Feuchte Mittelbreiten
Die Zone der Feuchten Mittelbreiten ist eine der neun weltumspannenden Ökozonen nach J. Schultz.<ref name="Schultz08">Schultz, J. (2008): Die Ökozonen der Erde. Stuttgart: Ulmer. ISBN 978-3-8252-1514-9</ref> Sie nimmt heute etwa 9,7 % der irdischen Landoberfläche ein.<ref name="Schultz-Zahlen">Werte von J. Schultz (Schultz, J. (2008): Die Ökozonen der Erde. Stuttgart) ohne Antarktis und Grönland auf gesamte Landoberfläche umgerechnet. Siehe dazu im Artikel Ökozone#Ökozonen nach Schultz.</ref><ref>Siehe zudem Tabellarische Übersicht verschiedener Landschaftszonenmodelle und ihrer Anteile; PDF; 114 kB</ref> Anfang des 21. Jahrhunderts sind davon noch etwa 15 % in einem weitgehend naturnahen Zustand.<ref>Kartendaten zu den Studien ”Last of the wild”, ”Intact forest landscapes” und "Review of status and conservation of wild land in europe", zusammengefasst in der Quellenbeschreibung zur "Wildnisweltkarte" auf Wikimedia Commons</ref>
Verbreitung
Sie nimmt die Gebiete in der kühlgemäßigten Klimazone ein, die ein humides Klima aufweisen. Nach der vorherrschenden Vegetation kann sie weiterhin in die Landschaftstypen Gemäßigter Regenwald, Mischwald, Gebirgsnadelwald, Sommergrüner Laubwald und Waldsteppe untergliedert werden.
Die Grenzen der Feuchten Mittelbreiten sind in der Realität fließend, so dass eine exakte Ausdehnung – wie auf der Karte gezeichnet – faktisch nicht festgelegt werden kann. Diese Tatsache wird verständlich, wenn man vergleichbare geozonale Modelle heranzieht, die z. T. deutliche Abweichungen aufweisen. Man betrachte dazu beispielsweise das vergleichbare Nemorale Zonobiom auf der Karte der Zonobiome nach Walter und Breckle oder die FAO Ecozones.
Klima
Das Klima der feuchten Mittelbreiten zeigt einen ausgesprochen saisonal differenzierten Jahresgang der Temperatur, weshalb von einem Jahreszeitenklima zu sprechen ist. Die Extremwerte halten sich jedoch zwischen jenen die in den Ökozonen höherer und niederer Breiten erreicht werden können, diese Mittelstellung beschreibt auch die tageszeitliche Temperaturamplitude. Daher wird die Zone als gemäßigt bzw. temperat eingestuft.<ref name="Schultz08" />
Maßgeblich geprägt ist das Klima von der Westwindzone und der planetaren Frontalzone der Ferell-Zelle. Diese sorgt für einen west-östlichen Gradienten der ozeanische-kontinentale Charakteristika beschreibt. Daraus folgt, dass das Klima in ozeanisch geprägten Gebieten eine längere Vegetationsperiode (bis zu ganzjährig) erlaubt währen diese in kontinental geprägten Gebieten bis auf 6 Monate schrumpft.<ref name="Schultz08" />
Das Wettergeschehen ist unter anderem von Kaltlufteinbrüchen aus der Nordatlantischen Oszillation sowie atmosphärischen Ereignissen wie den zweimal jährlich auftretenden plötzlichen Stratosphärenerwärmungen geprägt. Je nach Ausprägung kann dies zu feucht-milden Wintern in Südeuropa und trocken-kalten Wintern in Nordeuropa oder aber zu feucht-milden Wintern in Nordeuropa und trockenen Wintern in Südeuropa führen. Hier zeigt sich abermals, dass die klimatische Abgrenzung der Ökozonen gewisse Übergangsbereiche hat und keine gesetzmäßigen Grenzen existieren. Oft zeigt sich über Mitteleuropa ein Wechsel von Tief- und Hochdruckgebieten aus Großwetterlagen der Nord-Süd-Zirkulation, die dem frontenzyklonalen Ablauf folgen. Je nach Windrichtung ergeben sich daraus unterschiedliche Temperatur- und Niederschlagsregime.<ref name="Schultz08" />
Anders als in den hohen Breiten der polaren Zone ergibt sich aus dem nicht übermäßig langen Tagbogen eine größere Relevanz der Hangneigung gegenüber der Exposition. Dies zeigt sich vor allem im Weinbau, wie etwa dem nördlichsten Weinanbaugebiet Saale-Unstrut, welches etwa auf dem 51° Breitengrad liegt.<ref name="Schultz08" />
Der Niederschlag zeigt keine besonders großen Jahreszeitlichen Schwankungen und auch die Variabilität hält sich gering, weshalb die Zone als in hohem Maß regenverlässlich gilt. Der Jahresniederschlag liegt meist zwischen 500 und 1000 mm.<ref name="Schultz08" />
Relief
Wie auch das Klima lässt sich die morphologische Aktivität der Zone als gemäßigt beschreiben. Sowohl Verwitterungs als auch Abtragungsprozesse laufen vergleichsweise verzögert ab, weshalb sich der Formenschatz auf bestimmte Prozzessergebnisse reduziert.<ref name="Schultz08" />
Zum einen ist die durch Absenkung der Schneegrenze sichtbar werdende Glaziale Serie, die einen rezenten Formenschatz aus den glaziomorphologischen Aktivitäten der Würm- und Weichsel-Eiszeit zeigt, formgebend. Besonders in Norddeutschland zeigt sich dies am Urstromtal der Elbe, sowie an Findlingen, die durch glaziales Geschiebe aus dem Baltischen Schild in die Norddeutsche Tiefebene verfrachtet wurden.
Analog zeigt sich die Glaziale Serie im Alpenvorland, der Münchner Schotterebene und der Donau, die ebenfalls einen Urstrom darstellt.
Als Verwitterungsprozess zeigt sich auch die Karstverwitterung bei geeigneter geologischer Grundlage als wichtig.<ref name="Schultz08" />
Literatur
- J. Schultz: Die Ökozonen der Erde. Ulmer, Stuttgart 2016 (5. Aufl.) ISBN 978-3-8252-4628-0
- J. Pfadenhauer, F. Kötzli: Vegetation der Erde. Springer-Spektrum, Heidelberg 2014. ISBN 978-3-642-41949-2.
- W. Zech, P. Schad, G. Hintermaier-Erhard: Böden der Welt. 2. Auflage. Springer-Spektrum, Heidelberg 2014. ISBN 978-3-642-36574-4.
Einzelnachweise
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