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Flussseeschwalbenkolonie Banter See

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Datei:Flussseeschwalbenkolonie Banter See.jpg
Flussseeschwalbenkolonie am Banter See in Wilhelmshaven
Datei:2012-05-28 Fotoflug Cuxhaven Wilhelmshaven DSCF9472.jpg
Luftbild der Flussseeschwalbenkolonie
Datei:Common Terns on box with antenna and scale.JPG
Markierte Flussseeschwalben sitzen auf einem mit Antenne und Waage ausgestatteten Rastplatz.
Datei:Bug in dummy-egg.tif
Vollgesaugte Wanze im künstlichen Ei.

Die Flussseeschwalbenkolonie Banter See befindet sich am Banter See in Wilhelmshaven.

Für die Flussseeschwalbenkolonie besteht ein Langzeit-Forschungsprojekt des Instituts für Vogelforschung „Vogelwarte Helgoland“ zur Biologie der Flussseeschwalbe (Sterna hirundo), einer kleinen langlebigen Seevogelart. Seit 1984 brüten Flussseeschwalben an der Nordseite des Banter Sees und werden seitdem intensiv beobachtet und studiert.

Standort

Der Standort besteht aus sechs, jeweils von einer Betonmauer umgebenen, künstlichen Betoninseln, die als ehemalige Bestandteile des U-Boothafens im Banter See vorhanden waren. Der Brutplatz ist als Naturdenkmal der Stadt Wilhelmshaven ausgewiesen.<ref>P. H. Becker: Flussseeschwalben (Sterna hirundo) in Wilhelmshaven. Oldenburger Jahrbuch 96, Isensee Verlag, Oldenburg 1996</ref> Ursprünglich brütete die Kolonie im Nordhafen, musste aber wegen Umbauten umgesiedelt werden. Dies gelang durch Anlocken der Vögel mit Klangattrappen.

Kolonie

Von den anfänglich 90 Brutpaaren wuchs die Kolonie bis auf 530 Brutpaare im Jahre 2005, schrumpfte jedoch durch verminderten Bruterfolg, geringere Jungvogelüberlebensraten und verzögerte Erstbrut bis auf 430 Paare im Jahre 2011,<ref>K. L. Szostek, P. H. Becker: Terns in trouble: demographic consequences of low breeding success and recruitment on a common tern population in the German Wadden Sea. Journal of Ornithology 153:313-326, 2012</ref> zurückzuführen auf schlechte Nahrungsbedingungen. Der Bruterfolg ist sehr variabel und stark abhängig von der Ernährungssituation im Wattenmeer, wo die Flussseeschwalben nach Jungfischen von Hering, Sprotte und Stint suchen.<ref>A. Dänhardt, P. Becker: Herring and Sprat Abundance Indices Predict Chick Growth and Reproductive Performance of Common Terns Breeding in the Wadden Sea. Ecosystems 14:791-803, 2011</ref> Die Prädationsrate ist durch Schutzmaßnahmen vor Ratten und anderen terrestrischen Prädatoren gering. Vor einigen Jahren gab es allerdings starke Verluste durch Eulen. Die Kolonie ist außerdem vor Hochwasser geschützt.

Methoden

Seit 1980 wurden alle Küken beringt, um den Bruterfolg zu ermitteln. Seit 1992 wurden inzwischen mehr als 5.000 Jungvögel und zusätzlich einige Altvögel mit Transpondern markiert.<ref>P. H. Becker, H. Wendeln: A New Application for Transponders in Population Ecology of the Common Tern. The Condor 99:534-538, 1997</ref><ref>P. H. Becker, T. H. G. Ezard, J.-D. Ludwigs, H. Sauer-Gürth, M. Wink: Population sex ratio shift from fledging to recruitment: consequences for demography in a philopatric seabird. Oikos 117:60-68, 2008</ref> In jeder Saison werden die transpondermarkierten Tiere mit einem Antennensystem automatisch erfasst, ohne dass sie gefangen werden müssen. Dies geschieht an Sitzplätzen auf den Mauern (Nichtbrüter und Brutvögel) sowie an den Nestern (Brutvögel). An vielen Sitzplätzen sind auch Waagen eingebaut, an denen die Vögel automatisch gewogen werden können. Mit diesem System lassen sich Jahr für Jahr Ankunftstermine, Körpergewichte, Paarpartner und Bruterfolg hunderter Vögel dokumentieren. So können die Lebensgeschichten der standorttreuen Flussseeschwalben verfolgt und daraus wichtige Informationen für die Populationsökologie langlebiger Vögel gewonnen werden.

Viele Merkmale verändern sich mit dem Alter der Flussseeschwalben, die im Laufe ihres Lebens immer besser werden. So verschieben sie den Ankunfts- und Legetermin<ref>T. H. G. Ezard, P. H. Becker and T. Coulson: Correlations between age, phenotype, and individual contribution to population growth in common terns. Ecology 88:2496-2504, 2007</ref><ref>P. H. Becker, T. Dittmann, J.-D. Ludwigs, B. Limmer, S. C. Ludwig, C. Bauch, A. Braasch, H. Wendeln: Timing of initial arrival at the breeding site predicts age at first reproduction in a long-lived migratory bird. PNAS 105:12349-12352, 2008</ref> und steigern den Bruterfolg bis zum Alter von etwa 15 Jahren, bevor sie in hohem Alter Seneszenz zeigen.<ref> M. Rebke, T. Coulson, P. H. Becker, J. W. Vaupel: Reproductive improvement and senescence in a long-lived bird. PNAS:1-6, 2010</ref> Den höchsten Lebensbruterfolg haben die Flussseeschwalben, die ein sehr hohes Alter erreichen.

Für Untersuchungen der Physiologie der Tiere werden auch Blutproben ohne den Fang der Altvögel genommen. Die Blutentnahme ohne das Einfangen verhindert den Stress bei den Tieren, der die Blutwerte z. B. durch erhöhte Stresshormone verändern könnte. Dies gelingt durch den Einsatz mexikanischer Raubwanzen (Dipetalogaster maxima), die hungrig in ein hohles künstliches Ei gesetzt und dem Brutvogel ins Nest gelegt werden. Durch Löcher in der Eierschale kann die Wanze vom Brutvogel Blut saugen, das anschließend zu Untersuchungen an Hormonen, anderen Blutparametern und Genetik genutzt wird.<ref>C. Bauch, S. Kreutzer, P. Becker: Breeding experience affects condition: blood metabolite levels over the course of incubation in a seabird. Journal of Comparative Physiology B: Biochemical, Systemic, and Environmental Physiology 180:835-845, 2010</ref><ref>J. Riechert, O. Chastel, P. H. Becker: Why do experienced birds reproduce better? Possible endocrine mechanisms in a long-lived seabird, the common tern. General and Comparative Endocrinology 178:391-399, 2012</ref>

Weblinks

Commons: Flussseeschwalbenkolonie Banter See – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references />

Koordinaten: 53° 30′ 39,6″ N, 8° 6′ 18,8″ O

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