Zum Inhalt springen

Gaius Octavius Rufus

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Gaius Octavius Rufus war ein römischer Politiker des 3. Jahrhunderts v. Chr.

Er war der erste seines Geschlechts,<ref>Zu diesem Friedrich Münzer: Octavius. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft, Bd. XVII,2, Stuttgart 1937, Sp. 1801–1803 (Digitalisat); Karl-Ludwig Elvers: Octavius. In: Der Neue Pauly, Bd. 8, Stuttgart/Weimar 2000, Sp. 1098.</ref> der durch Volkswahl ein öffentliches Amt, nämlich die Quaestur, erlangte; von seinen beiden Söhnen Gnaeus und Gaius gingen die beiden Zweige des Geschlechts aus; vom Sohn Gaius stammte Kaiser Augustus ab.<ref>Sueton, divus Augustus 2,1–2.</ref> Wilhelm Drumann<ref>Wilhelm Drumann: Geschichte Roms in seinem Übergange von der republikanischen zur monarchischen Verfassung, Bd. 4, 2. Auflage, Leipzig 1908, S. 234, 236. Zustimmend: Russel M. Geer: Suetonius, Augustus, II,2. In: The American Journal of Philology 55/4 (1934), S. 337–339; sowie Robert Broughton/Marcia L. Patterson: The Magistrates of the Roman Republic, Bd. 1, 509 B.C.–100 B.C., New York 1951, S. 227, Anm. 1.</ref> hält das Praenomen des Quaestors Gaius für irrig oder verderbt und setzt stattdessen Gnaeus an. Er stützt diese Annahme darauf, dass der älteste Sohn im Regelfall das Praenomen des Vaters erhielt, dass dieser eines der höchsten Ämter bekleidet habe und folglich mit dem Praetor des Jahres 549 (= 205 v. Chr.)<ref>Friedrich Münzer: Octavius 16. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft, Bd. XVII,2, Stuttgart 1937, Sp. 1808–1810 (Digitalisat); Tassilo Schmitt: Octavius I 3. In: Der Neue Pauly, Bd. 8, Stuttgart/Weimar 2000, Sp. 1099.</ref> zu identifizieren sei, sowie darauf, dass dessen Sohn, der Consul des Jahres 589 (= 165 v. Chr.),<ref>Friedrich Münzer: Octavius 17. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft, Bd. XVII,2, Stuttgart 1937, Sp. 1810–1814 (Digitalisat).</ref> als Gnaeus, Sohn des Gnaeus, Enkel des Gnaeus bezeugt ist.

Diese Schlussfolgerung ist jedoch – wie Friedrich Münzer aufgezeigt hat<ref>Friedrich Münzer: Octavius 79. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft, Bd. XVII,2, Stuttgart 1937, Sp. 1853f.</ref> – keineswegs zwingend: Zunächst ist die Regel, nach der der erstgeborene Sohn das väterliche Praenomen übernimmt, durchaus nicht ausnahmslos, wie auch Sueton<ref>Sueton, Nero 1,2.</ref> am Beispiel der Domitii Ahenobarbi zeigt.<ref>Zum Thema der Namensgebung des ältesten Sohnes vgl. Olli Salomies: Die römischen Vornamen. Studien zur römischen Namengebung, Helsinki 1987, S. 211–223 Benet Salway: What’s in a Name? A Survey of Roman Onomastic Practice from c. 700 B.C. to A.D. 700. In: The Journal of Roman Studies 84 (1994), S. 124–145, hier: S. 125.</ref> Darüber hinaus besagen die Worte Gnaeus et deinceps ab eo reliqui omnes functi sunt honoribus summis<ref>„Gnaeus und anschließend alle übrigen nach ihm bekleideten die höchsten Ämter“; Sueton, divus Augustus 2,2.</ref> nicht notwendigerweise, dass bereits der erste Gnaeus, Sohn des Quaestors, bis zur Praetur gelangte. Er könnte ebenso gut lediglich curulischer Aedil gewesen sein, sein Sohn Praetor und dessen Sohn schließlich Consul. In diesem Fall wäre jeder Generation um jeweils eine Stufe im cursus honorum aufgestiegen, und der Consul des Jahres 589 (= 165) somit nicht der Enkel, sondern als Urenkel des Quaestors gewesen. Damit wären sowohl seine überlieferte Abstammungsangabe als auch das Praenomen Caius des Stammvaters miteinander vereinbar. Zuletzt besteht auch noch die Möglichkeit, dass zwischen dem Preator von 549 (= 205) und dem Consul von 589 (= 165) noch ein weiteres, früh verstorbenes Familienmitglied stand. Dann wäre der Consul ebenfalls ein Enkel und nicht ein Sohn des Praetors gewesen. Auch diese Konstruktion ließe sich mit der überlieferten Namensformel vereinbaren, ist jedoch wegen des bei Sueton verwendeten Ausdrucks deinceps weniger wahrscheinlich.

Folgt man der zweiten der genannten Lösungen, so müsste man die Zeit der Quaestur, die Drumann um das Jahr 524 ab urbe condita (= 230 vor Christus) ansetzte, noch um etwa eine Generation weiter zurückverlegen, etwa bis um 500 (= 254). Damit befände man sich in der Zeit des Ersten Punischen Krieges, bis zu der auch bei anderen plebejischen Geschlechter noch verlässliche Erinnerungen an die eigenen Anfänge reichten.<ref>Friedrich Münzer: Octavius 79. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft, Bd. XVII,2, Stuttgart 1937, Sp. 1853f.</ref>

Der Beiname Rufus war, wie üblich, ein individueller und ist nicht erblich geworden. Die Octavier der folgenden zwei Jahrhunderte führten, ähnlich wie andere vornehme plebejische Geschlechter – etwa die Antonii, Marii, Mummii –, keine Cognomina.<ref>Friedrich Münzer: Octavius 79. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft, Bd. XVII,2, Stuttgart 1937, Sp. 1853f.</ref> Ein Gnaeus Octavius Rufus, Sohn des Gnaeus, der in augusteischer Zeit unter den Stadträten von Pisae erscheint,<ref>CIL XI 1420 = Dessau, ILS 139, Z. 3. Annalisa Calapà: Sacra civitatium Etruriae. Untersuchungen zur Religionsgeschichte des römischen Etrurien, New York 2022, S. 315.</ref> ist nicht etwa ein Nachkomme, der den alten Beinamen wieder aufgenommen hätte; viel eher ist die Namensgleichheit als bloße Zufälligkeit zu betrachten.<ref>Friedrich Münzer: Octavius 79. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft, Bd. XVII,2, Stuttgart 1937, Sp. 1853f.</ref>

Literatur

Anmerkungen

<references responsive />

{{#if: Octavius Rufus, Gaius | {{#if: Rufus, Gaius Octavius | {{#if: römischer Politiker, Quästor | {{#if: 3. Jahrhundert v. Chr. | {{#if: | {{#if: 3. Jahrhundert v. Chr. oder 2. Jahrhundert v. Chr. | {{#if: |

Vorlage:Wikidata-Registrierung