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Galeazzo Maria Sforza

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Datei:Piero Pollaiuolo Portrait of Galeazzo Maria Sforza.jpg
Piero del Pollaiuolo, Porträt des Galeazzo Maria Sforza, 1471, Uffizien

Galeazzo Maria Sforza (* 24. Januar 1444 in Fermo; † 26. Dezember 1476 in Mailand) war Herzog von Mailand. Er gehörte zur Familie Sforza und war der Sohn von Francesco I. Sforza und Bianca Maria Visconti.

Leben

Galeazzo Maria hatte auf Wunsch seines Vaters eine klassische („humanistische“) Ausbildung genossen, die ihm Kenntnisse in Geschichte, Geographie, Politik, Musik und Tanz sowie in klassischen Sprachen vermittelte.<ref>Alfredo Bosisio: Storia di Milano. Giunti-Martello, Mailand 1978, S. 179.</ref> Bereits in jungen Jahren wurde er von seinem Vater als Botschafter eingesetzt, u. a. nach Florenz, wo er Cosimo de Medici traf, einen Verbündeten der Sforza. Danach begann sein Vater, ihn mit den Regierungsgeschäften vertraut zu machen. 1465 wurde er mit einem Aufgebot nach Frankreich entsandt, um dort König Ludwig XI. gegen aufständische Adlige um Karl den Kühnen zu unterstützen. Hintergedanke war ein verbessertes Einvernehmen mit dem mächtigen Land jenseits der Alpen. Am 6. März 1466 starb Francesco Sforza unerwartet nach einer plötzlich aufgetretenen Krankheit. Von seiner Mutter dringend zurückberufen, übergab Galeazzo Maria das Kommando seiner Truppen an einen Stellvertreter und durchquerte verkleidet den Machtbereich des verfeindeten Herzogs von Savoyen Amadeus IX.<ref>Alfredo Bosisio: Storia di Milano. Giunti-Martello, Mailand 1978, S. 178.</ref> Dabei wurde er erkannt und musste Zuflucht in einer Abtei nehmen, wo er sich mit seinem Gefolge verschanzte. Auf Vermittlung seiner Mutter, die dabei auch die Allianz mit Frankreich ins Spiel brachte, um Druck auf Savoyen auszuüben, erhielt er jedoch freies Geleit und zog am 20. März in Mailand ein, wo er die Regierung übernahm. Mit Ausnahme des traditionell verfeindeten Venedigs entsendeten alle italienischen Staaten Kondolenznachrichten zur Beerdigung des verstorbenen Herzogs Francesco.

Außenpolitisch war Mailand nicht nur mit Frankreich befreundet, sondern seit 1450 auch eng mit Florenz verbunden. Diese zwischen Francesco Sforza und Cosimo de Medici geschlossene Allianz war für beide Seiten von grundlegender Bedeutung; das militärisch starke Mailand stützte wiederholt die Medici, umgekehrt finanzierte die Bank der Medici den Wiederaufbau des Herzogtums Mailand nach den vergangenen Kriegen. Zudem war die Republik Genua Teil des Bündnisses. Dagegen standen die Republik Venedig, Savoyen, die Markgrafschaft Montferrat und der König von Neapel, Alfons V. von Aragón.<ref>Francesco Cognasso: I Savoia. Corbaccio, Mailand 1999, S. 276.</ref> Venedig und Savoyen versuchten nun nach dem überraschenden Tod Francesco Sforzas aus der neuen Lage Kapital zu schlagen und die bestehenden Allianzen auszuhebeln. Im Krieg von 1467 verteidigte der junge Galeazzo Maria sich erfolgreich gegen seine feindlichen Nachbarn. In der Schlacht von Riccardina am 25. Juli 1467 trafen florentinische, mailändische und verbündete Truppen auf von Venedig finanzierte Truppen. Auf der anderen Seite zwang Galeazzo Maria den Philipp II von Savoyen zur Kapitulation. Ein vom Papst vermittelter Friede beendete den Krieg.

Innenpolitisch förderte Galeazzo Maria die Handwerksbetriebe der Lombardei, die er mit diversen Maßnahmen vor ausländischer Konkurrenz schützte. Dazu leitete er 1470 den Reisanbau ein. 1474 begann er eine Währungsreform und führte mit dem Testone eine Silbermünze ein, der sich rasch in vielen Staaten Italiens verbreitete.

Nach dem Tod seiner ersten Frau heiratete Galeazzo Maria auf Druck des französischen Verbündeten Bona von Savoyen, um ein Einverständnis zwischen Frankreich, Savoyen und Mailand herzustellen. Darüber überwarf er sich mit seiner Mutter, die gegen die Hochzeit war. Gleichzeitig willensstark und entscheidungsfreudig, zeigte er sehr schnell Züge von Grausamkeit und Sadismus. So verurteilte er einen Geistlichen zum Hungertod, weil dieser ihm eine nur kurze Regierungszeit vorhergesagt hatte. Dazu war er auch für seinen wollüstigen Charakter bekannt: Er kaufte Frauen und Mädchen, die er danach an seine Höflinge weitergab. Einem Mann ließ er aus krankhafter Eifersucht die Hände abhacken.<ref>Lauro Martines: Die Verschwörung. Aufstieg und Fall der Medici im Florenz der Renaissance. Primus, Darmstadt 2004, S. 25.</ref> Er umgab sich mit Geliebten, von denen die Adlige Lucia Marliani aufgrund ihres Einflusses herausragte.<ref>Alfredo Bosisio: Storia di Milano. Giunti-Martello, Mailand 1978, S. 178.</ref>

Galeazzo Maria war als Patron von Kunst und Musik bekannt. Durch sein Engagement wurde sein Hoforchester eines der bekanntesten und historisch wichtigsten in Europa.<ref>Lauro Martines: Die Verschwörung. Aufstieg und Fall der Medici im Florenz der Renaissance. Primus, Darmstadt 2004, S. 25.</ref> Komponisten aus dem Norden, vor allem aus Flandern und den Niederlanden kamen an seinen Hof; darunter Alexander Agricola, Johannes Martini, Loyset Compère, Gaspar van Weerbeke, vor allem aber Josquin des Prez, der später als der berühmteste Komponist der Zeit in Europa galt. Das Castello Sforzesco ließ er aufwendig verschönern und ließ von Bonifacio Bembo und Vincenzo Foppa einige Säle des Castello Visconteo in Pavia mit Fresken bemalen.<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref>

Galeazzo Maria wurde am 26. Dezember 1476, kurz nach seiner Rückkehr von einer Strafaktion gegen den Herzog von Burgund, in der Basilica di Santo Stefano Maggiore von drei Adligen (Carlo Visconti, Giovanni Andrea Lampugnani und Gerolamo Olgiati) ermordet. Angestiftet wurden sie dabei auch von Cola Montano,<ref>Tobias Daniels: Umanesimo, congiure e propaganda politica. Cola Montano e l’Oratio ad Lucenses. Collana Inedita Saggi, RR 63, Roma 2015, ISBN 978-88-85913-88-2.</ref> der von Galeazzo öffentlich ausgepeitscht worden war. Bisher gingen die Historiker davon aus, dass es sich bei dem Mordkomplott um einen Umsturzversuch handelte, der jedoch scheiterte. Gregory Lubkin erkennt vorwiegend Loyalitätsverluste, stellt neben politische Gründe jedoch das allgemeine Sozialverhalten, beispielsweise Promiskuität.<ref>Gregory Lubkin: A Renaissance court. Milan under Galeazzo Maria Sforza. University of California Press, Berkeley/Los Angeles/London 1994, S. 240 f.</ref> Lauro Martines sieht jeweils unterschiedliche Hauptmotive bei den drei Mördern; Visconti habe sich aus Gründen der Familienehre gegen den Herzog gewendet, da dieser seine Schwester entehrt hatte. Olgiati habe aus idealistischen Motiven und aus nostalgischer Erinnerung an die Ambrosianische Republik gehandelt. Lampugnani dagegen habe sich aus Rache am Mord beteiligt, nachdem seine Familie mit dem Bischof von Como in einem Streit um Pachtland geraten und vom Herzog übervorteilt worden war.<ref>Lauro Martines: Die Verschwörung. Aufstieg und Fall der Medici im Florenz der Renaissance. Primus, Darmstadt 2004, S. 25 f.</ref>

Familie

Datei:Galeazzo sforza assassination.jpg
Eine Darstellung der Ermordung von Galeazzo Maria Sforza

Galeazzo Maria heiratete 1466 in erster Ehe Dorotea Gonzaga, Tochter des Ludovico III. Gonzaga, Markgraf von Mantua, die aber bereits nach zwei Jahren (1468) kinderlos starb. Noch in ihrem Todesjahr, am 6. Juli 1468, heiratete er Bona von Savoyen (1449–1503), eine Tochter des Herzogs Ludwig. Sie ist die Mutter seiner Kinder:

Mit seiner Geliebten Lucrezia Landriano hatte er zumindest eine uneheliche Tochter:

Literatur

|1=Hamm 1975. 2., unveränderte Auflage. Hamm 1990, ISBN 3-88309-013-1 |2=Hamm 1990, ISBN 3-88309-032-8 |3=Herzberg 1992, ISBN 3-88309-035-2 |4=Herzberg 1992, ISBN 3-88309-038-7 |5=Herzberg 1993, ISBN 3-88309-043-3 |6=Herzberg 1993, ISBN 3-88309-044-1 |7=Herzberg 1994, ISBN 3-88309-048-4 |8=Herzberg 1994, ISBN 3-88309-053-0 |9=Herzberg 1995, ISBN 3-88309-058-1 |10=Herzberg 1995, ISBN 3-88309-062-X |11=Herzberg 1996, ISBN 3-88309-064-6 |12=Herzberg 1997, ISBN 3-88309-068-9 |13=Herzberg 1998, ISBN 3-88309-072-7 |14=Herzberg 1998, ISBN 3-88309-073-5 |15=Herzberg 1999, ISBN 3-88309-077-8 |16=Herzberg 1999, ISBN 3-88309-079-4 |17=Herzberg 2000, ISBN 3-88309-080-8 |18=Herzberg 2001, ISBN 3-88309-086-7 |19=Nordhausen 2001, ISBN 3-88309-089-1 |20=Nordhausen 2002, ISBN 3-88309-091-3 |21=Nordhausen 2003, ISBN 3-88309-110-3 |22=Nordhausen 2003, ISBN 3-88309-133-2 |23=Nordhausen 2004, ISBN 3-88309-155-3 |24=Nordhausen 2005, ISBN 3-88309-247-9 |25=Nordhausen 2005, ISBN 3-88309-332-7 |26=Nordhausen 2006, ISBN 3-88309-354-8 |27=Nordhausen 2007, ISBN 978-3-88309-393-2 |28=Nordhausen 2007, ISBN 978-3-88309-413-7 |29=Nordhausen 2008, ISBN 978-3-88309-452-6 |30=Nordhausen 2009, ISBN 978-3-88309-478-6 |31=Nordhausen 2010, ISBN 978-3-88309-544-8 |32=Nordhausen 2011, ISBN 978-3-88309-615-5 |33=Nordhausen 2012, ISBN 978-3-88309-690-2 |34=Nordhausen 2013, ISBN 978-3-88309-766-4 |35=Nordhausen 2014, ISBN 978-3-88309-882-1 |36=Nordhausen 2015, ISBN 978-3-88309-920-0 |37=Nordhausen 2016, ISBN 978-3-95948-142-7 |38=Nordhausen 2017, ISBN 978-3-95948-259-2 |39=Nordhausen 2018, ISBN 978-3-95948-350-6 |40=Nordhausen 2019, ISBN 978-3-95948-426-8 |41=Nordhausen 2020, ISBN 978-3-95948-474-9 |42=Nordhausen 2021, ISBN 978-3-95948-505-0 |43=Nordhausen 2021, ISBN 978-3-95948-536-4 |44=Nordhausen 2022, ISBN 978-3-95948-556-2 |45=Nordhausen 2023, ISBN 978-3-95948-584-5 |46=Nordhausen 2023, ISBN 978-3-95948-590-6 |47=Nordhausen 2024, ISBN 978-3-689-11006-2 |48=Nordhausen 2025, ISBN 978-3-689-11017-8 }}{{#if:|, Sp. }}{{#if:1579-1583|, Sp. {{#iferror:{{#expr:1579-1583}}|1579-1583|{{#expr:1*1579-1583*0}}–{{#expr:-(0*1579-1583*1)}}}}}}}}{{#if:|}}{{#if:https://web.archive.org/web/20070629132149/http://www.bautz.de/bbkl/s/s3/sforza_g_m.shtml%7C}}.{{#if: 9 | |{{#ifeq:||}}}}

  • Gregory Lubkin: A Renaissance court. Milan under Galeazzo Maria Sforza. University of California Press, Berkeley/Los Angeles/London 1994, ISBN 0-520-08146-3.
  • Lauro Martines: Die Verschwörung. Aufstieg und Fall der Medici im Florenz der Renaissance. Primus, Darmstadt 2004, ISBN 3-89678-254-1. (S. 24–30)
  • Galeacius maria hertzog zu Mayland in der Schedelschen Weltchronik von 1493.

Weblinks

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Einzelnachweise

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