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Gänsefingerkraut

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Gänsefingerkraut
Datei:Illustration Potentilla anserina0.jpg

Gänsefingerkraut (Argentina anserina), Illustration

Systematik
Eurosiden I
Ordnung: Rosenartige (Rosales)
Familie: Rosengewächse (Rosaceae)
Unterfamilie: Rosoideae
Gattung: Argentina
Art: Gänsefingerkraut
Wissenschaftlicher Name
Argentina anserina
(L.) Rydb.

Das Gänsefingerkraut (Argentina anserina <templatestyles src="Person/styles.css" />(L.) Rydb.; Synonym: Potentilla anserina <templatestyles src="Person/styles.css" />L.) ist eine Pflanzenart, die zur Unterfamilie der Rosoideae in der Familie der Rosengewächse (Rosaceae) gehört. Es ist weithin unter dem wissenschaftlichen Namen Potentilla anserina L. bekannt, wird aber nach jüngeren Forschungsergebnissen in die Gattung Argentina gestellt.<ref name="Sojak" /><ref name="ternes" /> Sie ist in den gemäßigten Gebieten der Nordhalbkugel weitverbreitet.

Trivialnamen

Weitere Trivialnamen sind oder waren: Anserine, Dreckkraut, Gänserich, Gänsewiß, Grensel, Martinshand, Silberblatt, Säukraut oder Krampfkraut<ref>Heilpflanze: Gänsefingerkraut, Argentina anserina. derkleinegarten.de, abgerufen am 29. November 2017.</ref><ref>Sven Dienstbach: Gänsefingerkraut. In: Pflanzenwelt in Langenbach. Heimat- und Geschichtsverein, Weilmünster-Langenbach, 2008, abgerufen am 29. November 2017.</ref><ref>Gänsefingerkraut. wildfind.com, abgerufen am 29. November 2017.</ref> sowie älter Grensing.<ref>Claudia Erbar, Karin Zimmermann: Der Codex Palatinus germanicus 539 – eine Pflanzenliste aus dem 15. Jahrhundert. 2009 (Digitalisat), S. 18–19.</ref>

Beschreibung

Datei:Zilverschoon plant Potentilla anserina.jpg
Habitus, gestielte Blüte und gefiederte Laubblätter
Datei:2018 07 Poel Gaensefingerkraut IMG 3717 1.jpg
Kriechender Ausläufer mit Blüte
Datei:Gänsefingerkraut.jpg
Habitus und gefiederte Laubblätter

Das Gänsefingerkraut ist eine kriechende, ausdauernde krautige Pflanze, die Wuchshöhen von nur 10 bis 20 Zentimetern erreicht. Sie bildet ein bis zu 20 Zentimeter langes Rhizom aus. Aus den Blattachseln sprießen bis zu 80 Zentimeter lange, kriechende Ausläufer, die an den Knoten Blattrosetten tragen und Wurzeln treiben. Die gestielten Grundblätter sind unterbrochen gefiedert und 7- bis 21-zählig. Die Blättchen sind auf der Oberseite spärlich behaart, auf der Unterseite silbrig seidenhaarig.

Die Blütezeit reicht von Mai bis September. Die einzeln an langen Stielen stehenden, radiärsymmetrischen und zwittrigen Blüten weisen einen Durchmesser von 1,5 bis 2 Zentimeter auf. Die leuchtend gelben Kronblätter sind nicht ausgerandet.

Je Blüte entstehen zahlreiche einsamige Nüsschen, die sich bei der Reife vom kegeligen Blütenboden ablösen.

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 28 oder 42.<ref name="Oberdorfer" />

Ökologie

Das Gänsefingerkraut ist eine weitverbreitete Rosettenpflanze und trittfeste Pionierpflanze. Seine Blätter biegen sich bei Trockenheit auf und reflektieren so Licht und vermutlich auch Wärme.<ref name="Düll" />

Blütenökologisch handelt es sich um homogame „Nektar führende Scheibenblumen“. Die Blüten sind nur bei Sonne völlig geöffnet. Die Kronblätter haben innen Saftmale im UV-Bereich, die für das menschliche Auge nicht erkennbar sind. Die Bestäubung erfolgt durch verschiedene Insekten. Vor dem Abblühen kommt es auch zur Selbstbestäubung.<ref name="Düll" />

Es liegt eine Selbstausbreitung vor. Häufig findet aber auch Zufallsausbreitung durch Huftiere und Klebverbreitung (mit Schlamm) durch Gänse, Menschen usw. statt.<ref name="Düll" />

Vorkommen

Das Gänsefingerkraut ist in den gemäßigten Gebieten der Nordhalbkugel weitverbreitet. In Mitteleuropa ist es häufig; es fehlt höchstens in Lagen der Mittelgebirge und in den Südalpen in kleineren Gebieten.<ref name="Sebald1992" /> Es steigt in Mitteleuropa bis in Höhenlagen von 2000 Metern.<ref name="Sebald1992" /> Im Allgäu erreicht es bei Steeg (Tirol) die Höhe von 1220 m.<ref name="Dörr-Lippert 2004" />

Vor allem auf nährstoffreichen Wiesen (Gänseweiden), auf Äckern und an Wegrändern kommt das Gänsefingerkraut bestandsbildend vor. Es siedelt verbreitet in frischen Pionierrasen, an Wegen, Ufern, in Gänseangern, vor allem in Dörfern. Es bevorzugt dichten, feuchten, stickstoffreichen, lehmig-tonigen Boden und geht auch auf steinigen Untergrund.<ref name="Oberdorfer" /> Nach Ellenberg ist es eine Halblichtpflanze, stickstoffreiche Standorte anzeigend, salzertragend und eine Ordnungscharakterart der Gänsefingerkraut-Weißstraußgras-Kriechrasen (Agrostietalia stoloniferae).<ref name="Ellenberg" />

Es ist ein Kulturfolger, durch Verschleppung weltweit verbreitet und eine der häufigsten und am weitesten verbreiteten Pflanzenarten. Wegen ihrer Salztoleranz hat sich die Art in den letzten Jahrzehnten auch entlang der Ränder von Straßen, Autobahnen und Feldwegen stark ausgebreitet.<ref>Gänsefingerkraut. garten-wissen.com, abgerufen am 29. November 2017.</ref>

Taxonomie

Das Basionym Potentilla anserina wurde 1753 von Carl von Linné in Species Plantarum erstveröffentlicht.<ref name = "SpPl" /> Das Gänsefingerkraut wurde 1898 von Per Axel Rydberg in die Gattung Argentina gestellt.<ref name="Rydberg" /> Diese lange Zeit nicht akzeptierte Einstufung wurde durch molekularsystematische Untersuchungen<ref name="Sojak" /> bestätigt.

Man unterscheidet zwei Unterarten:<ref name="FE2" />

  • Argentina anserina subsp. anserina
  • Argentina anserina subsp. egedei (<templatestyles src="Person/styles.css" />Wormsk. ex <templatestyles src="Person/styles.css" />Hornem.) <templatestyles src="Person/styles.css" />Á.Löve & <templatestyles src="Person/styles.css" />Ritchie. Sie unterscheidet sich von subsp. anserina durch die geringere Zahl der Fiederblättchen (7 bis 15), die kahl und auch unterseits weniger behaart sind. Die Chromosomenzahl beträgt bei dieser Unterart 2n = 28. Sie kommt an den Küsten Nordeuropas vor.

Verwendung

Phytotherapie

Das Gänsefingerkraut ist in den Kräuterschriften der Antike nicht zu finden. Das liegt wohl daran, dass es keine typische Mittelmeerpflanze ist, sondern seine Heimat in Mittel- und Nordeuropa hat. Im 15. Jahrhundert n. Chr. wird das Gänsefingerkraut in einem Kräuterbuch von Peter Schöffer erwähnt. In der germanischen Heilkunde wird das Gänsefingerkraut wahrscheinlich schon sehr lange verwendet, worauf auch die Anwendung in Milch hindeutet, die bei den Germanen sehr beliebt war.<ref name="Losch" /><ref name ="Heilkraeuter.de" />

Es ist hilfreich bei Durchfall, Blutungen und Entzündungen der Mundschleimhaut und des Zahnfleisches.<ref>Ulrike Weber-Fina: Gänsefingerkraut – das „Krampfkraut“. In: PTA Heute. Abgerufen am 24. Januar 2020.</ref> Die Volksmedizin setzt das Krampfkraut generell bei krampfartigen Beschwerden, auch der quergestreiften Muskulatur (z. B. Wadenkrämpfe), ein.<ref>Gänsefingerkraut: Wirkung und Anwendung der Heilpflanze. In: T-Online. 9. Mai 2014, abgerufen am 24. Januar 2020.</ref> Wissenschaftlich anerkannt ist inzwischen die innerliche Anwendung von Gänsefingerkraut zur unterstützenden Behandlung von unspezifischen Durchfallerkrankungen mit krampfartigen Beschwerden, anderen Bauch- und Unterleibsschmerzen mit Krämpfen und bei Menstruationsbeschwerden.<ref>Ernst Schneider: Gänsefingerkraut – Wohltat für Magen und Darm. In: Deutsche Apotheker-Zeitung. 23. April 2015, abgerufen am 24. Januar 2020.</ref>

Traditionell werden der Droge krampfstillende Eigenschaften zugeschrieben, so dass sie häufig, auch in Fertigpräparaten, gegen schmerzhafte Monatsblutungen eingesetzt wird. Diese Wirkung ist umstritten, sie konnte bisher nicht ausreichend belegt werden; ein entsprechender Inhaltsstoff dafür wurde auch nicht gefunden.<ref name="Schönfelder2011" />

Gesammelt und getrocknet zu Heilzwecken verwendet werden die Blätter während der Blütezeit von Mai bis August. Für einen Tee übergießt man einen Teelöffel getrocknetes Kraut mit 150 ml kochendem Wasser und lässt den Aufguss 10 Minuten ziehen.<ref>Diana Klewinghaus: Gänsefingerkraut Tee: Wirkung und Anwendung. In: Focus-Praxistipps. 20. Juli 2019, abgerufen am 24. Januar 2020.</ref> Die Volksmedizin kennt auch das Kauen der Wurzel, beispielsweise bei Zahnfleischentzündung.<ref>Monika Schulte-Löbbert: Gänsefingerkraut. In: Pharmazeutische Zeitung. 24. Juni 2011, abgerufen am 24. Januar 2020.</ref> Trockenextrakt aus Gänsefingerkraut ist heute in standardisierten Arzneien wie Dragées und Teemischungen in der Apotheke erhältlich.

Inhaltsstoffe und Wirkungen

Gänsefingerkraut enthält als therapeutisch wirksame Inhaltsstoffe vor allem Gerbstoffe, Bitterstoffe, Schleimstoffe, Flavonoide und Cholin. Es wirkt hauptsächlich zusammenziehend (adstringierend) und hat außerdem eine schmerzstillende und stopfende Wirkung. Weitere Inhaltsstoffe sind Anthocyanidine, Hydroxycumarine, Phenolcarbonsäuren, Polyphenole und Phytosterole.<ref name="Schönfelder2011" />

Quellen

Literatur

Einzelnachweise

<references> <ref name="ternes"></ref> <ref name="Düll"></ref> <ref name="Oberdorfer"></ref> <ref name="Ellenberg"></ref> <ref name="Sebald1992"> </ref> <ref name="SpPl">Carl von Linné: Species Plantarum. Band 1, Lars Salvius, Stockholm 1753, S. 495, Digitalisathttp://vorlage_digitalisat.test/1%3Dhttp%3A%2F%2Fwww.biodiversitylibrary.org%2Fopenurl%3Fpid%3Dtitle%3A669%26volume%3D1%26issue%3D%26spage%3D495%26date%3D1753~GB%3D~IA%3D~MDZ%3D%0A~SZ%3D~doppelseitig%3D~LT%3D~PUR%3D</ref> <ref name="Losch">Friedrich Losch: Kräuterbuch. Unsere Heilpflanzen in Wort und Bild.</ref> <ref name="Heilkraeuter.de">Heilkräuter.de: Gänsefingerkraut. Abgerufen am 19. April 2012.</ref> <ref name="Sojak">Jiři Soják: Argentina Hill, a genus distinct from Potentilla (Rosaceae). In: Thaiszia. Band 20, 2010, S. 91–97 (PDF-Datei).</ref> <ref name="Rydberg">Per Axel Rydberg: A monograph of the North American Potentilleae. In: Memoirs from the Department of Botany of Columbia University. Band 2, 1898, S. 1–223 (hier: S. 259).</ref> <ref name="Schönfelder2011">Ingrid Schönfelder, Peter Schönfelder: Das Neue Handbuch der Heilpflanzen. Botanik, Arzneidrogen, Wirkstoffe Anwendungen. Franckh-Kosmos, Stuttgart 2011, ISBN 978-3-440-12932-6.</ref> <ref name="Dörr-Lippert 2004">Erhard Dörr, Wolfgang Lippert: Flora des Allgäus und seiner Umgebung. Band 2, IHW, Eching 2004, ISBN 3-930167-61-1, S. 67.</ref> <ref name="FE2">P. W. Ball, Bogumil Pawłowski, Stuart Max Walters: Potentilla L. In: </ref> </references>

Weiterführende Literatur

  • Hiroshi Ikeda, Hideaki Ohba: A systematic revision of Potentilla L. Section Leptostylae (Rosaceae) in the Himalaya and adjacent regions. In: Bulletin. University Museum, University of Tokyo. Band 39, Nr. 3, 1999, S. 31–117 (online).
  • Li Chaoluan, Hiroshi Ikeda, Hideaki Ohba: Potentilla sect. Leptostylae (Th. Wolf) T. T. Yü & C. L. Li. In:

Weblinks

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