Zum Inhalt springen

Finaltopologie

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Als Finaltopologie bezüglich einer Abbildungsfamilie bezeichnet man im mathematischen Teilgebiet der Topologie die feinste Topologie auf einer Menge <math>X</math>, die diese Familie von Abbildungen aus anderen topologischen Räumen nach <math>X</math> stetig macht. Die Finaltopologie entsteht also durch „Vorwärtsübertragung“ der auf den Urbildräumen vorhandenen topologischen Strukturen auf die Menge <math>X</math>. Dies ist die Anwendung eines allgemeineren Konzepts aus der Kategorientheorie auf topologische Räume, mit der wichtige „natürliche Räume“ wie Quotienten- und Summenräume in einen gemeinsamen Rahmen gestellt werden können. Je nach Kontext spricht man dann auch von Quotiententopologie bzw. Summentopologie.

Definition

Gegeben ist eine Menge <math>X</math>, eine Familie von topologischen Räumen <math>(Y_i, T_i)</math> und eine Familie von Abbildungen <math>f_i \colon Y_i \to X</math>. Eine Topologie <math>S</math> auf <math>X</math> heißt Finaltopologie bezüglich der Familie <math>(Y_i, T_i, f_i)</math> wenn sie eine der folgenden gleichwertigen Eigenschaften hat:

Universelle Eigenschaft der Finaltopologie
Universelle Eigenschaft der Finaltopologie
  1. <math>S</math> ist die feinste Topologie auf <math>X</math>, bezüglich der alle Abbildungen <math>f_i</math> stetig sind.
  2. Eine Teilmenge <math>O</math> von <math>X</math> ist offen (also in <math>S</math>) genau dann, wenn alle ihre Urbilder <math>f_i^{-1}(O)</math> in den jeweiligen Urbildräumen offen sind.
  3. Eine Funktion <math>g</math> von <math>X</math> in einen topologischen Raum <math>Z</math> ist genau dann stetig, wenn <math>g \circ f_i </math> stetig ist für jedes <math>f_i</math> der Familie.

Bemerkungen

Die drei Formulierungen der Definition beleuchten unterschiedliche Aspekte der Finaltopologie:

  1. Hier wird sie als Infimum gewisser Topologien im Verband aller Topologien auf <math>X</math> angesehen: Durch jede einzelne Abbildung <math>f_i</math> wird aus dem Urbildraum <math>Y_i</math> eine topologische Struktur <math>S_i</math> auf <math>X</math> übertragen und die Finaltopologie <math>S</math> ist der Durchschnitt all dieser Topologien. Mit dieser Definition lässt sich die Existenz der Finaltopologie beweisen.
  2. Diese Definition ist konstruktiv. Mit ihr kann man für beliebige Teilmengen von <math>X</math> entscheiden, ob sie in der Finaltopologie offen sind. Hieraus ergibt sich leicht die Eindeutigkeit dieser Topologie.
  3. Die abstrakte Charakterisierung rechtfertigt die Bezeichnung „Final“-Topologie und gestattet es, diese Strukturen im allgemeineren Rahmen der Kategorientheorie zu betrachten. Die Initialtopologie kann durch die hierzu duale Eigenschaft charakterisiert werden.

Beispiele

  • Die Quotiententopologie ist die Finaltopologie bezüglich der kanonischen Projektion auf den Quotientenraum.
  • Der topologische Summenraum einer Familie <math>X_i</math> von topologischen Räumen ist die Finaltopologie auf der disjunkten Vereinigungsmenge der Familie bezüglich der kanonischen Inklusionsabbildungen. In diesem Fall nennt man die Finaltopologie auch die Summentopologie.
  • Die Kombination der Summen- und Quotientenraumbildung, also das „Verkleben“ mehrerer topologischer Räume, kann mit der Finaltopologie in einem Schritt vorgenommen werden.

Literatur

  • Boto von Querenburg: Mengentheoretische Topologie. 2. neubearbeitete und erweiterte Auflage. Springer, Berlin u. a. 1979, ISBN 3-540-09799-6 (Hochschultext).