Zum Inhalt springen

Gasturbinenkraftwerk Thyrow

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Gasturbinenkraftwerk Thyrow
Datei:GTKWTHY 2.jpg
Lage

Gasturbinenkraftwerk Thyrow (Brandenburg)
Gasturbinenkraftwerk Thyrow (Brandenburg)
Koordinaten 52° 13′ 49″ N, 13° 18′ 5″ OKoordinaten: 52° 13′ 49″ N, 13° 18′ 5″ O
 {{#coordinates:52,2302|13,3014|primary
dim=1000 globe= name=Gasturbinenkraftwerk Thyrow region=DE-BB type=building
  }}
Land Deutschland
Daten

Typ Gasturbinenkraftwerk
Primärenergie Fossile Energie
Brennstoff Erdgas
Leistung 188 Megawatt<ref name=" LEAG PM 2016"/>
Eigentümer LEAG
Betreiber Lausitz Energie Kraftwerke AG
Betriebsaufnahme 1987
Turbine 4 Gasturbinen Alsthom PG6461B<ref name="vattenfall-datenblatt" />
3 Gasturbinen Alsthom PG6541B<ref name="vattenfall-datenblatt" />
Website www.leag.de

Das Gasturbinenkraftwerk Thyrow (abgekürzt auch GTKW Thyrow) ist ein Gasturbinenkraftwerk im Ortsteil Märkisch Wilmersdorf der brandenburgischen Stadt Trebbin im Landkreis Teltow-Fläming. Es wird als Reservekraftwerk vorgehalten und dient ausschließlich dem Netzwiederaufbau im Schwarzwerdefall. Eigentümer und Betreiber ist die Lausitz Energie Kraftwerke AG.<ref name=" LEAG PM 2016">LEAG sichert Netzwiederaufbau und Stromversorgung im Krisenfall Pressemitteilung der LEAG vom 20. Dezember 2016.</ref>

In unmittelbarer Nähe befindet sich ein Umspannwerk und ein Bahnstrom-Umrichterwerk.

Technik und Geschichte

Datei:GTKWTHY 3.jpg
Die Gasturbinen A3–H3, am linken Bildrand ein 5000-m³-HEL-Tank (2011)
Datei:GTKWTHY 1.jpg
Gasturbine A3 Thyrow (2011)
Datei:GTKWTHY 5.jpg
Gasturbine E3 Thyrow (2004)
Datei:GTKWTHY 4.jpg
Gasturbine H3 Thyrow (2004)

Das Kraftwerk wurde vom VEB Wärmeanlagenbau Berlin projektiert und vom Bau und Montage Kombinat Ost (BMK Ost) aus Potsdam erbaut.<ref name="maerkische" /> Im Jahr 1987 wurden die ersten vier Gasturbinen (A bis D) in Betrieb genommen, deren Generatoren über eine elektrische Leistung von jeweils 37 Megawatt verfügen.<ref name="uba" /> Im Jahr 1989 folgten vier weitere Gasturbinen (E bis H), deren Generatoren (aus dem ALSTHOM Generatorwerk Belfort/Frankreich) über eine elektrische Leistung von jeweils 38 Megawatt verfügen.<ref name="uba" /> Bei den Gasturbinen handelt es sich um eine Packagebauweise PG6461B und PG6541B (Lizenz der GE) des Herstellers Alsthom Turbine á Gaz (heute GE Energy in Belfort/Frankreich). Die GT haben einen Nettowirkungsgrad von 31 %.<ref name="vattenfall-datenblatt" /> Betrieben werden alle Gasturbinen heutzutage ausschließlich mit Erdgas.<ref name="uba" /> Ein ursprünglicher Einzel- bzw. Mischbetrieb mit Heizöl ist seit 2010 nicht mehr möglich, die erforderliche Leittechnik wurde entsprechend angepasst.

Durch das am Standort befindliche Notstrom-Dieselaggregat ist das Kraftwerk schwarzstartfähig, d. h. der notwendige Kraftwerks-Eigenbedarf benötigt keine externe Netz-Einspeisung. Das Kraftwerk kann innerhalb von sieben Minuten in Betrieb genommen werden.<ref name="Vattenfall investiert 2010"/>

Im Oktober 2003 wurde die Leittechnik der Gasturbinen und Nebenanlagen erneuert. Die jeweils vier Gasturbinen vom Typ PG6461B und PG6541B waren bis dahin mit jeweils vier Turbinensteuerungen (Speedtronic-Mark-II bzw. Mark-IV von General Electric) ausgestattet. Im Zuge der Modernisierung wurde, unter der Produktbezeichnung MACH7, auf die hochverfügbare Technologie S7-400H von Siemens gesetzt. Mit dem Visualisierungssystem TMOS konnte das Kraftwerk von der Zentralwarte des mittlerweile stillgelegten Gasturbinenkraftwerks Ahrensfelde aus betrieben und überwacht werden.<ref name="retm7" />

Im Jahr 2008 war das Kraftwerk Thyrow etwa 350 Stunden pro Jahr in Betrieb.<ref name="maerkische">Heidi Borchert: Schnellstartreserve für Stromversorgung: Thyrower Gasturbinenkraftwerk öffnet Pforten für Besucher. Märkische Allgemeine, 19. November 2008.</ref> Es war damals „das einzige schwarzstartfähige Gasturbinen-Kraftwerk“ in der Regelzone des Übertragungsnetzbetreibers Vattenfall Europe Transmission (heute 50Hertz Transmission).<ref name="dena" /> In den nächsten zehn Jahren ging die Zahl der Betriebsstunden pro Jahr stark zurück, entsprechend auch die Menge der Emissionen (siehe unten).

Im Juni 2016 wurden alle Blöcke bei der Bundesnetzagentur zur endgültigen Stilllegung angezeigt. Nach Ansicht des Übertragungsnetzbetreibers 50Hertz Transmission würde jedoch eine dauerhafte Stilllegung des gesamten Kraftwerks „mit hinreichender Wahrscheinlichkeit zu einer nicht unerheblichen Gefährdung oder Störung der Sicherheit oder Zuverlässigkeit des Elektrizitätsversorgungssystems“ führen, weshalb fünf Blöcke (A–E) als systemrelevant ausgewiesen wurden. Die Bundesnetzagentur kam ebenfalls zu dieser Einschätzung. Die fünf Gasturbinen stellen eine Schwarzstart-Reserve für das Kraftwerk Jänschwalde dar. Wegen der Einstufung als systemrelevant wurde angeordnet, dass die fünf Turbinen und der Erdgasröhrenspeicher zunächst für zwei weitere Jahre,<ref>Vgl. Bundesnetzagentur: Systemrelevante Kraftwerke</ref> bis Mitte 2018, einsatzbereit gehalten werden. Die systemrelevanten Reserve-Anlagen dürfen nicht am Strommarkt teilnehmen.<ref name=" LEAG PM 2016"/> Die Blöcke A–E gelten weiterhin als systemrelevant, ihr Status ist „gesetzlich an Stilllegung gehindert“ (Stand 2019).<ref name="BNetzA">Kraftwerksliste. Bundesnetzagentur, 11. November 2019, abgerufen am 11. Dezember 2019.</ref>

Für die übrigen, nicht systemrelevanten drei Gasturbinen wurden andere Vermarktungsmöglichkeiten gesucht.<ref name=" LEAG PM 2016"/> Im Jahr 2017 wurde der Block F demontiert und verkauft.

Kapazitätsreserve

Seit dem 1. Oktober 2020 befinden sich die fünf Gasturbinen A bis E mit insgesamt 150 Megawatt in der Kapazitätsreserve der Übertragungsnetzbetreiber.<ref>Kapazitätsreserve. In: netztransparenz.de. Abgerufen am 7. März 2022.</ref>

Erdgasspeicher

Am 29. Oktober 2010 wurde auf dem Kraftwerksgelände ein unterirdischer Röhrenspeicher zur Speicherung von Erdgas in Betrieb genommen. Der Speicher besteht aus Röhren mit einer Gesamtlänge von 3,5 km und einem Durchmesser von 1,40 m und kann ein Arbeitsvolumen an Erdgas von etwa 480.000 m³ speichern. Der Erdgasspeicher ermöglicht einen vom Erdgasnetz unabhängigen Betrieb des Kraftwerks über einen Zeitraum von sechs Stunden.<ref name="Vattenfall investiert 2010"/> Die Investitionskosten für den Erdgasspeicher beliefen sich zusammen mit dem gleichzeitig gebauten Erdgasspeicher am Gasturbinenkraftwerk Ahrensfelde auf insgesamt 33,5 Millionen Euro.<ref name="Vattenfall investiert 2010"/>

Netzanschluss

Das Kraftwerk ist auf 110-kV-Hochspannungsebene über das Umspannwerk Thyrow mit dem Stromnetz des Übertragungsnetzbetreibers 50Hertz Transmission verbunden.<ref name="BNetzA" />

Umspannwerk Thyrow

Neben dem Gasturbinenkraftwerk Thyrow befindet sich das Umspannwerk Thyrow (auch Unterwerk Thyrow), welches das 380/220-kV-Übertragungsnetz des Unternehmens 50Hertz Transmission mit dem 110-kV-Verteilnetz des Unternehmens E.DIS verbindet.<ref name="gl-12"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Landesplanerische Beurteilung für die Planung „110-kV-Freileitung von Schönewalde nach Baruth“ (Memento des Vorlage:IconExternal vom 26. August 2019 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/gl.berlin-brandenburg.de Gemeinsame Landesplanungsabteilung Berlin-Brandenburg, 21. April 2011, S. 12 (PDF).</ref><ref name="e.on edis">Umspannwerk Thyrow jetzt topfit für die Zukunft. Pressemitteilung. E.ON edis, 22. November 2005, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 13. Oktober 2010; abgerufen am 16. November 2011.</ref> Ebenfalls an das Umspannwerk ist das Bahnstrom-Umrichterwerk angebunden.<ref name="e.on edis" /> Vom Umspannwerk Thyrow aus führt eine 380-kV-Leitung nach Ragow, sowie je eine 220-kV-Leitung nach Wustermark, Berlin-Marzahn und Berlin-Wuhlheide.<ref>Netzbelastung in der Regelzone 50hertz.com. Die Leitungen werden aufgelistet beim Klick auf das Umspannwerk Thyrow in der Karte (nordwestlich von Ragow, kurz nach der Abzweigung nach rechts).</ref>

Bahnstrom-Umrichterwerk

In den Jahren 2004 und 2005 wurde neben dem Umspannwerk Thyrow ein Bahnstrom-Umrichterwerk mit einer Gesamtleistung von 120 MW durch die DB Energie in Betrieb genommen. Errichtet wurde die Anlage von Areva.<ref name="raithmayr" /> Das Umrichterwerk besteht aus acht mit GTO-Thyristoren bestückten Stromrichtern mit einer Leistung von jeweils 15 MW.<ref name="raithmayr" />

Treibhausgasemissionen

Die Tabelle zeigt historische Kohlendioxid-Emissionen.<ref>Deutsche Emissionshandelsstelle: Anlagenliste 2018</ref> Da in den Zeiträumen 2005–2007 und 2008–2012 jeweils die Emissionen höher waren als die Emissionsberechtigungen, musste der Betreiber Emissionsberechtigungen im EU-Emissionshandel zukaufen.

Jahr Emissionen
(t CO2-Äquivalente)
Zugeteilte Zertifikate
(EUA)
2005–2007 50.030 14.850
2008–2012 85.874 40.080
2013 7.146 keine Zuteilung
2014 4.869 keine Zuteilung
2015 4.626 keine Zuteilung
2016 3.015 keine Zuteilung
2017 1.048 keine Zuteilung
2018 1.276 keine Zuteilung

Weblinks

Commons: Gasturbinenkraftwerk Thyrow – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references> <ref name="raithmayr"> Werner Raithmayr: Anforderungen an die Leistungselektronik im Netz – Erfahrungen mit statischen Bahnstromumrichtern Präsentation beim Internationalen ETG Kongress, Dresden, 2005 (PDF) </ref> <ref name="uba"> Datenbank „Kraftwerke in Deutschland“. Liste der sich in Betrieb befindlichen Kraftwerke bzw. Kraftwerksblöcke ab einer elektrischen Bruttoleistung von 100 Megawatt Umweltbundesamt, 9. September 2011 (PDF) </ref> <ref name="Vattenfall investiert 2010"> Vattenfall investiert in Spitzenlastkraftwerke bei Berlin niederlausitz-aktuell.de, 29. Oktober 2010. </ref> <ref name="vattenfall-datenblatt"> Gasturbinenkraftwerk Thyrow. (PDF; 47 kB) Vattenfall Europe Generation AG, ehemals im Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar); abgerufen am 11. November 2011.@1@2Vorlage:Toter Link/www.vattenfall.de (Seite nicht mehr abrufbar. Suche im Internet Archive ) </ref> <ref name="retm7"> Retrofit MACH7. ITS – Industrial Turbine Services GmbH, abgerufen am 5. Oktober 2011. </ref> <ref name="dena">Deutsche Energie-Agentur: Untersuchung der elektrizitätswirtschaftlichen und energiepolitischen Auswirkungen der Erhebung von Netznutzungsentgelten für den Speicherstrombezug von Pumpspeicherwerken (kurz: NNE-Pumpspeicher) Abschlussbericht, 24. November 2008. </ref> </references>