Free Wales Army
Die Free Wales Army (FWA, Armee Freies Wales, kymrisch Byddin Rhyddid Cymru) war eine paramilitärische nationalistische Organisation, welche für die Unabhängigkeit Wales’ von England eintrat.
Die FWA wurde 1963 von Cayo Julian Evans, Tony Lewis und Dennis Coslett gegründet und umfasste zu keinem Zeitpunkt mehr als 20 Mitglieder. Die Organisation, welche nie einen Anschlag ausführte, wurde von Sicherheitskräften, Medien und Öffentlichkeit bis 1969 zumeist als Verein bizarrer Exzentriker angesehen, von welchem keine Gefahr ausging. Bekannt wurde die FWA durch das Paradieren in Uniformen an historisch wichtigen Orten in Wales (wie Machynlleth, dem Sitz des walisischen Parlaments Owain Glyndŵrs 1404) und vor allem durch ihre Kommuniques, in welchen beispielsweise davon gesprochen wurde, dass in den walisischen Bergen tausende Unabhängigkeitskämpfer nur auf ein Signal zur Erhebung gegen England warten würden oder dass man mit Magnetminen bestückte Hunde gegen englische Panzer einsetzen wolle. Einige Waffen erwarb die FWA Mitte der sechziger Jahre von der IRA.
Die FWA geriet in den Blickwinkel der Sicherheitskräfte, als 1969 im Vorfeld der Investitur von Prinz Charles als Prince of Wales am 1. Juli 1969 in Caernarfon an mehreren Orten in Wales Bomben (welche wahrscheinlich nicht von der FWA, sondern der Mudiad Amddiffyn Cymru stammten) explodierten. Daraufhin wurden neun Mitglieder der FWA verhaftet, zwei Mitglieder – Julian Cayo Evans und Dennis Coslett – in Swansea vor Gericht gestellt und am 1. Juli, dem Tag der Investitur wegen Störung der öffentlichen Ordnung und Verschwörung zur Herbeiführung von Explosionen zu 15 Monaten Haft verurteilt.
Nach dem Swansea-Prozess ging die Free Wales Army (FWA) rasch zurück. Akten des UK National Archives beschrieben Cayo Julian Evans als „geistig auf dem Stand eines 12-Jährigen“ und seinen Stellvertreter Dennis Coslett als „unausgeglichen“. Diese Einschätzungen wurden von Personen, die die Männer kannten, bestritten; einige betonten ihre Intelligenz, Führungsstärke und ihr Engagement für die walisische Identität. Ein Memorandum des Directors of Public Prosecutions warnte zudem davor, „die Aktivitäten der Organisation zu ernst zu nehmen“.
2005 erklärte der Historiker John Davies gegenüber der BBC, dass die Behauptung über Evans’ geistige Leistungsfähigkeit „etwas unfreundlich“ sei, fügte jedoch hinzu, dass Evans „sicherlich ein Fantast“ gewesen sei. Davies wies außerdem darauf hin, dass die Regierung die FWA dennoch gründlich untersucht habe, was wahrscheinlich eher die erhöhte Sensibilität im Zusammenhang mit dem Konflikt in Nordirland zu dieser Zeit widerspiegele.<ref>BBC News: Free Wales Army inquiry revealed. Abgerufen am 30. März 2005.</ref>
Zeitgenössische Berichte stellen die offiziellen Charakterisierungen ebenfalls infrage. Der Schriftsteller Robert ap Steffan beschrieb Evans als „äußerst intelligent“ und wies Behauptungen zurück, er oder Coslett seien „unterentwickelt oder unausgeglichen“. Meic Stephens erinnerte sich an Evans als „völlig gewöhnlich und normal“, sympathisch und ein talentierter Musiker.
Ungeachtet dessen spiegelt sich Evans’ anhaltende symbolische Bedeutung in seiner Platzierung in der Online-Umfrage „The 100 Welsh Heroes“ 2003–2004 wider, wo er den 33. Platz belegte, was seine dauerhafte Präsenz im walisischen Nationalbewusstsein unterstreicht.
Weblinks
- <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Kurzbiographie von Cayo Julian Evans ( vom 8. Oktober 2012 im Internet Archive)
- Nachruf auf Tony Lewis im Guardian vom 16. Nov. 2005
- BBC-Artikel über Regierungsdokumente über die FWA
- Link zu einem Filmbericht (01'10 min) der BBC von 1968 über die FWA
Literatur
- Roy Clews: To Dream of Freedom. The Story of the MAC and the Free Wales Army. Y Lolfa, Talybont/Ceredigion 2001, ISBN 0-86243-586-2
Einzelnachweise
<references />