gebildet hatte. Seit 1975 waren 72 Brüder der Johannes-Gemeinschaft Täter und mindestens 167 Menschen, zumeist Frauen, manipuliert und missbraucht worden. Die Missbräuche fanden in der Regel im Rahmen einer geistlichen Begleitung statt, wo ein Machtgefälle zwischen Begleiter und der begleitenden Person herrscht. Zudem wurden geistlich bekannte Begriffe wie Freundschaft, Barmherzigkeit und Vereinigung mit Gott von Begleitern umgedeutet und sollten die Übergriffe rechtfertigen helfen. Die Frauen wurden jedoch entwürdigt und einer echten Beziehung zu Gott beraubt.<ref>Solène Tadié: Missbrauch und sexuelle Gewalt in der Johannesgemeinschaft enthüllt, Website de.catholicnewsagency.com (Paris, 3. Juli 2023, abgerufen am 14. August 2025)</ref>

Trivia

Von 2004 bis 2010 lebte der Musiker Paddy Kelly, als Novize der Gemeinschaft, in einem Kloster in Frankreich und studierte dort Philosophie und Theologie. Im November 2010 trat er aus der Ordensgemeinschaft aus, um sich wieder seiner Musik zu widmen.<ref>Paddy Kelly ist aus dem Kloster ausgetreten! In: Promiflash. 22. November 2010, abgerufen am 7. November 2019.</ref>

Siehe auch

Die Gemeinschaft vom heiligen Johannes ist nicht zu verwechseln mit der Johannesgemeinschaft (Säkularinstitut), die 1944 gegründet wurde.

Literatur

  • Gemeinschaft vom heiligen Johannes (Hrsg.): 30 Jahre Gemeinschaft vom heiligen Johannes. Marchegg-Stadt 2005.
  • St. Johannes Gemeinschaft Marchegg (Hrsg.): Die Gemeinschaft des heiligen Johannes (Informationsbroschüre).
  • Lettre aux Amis de la Famille Saint-Jean. (Zeitschrift, 3 Ausgaben pro Jahr) ISSN 1266-5452
  • Dysmas de Lassus: Verheißung und Verrat. Geistlicher Missbrauch in Orden und Gemeinschaften der katholischen Kirche, Münster 2022.
  • Céline Hoyeau: Der Verrat der Seelenführer. Macht und Missbrauch in Neuen Geistlichen Gemeinschaften, Herder, Freiburg 2023.<ref>Hans Jakob Bürger: „Der Verrat der Seelenführer“ – ein aufwühlendes und erschütterndes Buch, Website catholicnewsagency.com (13. April 2025, abgerufen am 22. August 2025)</ref>

Weblinks

Einzelnachweise

<references />

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