Zum Inhalt springen

Ferdinand Streichhan

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Datei:Haus Streichhan Weimar.jpg
Wohnhaus von Ferdinand Streichhan in der Belvederer Allee 5 in Weimar

Carl Heinrich Ferdinand Streichhan (* 20. Januar 1814 in Zehdenick; † 19. Juni 1884 in Jena) war ein deutscher Architekt und Baubeamter<ref name="ZBBV">Vorlage:ZentralblBauverw</ref> und wurde 1848 als Nachfolger von Clemens Wenzeslaus Coudray (1775–1845)<ref>Kerstin Vogel: „Ich bin voller Projecte und Bestrebungen“. Anmerkungen zu den städtebaulich-architektonischen Intentionen Carl Alexanders. In: Hellmut Th. Seemann, Thorsten Valk (Hrsg.): Das Zeitalter der Enkel. Kulturpolitik und Klassikrezeption unter Carl Alexander. Wallstein Verlag, Göttingen 2010, S. 293–308, insbesondere S. 295 (= Jahrbuch der Klassik Stiftung Weimar, 2010); klassik-stiftung.de (PDF; 243 kB)</ref> Oberbaudirektor des Großherzogtums Sachsen-Weimar-Eisenach. Damit unterstanden sämtliche öffentlichen Bauunternehmungen seiner Zuständigkeit. Das betraf nicht nur die Entwürfe, die keineswegs von ihm allein stammten wie z. B. das Museum Neues Weimar, sondern auch die Finanzierung und die Planung der Bauunternehmungen.

Leben und Werk

Carl Heinrich Ferdinand Streichhan absolvierte nach dem Besuch des Gymnasiums in Neuruppin 1832–1833 eine Lehre als Feldvermesser, bevor er 1833–1835 an der Allgemeinen Bauschule in Berlin sein Architekturstudium betrieb, auch bei Friedrich Schinkel, was auch in dem Nachruf von 1884 erwähnt wurde.<ref name="ZBBV" />

Von 1837 bis 1848 war er im preußischen Staatsdienst tätig. Aus dieser Zeit stammen Entwurfsarbeiten u. a. für die Strafanstalt in Ratibor. 1844–1848 war er Abteilungsingenieur bei der Thüringischen Eisenbahngesellschaft in Erfurt, in dessen Zeit u. a. 1846 der Bau des Viaduktes von Vieselbach, der Bau des Empfangsgebäudes des Erfurter Bahnhofs 1846/1847 und das des Eisenacher Bahnhofes liegen. Der Bebauungsplan der nördlichen Erweiterung Weimars 1852/1853 ist ebenfalls maßgeblich durch ihn erarbeitet worden.<ref>laut Chronologie bei Vogel, Streichhan, 2013, S. 335 ff.</ref>

Seine Baukunst ist eher dem Stil des Historismus als dem des Klassizismus zuzurechnen. In diesen Jahren prägte er das Baugeschehen der Stadt und Umgebung Weimars maßgeblich, hatte jedoch auch überregionale Bedeutung. Er blieb der Architekturauffassung der preußischen Schule nach Karl Friedrich Schinkel zeitlebens verbunden.

Bei einigen dieser Bauten hatte der Hofbaumeister Otto Minkert die Bauleitung übernommen. Hauptsächlich übernahm Streichhan staatliche Bauaufgaben. Dazu zählte u. a. nach dem Tod von Coudray 1845 die Übernahme der Leitung der Großherzoglich-Sächsischen Baugewerkenschule Weimar, die er bis zu seinem Tod innehatte.

Streichhans Wohnhaus in Weimar befindet sich in der Belvederer Allee 5, in der Liste der Kulturdenkmale in Weimar (Einzeldenkmale) als Haus Streichhan aufgeführt, welches er 1861/62 selbst erbauen ließ. Seit 2011 ist es in Nutzung der Bauhaus-Universität Weimar.<ref>Vogel, Streichhan, 2013, S. 326.</ref> Ab den 1850er Jahren konzentrierte sich der Raum seiner Tätigkeit in das nähere Umfeld von Weimar. Sein Wohnhaus ist eines der ältesten der Straße, vielleicht sogar das älteste. In der Zeit von 1861 bis 1869 wurden von den Bauunternehmern Karl Friedrich Röhr und Karl Eduard Kurth zahlreiche Villen dort errichtet.

Begraben wurde er auf dem Historischen Friedhof.<ref>Hannelore Henze, Doris-Annette Schmidt: Der historische Friedhof zu Weimar. RhinoVerlag, Ilmenau 2011, S. 93. ISBN 978-3-939399-08-7.</ref> Seine Begräbnisstelle ist jedoch inzwischen entfernt.

Bauten und Entwürfe (Auswahl)

Ehrungen

Neben der bereits erwähnten Benennung einer Straße nach ihm wurde ihm 1883 anlässlich des fünfzigjährigen Dienstjubiläums der Orden des Sterns zum Komturkreuz des Sachsen-Weimarischen Hausordens der Wachsamkeit oder zum Weißen Falken verliehen.<ref>So jedenfalls steht es in der Chronologie bei Vogel, Streichhan, 2013, S. 337.</ref>

Literatur

  • Kerstin Vogel: Carl Heinrich Ferdinand Streichhan. Architekt und Oberbaudirektor in Sachsen-Weimar-Eisenach 1848–1884. Böhlau Verlag, Köln / Weimar / Wien 2013, ISBN 978-3-412-20955-1 (Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Thüringen, Kleine Reihe, Band 36; zugleich Dissertation, Weimar, 2009).
  • Streichhan, Carl Heinrich Ferdinand. In: Gitta Günther, Wolfram Huschke, Walter Steiner (Hrsg.): Weimar. Lexikon zur Stadtgeschichte. Weimar 1998, ISBN 3-7400-0807-5, S. 436.

Weblinks

Commons: Carl Heinrich Ferdinand Streichhan – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references responsive />

Vorlage:Hinweisbaustein