Zum Inhalt springen

François Arago

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Datei:François Arago par Ary Scheffer.jpg
François Arago
Datei:Arago medallion Paris.jpg
Ein Arago-Medaillon
Datei:Eiffelturm Arago.jpg
Aragos Name auf dem Eiffelturm
Datei:Obs-Paris-coupole-Arago.jpg
Pariser Sternwarte, Observatoire de Paris.

François Jean Dominique Arago <phonos file="LL-Q150 (fra)-Fabricio Cardenas (Culex)-François Arago.wav">anhören</phonos>/? ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value); * 26. Februar 1786 in Estagel bei Perpignan; † 2. Oktober 1853 in Paris) war ein französischer Astronom, Physiker und Politiker. Er entdeckte, dass Eisen durch Einwirkung von elektrischem Strom magnetische Eigenschaften annimmt.

Leben

François Arago war der jüngste Sohn von François Bonaventure Raymond Arago (1754–1814), Bürgermeister von Estagel, einer kleinen Stadt etwa 18 km nordwestlich von Perpignan, und Marie Anne Agathe Roig (1755–1845).<ref>Genealogie der Familie</ref> Die Familie Arago stammt aus den östlichen Pyrenäen.

Arago wurde im Alter von siebzehn Jahren zur École polytechnique in Paris zugelassen. Nach dem dortigen Studium holte ihn Pierre Simon de Laplace an die Pariser Sternwarte. 1805 wurde er Sekretär am Bureau des Longitudes. In dessen Auftrag führte er ab 1806 unter großen Schwierigkeiten und Gefahren während des spanischen Aufstands gegen Napoleon gemeinsam mit Jean-Baptiste Biot die Meridianmessungen von Pierre Méchain auf dem Meridian von Paris in Spanien und auf den Balearen zu Ende. Er berichtet darüber in seinen autobiographischen Aufzeichnungen „Geschichte meiner Jugend“. 1808 wurde Arago auf Mallorca wegen des in der damaligen Lage extrem verdächtigen Entzündens eines Leuchtfeuers auf einer Bergspitze festgenommen, konnte jedoch entkommen. Biot war schon vorher nach Frankreich zurückgekehrt. Erst 1809 kehrte Arago nach einer weiteren Gefangennahme nach Frankreich zurück und wurde zum Professor für Geodäsie und analytische Geometrie an der École polytechnique berufen. Er wird in den Mémoires de Physique et de Chimie de la Société d’Arcueil als Mitglied der Société d’Arcueil erwähnt.

In Paris lernte er 1809 Alexander von Humboldt kennen, mit dem er alsbald sowohl menschlich als auch wissenschaftlich eine besondere Freundschaft pflegte. Beide waren an dem Phänomen Erdmagnetismus interessiert.

Arago hatte mit Lucie Carrier Besomes (1788–1829)<ref>Genealogie der Familie</ref> – beide waren seit dem 11. August 1811 miteinander verheiratet – drei Söhne. François Victor Emmanuel Arago (1812–1896), während der Zweiten Französischen Republik (Deuxième République) in verschiedenen politischen Positionen, so etwa als Justizminister, tätig. Gefolgt von Alfred Arago (1815–1892) und dem jüngsten Sohn Gabriel Arago (1816–1832).

Seine letzte Ruhestätte fand Arago auf dem Pariser Friedhof Père-Lachaise (Division 4).

Wissenschaftliche Leistungen

Ausgehend von den Doppelspaltexperimenten zur Interferenz von natürlichem (unpolarisiertem) Licht von Thomas Young, führte Arago zusammen mit Augustin Fresnel um 1817 verschiedene Experimente zur Interferenz von polarisiertem Licht durch. Ziel war es, weitere Erkenntnisse zur Natur des Wellencharakters von Licht zu gewinnen (nach der sogenannten Undulationstheorie). Dabei gingen sie am Anfang von der Annahme aus, Licht sei eine Longitudinalwelle. Ihre Ergebnisse waren jedoch nicht mit dem Verhalten longitudinaler Schwingungen vereinbar. Zusammen mit Young, dem Arago die Ergebnisse zur Diskussion zusandte, kamen sie abschließend zu der Erkenntnis, dass es sich bei Licht um zwei senkrecht zueinander orientierte Transversalwellen handeln muss. Fresnel und Arago fassten ihre Ergebnisse in vier Aussagen zur Interferenz von polarisiertem Licht zusammen, den Fresnel-Arago-Gesetzen.<ref>Dennis H. Goldstein: Polarized Light, Revised and Expanded. 2. Auflage. CRC Press, 2011, ISBN 978-0-203-91158-7, S. xiii (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref>

Alexis Thérèse Petit heiratete eine Schwester Aragos, und die beiden führten gemeinsam Experimente zur Lichtbrechung und dem Einfluss der Temperatur auf den Brechungsindex in Gasen durch. Zusammen mit diesem fand er 1816 das Gesetz, nach dem zwei in einer Ebene polarisierte Strahlen miteinander interferieren können, zueinander senkrecht polarisierte Strahlen jedoch nicht.

1818 wurde von der französischen Académie des sciences ein Wettbewerb ausgeschrieben, dessen Jury von Arago geleitet wurde. Fresnel beteiligte sich mit einer Arbeit über Wellenoptik. Nachdem Siméon Denis Poisson die Vorhersagen der Theorie mit seinem scheinbar abwegigen Gedankenexperiment zur Entstehung von Poisson-Flecken angezweifelt hatte, konnte Arago diesen Effekt experimentell nachweisen.

1820 bemerkte er die Magnetisierung von Eisen (Stahlnadeln) durch einen stromdurchflossenen Leiter.

1824 führte er ein Experiment durch, bei dem eine frei rotierbare Magnetnadel über einer rotierenden Kupferscheibe schwebt und durch die Rotation der Scheibe ebenfalls in Bewegung gesetzt wird. Michael Faraday wies einige Jahre später nach, dass es sich hierbei um die Induktion handelt. Es war der erste Versuch, der den Wirbelstrom nachweisen konnte. Arago nannte dieses Phänomen „Rotationsmagnetismus“.

Ab 1830 war Arago Direktor des Pariser Observatoriums. Als erster führte er die Szintillation der Sterne auf Interferenzen in der Erdatmosphäre zurück, die aufgrund der Luftunruhe entstehen.

Am 19. August 1839 stellte Arago die Erfindung der Fotografie durch Louis Daguerre und Joseph Nicéphore Nièpce offiziell der französischen Akademie der Wissenschaft und der Öffentlichkeit vor.

Politische Karriere

Nach der Julirevolution von 1830 engagierte sich Arago in der Politik. Als republikanischer Abgeordneter der Region „Pyrénées-Orientales“ redete er während der Juli-Monarchie in der Abgeordnetenkammer, insbesondere zu Fragen der Seefahrt, des Kanalbaus und der Eisenbahnen. Nach der Revolution von 1848 holte ihn Alphonse de Lamartine in die provisorische Regierung als Kriegs- und Marineminister. Zusammen mit seinem Untersekretär Victor Schoelcher spielte er eine ausschlaggebende Rolle bei der endgültigen Abschaffung der Sklaverei in Frankreich. Für anderthalb Monate war er Vorsitzender der Exekutivkommission der Republik, bevor die Versammlung den General Louis-Eugène Cavaignac an die Spitze der Macht stellte. Er weigerte sich, sich Napoleon III. nach dessen Staatsstreich 1851 anzuschließen, und legte seine öffentlichen Ämter nieder.

Datei:Père-Lachaise - Division 4 - Arago 01.jpg
Sein Grabmal auf dem Friedhof Père-Lachaise in Paris

Familie

François Arago wuchs mit zehn Geschwistern auf, vier ältere Schwestern, fünf jüngere Brüder sowie eine jüngere Schwester:

  • Marie Rose Arago (1779–1780)
  • Marie Thérèse Arago (1780–1780)
  • Rose Rosette Arago (1782–1832)
  • Marie Victoire Françoise Arago (1783–1783)
  • Jean Martin Arago (1788–1836)
    schlug eine militärische Laufbahn ein, verurteilt nach dem Sturz Napoleons, kämpfte in den Reihen der Rebellen während des mexikanischen Unabhängigkeitskriegs und wurde General
  • Jacques Étienne Victor Arago (1790–1854)
    Zeichner, Schriftsteller und Theaterproduzent, nahm 1817 am Bord der l’Uranie an einer der Forschungsreisen von Louis de Freycinet (1779–1842) teil, um magnetische und ozeanographische Untersuchungen im Pazifik durchzuführen
  • Victor Arago (1792–1867)
    brillanter Student der Ecole Polytechnique, schlug ebenfalls eine militärische Laufbahn ein, kämpfte in Spanien wurde dann versetzt in Frankreich, erhielt den Titel Officier de la Légion d’Honneur
  • Joseph „José“ Arago (1796–1860)
    schlug ebenfalls eine militärische Laufbahn ein, kämpfte in Spanien, dann in Mexiko mit seinem Bruder
  • Marguerite Guidette Arago (1798–1859).
  • Etienne Vincent Arago (1802–1892)
    Schriftsteller, Dramatiker, Reisender und Politiker

Ehrungen

Datei:Arago-1914.jpg
Der Kabelleger Arago von 1931
Datei:14e.Arrondisement.Paris.Boulevard.Arago.P1036718.jpg
Straßennamenschild im 14. Arrondissement von Paris vom Boulevard Arago

1809 wurde Arago zum Mitglied der Académie des sciences gewählt. Seit dem 19. Januar 1815 war er Ehrenmitglied (Honorary Fellow) der Royal Society of Edinburgh.<ref>C. D. Waterston, A. Macmillan Shearer: Biographical index of former Fellows of the Royal Society of Edinburgh 1783–2002. Part I: A–J. 2006, ISBN 0-902198-84-X, S. 33 (PDF).</ref> Am 12. März 1818 wurde Arago als Auslandsmitglied („Foreign Member“) in die Royal Society gewählt, die ihm 1825 die Copley-Medaille und 1850 die Rumford-Medaille verlieh.<ref>Eintrag zu Arago; Dominique Francois Jean (1786–1853); French mathematician and astronomer im Archiv der Royal Society, London</ref> Im Dezember 1823 wurde er zum auswärtigen Mitglied der Königlich Dänischen Akademie der Wissenschaften gewählt. Ab 1828 war er auswärtiges Mitglied der Königlich-Preußischen Akademie der Wissenschaften.<ref>Mitglieder der Vorgängerakademien. Dominique-François-Jean Arago. Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, abgerufen am 16. Februar 2015.</ref> Im Dezember 1829 wurde er Ehrenmitglied der Russischen Akademie der Wissenschaften in Sankt Petersburg.<ref>Ausländische Mitglieder der Russischen Akademie der Wissenschaften seit 1724: Arago, Dominique François Jean. Russische Akademie der Wissenschaften, abgerufen am 29. November 2019 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> 1832 wurde Arago in die American Academy of Arts and Sciences gewählt. 1834 wurde er zum korrespondierenden Mitglied der Königlichen Akademie der Wissenschaften und Schönen Künste von Belgien gewählt, ab 1845 assoziiertes Mitglied.<ref>Mitglieder: Dominique François Jean Arago. Académie royale des Sciences, des Lettres et des Beaux-Arts de Belgique, abgerufen am 9. August 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Ab 1835 war er auswärtiges Mitglied der Göttinger Akademie der Wissenschaften.<ref>Holger Krahnke: Die Mitglieder der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen 1751–2001 (= Abhandlungen der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen, Philologisch-Historische Klasse. Folge 3, Bd. 246 = Abhandlungen der Akademie der Wissenschaften in Göttingen, Mathematisch-Physikalische Klasse. Folge 3, Bd. 50). Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2001, ISBN 3-525-82516-1, S. 27.</ref> Am 31. Mai 1842 wurde Arago als ausländisches Mitglied in den preußischen Orden Pour le Mérite für Wissenschaften und Künste aufgenommen.<ref>Orden Pour le Mérite für Wissenschaften und Künste (Hrsg.): Die Mitglieder des Ordens. Band 1: 1842–1881. Gebr. Mann Verlag, Berlin 1975, ISBN 3-7861-6189-5 (orden-pourlemerite.de [PDF; 19,4 MB; abgerufen am 18. September 2011]).</ref> 1843 wurde er zum auswärtigen Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften berufen. Ab 1851 war er Mitglied der Königlich Niederländischen Akademie der Wissenschaften (KNAW).<ref>Past Members: Dominique François Jean Arago. Königlich Niederländische Akademie der Wissenschaften, abgerufen am 11. April 2023.</ref>

Die Pflanzengattung Aragoa <templatestyles src="Person/styles.css" />Kunth 1818 aus der Familie der Wegerichgewächse (Plantaginaceae) ist nach ihm benannt.<ref name="Burkhardt2018" />

1850 wurde das Cape Arago in Oregon nach ihm benannt. Der Arago-Gletscher in der Antarktis, der Asteroid (1005) Arago, der Mondkrater Arago und ein Marskrater wurden nach ihm benannt, ebenso zwei französische Kabelleger, die François Arago von 1882 und die Arago von 1931, und das U-Boot Arago von 1913.

Der Boulevard im 13. Arrondissement des Gobelins und 14. Arrondissement de l’Observatoire südlich des Pariser Observatoriums ist nach Arago benannt.

Er ist namentlich auf dem Eiffelturm verewigt, siehe: Die 72 Namen auf dem Eiffelturm.

Schriften (Auswahl)

Zeitschriftenbeiträge

  • Sur les puissances réfractives et dispersives de certains liquides et des vapeurs qu’ils forment. In: Annales de chimie et de physique. Band 1, 1816, S. 1–9 (Digitalisat) – mit Alexis Thérèse Petit.
    • On the refractive and dispersive powers of certain liquids, and of the vapours which they form. In: The philosophical magazine. Band 47, Nr. 217, 1816, S. 375–379 (Digitalisat, doi:10.1080/14786441608628484).
  • Mémoire sur l’action que les rayons de lumière polarisés exercent les uns sur les autres. In: Anales de chimie et de physique. Band 10, 1819, S. 288–306 (Digitalisat) – mit Augustin Fresnel.
    • On the action of rays of polarized light upon each other. In: Henry Crew (Hrsg.): The wave theory of light. Memoirs of Huygens, Young and Fresnel (= Scientific memoirs Band 10). American Book Company, New York / Cincinnati / Chicago [1900], S. 145–155 (Digitalisat).
  • Exposé des recherches faites par ordre de l’Académie Royale des Sciences, pour déterminer les forces élastiques de la vapeur d’eau à de hautes températures. In: Annales de chimie et de physique. Band 43, 1830, S. 74–110 (Digitalisat, Separatdruck) – mit Pierre Louis Dulong.
  • Formation de l'île Julia. In: Société Philomatique de Paris. Extraits des procès-verbaux des séances pendant l’année 1837. Paris [1837], S. 112–115 (Digitalisat) – mit Constant Prévost.
    • Considerations concerning the manner in which was formed in the Mediterranean, in July 1831, the new island which has successively been called Ferdinandia, Hotham, Graham, Nerita, and Julia. In: The Edinburgh new philosophical journal. Band 23, 1837, S. 204–206 (Digitalisat).
  • La Daguerréotype. In: Comptes rendus hebdomadaires des séances de l’Académie des sciences. Band 9, Paris 1839, S. 250–267 (Digitalisat)

postum

Literatur

  • Jed Zachary Buchwald: The battle between Arago and Biot over Fresnel. In: Journal of Optics. 20 1989, S. 109–117.
  • James Lequeux: Francois Arago, uns avant généraux. EDP Sciences, 2008.
    • James Lequeux: François Arago: A 19th Century French Humanist and Pioneer in Astrophysics (= Astrophysics and Space Science Library Band 421). Springer, Cham / Heidelberg / New York / Dordrecht / London 2016, ISBN 978-3-319-20722-3.

Weblinks

Commons: François Arago – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references> <ref name="Burkhardt2018">Lotte Burkhardt: Verzeichnis eponymischer Pflanzennamen – Erweiterte Edition. Teil I und II. Botanic Garden and Botanical Museum Berlin, Freie Universität Berlin, Berlin 2018, ISBN 978-3-946292-26-5 doi:10.3372/epolist2018.</ref> </references>

VorgängerAmtNachfolger
Louis-Eugène CavaignacKriegsminister von Frankreich
5. April 1848–11. Mai 1848
Jean-Baptiste-Adolphe Charras

Vorlage:Hinweisbaustein