Ganzheitsring
Vorlage:Hinweisbaustein Im mathematischen Teilgebiet der algebraischen Zahlentheorie ist der Ganzheitsring oder Zahlring eines algebraischen Zahlkörpers das Analogon des Ringes der ganzen Zahlen im Fall des Körpers der rationalen Zahlen. Die Elemente eines Ganzheitsringes werden als algebraisch ganze Zahlen bezeichnet, die Menge aller algebraisch ganzen Zahlen ist der Ganzheitsring im Körper aller algebraischen Zahlen.
Definition
Es sei <math>K</math> ein algebraischer Zahlkörper, d. h. eine endliche Erweiterung des Körpers der rationalen Zahlen. Dann ist der Ganzheitsring <math>\mathcal O_K</math> von <math>K</math> definiert als der ganze Abschluss von <math>\mathbb Z</math> in <math>K</math>, d. h. die Teilmenge derjenigen <math>x\in K</math>, die eine Gleichung der Form
- <math>x^n + c_{n-1}x^{n-1} + \ldots + c_1 x + c_0 = 0</math>
mit <math>c_i\in\mathbb Z</math> erfüllen. Man beachte, dass der Koeffizient von <math>x^n</math> (der Leitkoeffizient des Polynoms <math>x^n + c_{n-1}x^{n-1} + \ldots + c_1 x + c_0 </math>) gleich 1 sein muss. Man bezeichnet solche Polynome als normiert. Ohne diese Einschränkungen bekäme man den ganzen Körper <math>K</math>.
Eine äquivalente Definition lautet: Der Ganzheitsring von <math>K</math> ist die im Sinne der Inklusion maximale Ordnung, die Hauptordnung auf <math>K</math>.
Eigenschaften
- <math>\mathcal O_K</math> ist ein endlich erzeugter, freier <math>\mathbb Z</math>-Modul vom Rang <math>[K\colon \mathbb Q]</math>.
- <math>\mathcal O_K</math> ist ein Dedekindring.
- Die Einheitengruppe von <math>\mathcal O_K</math> wird durch den Dirichletschen Einheitensatz beschrieben.
Beispiele
- Ist <math>K=\mathbb Q(\mathrm i\sqrt3)</math>, so ist <math>\mathcal O_K</math> der Ring der Eisenstein-Zahlen
- <math>u + v\cdot\frac{-1+\mathrm i\sqrt3}2</math> mit <math>u,v\in\mathbb Z.</math>
- Eine solche Zahl ist Nullstelle des Polynoms
- <math>X^2 - (2u - v)X + (u^2 - uv + v^2).</math>
- Erfüllt umgekehrt <math>x=a+b\mathrm i\sqrt3\in K</math> die Polynomgleichung
- <math>x^2+px+q=0</math> mit <math>p,q\in\mathbb Z,</math>
- so folgt <math>p=-2a</math> und <math>q=a^2+3b^2</math>. Man kann zeigen, dass dann <math>a+b</math> und <math>2b</math> ganzzahlig sind, also ist
- <math>x = (a+b) + 2b\cdot\frac{-1+\mathrm i\sqrt3}2</math>
- eine Eisenstein-Zahl.
- Ist <math>K=\mathbb Q(\mathrm i)</math>, so ist <math>\mathcal O_K</math> der Ring der ganzen gaußschen Zahlen <math>\mathbb Z[\mathrm i]</math>.
- Allgemein sieht für den Ganzheitsring von <math>\mathbb Q(\sqrt{d})</math> (wobei <math>d</math> ganz und quadratfrei sei) eine Ganzheitsbasis so aus:
- <math>\left\{1,\sqrt{d} \right\}</math>, falls <math>d</math> kongruent 2 oder 3 mod 4
- <math>\left\{1, \frac{1+\sqrt{d}}2 \right\}</math>, falls <math>d</math> kongruent 1 mod 4
- Bezeichnet <math>\zeta</math> eine primitive <math>n</math>-te Einheitswurzel, so ist der Ganzheitsring des <math>n</math>-ten Kreisteilungskörpers <math>\mathbb Q(\zeta)</math> gleich <math>\mathbb Z[\zeta]</math>.