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Gürtelfüße

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Gürtelfüße
Datei:Cortinarius torvus a1 (1).jpg

Der Wohlriechende Gürtelfuß (Cortinarius torvus) ist die Typusart der Untergattung.

Systematik
Klasse: Agaricomycetes
Unterklasse: Agaricomycetidae
Ordnung: Champignonartige (Agaricales)
Familie: Schleierlingsverwandte (Cortinariaceae)
Gattung: Schleierlinge (Cortinarius)
Untergattung: Gürtelfüße
Wissenschaftlicher Name
Cortinarius subg. Telamonia
(Fr.) Trog

Die Gürtelfüße (Telamonia) inklusive der früher als Gattung Hydrocybe abgetrennten Wasserköpfe<ref name="Moser1976"/> sind eine sehr artenreiche Untergattung der Gattung Schleierlinge (Cortinarius). Es handelt sich um oft schwer bestimm- und unterscheidbare Pilze mit zumeist düster bräunlichen, ocker- oder violettlichen Farben. Gemeinsame Merkmale sind ein trockener, oft hygrophaner Hut und ein trockener, oft mit Velumbändern gegürtelter Stiel. Die Typusart ist der Wohlriechende Gürtelfuß (Cortinarius torvus).<ref name=":0" />

Merkmale

Makroskopische Merkmale

Die Gürtelfüße sind kleine bis mittelgroße, selten große, recht einheitlich braun, grau, weißlich und/oder violett, manchmal orangerot gefärbte Lamellenpilze mit trockenem (nie schleimigem) Hut und Stiel.<ref name=":0">Kare Liimatainen, Jan T. Kim, Lisa Pokorny, Paul M. Kirk, Bryn Dentinger: Taming the beast: a revised classification of Cortinariaceae based on genomic data. In: Fungal Diversity. Band 112, Nr. 1, 1. Januar 2022, ISSN 1878-9129, S. 89–170, doi:10.1007/s13225-022-00499-9.</ref><ref name=":1" />

Der Hut ist mehr oder weniger hygrophan. Die Lamellen sind jung durch das Velum partiale geschützt, das als Cortina am Stiel zurückbleibt. Der Stiel unterhalb der Cortina ist meist in mehreren Zonen gegürtelt oder genattert; hierbei handelt es sich um Reste des Velum universale. Die Farbe der Lamellen ist jung artspezifisch verschieden, im Alter färben sie sich wie bei allen Schleierlingen durch das Sporenpulver rostbraun.

Fleisch und Huthaut reagieren bei den meisten Arten mit Laugen nach schwarzbraun bis schwarz.

Häufig sind typische Gerüche feststellbar, etwa nach Obst, Gas, Iodoform, Rettich oder verbrannten Haaren.

Mikroskopische Merkmale

Die Sporen sind rundlich, elliptisch oder mandelförmig. Die Oberfläche ist meist warzig. Die Hutdeckschicht ist zweilagig (Duplex-Struktur), mit einem mehr oder weniger entwickelten Hypoderm.<ref name=":0" /> Gelegentlich kommen Cheilozystiden vor.

Vorkommen

Ökologie und Phänologie

Wie alle Schleierlinge bilden die Gürtelfüße Ektomykorrhizen.<ref name=":0" /> Sie kommen in Laub- oder Nadelwäldern vor, besonders dominant sind sie in Nadelwäldern.<ref name=":1">Kare Liimatainen, Tuula Niskanen, Bálint Dima, Joseph F. Ammirati, Paul M. Kirk: Mission impossible completed: unlocking the nomenclature of the largest and most complicated subgenus of Cortinarius, Telamonia. In: Fungal Diversity. Band 104, Nr. 1, 1. September 2020, ISSN 1878-9129, S. 291–331, doi:10.1007/s13225-020-00459-1.</ref> Erscheinungszeit ist vor allem der Herbst bis Spätherbst, wenige Arten wachsen schon im Frühjahr oder Sommer.

Verbreitung

Die Gürtelfüße sind vorwiegend auf der Nordhalbkugel verbreitet.<ref name=":1" />

Speisewert

Wegen der großen Menge schwer unterscheidbarer Arten sind bei den Gürtelfüßen keine Speisepilze bekannt. Sie gelten als ungenießbar bis leicht giftig.

Systematik

Die Gürtelfüße bilden mit mehreren hundert Arten die artenreichste Untergattung der Schleierlingsverwandten. Es werden 80 Sektionen unterschieden (Stand 2022).<ref name=":0" /><ref name=":1" />

Liste der Sektionen mit Subsektionen und einigen Beispielarten:

Datei:Cortinarius anthracinus.jpg
Purpurschwarzer Wasserkopf (Cortinarius anthracinus)
Datei:Cortinarius armillatus.jpg
Geschmückter Gürtelfuß (Cortinarius armillatus)
Datei:C. bivelus (2).jpg
Birken-Gürtelfuß (Cortinarius bivelus)
Datei:Cortinarius evernius (sinisukkaseitikki) 2.jpg
Rettich-Gürtelfuß (Cortinarius evernius)
Datei:Cortinarius bovinus a1 (3).JPG
Dickfüßiger Nadelwald-Gürtelfuß (Cortinarius bovinus)
Datei:Cortinarius decipiens a1 (2).jpg
Schwarzgebuckelter Wasserkopf (Cortinarius decipiens)
Datei:Cortinarius alboviolaceus complex (32298821332).jpg
Weißvioletter Dickfuß (Cortinarius alboviolaceus)
Datei:Cortinarius quarciticus 312915.jpg
Quarz-Dickfuß (Cortinarius quarciticus)
Datei:Cortinarius flexipes LC0111.jpg
Duftender Gürtelfuß (Cortinarius flexipes)
Datei:Cortinarius helvelloides (Bull.) Fr 39736.jpg
Erlen-Gürtelfuß (Cortinarius helvelloides)
Datei:2012-10-17 Cortinarius hinnuleus Fr 318356.jpg
Erdigriechender Gürtelfuß (Cortinarius hinnuleus)
Datei:2005-10-22 Cortinarius humicola (Quél.) Maire, Bull 125432.jpg
Schuppiger Raukopf (Cortinarius humicola, wurde früher zu den Rauköpfen gezählt).
Datei:Cortinarius laniger (31647587194).jpg
Zimtroter Gürtelfuß (Cortinarius laniger)
Datei:Cortinarius malachius (Fr.) Fr 374656.jpg
Hygrophaner Dickfuß (Cortinarius malachius)

Einige Arten, die ehemals zu den Gürtelfüßen gezählt wurden, wurden auf der Grundlage phylogenetischer Untersuchungen in andere Untergattungen gestellt wie beispielsweise der Braunviolette (Cortinarius anomalus) und der Bocks-Dickfuß (Cortinarius camphoratus) in die Untergattung Cortinarius subgen. Camphorati, der Jodoform-Wasserkopf (Cortinarius obtusus) in die Untergattung Cortinarius subgen. Iodolentes oder der Braungestreifte Wasserkopf (Cortinarius illuminus) in die Untergattung Cortinarius subgen. Illumini.

Weitere Arten wie der Quitten-Wasserkopf (Hygronarius renidens) wurden in andere Gattungen gestellt (Hygronarius).<ref name=":0" />

Quellen

Literatur

Einzelnachweise

<references> <ref name="Moser1976"> Meinhard Moser: Telamonia und Hydrocybe. Fragen aus dem Leserkreis/Antworten. In: Z. Pilzk. Band 42, B, 1976, S. 211. </ref> </references>

Weblinks