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Fluorsulfonsäure

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Fluorschwefelsäure)
Strukturformel
Struktur von Fluorsulfonsäure
Allgemeines
Name Fluorsulfonsäure
Andere Namen
  • Fluorschwefelsäure
  • Schwefelsäurefluorid
  • Schwefelsäuremonofluorid
Summenformel HSO3F
Kurzbeschreibung

farblose, stechend riechende Flüssigkeit<ref name="GESTIS"/>

Externe Identifikatoren/Datenbanken
CAS-Nummer Vorlage:CASRN
EG-Nummer 232-149-4
ECHA-InfoCard 100.029.227
PubChem 24603
ChemSpider 23005
Wikidata [[:d:Lua-Fehler in Modul:Wikidata, Zeile 1464: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)|Lua-Fehler in Modul:Wikidata, Zeile 1464: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)]]
Eigenschaften
Molare Masse 100,06 g·mol−1
Aggregatzustand

flüssig<ref name="GESTIS"/>

Dichte

1,73 g·cm−3 (15 °C)<ref name="GESTIS">Eintrag zu Vorlage:Linktext-Check in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFAVorlage:Abrufdatum (JavaScript erforderlich)</ref>

Schmelzpunkt

−89 °C<ref name="GESTIS"/>

Siedepunkt

163 °C<ref name="GESTIS"/>

Dampfdruck

15 hPa (50 °C)<ref name="GESTIS"/>

Löslichkeit

Zersetzung in Wasser<ref name="GESTIS"/>

Sicherheitshinweise
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung aus Verordnung (EG) Nr. 1272/2008 (CLP),<ref name="CLP_100.029.227">Eintrag zu Vorlage:Linktext-Check in der Datenbank ECHA CHEM der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA)Vorlage:Abrufdatum Hersteller bzw. Inverkehrbringer können die harmonisierte Einstufung und Kennzeichnung erweitern.</ref> ggf. erweitert<ref name="GESTIS"/>
Gefahrensymbol Gefahrensymbol

Gefahr

H- und P-Sätze H: 332​‐​314
P: 261​‐​271​‐​280​‐​303+361+353​‐​304+340+310​‐​305+351+338<ref name="GESTIS"/>
Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen (0 °C, 1000 hPa).

Fluorsulfonsäure, auch Fluorschwefelsäure, ist eine chemische Verbindung mit der Summenformel HFSO3. Die bei Raumtemperatur farblose Flüssigkeit ist eine der stärksten kommerziell verfügbaren Säuren. Das tetraedrisch aufgebaute Molekül kann auch mit der Konstitutionsformel HOSO2F beschrieben werden, um die Verwandtschaft zur Schwefelsäure (H2SO4) zu betonen.

Geschichte

Fluorsulfonsäure wurde erstmals im Jahr 1892 durch die britischen Chemiker Thomas Edward Thorpe und Walter Kirman aus Schwefeltrioxid und wasserfreien Fluorwasserstoff hergestellt.<ref name="Thorpe">T. E. Thorpe; W. Kirman: Fluorsulphonic acid in J. Chem. Soc. Trans. 61 (1892) 921–924.</ref><ref name="Soukup_anorg">Rolf Werner Soukup: Chemiegeschichtliche Daten anorganischer Substanzen, Version 2020, S. 55 (PDF).</ref>

Gewinnung und Darstellung

Fluorsulfonsäure wird hergestellt durch die Reaktion von Fluorwasserstoff und Schwefeltrioxid oder Chlorsulfonsäure:

<math>\mathrm{ HF + SO_3 \longrightarrow HSO_3F }</math>
<math>\mathrm{ HF + HSO_3Cl \longrightarrow HSO_3F + HCl }</math>

Alternativ kann KHF2 oder CaF2 bei 250 °C mit Dischwefelsäure behandelt werden. Einmal befreit von Flusssäure durch Spülung mit einem Inertgas, kann HSO3F in einem Glasgefäß destilliert werden.

Auch die Herstellung durch Reaktion von Kaliumhydrogendifluorid mit Schwefelsäure und Schwefeltrioxid ist möglich.<ref name="brauer">Georg Brauer (Hrsg.), unter Mitarbeit von Marianne Baudler u. a.: Handbuch der Präparativen Anorganischen Chemie. 3., umgearbeitete Auflage. Band I, Ferdinand Enke, Stuttgart 1975, ISBN 3-432-02328-6, S. 193.</ref>

<math>\mathrm{ 2 \ KHF_2 + 4 \ SO_3 + H_2SO_4 \longrightarrow HSO_3F + K_2SO_ 4 }</math>

Chemische Eigenschaften

Fluorsulfonsäure ist löslich in polaren organischen Lösungsmitteln (z. B. Nitrobenzol, Diethylether, Essigsäure und Ethylacetat), aber schlecht löslich in unpolaren Lösungsmittel wie Alkanen. Durch ihre große Stärke löst sie fast alle organischen Verbindungen auf, die auch nur schwache Protonenakzeptoren sind. FSO3H hydrolysiert langsam zu Flusssäure und Schwefelsäure. Sie reagiert bei Raumtemperatur nicht mit S, C, Se, Te, Pb, Ag, Cu, Zn, Fe, Cr, Mn, dagegen reagiert sie mit Zinn. Mit Wasser reagiert sie explosionsartig. Sie ist bis 900 °C thermisch stabil.<ref name="brauer"/> Die ihr ähnliche Trifluormethansulfonsäure CF3SO3H ist eine ähnlich starke Säure, aber hydrolytisch stabil.

FSO3H ist eine der stärksten bekannten einfachen Brønsted-Säuren, obgleich aktuelle Arbeiten über Carboran-Säuren zu stärkeren Säuren geführt haben. Sie hat einen H0-Wert von −15, verglichen mit −12 für Schwefelsäure. Die Kombination von FSO3H und der Lewis-Säure Antimon(V)-fluorid ergibt „magische Säure“, die eine noch stärkere Säure ist. Diese Säuren werden als „Supersäuren“ bezeichnet (Säuren, die stärker sind als 100%ige Schwefelsäure).<ref name="Gillespie">R. J. Gillespie; Fluorosulfuric acid and related superacid media in Acc. Chem. Res. 1 (1968) 202–209.</ref>

Verwendung

Fluorsulfonsäure wird zur chemischen Synthese von Fluorverbindungen, in der Glasindustrie und als Katalysator für chemische Synthesen verwendet. Sie isomerisiert Alkane und katalysiert die Alkylierung von Kohlenwasserstoffen mit Alkenen. Sie kann auch als Fluorierungsmittel und im Gemisch mit Antimonpentafluorid als besonders starkes Protonierungsmittel (magic acid) verwendet werden.<ref name="GESTIS"/>

Sicherheitshinweise

Fluorsulfonsäure ist stark ätzend und greift bei Vorhandensein von Feuchtigkeit oder Wasser Glas und andere siliziumhaltige Materialien sowie die meisten Metalle stark an. Sie hydrolysiert sich unter Abgabe von Flusssäure. Die Zugabe von Wasser zu HSO3F ist ähnlich gefährlich wie die Zugabe von Wasser zu konzentrierter Schwefelsäure. Im Handel ist Fluorsulfonsäure in Behältern aus Monel und Flaschen aus PFA (Perfluoralkoxy) und FEP (Fluorierte Ethylen-Propylen)<ref name="Sigma">Datenblatt Vorlage:Linktext-Check bei Sigma-AldrichVorlage:Abrufdatum (PDF).</ref> erhältlich.

Einzelnachweise

<references />