Franz Catzenstein
Franz Catzenstein<ref name="SLH">Peter Schulze: Catzenstein, Leo. In: Hannoversches Biographisches Lexikon. S. 84.</ref> (auch: Zatzenstein-Matthiesen und Francis M. Matthiesen,<ref name="Händler und Hehler">Bernhard Schulz: Berlin / Händler und Hehler.</ref> geboren 24. Juli 1897 in Hannover;<ref name="SLH" /> gestorben 10. Mai 1963 in London<ref>England & Wales, National Probate Calendar (Index of Wills and Administrations), 1858-1995, abgerufen über ancestry.com</ref>) war ein deutsch-britischer Galerist und Kunsthändler.<ref name="Händler und Hehler" />
Leben
Geboren zur Zeit des Kaiserreichs, war Franz Catzenstein der Sohn des in Hannover tätigen Sanitätsrates Leo Catzenstein und Bruder der Bildhauerin Ellen Bernkopf-Catzenstein.<ref name="SLH" />
Während der Weimarer Republik wurde Franz Catzenstein anfangs Mitarbeiter, später Inhaber<ref name="SLH" /> und Geschäftsführer der bedeutenden Galerie Matthiesen, die nach Maria (Mara) Matthiesen (1896 Celle – 1936 Genf)<ref>Thomas Krakauer: Family Portrait: History and Genealogy of the Gottschalk, Molling, and Benjamin Families from Hannover, Germany. 1995, S. 2</ref>, der ersten Ehefrau Catzensteins, benannt war. Die Galerie hatte ihren Sitz in Berlin zunächst von 1923 bis 1926 in der Friedrich-Ebert-Straße 8, danach bis 1931 in der Bellevuestraße 14<ref>Angaben zur Galerie Matthiesen auf der Website der Staatlichen Museen zu Berlin.</ref> und schließlich „in einem Palais der vornehmen Viktoriastraße“.<ref name="Händler und Hehler" /> Zu den von ihm organisierten Ausstellungen gehörten Werkschauen zu Henri de Toulouse-Lautrec (1924), Honoré Daumier (1926) und Édouard Manet (1928).<ref>Angaben zur Galerie Matthiesen auf der Website der Staatlichen Museen zu Berlin.</ref> Die Manet-Ausstellung 1928 ist bis heute die größte je im deutschsprachigen Raum gezeigte Retrospektive des Künstlers.
Franz Catzenstein pflegte internationale Kontakte.<ref name="Händler und Hehler" /> So war er – nachdem in Russland die Oktoberrevolution stattgefunden hatte – am Verkauf von Spitzenwerken aus der Eremitage im seinerzeitigen Leningrad durch die Regierung der Sowjetunion an Andrew W. Mellon, Calouste Gulbenkian und Leo Blumenreich beteiligt. In den 1920er Jahren nahm er mehrfach Gottfried Benn, dessen Patient und Freund er war, auf Autofahrten nach Frankreich und Spanien mit.<ref>Siehe dazu Helmut Berthold: Die Lilien und den Wein: Gottfried Benns Frankreich. Würzburg: Königshausen & Neumann 1999, ISBN 978-3-8260-1698-1, S. 51–53</ref>
1933, im Jahr der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten, emigrierte Catzenstein zunächst nach Zürich, später ins Exil nach London, wo er sich dann Francis M. Matthiesen nannte. Er blieb jedoch „bis 1935 Geschäftsführer seiner Galerie-GmbH.“<ref name="Händler und Hehler" /> Anteile an der GmbH hielten in den 1930er Jahren auch der Züricher Kunsthändler Gottfried Tanner und die Londoner Galerie P. & D. Colnaghi & Co.<ref>Lynn Rother: Kunst durch Kredit. Die Berliner Museen und ihre Erwerbungen von der Dresdner Bank 1935. Berlin: De Gruyter 2017, ISBN 978-3-11-049609-3, S. 48 </ref>
Ebenfalls 1933 hatte Catzensteins Schwester Ellen eine Ausstellung in ihrer Heimatstadt Hannover, die jedoch „im Zuge der nationalsozialistischen Kulturpolitik in den Zeitungen diffamiert wurde“.<ref name="Ellen-Bernkopf-Archiv">Manfred Mayer (Verantwortlich für die Internetredaktion): Ellen-Bernkopf-Archiv, online auf der Seite der Akademie der Künste in Berlin</ref> Ellen gelang als erste der Familie<ref name="SLH" /> über Umwege die Ausreise nach Palästina,<ref name="Ellen-Bernkopf-Archiv" /> während beider Eltern zunächst noch in Hannover verblieben.<ref name="SLH" />
1938,<ref name="Händler und Hehler" /> zwei Jahre zuvor war der Vater in Hannover gestorben,<ref name="SLH" /> wurde Franz Catzenstein in London die „Judenvermögensabgabe“ zugestellt: „Man ist kein Mensch mehr in diesen Zeiten“, schrieb Matthiesen daraufhin resigniert. Schließlich wurde 1939 die Galerie-GmbH von Zatzenstein-Matthiesen, wie Franz Catzenstein in Deutschland genannt wurde, arisiert: Typisch für die Zeit wurde die Galerie von zwei der bisherigen Angestellten übernommen, „die ihre Gelegenheit zu »Guten Geschäften« witterten und fortan Verkäufe für Hitlers Museum am geplanten »Alterssitz« tätigten, den »Sonderauftrag Linz«.“<ref name="Händler und Hehler" />
Im selben Jahr folgte auch die Mutter, Anna Catzenstein, 1939 ihrer Tochter Ellen<ref name="SLH" /> und der neugeborenen Enkelin Yael<ref name="Ellen-Bernkopf-Archiv" /> nach Palästina.<ref name="SLH" />
1947 erhielt er, zusammen mit seiner zweiten Frau Katharina, die britische Staatsbürgerschaft.<ref>Naturalisation Certificate: Franz Manes Zatzenstein-Matthiesen, Eintrag im Katalog der National Archives, abgerufen am 12. Februar 2024</ref>
Restitutionen
Franz Catzenstein erhielt seine in die Niederlande verlagerten Kunstwerke erst 1950 zurück – „immerhin, wie man beim Vergleich mit so vielen anderen, ihres Eigentums beraubten jüdischen Kollegen sagen muss.“<ref name="Händler und Hehler" /> Ein Werk von Marc Chagall, Witebsk/Over Vitebsk, das 1934 die Dresdner Bank als Kreditsicherheit erhalten hatte und später vom Museum of Modern Art in New York erworben worden war, wurde 2021 an den Sohn Patrick Matthiesen und die Erben der Anteilseigner der Galerie restituiert.<ref>Quietly, After a $4 Million Fee, MoMA Returns a Chagall With a Nazi Taint, New York Times vom 12. Februar 2024, abgerufen am 12. Februar 2024</ref> Kurz darauf wurde es an einen europäischen Sammler verkauft.<ref>Over Vitebsk, Galerie Matthiesen, abgerufen am 12. Februar 2024</ref> 2024 entschied die Stiftung Preußischer Kulturbesitz über sechs Gemälde, die sich im Besitz der Gemäldegalerie der Staatlichen Museen zu Berlin befanden. Diese hatte Catzenstein nach seiner Flucht 1934 zum Ausgleich für Kredite an die Commerzbank übertragen. Seit 1935 waren die Werke im Besitz der Gemäldegalerie. Nach Einigung mit den Catzenstein-Erben wurden die Gemälde Porträt eines Mannes in Ritterrüstung von einem Nachfolger des Anthonis van Dyck, die formals Jan van de Cappelle zugeschriebenen Werke Segelschiffe/Ruhige See mit Einmastern und Staatenjacht und Marine / Segelschiffe auf der Merwede vor Dordrecht, eine nach Giovanni Battista Tiepolo gearbeitete Kopie Christus auf dem Weg zum Kalvarienberg und ein formals Ambrosius Benson zugeordnetes Bildnis eines Mannes/Bildnis Melanchthon restituiert. Weiterhin in der Gemäldegalerie verbleibt hingegen das Bild Versuchung des heiligen Antonius aus dem Umkreis von Jan Wellens de Cock.<ref>Pressemitteilung der Stiftung Preußischer Kulturbesitz vom 21. Oktober 2024.</ref>
Ausstellung 2011
2011 fand unter dem Titel Gute Geschäfte. Kunsthandel in Berlin 1933–1945 eine Ausstellung in Berlin statt im Aktiven Museum im Centrum Judaicum sowie im Landesarchiv Berlin,<ref>Christine Fischer-Defoy, Kaspar Nürnberg (Hrsg.): Gute Geschäfte … (siehe Literatur)</ref> zugleich „eine Mahnung, die … noch offenen Vermögensfragen aufgrund »verfolgungsbedingt entzogenen Kulturguts« … aufzuklären“. Die Ausstellung zeigte zudem, dass auch andere unter dem Terror des NS-Regimes gelitten hatten.<ref name="Händler und Hehler" />
Siehe auch
- Geschichte der Juden in Hannover
- Restitution des Vermögens von Opfern des NS-Regimes nach deutschem Recht
Literatur
- Bernhard Schulz: Berlin / Händler und Hehler. In: Jüdische Allgemeine. vom 14. April 2011; Transkription (online), zuletzt abgerufen am 22. April 2012.
- Peter Schulze: Catzenstein, Leo. In: Dirk Böttcher, Klaus Mlynek, Waldemar R. Röhrbein, Hugo Thielen: Hannoversches Biographisches Lexikon. Von den Anfängen bis in die Gegenwart. Schlütersche, Hannover 2002, ISBN 3-87706-706-9, S. 84; (online) über Google-Bücher.
- Christine Fischer-Defoy, Kaspar Nürnberg (Hrsg.): Gute Geschäfte. Kunsthandel in Berlin 1933–1945. Katalog zur gleichnamigen Ausstellung des Aktiven Museums im Centrum Judaicum (10. April – 31. Juli 2011) und im Landesarchiv Berlin (20. Oktober 2011 – 27. Januar 2012), Berlin: Aktives Museum Faschismus und Widerstand in Berlin, 2011, ISBN 978-3-00-034061-1.
- Lynn Rother: Kunst durch Kredit. Die Berliner Museen und ihre Erwerbungen von der Dresdner Bank 1935. Berlin: De Gruyter 2017, ISBN 978-3-11-049609-3
Weblinks
- Portrait of Franz Catzenstein and his little sister Ellen, Photographs auf der Seite des Center for Jewish History
Einzelnachweise
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