Franz Fromme (Schriftsteller, 1880)
Franz Fromme (* 26. April 1880 in Lesum bei Bremen; † 29. Mai 1960 in Bremen) war ein deutscher Autor, Journalist und Übersetzer.
Leben
Fromme wuchs in Bremen auf, machte hier das Abitur und studierte anschließend neuere Sprachen, Geschichte und Naturwissenschaften an den Universitäten Heidelberg, Kiel, Freiburg und Berlin. Nebenbei war er schriftstellerisch und künstlerisch tätig. 1905 brach er das Studium ab.<ref>Henning Repetzky, "Eine Welt zu beackern liegt vor mir …" Erich Klahn. Eine Monographie, hrsg. vom Klahn-Freundeskreis e. V., Bonn 2001, S. 36.</ref>
Lübeck 1908–1926
1908 zog er nach Lübeck und heiratete. Er arbeitete als Redakteur und freier Schriftsteller. Er unternahm größere Reisen nach Italien, Schweden und Island und übersetzte aus dem Flämischen und Schwedischen.
1916 war Fromme einer der Gründer der Fehrs-Gilde in Neumünster. Die Fehrs-Gilde war völkisch-nationalistisch ausgerichtet,<ref>Uwe Danker/Astrid Schwabe, Schleswig-Holstein und der Nationalsozialismus, Neumünster 2005, S. 96.</ref> was den im Milieu üblichen Antisemitismus mit einschloss. Frommes Mitbegründer Jacob Bödewadt war bekennender Anhänger des prominenten Antisemiten Julius Langbehn.<ref>Claus Schuppenhauer, Auch Eulenspiegel hat Zeit und Ort. Notizen über Erich Klahn und die „niederdeutsche Idee“, in: Erich Klahns Ulenspiegel. Illustrationsfolgen zu Charles de Costers Roman, Wolfenbüttel 1986, S. 13–26, hier: S. 20.</ref> 1927 bekundete der Vorsitzende Otto Wachs in der Darstellung der Vereinsziele antisemitisch codiert,<ref>Zum Antisemitismus als kulturellem Code in Deutschland seit der Reichsgründung siehe: Shulamit Volkov, Antisemitismus als kultureller Code. Zehn Essays, München 2000, 2., erw. Aufl.</ref> „die gesamte Kultur“ sei „durchsetzt und teilweise beherrscht von undeutschem, internationalem Wesen“. Auf den „ureigensten Gebieten deutschen Volkstums“ seien „Fremdlinge führend und maßgeblich“. Die „Bildungskultur“ sei „alles mögliche…, aber gewiß nicht deutsch“.<ref>Claus Schuppenhauer, Auch Eulenspiegel hat Zeit und Ort. Notizen über Erich Klahn und die „niederdeutsche Idee“, in: Erich Klahns Ulenspiegel. Illustrationsfolgen zu Charles de Costers Roman, Wolfenbüttel 1986, S. 13–26, hier: S. 20.</ref>
1918 war Fromme Mitbegründer der Plattdeutschen Volksgilde, einer Sing- und Spielgruppe, in Lübeck.
Im Ersten Weltkrieg lernte Fromme den irischen Unabhängigkeitspolitiker Sir Roger Casement kennen und übersetzte dessen Aufsätze. Spätestens 1917 war er in der Personalabteilung des Außenministeriums in Berlin tätig. 1918 traf er in dieser Funktion den nach Berlin eingeladenen flämischen Nationalisten Staf De Clercq und dessen Mitkämpfer van Roy, für die er und sein deutsch-flämischer Kollege und Vertrauter<ref>Burkhard Dietz/Helmut Gabel/Ulrich Tiedau (Hrsg.), Griff nach dem Westen. Die „Westforschung“ der völkisch-nationalen Wissenschaften zum nordwesteuropäischen Raum (1919–1960), Münster 2003, S. 118.</ref> Herbert Martens Gespräche mit hohen politischen Persönlichkeiten organisierten.<ref>Siehe Website der De-Clercq-Stiftung: [1].</ref> Für Fromme war De Clercq, 1933 Gründer und Führer des Vlaamsch Nationaal Verbond (VNV) und im weiteren Verlauf flämischer Nationalsozialist, ein „unverfälscht germanischer Vertreter“ der Flamen.<ref>Siehe: Herbert van Uffelen, Moderne niederländische Literatur im deutschen Sprachraum 1830–1990, Münster/Hamburg 1933, S. 342ff., S. 350.</ref> De Clercq und der VNV repräsentierten den rechtsextremistischen Flügel der vlaamse beweging.<ref>Cas Mudde, The Ideology of the Extreme Right, Manchester/New York 2000, S. 81ff. (= Flanders: Eigen volk eerst!" The extreme right in Flanders, 1917–1980).</ref>
Fromme war Ideologe und Aktivist der Niederdeutschen Bewegung, die sich als Teil der Völkischen Bewegung definierte und der er eine "nationale Mission" zuschrieb. Das schloss die Frage des Anschlusses des flämischen Belgiens an die Niederlande bzw. an Deutschland mit ein. Bereits im Ersten Weltkrieg war Fromme als Propagandist einer „germanischen Macht“, einer „germanischen Kultur“ in Flandern, eines „germanischen Empfindens“ und „Widerstandsvermögens“ der flämischen Bevölkerung und gegen „welschen“ Einfluss aufgetreten. Der Weltkrieg habe vor allem „die Selbstbesinnung der Flamen auf ihr eigenes germanisches Volkstum“ bewirkt.<ref>Zit. nach: Ine Van Linthout, Eine Nation in der Nation. Das Nationskonzept im deutschen Flandernbild zwischen 1933 und 1945, in: Germanistische Mitteilungen, 49 (1999), S. 17.</ref>
Nach dem Krieg war er vorwiegend als Journalist sowie als Übersetzer von Hörspielen, Essays, Novellen, Romanen und Lyrik tätig. Er gehörte zeitweise der Redaktion der von Eduard Stadtler herausgegebenen Zeitschrift Das Gewissen an,<ref>Olivier Dard/Étienne Deschamps (Hrsg.), Les Relèves en Europe d'un Apres-Guerre A l'Autre. Racines, Reseaux, Projets et Posterites, Frankfurt a. M./Paris u. a. 2008.</ref> für die auch Franz Schauwecker, Otto Strasser oder Werner Best schrieben und die ab 1929 den „Schulterschluß mit der NSDAP“ praktizierte. Fromme schrieb dort in den Jahren 1932 bis 1935 eine "überproportional" große Zahl von Beiträgen.<ref>Ina Schmidt/Stefan Breuer (Hrsg.), Ernst Jünger – Friedrich Hielscher. Briefe 1927–1985, Stuttgart 2005, S. 339, 348.</ref>
1921 wurde Fromme zweiter Sekretär der neu gegründeten Nordischen Gesellschaft, aus der er 1924 wieder ausschied.<ref>Franz Fromme: Von den Anfängen der Siedlungsbewegung. in: Der Wagen 1955, S. 103–108.</ref>
Berlin 1926–1945
Fromme unterstützte den rechten Flügel der völkisch-nationalistischen „Flämischen Bewegung“. Dass es nicht gelang, die deutsche Sozialdemokratie als Unterstützer zu gewinnen, erklärte er mit einem bekannten antisemitischen Stereotyp damit, dass „die jüdischen Einflüsse“ dort „viel zu stark“ seien.<ref>Zit. nach: Ine Van Linthout, Eine Nation in der Nation. Das Nationskonzept im deutschen Flandernbild zwischen 1933 und 1945, in: Germanistische Mitteilungen, 49 (1999), S. 29.</ref> 1926 gründete Fromme in Berlin eine „Deutsch-Flämische Arbeitsgemeinschaft“, und unter seiner Mitwirkung kam Anfang 1927 der erste von mehreren großen deutsch-flämischen Kongressen der Zwischenkriegszeit zustande, die „Niederdeutsch-Flämischen Tage“ („Nedderdütsch-Vlaamsche Daag“) am 26. und 27. Februar in Lübeck, an dem auch zahlreiche flämische und niederländische aktivistische Nationalisten teilnahmen. Der Anlass führte die Freunde Franz Fromme, Herbert Martens und Erich Klahn zusammen. Die Plattdeutsche Volksgilde Frommes zeigte ein Mysterienspiel von Martens in der Übersetzung und Inszenierung von Klahn.<ref>Henning Repetzky, „Eine Welt zu beackern liegt vor mir …“ Erich Klahn. Eine Monographie, hrsg. vom Klahn-Freundeskreis e. V., Bonn 2001, S. 66.</ref> Die Hauptfigur in Martens Stück De Meister vun Flandern<ref>Herbert Martens, De Meister vun Flandern. Ein flämisches Mysterienspiel. Ins Plattdeutsche übertragen von Erich Klahn, Lübeck 1927.</ref> war der in völkischen Kreisen prominente flämische Nationalist August Borms. Der deutsch-flämische Autor Martens war ein Aktivist auf dem rechten Flügel der vlaamse beweging.<ref>Martens trat für die „völkische Seite der Künste“ und gegen „die grenzenlose Entartung“ der Literatur auf: Herbert van Uffelen, Moderne Niederländische Literatur im Deutschen Sprachraum 1830–1990, Münster/Hamburg 1993, S. 342ff., 352, siehe auch: [2].</ref> In der im völkischen Westphal-Verlag erscheinenden Niederdeutschen Welt stellte er neun Jahre später „triumphierend“ (Claus Schuppenhauer) fest, dass es inzwischen „im Reiche Adolf Hitlers“ überflüssig geworden sei zu erklären, „welche Bedeutung den Banden des Blutes … zukommt“, die Niederdeutsche und Niederländer verbinden würden.<ref>Zit. nach: Claus Schuppenhauer, Auch Eulenspiegel hat Zeit und Ort. Notizen über Erich Klahn und die 'niederdeutsche Idee', in: Erich Klahns Ulenspiegel. Illustrationsfolgen zu Charles de Costers Roman, Wolfenbüttel 1986, S. 13–26, hier: S. 22.</ref>
1933 erschien Frommes Buch Irlands Kampf um die Freiheit. Darstellung und Beispiel einer völkischen Bewegung bis in die neueste Zeit. Darin war er „um eine rassentheoretische Fundierung seines Irlandbildes bemüht“.<ref>Doris Dohmen, Das deutsche Irlandbild. Imagologische Untersuchungen zur Darstellung Irlands und der Iren in der deutschsprachigen Literatur, Amsterdam/Atlanta 1994, S. 138.</ref> Frommes Vokabular verweise – so die Literaturwissenschaftlerin Doris Dohmen – „eindeutig auf seine feste Einbindung in die nationalsozialistische Ideologie.“<ref>Dieses und die folgenden Zitate: Doris Dohmen, Das deutsche Irlandbild. Imagologische Untersuchungen zur Darstellung Irlands und der Iren in der deutschsprachigen Literatur, Amsterdam/Atlanta 1994, S. 138f.</ref> Die Schrift sei deutlich „in ein spezifisch völkisch-rassistisches Gesamtgefüge eingebunden“. Im Zusammenhang der Darstellung eines irischen Unabhängigkeitspolitikers beschrieb Fromme Adolf Hitler „als volkstümlichen Redner und umsichtigen Organisator“ der „das Volk“ „für seine Gedanken zu begeistern und zu sammeln“ in der Lage gewesen sei.
Als im Sommer 1940 zur Aufstellung einer militärischen „Irischen Brigade“ ein besonderes Lager in Brandenburg (Stalag XX A, 301) eingerichtet wurde, bereiste Fromme verschiedene Kriegsgefangenen-Lager und führte Rekrutierungs- und Prüfungsgespräche mit potentiellen irischen Kollaborateuren. Er war zu diesem Zeitpunkt als Agent („der Professor“) der Abwehr II, Abteilung „Sabotage, Subversion, Minderheiten“, tätig. Als solcher bereitete er auch den deutschen Agenten Hermann Görtz auf einen Fallschirmeinsatz in Irland vor. Sowohl die Rekrutierung als auch der Agenteneinsatz misslangen. Offiziell war Fromme in dieser Zeit bei der deutschen Militärregierung in Belgien beschäftigt.<ref>Alle Angaben in diesem Abschnitt nach: Terence O’Reilly, Hitler’s Irishmen, Cork 2008, S. 64.</ref> In den Jahren 1940 bis 1944 war er auch fester Mitarbeiter des Besatzungsorgans Brüsseler Zeitung.<ref>Rolf Falter: De Brüsseler Zeitung (1940–1944) in: Historica Lovaniensia 137, Katholieke Universiteit Leuven (Fakultät für Geschichte), Löwen 1982, S. 71.</ref>
Bremen 1945–1960
Nach dem Ende des Nationalsozialismus ging Fromme zurück nach Bremen.
Er zählte zu den lebenslangen engen Freunden und Förderern des Lübecker Malers und Kunsthandwerkers Erich Klahn,<ref>Henning Repetzky, Artikel Erich Klahn, Biographisches Lexikon für Schleswig-Holstein und Lübeck, Bd. 12, Neumünster 2006, S. 253–257, hier: S. 254; ders., "Eine Welt zu beackern liegt vor mir …" Erich Klahn. Eine Monographie, hrsg. vom Klahn-Freundeskreis e. V., Bonn 2001, S. 64 ("eng befreundet").</ref> der durch ihn den ebenfalls lebenslangen Freund Paul Brockhaus kennenlernte.<ref>Henning Repetzky, "Eine Welt zu beackern liegt vor mir …" Erich Klahn. Eine Monographie, hrsg. vom Klahn-Freundeskreis e. V., Bonn 2001, S. 38.</ref>
Schriften
- Otto der Dritte. Ein deutsches Königsdrama in fünf Aufzügen, 1909
- Zur englischen Entwicklung. Eine warnende Betrachtung germanischer Wege, 1916
- Belgisches und Unbelgisches. Ausgewählte Aufsätze, 1917
- Jürgen Mullenwever unde Marks Meyer. Een nedderduetsch Spill ut dat ole Lübeck, Lübeck 1924
- Kerle und Streiche aus dem Schulmeisterreiche, 1928
- Irlands Kampf um die Freiheit. Darstellung und Beispiel einer völkischen Bewegung bis in die neueste Zeit, Berlin 1933
- F. Böök: Das reiche und arme Schweden. Übersetzt mit R. Kinsky, 1938
- J. Simons: Kerle und Köpfe. Kleine Geschichten aus dem flämischen Kempenland. Übersetzt, 1940
- Begegnungen mit Vlamen, Brüssel 1942
- mit Jef Simons: Kerle und Köpfe. Kleine Geschichten aus dem flämischen Kempenland, Wolfshagen-Scharbeutz 1943
- C. Verschaeve: Jesus der Menschensohn. Bearbeitet, 1958
- F. de Pillecijn: Menschen hinter dem Deich. Übersetzt, 1958
Hörspiele
Als Autor
- 1952: Knops gegen Knips – Regie: Hans Robert Helms, mit Ruth Bunkenburg, Heinrich Schmidt-Barrien, Erika Rumsfeld (RB)
- 1965: De Fischer un sien Fro – Regie: Erich Keddy, mit Hans Rolf Radula, Erika Rumsfeld, Heinz Burmeister (RB)
Übersetzungen aus dem Schwedischen
- 1952: De Pannkokenjung – Autor: Henrik Wranér; Regie: Hans Freundt, mit Otto Lüthje, Magda Bäumken, Günther Siegmund (NWDR Hamburg)
- 1953: De Pannkokenjung – Autor: Henrik Wranér; Regie: Jochen Rottke (RB)
- 1954: De arme Gemeende – Autor: Henrik Wranér; Regie: Walter A. Kreye, mit Bernd Wiegmann, Daniel Ehrhardt, Georg Gläseker (RB)
- 1954: Anders Larsson un de Walfisch – Autor: Gunnar Falkås; Regie: Walter A. Kreye, mit Carl Hinrichs, Hella Schöttler, Hans Joachim Schenck (RB)
Bearbeitung und Übersetzung aus dem Flämischen
- 1955: Een Sylvesterawend – Autor: Lode Baekelmans; Regie: Günter Jansen, mit Otto Lüthje, Hartwig Sievers, Heinz Lanker (NWDR Hamburg)
Literatur
- Wilhelm Kosch: Deutsches Literatur-lexikon. Band 10: Das 20. Jahrhundert. 2000, ISBN 3-908255-10-4
- Bernhard Sowinski: Lexikon deutschsprachiger Mundartautoren. Hildesheim u. a. 1997
- Johannes Wilda: Franz Fromme. Ein vergessener niederdeutscher Dichter. In: Der Schimmelreiter 5, 1926
- A. J. [= Asmus Jessen]: Franz Fromme. Zum 50. Geburtstag. In: Niederdeutsches Monatsheft 5, 1930
- Wolfgang Wehowsky: Gedächtnisrede für Franz Fromme, in Der Wagen 1961, S. 124–126 (mit Porträt)
- Curt Almers: Fromme, Franz In: Bremische Biographie 1912–1962
- Johannes Hürter (Red.): Biographisches Handbuch des deutschen Auswärtigen Dienstes 1871–1945. 5. T – Z, Nachträge. Herausgegeben vom Auswärtigen Amt, Historischer Dienst. Band 5: Bernd Isphording, Gerhard Keiper, Martin Kröger: Schöningh, Paderborn u. a. 2014, ISBN 978-3-506-71844-0, S. 443 f.
Weblinks
- Literatur von und über Franz Fromme im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Franz Fromme in der Datenbank Die niederdeutsche Literatur
Einzelnachweise
<references />
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Fromme, Franz |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Autor, Journalist und Übersetzer |
| GEBURTSDATUM | 26. April 1880 |
| GEBURTSORT | Lesum bei Bremen |
| STERBEDATUM | 29. Mai 1960 |
| STERBEORT | Bremen |