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Gazetta ordinaria da Scuol

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Datei:Scuol Chasa Baer Gaudenz 1.jpg
Der Produktionsort der Gazetta ordinaria da Scuol, die damalige Chasa Dorta

Die Gazetta ordinaria da Scuol (rätoromanisch für Gewöhnliche Schulser Zeitung) war die erste bündnerische Zeitung und erschien in rätoromanischer Sprache um das Jahr 1700 bis 1726 in Scuol im Unterengadin, im späteren Schweizer Kanton Graubünden.

Erscheinungsweise

Als erste bündnerische Zeitung wurde die Gazetta ordinaria da Scuol (Gewöhnliche Schulser Zeitung) von Ludovico Gadina<ref name="Candreia">Jacob Candreia: Die romanische und italienische Journalistik Graubündens. In: Die Schweizer Presse. Hrsg. vom Verein der schweizerischen Presse. Jent & Company, Bern 1896, S. 469–520, hier S. 472 f. (Scan in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref><ref name="Cumün-S15">Cumün da Scuol 2023–2026. Ausgabe Mai 2023 (für die Amtsperiode 2023–2026). Texte: Gemeinde Scuol, S. 28, S. 15 (scuol.net [PDF; 19,8 MB]; – ohne Angabe von Quellen).</ref> und von Kanzler Joan Marnia<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Geschichte. Die Druckerei (Memento vom 15. November 2017 im Internet Archive). In: scuol.net.</ref><ref group="Anm.">Zur Familie Marnia siehe den Ortsartikel im Historischen Lexikon der Schweiz: Jürg Rageth, Paul Eugen Grimm: Scuol. In: Historisches Lexikon der Schweiz. 8. Dezember 2016, abgerufen am 14. August 2024. «Um 1735 erschütterte der sogenannte Marniahandel Scuol und die Nachbarorte. Die aristokratischen Planta von Zernez entledigten sich in bürgerkriegsähnlichen Unruhen der emporgekommenen Kaufmanns- und Wirtsfamilie Marnia.»</ref> in Scuol, in einem unterengadinischen Bergtal (heute Graubünden), um das Jahr 1700<ref name="Cumün-S15" /> (1699?)<ref group="Anm.">Während andere Quellen ihr Erscheinen um 1720 annehmen, nennt Foppa (S. 8) das Datum «um 1700». Jacob Candreia, 1898, hielt das Jahr 1700 oder bereits 1699 für wahrscheinlich (siehe dazu den Kommentar zum Aufsatz in Literatur).</ref> bis 1726<ref name="Cumün-S15" /><ref>Scuol und Tarasp-Vulpera. In: swiss-spectator.ch. 24. August 2022, abgerufen am 14. August 2024 (Quelle [teilweise] und weitere Informationen: www.scuol.net; Korrektorin: Petra Ehrismann – ohne Angabe weiterer Quellen).</ref> in rätoromanischer Sprache herausgegeben. Gedruckt wurde sie in der damaligen Chasa Dorta, der heutigen Chasa Baer-Gaudenz.<ref group="Anm.">Das Historische Lexikon der Schweiz erwähnt zwar die Druckerei Dorta, nicht aber die Gazetta ordinaria da Scuol. Jürg Rageth, Paul Eugen Grimm: Scuol. In: Historisches Lexikon der Schweiz. 8. Dezember 2016, abgerufen am 14. August 2024.</ref><ref group="Anm.">Die Website swiss-spectator.ch nennt in losem Zusammenhang die Druckerei von Jacob N. Gadina in Bügl Grond. Scuol und Tarasp-Vulpera. In: swiss-spectator.ch. 24. August 2022, abgerufen am 14. August 2024 (Quelle [teilweise] und weitere Informationen: www.scuol.net; Korrektorin: Petra Ehrismann).</ref>

Rezeption

Jacob Candreia bedauerte 1898, dass sich ausser Erwähnungen in zwei Zeitungen des Jahres 1843 keine Spuren der Gazetta ordinaria da Scuol mehr finden liessen und die Zeitung in keinem Verzeichnis rätoromanischer Literatur zu finden sei. Zudem mutmasste er, dass aufgrund der damals abgeschiedenen Lage des Unterengadins ohne regelmässigen Botendienst mit höchstens 6000 Bewohnern – mehrheitlich ohne Schreib- und Lesekompetenz – die Zeitung nicht lange habe bestehen können.<ref name="Candreia" />

Der Schweizer Historiker Carl Camenisch führte 1908 das Erscheinen der Gazetta ordinaria da Scuol bereits im Jahr 1700 als Beispiel dafür an, dass im Engadin die Bevölkerung im Sprachenstreit zwischen dem Rätoromanischen und dem Italienischen am Rätoromanischen festhalten wollte.<ref>Carl Camenisch: Ein friedlicher Sprachenkampf (kulturhistorische Skizze). In: Wissen und Leben. Band 2, 1908, S. 87–93, hier S. 90: «Dass aber das Volk seiner Muttersprache nicht untreu werden wollte, geht wohl schon daraus hervor, dass im Engadin bereits im Jahre 1700 eine romanische Zeitung, die ‹Gazetta ordinaria da Scuol›, erschienen war» (ScanE-Periodica).</ref> Der Aufsatz wurde 1945 nachgedruckt.<ref>Carl Camenisch: Ein friedlicher Sprachenkampf (kulturhistorische Skizze). In: Bündner Jahrbuch. Zeitschrift für Kunst, Kultur und Geschichte Graubündens. Band 1, 1945, S. 27–32, hier S. 30 (ScanE-Periodica).</ref>

Siehe auch

Literatur

  • Jacob Candreia: Die romanische und italienische Journalistik Graubündens. In: Die Schweizer Presse. Hrsg. vom Verein der schweizerischen Presse. Jent & Company, Bern 1896, S. 469–520, hier S. 471 f. (Vf. geht aufgrund von Erwähnungen des «143»-jährigen Bestehens der Zeitung im Republicano (1843, Nr. 4) und in der Aurora (1843, Nr. 11) vom Bestehen der Zeitung Gazetta ordinaria da Scuol schon im Jahr 1700 – wenn nicht bereits im 17. Jh. [infrage käme dann nur 1699] – aus und bedauert das Fehlen weiterer Angaben dort und jeglicher bibliographischer Spuren anderswo; umständehalber sei von «keiner langen Dauer» auszugehen; Scan in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.; andere Quellen datieren die Einstellung auf 1726).
  • Daniel Foppa: Die Geschichte der deutschsprachigen Tagespresse des Kantons Graubünden. In: Jahrbuch der Historischen Gesellschaft Graubünden. Band 132, 2002, ISSN 1011-2049, S. 1–71 (auch als Separatum; ScanE-Periodica).
  • Adolf Collenberg: Presse. In: Rätisches Historisches Lexikon. Stand: 14. August 2024 (mit weiterer Literatur).

Anmerkungen

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Einzelnachweise

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