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Funtenseetauern

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Vorlage:Infobox Berg

Der Funtenseetauern ist ein Vorlage:Höhe hoher Grenzgipfel zwischen Deutschland und Österreich im Steinernen Meer, einem der neun Gebirgsstöcke der Berchtesgadener Alpen. Er bildet mit seinen Graten und Nebengipfeln ein eigenes kleines Bergmassiv innerhalb des Steinernen Meers und wurde aufgrund seines beherrschenden Erscheinungsbilds als "ganzes Gebirge", "Monte Rosa en miniature" und "wohl der gewaltigste Berg des Steinernen Meers" bezeichnet.<ref>Joachim Burghardt: Steinernes Meer. Spurensuche im Niemandsland. Verlag Plenk, 2024, S. 26.</ref> Auffällig sind die am Funtenseetauern auftretenden rötlichen Lias-Gesteine.<ref>Emil Böse: Beiträge zur Kenntniss der alpinen Trias. In: Zeitschrift der Deutschen geologischen Gesellschaft, Jahrgang 1898. Zum Funtenseetauern z. B. S. 514, 516.</ref> Aufgrund seines Blumenreichtums war der Funtenseetauernstock immer wieder Ziel von Botanikern.

Name

In alten Karten tauchen neben Schreibvarianten des heutigen Namens (z. B. Fundenseetauern, Fundtnseethauern) auch alternative Namen für den Funtenseetauern auf, so z. B. Stuhlwand (heute nur noch für den Nordwestabbruch des Stuhljochs), Grasköpfl (heute nur noch für den südöstlich gelegenen Nachbargipfel), Hochscheibe (heute nur noch für die nördlich vorgelagerte Geländestufe), Tauern (so u. a. in der Uraufnahme<ref>Uraufnahme (1808–1864) im BayernAtlas des Landesamts für Digitalisierung, Breitband und Vermessung Bayern</ref>), Fundertauern. In mehreren Karten wurde der Name Funtenseetauern dezidiert nicht nur auf den höchsten Gipfel, sondern auf das ganze Funtenseetauern-Massiv einschließlich der Nebengipfel bezogen.<ref>Joachim Burghardt: Steinernes Meer. Spurensuche im Niemandsland. Verlag Plenk, 2024, S. 167, 178ff.</ref>

Der Name Funtenseetauern wird oftmals fälschlicherweise als Plural aufgefasst und als die Funtenseetauern (in Analogie zu: die Hohen Tauern) verwendet.

Topografie

Der Funtenseetauern ist als einziger hoher Berg im Steinernen Meer kein Randgipfel der Hochfläche, sondern bildet ein mehrgipfeliges Massiv im Inneren des Plateaus. Er ist als einer von wenigen Bergen des Steinernen Meers von Berchtesgaden aus sichtbar und ragt dominant hinter Königs- und Obersee auf. Der vom Halsköpfl über den Funtenseetauern bis zum Selbhorn ziehende Grat teilt das gesamte Steinerne Meer in einen größeren westlichen und einen kleineren östlichen Teil.

Zum Funtenseetauernstock oder -massiv zählen verschiedene Grate, Nebengipfel und Erhebungen:

  • Der Nordrücken verläuft vom höchsten Punkt über Hochscheibe (Vorlage:Höhe), Ebenhorn (Vorlage:Höhe), Kuhscheibe (Vorlage:Höhe) und Moosscheibe bis zum Halsköpfl (Vorlage:Höhe). Der Hochscheibe östlich vorgelagert sind Gamsscheibe (Vorlage:Höhe) und Kuhscheibe (Vorlage:Höhe).
  • Auf der Ostseite erheben sich mehrere Nebengipfel: Grasköpfl (Vorlage:Höhe), Leiterkopf (Vorlage:Höhe) und Hocheck (Vorlage:Höhe). Zwischen Funtenseetauern und Grasköpfl befindet sich der Unsonnige oder Unsünnige Winkel, eine steile, bis in den Sommer hinein vereiste Rinne.
  • Auf der Südseite zieht der Grat der Ledererköpfe zum Grießkogel (Vorlage:Höhe); mit diesem nach Osten hin verbunden ist der Wildalmrotkopf (auch: Wildalmrotenkopf) (Vorlage:Höhe). Funtenseetauern, Grasköpfl, Wildalmrotkopf und Grießkogel schließen die Steinige Grube ein, eine Mulde, in der sich ein kleines stehendes Gewässer befindet. Vom Grießkogel aus zieht der Grat, unterbrochen durch die beiden Einsattelungen Nieder- und Hochbrunnsulzen, südwärts bis zum Selbhorn weiter.
  • Auf der Westseite zieht von den Ledererköpfen das große Ledererkar, nordseitig vom Ledererkopf (Vorlage:Höhe) flankiert, in den Funtenseekessel hinab.
  • Dem Funtenseetauern nordwestlich vorgelagert und mit ihm durch einen Grat verbunden ist das Stuhljoch (Vorlage:Höhe), das mit der Stuhlwand gegen den Funtensee abbricht. Dessen Vorerhebungen wiederum sind Feldkogel (Vorlage:Höhe) und Glunkerer (Vorlage:Höhe).

Besteigungsgeschichte

Als erste touristische Besteiger des höchsten Punkts werden in der Literatur mehrfach Albert Kaindl und Johann Grill mit der Jahresangabe 1865 oder "in den Sechzigerjahren" genannt.<ref>Mehrere Belege hierfür sind zitiert in: Joachim Burghardt: Steinernes Meer. Spurensuche im Niemandsland. Verlag Plenk, 2024, S. 87.</ref> Eine weitere frühe belegte Besteigung datiert aus dem Juni 1868, als Hermann von Barth den Funtenseetauern bestieg.<ref>Carl Bünsch, Max Rohrer (Hrsg.): Gesammelte Schriften des Freiherrn Hermann von Barth. Bergverlag Rudolf Rother, 1926. S. 89.</ref>

Doch es finden sich auch Hinweise auf mögliche frühere Besteigungen: August Progl war bereits 1849 im Alter von 20 Jahren aus botanischem Interesse am Funtenseetauernstock unterwegs und erreichte eine Höhe von mindestens 2400 m<ref>Otto Sendtner: Die Vegetations-Verhältnisse Südbayerns nach den Grundsätzen der Pflanzengeographie und mit Bezugnahme auf Landescultur. Literarisch-artistische Anstalt, München 1854. S. 734 (Eintrag zu Arabis coerulea, dort sind als Höhe 7400 Fuß genannt, Namensschreibweise Progl offenbar fehlerhaft) - Digitalisat</ref>; dass er dabei auch den Gipfel betreten hat, ist vorstellbar.<ref>Joachim Burghardt: Steinernes Meer. Spurensuche im Niemandsland. Verlag Plenk, 2024, S. 83.</ref> Nicht unwahrscheinlich ist eine noch frühere Besteigung durch Adolph Schaubach um das Jahr 1840, denn er beschrieb in seinem Werk Die deutschen Alpen (1846) eine Besteigung des Bergs inklusive Zeitangabe und Aussicht nach Südosten zum Hochkönigstock<ref>Adolph Schaubach: Die deutschen Alpen. Ein Handbuch für Reisende durch Tyrol, Oesterreich, Steyermark, Illyrien, Oberbayern und die anstoßenden Gebiete. Dritter Theil: Das Salzburgische, Obersteyermark, das Österreichische Gebirgsland und das Salzkammergut. Jena 1846. S. 142. Digitalisat</ref> – was dafür spricht, dass er ihn auch tatsächlich bestiegen hat.<ref>Joachim Burghardt: Steinernes Meer. Spurensuche im Niemandsland. Verlag Plenk, 2024, S. 81f.</ref>

Erschließungs- und Forschungsgeschichte

  • In früheren Jahrhunderten existierten am Funtenseetauernstock mehrere Almen, auf der Nordseite des Funtenseetauerns von West nach Ost etwa die Feldalm, die Grünseealm, die Halsalm, die Kronalalm und die Hocheckalm. Seit die Feldalm als letzte bewirtschaftete Alm Anfang der 1960er Jahre aufgegeben wurde, gibt es auf der Hochfläche des Steinernen Meers keine Almwirtschaft mehr.
  • Seit alter Zeit und bis heute werden die Wiesen auf der Westseite des Funtenseetauern, z. B. am Stuhljoch, als Schafweiden genutzt. Noch heute haben Pinzgauer Schafbauern Weiderechte auch auf der bayerischen Seite des Gebirges, eine Hirtenhütte befindet sich im Ledererkar.
  • Bis ins 19. Jahrhundert war der Grenzverlauf zwischen Berchtesgaden bzw. Bayern und Salzburg umstritten oder unklar, wovon insbesondere das Gebiet rund um den Funtenseetauern betroffen war. Noch die Franzisco-Josephinische Landesaufnahme von 1869–87 ließ die vom Viehkogel von Westen her kommende Landesgrenze über den Grießkogel und ostwärts weiter über den Wildalmrotkopf zur Wildalm verlaufen, wodurch der Funtenseetauern als höchster Gipfel vollständig auf bayerischem Gebiet gelegen hätte.<ref>Joachim Burghardt: Steinernes Meer. Spurensuche im Niemandsland. Verlag Plenk, 2024, S. 158f.</ref>
  • 1885 baute die Alpenvereinssektion Berchtesgaden vom Funtensee aus einen Steig auf den Funtenseetauern. 1932 wurde dieser Weg, der unterhalb des Stuhljochs den Hang quert und zwischenzeitlich in Vergessenheit geriet, neu markiert, wobei Schafe beim Wiederauffinden der Route halfen.<ref>Joachim Burghardt: Steinernes Meer. Spurensuche im Niemandsland. Verlag Plenk, 2024, S. 99, 112f.</ref>
  • 1891 und 1974 wurde auf dem Funtenseetauern ein Gipfelkreuz errichtet.<ref>Joachim Burghardt: Steinernes Meer. Spurensuche im Niemandsland. Verlag Plenk, 2024, S. 103, 127.</ref>
  • Um 1900 entdeckte der Botaniker Franz Vollmann am Funtenseetauernstock verschiedene Arten, von denen bisher nicht bekannt war, dass sie dort existierten.<ref>Joachim Burghardt: Steinernes Meer. Spurensuche im Niemandsland. Verlag Plenk, 2024, S. 104.</ref>
  • In den 1930er Jahren gab es Überlegungen, eine Straße von Berchtesgaden durch die Gotzenberge und die Röth über das Steinerne Meer bis nach Saalfelden zu bauen; am Funtenseetauern hätte ein Ski-Ressort mit Liften und Hotels entstehen sollen. Wegen des Ausbruchs des Zweiten Weltkriegs kam es nicht zur Verwirklichung der Pläne.<ref>Otto Huber: NS-Größenwahn oder Militärstrategie? Bormanns Straße über das Steinerne Meer. Traunsteiner Tagblatt vom 21.03.2009</ref>
  • 2004 wurde auf dem Grat zwischen Stuhljoch und Funtenseetauern eine Windmessstation errichtet.<ref>Joachim Burghardt: Steinernes Meer. Spurensuche im Niemandsland. Verlag Plenk, 2024, S. 136.</ref>
  • 2014 wurde die Messstation um eine Webcam ergänzt, die seitdem alle zehn Minuten eine frei im Web zugängliche Aufnahme in Richtung Norden macht.<ref>Joachim Burghardt: Steinernes Meer. Spurensuche im Niemandsland. Verlag Plenk, 2024, S. 137.</ref>

Alpinismus heute

Der übliche Zustieg erfolgt vom Kärlingerhaus in drei Stunden Fußmarsch über den Stuhlwandrücken und das Stuhljoch (Schwierigkeit nach UIAA-Skala: I, Trittsicherheit und Schwindelfreiheit erforderlich). Doch auch von der Wasseralm oder weglos über den Nordrücken vom Halsköpfl, durch den Unsünnigen Winkel, die Steinige Grube oder das Ledererkar wird der Funtenseetauern bestiegen.

Im Winter ist der Funtenseetauern ein beliebter Skigipfel, der übliche Anstieg erfolgt von der Wasseralm im Zuge der Großen Reibn oder vom Kärlingerhaus her; auch die Route über den Nordrücken wird unter Kennern empfohlen.

Galerie

Siehe auch

Weblinks

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Einzelnachweise

<references />