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Franz Ruf (Architekt)

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Franz Ruf (* 1909 in München; † Dezember 1997 in Gmund am Tegernsee) war ein deutscher Architekt.

Leben

Nach erfolgreichem Abschluss seines Architekturstudiums an der Staatsbauschule München 1929 arbeitete Ruf zunächst in einer Bürogemeinschaft zusammen mit seinem älteren Bruder Sep Ruf (Architekturbüro Ruf). 1933 eröffnete er ein eigenes Architekturbüro in München. In der Zeit des Nationalsozialismus realisierte Ruf private Wohnhäuser und Gewerbebauten. Der Schwerpunkt seiner Tätigkeit lag jedoch auf der Planung und Ausführung von Wohnsiedlungen im Auftrag gemeinnütziger Wohnungsbauunternehmen, hauptsächlich der Heimbau Bayern Gemeinnützige Baugesellschaft mbh München.<ref>Hegedüs: Der Architekt Franz Ruf und die Architektur der Fünfziger Jahre in München. 1993, S. 56–60, Werkverzeichnis.</ref> Gemeinsam mit Lois Knidberger und seinem Bruder Sep Ruf beteiligte er sich schon 1934 am Bau der Mustersiedlung Ramersdorf, wo sie 16 der 192 Bauten erstellten. In den folgenden Jahren konzipierte Ruf unter anderem Bebauungspläne für die Oberlandsiedlung an der Einhornallee in Sendling-Westpark, die er gemeinsam mit seinem Bruder ausführte, sowie die Dornier-Siedlung in Neuaubing, die er allein umsetzte.

Während des Zweiten Weltkriegs war Ruf als Soldat im Nachschub eingesetzt.<ref>Hegedüs: Der Architekt Franz Ruf und die Architektur der Fünfziger Jahre in München. 1993, S. 19, Kurzbiographie.</ref> Mit dem Wiederaufbau der Zahnklinik der Ludwig-Maximilians-Universität München in der Goethestraße setzte er 1947 seine Arbeit als Architekt fort. Während der folgenden dreißig Jahre prägte er das Stadtbild Münchens hauptsächlich durch die Schaffung von dringend benötigtem Wohnraum in Gestalt ausgedehnter Wohnsiedlungen und Wohnanlagen. Im Auftrag der Neuen Heimat übernahm Ruf 1957/58 gemeinsam mit Johannes Ludwig die Gesamtplanung der Parkstadt Bogenhausen und schuf dort etliche Einzelbauten. Als weitere Großprojekte sind die Großsiedlungen Fürstenried I (Fürstenried-Ost) und II (Fürstenried West) (1960), Neuaubing West (1965/68), Fasanenpark Unterhaching (1966) sowie Hasenbergl Nord (1969) zu nennen.

1973 trat sein Sohn Andreas Ruf ins Büro als Mitarbeiter ein. Nach dem Abschluss des Studiums der Architektur an der Staatsbauschule München 1968 ging Andreas Ruf als Mitarbeiter zur Neuen Heimat International nach Hamburg. Er betreute dort Projekte in Frankreich, Kanada und Venezuela. 1970 ging er als Vertreter der Neuen Heimat International nach Venezuela in die Bürogemeinschaft Arquitectura Beckhoff und betreute dort das Gemeinschaftsprojekt – Wohnbauten-, Büroturm- und Einkaufszentrum – Prado Humboldt in Caracas in Venezuela. Als er 1973 Partner im Büro seines Vaters wurde arbeitete er mit den langjährigen Mitarbeitern des Büros, Otto Grimm<ref>Hegedüs: https://www.bistum-passau.de/files/downloads/PV-Standard/2019-04-Pfarrbrief.pdf</ref> und Winfried Greser, an verschiedenen Projekten zusammen.<ref>Hegedüs: Bauten Projekte 1933–1993. Franz Ruf, Andreas Ruf, Ruf + Partner. Verlag Das Freie Buch, München. (o. D.), S. 7.</ref> 1983 kam es zur Partnerschaft mit Franz Ruf durch die Gründung des Architekturbüro Franz Ruf und Andreas Ruf GbR. 1993 wurde eine neue Partnerschaft mit den jungen Mitarbeitern im Büro gegründet, das Büro Ruf + Partner mit den Partnern, Andreas Ruf, Franz Ruf, Wolfgang Wingenbach<ref>Hegedüs: http://www.gienau-wingenbach.de</ref>, Anja Genau, Markus Emmermann, Christian Pirsch<ref>Hegedüs: https://www.dinkel-persch.de</ref>. 1994 schieden Markus Emmermann und Christian Pirsch aus der Partnerschaft aus.

Zum Werk Rufs zählen etliche öffentliche Gebäude wie die Situli-Schule in Freimann (1952, gemeinsam mit Johannes Ludwig; Mitarbeit: Raimund Geibel), die Staatsbauschule München (1953–55, Erweiterung 1964–69), die Fernmeldekaserne Lechfeld (1959), die Kirche Mariä Sieben Schmerzen in München-Hasenbergl (1968) sowie Teile des Instituts für Systematische Botanik der Ludwig-Maximilians-Universität München (1969). Mit der Verwaltung der Heimbau Bayern (1954), mehreren Sparkassen und Banken (1952–1960), den Ladenzentren Taufkirchen (1970) und Haar (1971) sowie der Deutschen Lloyd Lebensversicherungs AG (1974) plante und baute er auch Büro- und Gewerbeobjekte. Der räumliche Schwerpunkt seiner Aktivitäten lag in München und dem Münchner Umland, ein weiterer in Regensburg. In Einzelfällen erstreckte sich der Aktionsradius des Architekturbüros bis nach Landsberg, Bayreuth und Neustadt an der Weinstraße.

Ruf verunglückte bei einem Verkehrsunfall im Dezember 1997 tödlich.

Bauten

Datei:München Karlstraße 4 Südwest h.JPG
Staatsbauschule München
Datei:Mariae Sieben Schmerzen Muenchen.jpg
Mariae Sieben Schmerzen München

Angaben nach Hegedüs: Der Architekt Franz Ruf und die Architektur der Fünfziger Jahre in München. 1993, S. 56–60, Werkverzeichnis (ohne Einfamilienhäuser, ab 1962 Auswahl größerer Projekte).

  • 1933–1934: Beteiligung an der Mustersiedlung Ramersdorf, der „Deutschen Siedlungsausstellung 1934“, mit Lois Knidberger und Sep Ruf, 16 von 192 Einfamilienhäusern
  • 1934: Wohnhaus B. in München<ref name="Baum34" >Der Baumeister Heft 12/1934</ref>
  • 1934: Wohnhaus S. in München<ref name="Baum34" />
  • 1934: Wohnhaus Sp. in Solln<ref name="Baum34" />
  • 1936: Wohnhaus K. in Gräfelfing<ref name="KusH49">Die Kunst und das schöne Heim Heft 1/1949</ref>
  • um 1936: Atelierhaus K. in Solln<ref name="KusH49" />
  • 1937–1938: GEWOFAG-Siedlung München-Neuhausen, mit Hans Döllgast, Sep Ruf und Johannes Ludwig
  • 1936–1942: Oberlandsiedlung am Waldfriedhof, München-Sendling-Westpark, Cimbernstraße-Olympiastraße-Einhornallee, zusammen mit seinem Bruder Sep Ruf (Heimbau Bayern)
  • 1937–1939: Dornier-Siedlung in München-Neuaubing (Heimbau Bayern)
  • 1937–1939: Bebauungsplan und Wohnbauten Forstenriederstraße, München
  • 1938–1939: Wohnbauten Steinheil-, Werinher- und Pfälzerwaldstraße, München (Heimbau Bayern)
  • 1939: Wolfra Saft- und Marmeladenfabrik, München, Bayerbrunnerstraße
  • 1939: Wohnanlage Untersberg-, Perlacher-, Setzberg- und Firstalmstraße, München
  • 1939: Obstweinkelterei Vollmann, München
  • 1947–1948: Wiederaufbau der Zahnklinik der Ludwig-Maximilians-Universität München
  • 1949: Wohnbauten Hansa- und Fuggerstraße, München (Verein für Wohnkultur)
  • 1950: Reihenhäuser Willibald-, Radstädter-, Mallnitzer- und Böcksteinstraße, München-Laim
  • 1951: Ganghofersiedlung, Regensburg
  • 1952: Kreissparkasse, Ebersberg
  • 1952–1954: Situli-Schule in München-Freimann (mit Johannes Ludwig, Mitarbeit: Raimund Geibel)
  • 1954–1957: Gesamtplanung der Parkstadt Bogenhausen mit Wohnbauten, Grundschule und Ladenzentrum
  • 1954–1956, 1964–1969: Staatsbauschule (heute Fachhochschule München)
  • 1955: Wiederaufbau Wohnbauten Oskar-von-Miller-Ring, München
  • 1957: Reihenhäuser in Berg am Laim und Ramersdorf (Neue Heimat)
  • 1958: Siedlung „Alte Heimat“ in der Zschokkestraße in München
  • 1959: Sparkasse Landsberg am Lech (Mitarbeit: Raimund Geibel), Stadt- und Kreissparkasse Diessen am Ammersee
  • 1959: Fernmeldekaserne Lechfeld (Mitarbeit: Raimund Geibel)
  • 1960–1962: Bebauungsplan Fürstenried I (Ost) und II (West) (mit Fred Angerer und Hans Knapp-Schachleitner)
  • 1960–1962: Kirche St. Josef in Holzkirchen (Oberbayern), große Fensterwand von Karl Knappe „Lebensbaum“. Abriss wegen statischer Mängel der Dachkonstruktion, nur der Turm blieb stehen.<ref>Matthias Köpf: Holzkirchen hat wieder eine Holzkirche. In: www.sueddeutsche.de. 16. März 2018, abgerufen am 17. März 2018.</ref>
  • 1963: Roter Hügel, Bayreuth
  • 1965, 1968: Wohnanlage Neuaubing West
  • 1968: Fasanenpark, Unterhaching (Neue Heimat)
  • 1968–1969: Hasenbergl Nord
  • 1969: Institut für systematische Botanik, Ludwig-Maximilians-Universität München
  • 1969–1970: Kirche Mariä Sieben Schmerzen in München-Hasenbergl
  • 1970: Ladenzentrum Taufkirchen
  • 1971: Ladenzentrum Haar
  • 1973–1976: Wohnanlage, Fürstenfeldbruck
  • 1974: Deutscher Lloyd Lebensversicherung, München
  • 1977: Wohnanlage Perlacherstraße, München
  • 1979: Wohnhaus mit Arztpraxis, Gmund am Tegernsee, Bauherrn Ursula+Hans Pawlak
  • 1978–1981: Wohnanlage Korbiniansplatz, Ismaning, Bauherrn Stadibau GmbH und Robert Soller
  • 1978: Hotel und Läden, Korbiniansplatz, Ismaning, Bauherr Ludwig Soller
  • 1980–1984: Bebauungsplan, Wohnanlage Pretzfelder Straße, München-Neuaubing, Bauherr Heimbau Bayern
  • 1981: Wohnblock, Beer-Walbrunnstraße, München-Obermenzing, Bauherr Stadibau GmbH
  • 1981: Ferienhaus in St. Olof, Schweden, Bauherr Andreas Ruf
  • 1982: Wohnhaus, Holzbau in biologischer Bauweise, Brandenburg, Bauherr Nenus Rechenberg
  • 1982–1984: Wohnanlage Berliner Straße, München Schwabing, mit Otto Grimm, Bauherr GWM-gemeinnützige Wohnungsgesellschaft München
  • 1983: Wohnanlage Sander Platz, München-Obermenzing, Bauherr Stadibau GmbH
  • 1983: Bürogebäude, Orthopädie Technik, Raubling, Fa. Amoena, Projekt
  • 1983–1989: Wohnanlage: Entkernung, Dachgeschoss Neubau, Läden, Gaststätte, Gotthard Straße, München-Laim, Bauherr Verein für Wohnungskultur
  • 1985: Wohnanlage Badstraße, Wolfratshausen, Bauherr Stadibau GmbH
  • 1986: städtebauliche Verdichtung, Wohnbauten, Kunreuthstraße, München-Neuaubing, Bauherr Heimbau Bayern
  • 1986: Wohnanlage Hohenstein Straße, München-Neuaubing, mit Otto Grimm, Bauherr Heimbau Bayern
  • 1985–1989: Bebauungsplan, Geschossbauten, Wohnheime für Postangestellte, Weinberger Straße, München-Pasing, Bauherrn Heimbau Bayern
  • 1986: Wohnanlage Senftenauerstraße, München-Laim, mit Winfried Greser, Bauherr GWG
  • 1987: städtebauliche Verdichtung, Wohnanlage, Paracelsus Straße, München-Freimann, Bauherrn GWM
  • 1987: Wohnblock, Hubertus Straße, München-Neuhausen, Bauherr Stadibau GmbH
  • 1987–1989: Wohnanlage, Heidemann Straße, Carl-Orff-Bogen, München-Freimann, Bauherr Heimbau Bayern
  • 1988–1990: Wohnanlage, Heidemann Straße, Carl-Orff-Bogen, München-Freimann, Bauherr Stadibau GmbH
  • 1990: Wohnanlage Thorak Gelände, Vaterstetten-Baldham, Bauherr Stadibau, Projekt
  • 1990: Bebauungsplan Vötting Nord, Freising, Bauherrn Stadt Freising und Stadibau
  • 1990: Bebauung Lazarett Straße, München Neuhausen, Bauherr Stadibau, Projekt
  • 1991: städtebauliche Wettbewerb, Haagar-Straße-Ost, Stadt Erding
  • 1991: Stadthaus mit Büro Dalandstrasse, München-Cosimapark, Bauherrn Mathilde Seger, Andreas Ruf
  • 1992: Wohnanlage Maisacher Straße, Fürstenfeldbruck, Bauherr Stadibau GmbH
  • 1992: städtebauliche Verdichtung, Wohnblock mit Parkdeck, München-Freimann, Bauherr GWM
  • 1992–1994: Wohngebäude für Bediensteten des Klinikums, Biedersteiner Straße, München-Schwabing, mit Partner Emmermann, Bauherr Stadibau GmbH
  • 1992–1994: Wohn- und Geschäftsgebäude, Laplace Straße, München-Bogenhausen, mit Partner Wingenbach+Gienau, Bauherrn Münchner Hypothekenbank
  • 1992: städtebauliches Gutachten, Balduin-Helm Straße, Fürstenfeldbruck, Stadt Fürstenfeldbruck
  • 1992: Wohnanlage Humannweg, München-Feldmoching, Bauherr GWG-gemeinnützige Wohnungsgesellschaft
  • 1992: Umnutzung eines Gehöfts zur Montessori Schule, Fortbildungszentrum, Eberharting, mit Partner Wingenbach+Gienau, Bauherr Montessori e.V.
  • 1992: Dachgeschoss Ausbau und Tiefgarage, in Wohnanlage Friedenheimer-, Schrobenhauser-, Valpichler Straße, München-Laim, Bauherr GWM
  • 1993: Wohnanlage Dachauer Straße, Erding, mit Partner Persch, Bauherr Stadibau GmbH
  • 1993: Verwaltungsgebäude GWM, München-Laim, mit Partner Wingenbach+Gienau, Bauherr GWM
  • 1993: Dachausbau, Berliner Straße, München Schwabing, Bauherr GWM
  • 1993: Dachgeschoss-Neubau, Sanierung, Wohnungen mit Galerie, Perhamer Strasse, Agricola-Straße, mit Partner Persch, Bauherr WWK Lebensversicherung
  • 1993: Wettbewerb statistisches Landesamt, Schweinfurt
  • 1993: Wettbewerb Erweiterung Georg-Simon-Ohm-Fachhochschule, Nürnberg
  • 1993: Wettbewerb staatliches Gymnasium, Neufahrn, mit Ulrich Greiler
  • 1994: Wohnungen für Bedienstete des Klinikums Rechts der Isar, Einstein Straße, München-Haidhausen mit Büro Ott+Partner, Partner Emmermann, Bauherr Stadibau GmbH
  • 1995: Bundesgartenschau Cottbus mit Büro Illing+Illing, Büro Hase+Söhmisch, mit Partner Emmermann, Stadt Cottbus
  • 1995–1997: Wohnanlage und auch Wohnungen für Landtagsangestellte, Innere-Wiener Straße, München-Haidhausen, mit Partner Emmermann, Bauherr Stadibau GmbH
  • 1997: Wohnanlage Altenerding Süd, mit Partner Wingenbach+Gienau, Bauherr Stadibau GmbH
  • 1997: Finanzgericht München, Ismaninger Straße, München-Bogenhausen, mit Partner Wingenbach+Gienau, Bauherr staatliches Hochbauamt
  • 1997: Verwaltungsgebäude für GVB, Türken Straße, München-Maxvorstadt, mit Partner Wingenbach und Mitarbeiter Peter Voith<ref>Hegedüs: https://voithstoiber.de/buero/ueber-uns</ref>, Bauherr: Genossenschaftsverband Bayern.
  • 2000: Umbau, Leebergstraße 22, Tegernsee, Bauherrin: Mathilde Seger

Preise

Literatur

  • Franz Ruf: Bauten und Pläne (= Bibliographische Sammlung Deutsche Architekten. 1). Fackler, München 1950.
  • Elmar Hegedüs: Der Architekt Franz Ruf und die Architektur der Fünfziger Jahre in München. Sonderdiplomarbeit Fachhochschule München, Fachbereich Architektur (Masch.). München 1993.

Weblinks

Commons: Franz Ruf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references />

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