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François Ravaillac

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François Ravaillac, etwa 1610
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Ermordung Heinrichs IV. in Paris
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Die Vierteilung François Ravaillacs

François Ravaillac (* 1578 in Touvre bei Angoulême; † 27. Mai 1610 in Paris) war der Mörder König Heinrichs IV. von Frankreich. Ravaillac wurde für die Tat 1610 in Paris öffentlich hingerichtet.

Leben

Ravaillac war einfacher Herkunft und arbeitete zunächst als Diener und später als Lehrer. In hohem Maße religiös, trat er dem Orden der Feuillanten bei, wurde jedoch nach kurzer Zeit wegen seines Hanges zu Visionen entlassen. 1606 versuchte er vergeblich, den Jesuiten beizutreten.

1609 hatte er eine Vision, nach der er sich berufen fühlte, Heinrich IV. zur Konvertierung der Hugenotten zum Katholizismus zu bewegen. Da es ihm nicht gelang, mit dem König in Kontakt zu treten, interpretierte er die Entscheidung des Königs, die Spanischen Niederlande zu überfallen, als den Beginn eines Krieges gegen den Papst. Um den König davon abzuhalten, beschloss er, ihn zu töten. Er stach Heinrich am 14. Mai 1610 in der Rue de la Ferronnerie Nr. 11 (Gedenktafel) in Paris nieder. Er wurde umgehend festgenommen und in das Hôtel de Retz gebracht, um zu verhindern, dass er vom Mob gelyncht würde. Während seiner Verhöre wurde er mehrfach gefoltert, blieb aber dabei, dass er keine Auftraggeber oder Komplizen hatte.

Verurteilung

Als Königsmörder erwartete Ravaillac eine drakonische Strafe, die die Grand’chambre des Parlement de Paris in ihrem Urteil vom 27. Mai im Detail vorschrieb und die exakt so vollstreckt wurde:

„Alles erwogen, so hat der Gerichtshof erklärt und erklärt hiermit besagten Ravaillac als mit Recht und Ordnung bezichtigt und überführt des Verbrechens der Majestätsbeleidigung, so der menschlichen als göttlichen, begangen am Oberhaupt, von wegen des sehr niederträchtigen, sehr verabscheuungswürdigen und sehr verwerflichen Meuchelmordes, begangen an der Person des seligen Königs Heinrich IV., sehr guten und lobenswerten Gedächtnisses; zur Sühnung dessen er ihn verdammt hat und verdammt, eine Ehrenbuße zu tun vor dem Haupttor der Kirche Notre Dame zu Paris, wohin er in einer Armensünderkarre zu führen; – demnächst daselbst, nackt, im Hemde, eine brennende Kerze, zwei Pfund im Gewicht, in Händen haltend, zu sagen und zu erklären, dass er unglückseligerweise und verräterischerweise begangen besagten sehr niederträchtigen, sehr verabscheuungswürdigen und sehr verwerflichen Meuchelmord, und getötet den besagten König und Herrn mit zwei Messerstichen in seinen Körper, worüber er Reue empfindet und um Gnade bittet Gott, den König und die Justiz; – dass er von da geführt werde auf den Gréveplatz und auf ein Schafott, welches daselbst aufzurichten, und daselbst mit Zangen gekniffen an den Brustwarzen, Armen, Schenkeln und Waden; dass darauf seine rechte Hand, in der er das Messer halten muss, mit welchem er besagten Vatermord begangen, verbrannt werde in Schwefelfeuer, und auf die Stellen, wo er gezwickt worden, geschmolzenes Blei geträufelt werde, auch kochendes Öl und brennendes Pech, desgleichen Wachs und Schwefel zusammengerührt; – welchem nach sein Körper soll zerrissen und geteilt werden durch vier Pferde; seine Glieder und sein Leib aber vom Feuer verzehrt, zu Asche verbrannt und in die Winde verstreuet. – Erklärt demnächst alle seine Güter dem Könige verfallen. Verordnet auch, dass das Haus, in dem er geboren, der Erde gleich gemacht werde, nachdem der, dem es gehört, vorher entschädigt worden, dergestalt, dass auf dem Grund und Boden, wo es gestanden, niemals wieder ein Haus gebaut werden darf; – sowie dass, vierzehn Tage nach Publikation besagten Urteils, beim Schall der Trompeten und öffentlichem Ausruf in der Stadt Angoulesme [Angoulême], sein Vater und seine Mutter auswandern und das Königreich verlassen, mit dem Verbot, jemals dahin zurückzukehren, widrigenfalls sie gehängt werden sollen und erdrosselt, ohne dass irgend vorher etwas von einem Prozesse wider sie anhängig gemacht würde. – Verbieten wir des Weiteren seinen Brüdern und Schwestern, seinen Oheimen, Basen und anderen von nun ab den Namen Ravaillac zu führen, und heißen wir sie, unter denselben Strafen, einen andern Namen anzunehmen; – und dem Substitut des Generalprokurators zu publizieren und zu exekutieren gegenwärtiges Erkenntnis, unter Verwarnung, dass wir uns an ihn halten werden; und vor der Exekution besagten Ravaillacs, dass derselbe von neuem auf die Folter gespannt werde, um von ihm seine Mitschuldigen zu erpressen.“

Am 27. Mai wurde er auf der Place de Grève gemartert und durch Vierteilung mittels Pferden hingerichtet. Seine Eltern wurden des Landes verwiesen und der Rest der Familie angewiesen, nie wieder den Namen Ravaillac zu verwenden.

Verschwörungstheorien zum Attentat

Nach dem Attentat François Ravaillacs auf Heinrich IV. kam rasch die Theorie auf, hinter der Tat stehe nicht allein ein verwirrter Einzeltäter, sondern eine im Verborgenen wirkende Macht: Der Jesuitenorden. Diese Deutung knüpfte an ein bereits etabliertes Feindbild an, in dem die Gesellschaft Jesu als politische Untergrundorganisation erschien, die systematisch zur Beseitigung missliebiger Herrscher anstifte.<ref name="Wright"></ref> Bereits nach dem Mordversuch Jean Châtels auf Heinrich IV. im Jahr 1594 war versucht worden, eine solche Verbindung herzustellen. Obwohl Châtel keine jesuitische Anstiftung einräumte, genügte seine Ausbildung an einem Jesuitenkolleg, um den Verdacht gezielter geistiger Beeinflussung zu nähren. Dies führte zu Hausdurchsuchungen, öffentlichen Anklagen und zur zeitweiligen Vertreibung der Jesuiten aus Paris.<ref name="Wright" /> Die Schuldzuweisung wurde öffentlich fixiert, indem auf dem Grundstück Châtels ein Denkmal errichtet wurde, dessen Inschrift Paris ausdrücklich vor den Jesuiten warnte, die Châtels Jugend verführt und seinen Verstand zerstört hätten. Auf diese Weise wurde eine unbelegte Behauptung dauerhaft in den urbanen Erinnerungsraum eingeschrieben.

Als Ravaillac Heinrich IV. tatsächlich ermordete, konnte dieses Deutungsmuster unmittelbar reaktiviert werden. Der Täter galt als religiös fanatisiert und psychisch labil; genau dies wurde nun als Beleg dafür gelesen, dass er Opfer jesuitischer Einflussnahme gewesen sei. Die Frage nach konkreten Beweisen trat dabei in den Hintergrund zugunsten einer bereits eingeübten Erklärung.<ref name="Wright" /> Zur theoretischen Absicherung dieser Vorstellung wurde häufig auf Juan de Marianas Schrift De rege et regis institutione (1599) verwiesen, die Überlegungen zum Widerstandsrecht gegen tyrannische Herrscher enthielt. In der polemischen Rezeption wurde daraus eine generelle Rechtfertigung des Königsmords konstruiert, obwohl diese Position innerhalb des Ordens umstritten war und keine verbindliche Lehre darstellte<ref>Juan de Mariana: De rege et regis institutione. Toledo 1599, ISBN 3-487-10695-7.</ref>. Insgesamt erweist sich die Vorstellung von den Jesuiten als Drahtziehern hinter dem Attentat Ravaillacs nicht als historisch belegte Erklärung, sondern als Produkt konfessioneller Spannungen, politischer Polemik und symbolischer Zuschreibungen, die sich weitgehend unabhängig von konkreten Beweisen verfestigten.<ref></ref>

Literatur

  • Roland Mousnier: Ein Königsmord in Frankreich. Die Ermordung Heinrichs IV. durch Ravaillac. Propyläen Verlag, Berlin 1970.
  • Paul Frischauer: Ravaillac oder Die Ermordung eines Königs. Zsolnay Verlag, Berlin 1926.
  • Pierre Deschamps: Proces du tres Meschant et Detestable Parricide Fr. Ravaillac. Aubry Verlag, Paris 1858.
  • Jean und Jérôme Tharaud: La tragédie de Ravaillac. Emile-Paul Frères, Paris 1913.
  • Pierre Chevallier: Les régicides: Clément, Ravaillac, Damiens. Fayard, Paris 1989, ISBN 2-213-02326-3.
  • Janine Garrisson: Ravaillac, le fou de dieu. Ed. Payot, Paris 1993, ISBN 2-228-88633-5.
  • Edmund Goldsmid: The Trial of Francis Ravaillac for the Murder of King Henry the Great. Kessinger Pub, 2004, ISBN 1-4179-5189-3.
  • Pierre Mathurin de L’Ecluse des Loges: Memoirs of Maximilian of Bethune. Duke of Sully, … the Trial of Francis Ravaillac for the murder of Henry the Great.
  • Anita W. Walker, Edmund H. Dickerman: Mind of an assassin: Ravaillac and the murder of Henry IV of France. In: Canadian Journal of History. 1995.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Mind of an Assassin (Memento vom 17. Mai 2009 im Internet Archive)</ref>

Weblinks

Commons: François Ravaillac – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references />

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