Franz Klupsch
Franz Klupsch (* 22. September 1874 in Deutsch Jeseritz im Kreis Fraustadt; † 28. Dezember 1957 in Dortmund) war ein deutscher sozialdemokratischer Politiker. Er gilt als der Organisator der SPD im Bezirk Westliches Westfalen. Nach dem Zweiten Weltkrieg unterstützte er die Vereinigung von KPD und SPD.
Leben
Kaiserreich
Franz Klupsch war gelernter Zimmermann. Im Jahr 1896 trat er der SPD bei, wohl gleichzeitig wurde er Mitglied der freien Gewerkschaften. In Dortmund wurde er 1902 Vorsitzender des Gewerkschaftskartells und 1903 Vorsitzender des Ortsverbandes des Zimmererverbandes für die Stadt.<ref>Klupsch, Franz, Stichworte zur politischen Laufbahn auf der Website des Bundesarchivs, abgerufen am 17. November 2025.</ref> Kupsch war einer der führenden Personen beim großen Streik der Bergarbeiter im Ruhrgebiet im Jahr 1905. Im selben Jahr wurde er Parteisekretär für den Wahlkreis Dortmund-Hörde. In den Jahren 1907 und 1908 absolvierte Klupsch die zentrale Parteischule in Berlin. Er arbeitete auch für die Dortmunder Arbeiterzeitung, außerdem war Klupsch Vorsitzender des Wahlkreisvorstandes und war Mitglied im Bezirksvorstand der Partei. In der Zeit bis 1914 war Klupsch maßgeblich am Aufbau der Parteiorganisation im westlichen Westfalen beteiligt. Klupsch war mitverantwortlich für den in den folgenden Jahrzehnten dominierenden ausgleichenden, pragmatischen Stil in der Region. In innerparteilichen Debatten unterstützte er die Parteimitte.
In Dortmund war Klupsch von 1915 bis 1933 Mitglied der Stadtverordnetenversammlung. In diesem Gremium war er zeitweise Fraktionsvorsitzender.
Weimarer Republik und NS-Staat
Während und nach der Novemberrevolution war Klupsch führendes Mitglied im Vorstand des Arbeiter- und Soldatenrates für den Wahlbezirk Dortmund-Hörde. Er trug dazu bei, die stärker linken Positionen zurückzudrängen und die Streikbewegungen der unmittelbaren Nachkriegszeit zu beenden. Seine legalistische Position vertrat Klupsch als Delegierter auch auf dem ersten Reichsrätekongress in Berlin. Anstelle von Max König, der in Arnsberg Regierungspräsident geworden war, übernahm er die Position eines hauptamtlichen Bezirkssekretärs und Vorsitzenden der SPD im Bezirk Westliches Westfalen. Klupsch war auch Mitglied des zentralen Parteivorstandes. Außerdem war er Redakteur der sozialdemokratischen Westfälischen Allgemeinen Volkszeitung.
Nach der Novemberrevolution war Klupsch Mitglied der verfassungsgebenden preußischen Landesversammlung. Von 1919 bis 1933 war er Mitglied des preußischen Landtages. Von 1924 bis 1933 war er außerdem Vorsitzender des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold im Gau Westliches Westfalen.
Sein pragmatischer Kurs stieß im Laufe der 1920er Jahre bei den jüngeren Parteimitgliedern vor allem im Zuge der Streit um den Panzerkreuzer A immer mehr auf Kritik.
Klupsch verlor während der Zeit des Nationalsozialismus alle seine Ämter und Funktionen. Er gehörte einem Widerstandskreis an, der Kontakt zu Wilhelm Leuschner hielt.<ref>Klaus Mammach: Widerstand 1939–1945. Geschichte der deutschen antifaschistischen Widerstandsbewegung im Inland und in der Emigration. Akademie Verlag, Berlin 1986, S. 343.</ref> Dabei blieb er „in bewusster Distanz zu illegalen Aktionen“, die er für aussichtslos hielt.<ref>Ulrich Peter: Anpassung, Bekennende Kirche und politischer Widerstand. Die religiösen Sozialisten im Dritten Reich. In: Norbert Friedrich, Traugott Jähnichen (Hrsg.): Sozialer Protestantismus im Nationalsozialismus. Diakonische und christlich-soziale Verbände unter der Herrschaft des Nationalsozialismus. Lit, Münster 2003, ISBN 3-8258-7039-1, S. 101–134, hier S. 112.</ref>
Nachkriegszeit
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges war Klupsch zunächst einer der Wiederbegründer der SPD im Bezirk Westliches Westfalen, unter anderem in Meschede. Danach sprach er sich allerdings für die Vereinigung von SPD und KPD aus, die in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) durchgesetzt wurde. In den Westzonen hingegen grenzte sich die SPD unzweideutig von der SED und der KPD ab. Letztere bestand seit der Zwangsvereinigung von SPD und KPD zur SED in der SBZ 1946 nur noch in den westlichen Besatzungszonen. Zur Kontrolle der drei KPD-Zonenleitungen schuf die SED 1947 die „Sozialistische Arbeitsgemeinschaft SED–KPD“. Diese delegierte 1947 unter anderem Klupsch als eines ihrer geheimen Mitglieder in den zentralen SED-Parteivorstand.<ref>Michael Kubina: „Was in dem einen Teil verwirklicht werden kann mit Hilfe der Roten Armee, wird im anderen Teil Kampffrage sein.“ Zum Aufbau des zentralen Westapparates der KPD/SED 1945–1949. In: Manfred Wilke (Hrsg.): Anatomie der Parteizentrale. Die KPD/SED auf dem Weg zur Macht. Akademie Verlag, Berlin 1998, ISBN 3-05-003220-0, S. 413–500, hier S. 497.</ref> Faktisch hatte er dort nichts zu sagen, da die „Sozialistische Arbeitsgemeinschaft SED–KPD“ auf dem Papier zwar noch bis 1949 bestand, doch die Westkommission und das sogenannte „Arbeitsbüro KPD“ des Zentralkomitees der KPD die eigentliche Anleitungsarbeit gegenüber der KPD in der Hand hatten.<ref>Bestandsbeschreibung des Bestandes „Kommunistische Partei Deutschlands“ im Bundesarchiv, abgerufen am 17. November 2025.</ref>
Literatur
- Bernd Faulenbach und andere (Hrsg.): Sozialdemokratie im Wandel. Der Bezirk Westliches Westfalen 1893–2001, Klartext-Verlag, Essen 2001, ISBN 3-89861-062-4, S. 92–93.
- Karin Jaspers, Wilfried Reininghaus: Westfälisch-lippische Kandidaten der Januarwahlen 1919. Eine biographische Dokumentation (= Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Westfalen, Neue Folge, Band 52). Aschendorff, Münster 2020, ISBN 978-3-402-15136-5, S. 106–107.
Weblinks
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Fußnoten
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- Teilnehmer am Reichsrätekongress
- Person (Widerstand gegen den Nationalsozialismus)
- Mitglied des Preußischen Landtags (Freistaat Preußen)
- Mitglied des Parteivorstandes der SED
- Mitglied im Reichsbanner
- SPD-Mitglied
- KPD-Mitglied
- ADGB-Funktionär
- Journalist (Deutschland)
- Deutscher
- Geboren 1874
- Gestorben 1957
- Mann
- Politiker (Dortmund)