Zum Inhalt springen

Felsengrab

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Datei:Matala caves.jpg
Begehbare Wohn- und Grabhöhlen an der Steilküste von Mátala, Kreta

Das Felsengrab, Felskammergrab oder Felsgrab ist eine künstlich angelegte Höhle, die ursprünglich zu Begräbniszwecken benutzt wurde. Der Brite Aidan Dodson definiert das Felsgrab als in den Felsen eingeschnittene Gräber, die keinen nennenswerten gemauerten Überbau aufweisen.<ref>Aidan Dodson: Egyptian rock-cut tombs. Shire, Princes Risborough 1991, S. 7.</ref> Felsengräber sind seit der Jungsteinzeit in verschiedenen Kulturen anzutreffen. Im zentralen Mittelmeergebiet sind Felsengräber vor allem für die Kupferzeit typisch.<ref>Ruth Whitehouse: The rock-cut tombs of the central Mediterranean. In: Antiquity. Band 46, Nummer 184, 1972, S. 275–281, hier S. 275 ff.</ref>

Vorrangig bezeichnet der Begriff eine Aushöhlung des gewachsenen Fels ({{#invoke:Vorlage:lang|full|CODE=en|SCRIPTING=Latn|SERVICE=englisch}}) für Bestattungen, wodurch eine definitorische, aber nicht zwangsläufig auch kulturgeschichtliche Nähe zu „Steinkisten“ entsteht. Ruth Whitehouse ist überzeugt, dass keine Verbindung zu megalithischer Architektur besteht.<ref>Ruth Whitehouse: The rock-cut tombs of the central Mediterranean. In: Antiquity. Band 46, Nummer 184, 1972, S. 275–281, hier S. 280.</ref>

Verbreitung

Vor- und Frühgeschichte

Datei:Megawal6.jpg
Verschiedene Felsengräber

Bestattungen in artifiziellen Aushöhlungen finden sich in Europa, Vorderasien (u. a. Lambousa auf Zypern) und Ägypten. In Europa stammen sie vor allem aus der Kupfer- und Bronzezeit. Die ältesten Beispiele liegen im zentralen Mittelmeergebiet.<ref>Ruth Whitehouse: The rock-cut tombs of the central Mediterranean. In: Antiquity. Band 46, Nummer 184, 1972, S. 275–281, hier Abbildung 2.</ref> Die komplexesten Strukturen finden sich auf Malta, Sardinien und den Balearen. Dabei handelt es sich um voneinander unabhängige insuläre Entwicklungen.<ref>Ruth Whitehouse: The rock-cut tombs of the central Mediterranean. In: Antiquity. Band 46, Nummer 184, 1972, S. 275–281, hier S. 280 f.</ref>

In Frankreich gehören z. B. die Grotten bei Arles und das Tombeau des Géants zu den Felsengräbern, auf der Iberischen Halbinsel die auch als Felskuppelgrab bezeichnete Anlage von Alcaide, auf den Balearen die Cuevas, auf Malta (Bur Mghez, Xemxija) und auf Sardinien die „Backofengräber“ bzw. die Domus de Janas (Häuser der Feen) oder bauliche Unikate wie Campu Luntanu und auf Sizilien (z. B. Thapsos). Einzelbeispiele sind auch auf Orkney zu finden.

Voraussetzung für ein bereits neolithisches Auftreten war relativ weiches Gestein, das sich mit steinzeitlichem Werkzeugen bearbeiten ließ. Das war vor allem Sedimentgestein zum Beispiel der „Globigerinen“-Kalk auf Malta. Da die Arbeiten große Anstrengung erforderten, sind auch die älteren sardischen Domus de Janas kaum einen Kubikmeter groß.

Nach Whitehouse finden sich die frühsten Beispiele von Felsengräbern in Italien und Sizilien.<ref>Ruth Whitehouse: The rock-cut tombs of the central Mediterranean. In: Antiquity. Band 46, Nummer 184, 1972, S. 275–281, hier S. 275.</ref> In Italien stammen wenige Exemplare bereits aus dem 5. Jahrtausend, es handelt sich um Höhlen für Einzelbestattungen. Weitaus häufiger waren aber Bestattungen in Gruben oder Naturhöhlen. Erst im 3. Jahrtausend wurden Felsgräber die Regel. Im südlichen und östlichen Italien wurden in der Kupferzeit vorwiegend ofenförmige Felsengräber verwendet.<ref>Ruth Whitehouse: The rock-cut tombs of the central Mediterranean. In: Antiquity. Band 46, Nummer 184, 1972, S. 275–281, hier S. 276.</ref> In der Bronzezeit (Apennin-Kultur) herrschte, bis auf wenige Ausnahmen, wieder die Erdbestattung vor. Auch auf Sizilien setzten Felsengräber erst in der Kupferzeit ein<ref>Ruth Whitehouse: The rock-cut tombs of the central Mediterranean. In: Antiquity. Band 46, Nummer 184, 1972, S. 275–281, hier S. 277.</ref>. Auf Malta beginnen sie in der Zebugg-Phase, auf Sardinien mit der Ozieri-Kultur, um bis in die Glockenbecherkultur weiter- oder wiedergenutzt zu werden. Im Westen kommen Felsengräber vor allem auf den Balearen (schlecht datiert) und an der Mündung des Tajo vor. Datierungen sind spärlich und deuten auf eine Entstehung im 3. Jahrtausend.<ref name="Ruth Whitehouse">Ruth Whitehouse: The rock-cut tombs of the central Mediterranean. In: Antiquity. Band 46, Nummer 184, 1972, S. 275–281, hier S. 279.</ref>

Ägypten

Datei:David Roberts tomb beni hassan.jpg
Eingangsbereich eines Felsgrabes in Beni Hasan, Bild von David Roberts, 1838

Ab dem 4. Jahrtausend wurden auch in der Levante und in Ägypten Felsengräber angelegt.<ref name="Ruth Whitehouse" /> Ägyptische Felsengräber weisen meist eine oberirdische Grabkapelle auf. Die meisten Gräber liegen unterhalb der Grabkapelle und sind mit dieser durch einen vertikalen Schacht verbunden, doch können sie auch in einiger Entfernung von der Kapelle liegen.<ref>Aidan Dodson: Egyptian rock-cut tombs. Shire, Princes Risborough 1991, S. 7.</ref> Felsengräber hatten zuerst denselben Aufbau wie Mastabas, wurden aber zunehmend komplexer. Felsengräber mit besonders ausgefeilter Architektur finden sich besonders unter der 6. Dynastie und in der ersten Zwischenperiode.<ref>Aidan Dodson: Egyptian rock-cut tombs. Shire, Princes Risborough 1991, S. 11.</ref> Die Nekropole von Beni Hasan besitzt zahlreiche Felsengräber von Nomarchen, die zwischen der ersten Zwischenzeit und der 12. Dynastie erbaut wurden.<ref>Aidan Dodson: Egyptian rock-cut tombs. Shire, Princes Risborough 1991, S. 11–12.</ref> Zum Bau der Felsengräber wurden Werkzeuge aus Stein und Kupfer, später auch Bronze verwendet.<ref>Aidan Dodson: Egyptian rock-cut tombs. Shire, Princes Risborough 1991, S. 57.</ref> In Deir el-Medina wurde eine Steinmetz-Siedlung des Neuen Reiches ausgegraben.<ref>Aidan Dodson: Egyptian rock-cut tombs. Shire, Princes Risborough 1991, S. 58.</ref>

Bronzezeit

Mit Bronze- und Eisenzeitwerkzeug wurde die Aushöhlung härterer Gesteine möglich und so finden sich nun mehr und größere Aushöhlungen. Sie liegen in einem Gebiet vom Orient über Zypern (Salamis) bis zu den Orkney (Dwarfie Stane – Zwergenstein – auf Hoy). Auf den Kykladen setzt der Bau von Felsgräbern vor allem in der frühen Bronzezeit ein.<ref>Ruth Whitehouse: The rock-cut tombs of the central Mediterranean. In: Antiquity. Band 46, Nummer 184, 1972, S. 275–281, hier S. 278.</ref>

Eisenzeit

Die Urartäer verwendeten Felsgräber besonders für reiche Bestattungen.

Datei:Lykische Fels-Grabkammern Kas.JPG
Lykisches Felsengrab in Kaş

Antike

Datei:Eugène Delacroix - Christ Carried Down to the Tomb - Google Art Project.jpg
Eugène Delacroix, Grablegung Christi (1859)

Sonderformen

Siehe auch

Literatur

  • Dieter Arnold: Felsgrab. In: Dieter Arnold: Lexikon der ägyptischen Baukunst. 2. Auflage. Artemis & Winkler, München u. a. 1997, ISBN 3-7608-1099-3, S. 77–79.
  • Hans Bonnet: Felsengrab. In: Hans Bonnet: Lexikon der ägyptischen Religionsgeschichte. 3., unveränderte Auflage. Nikol, Hamburg 2000, ISBN 3-937872-08-6, S. 182f.
  • Aidan Dodson: Egyptian rock-cut tombs (= Shire Egyptology. 14). Shire, Princes Risborough 1991, ISBN 0-7478-0128-2.
  • Francis D. K. Ching, Mark Jarzombek, Vikramaditya Prakash: A Global History of Architecture. 3. Auflage. Wiley, Hoboken NJ 2017, ISBN 978-1-118-98133-7.
  • Jürgen E. Walkowitz: Das Megalithsyndrom. Europäische Kultplätze der Steinzeit (= Beiträge zur Ur- und Frühgeschichte Mitteleuropas. 36). Beier & Beran, Langenweißbach 2003, ISBN 3-930036-70-3.
  • Ruth Whitehouse: The rock-cut tombs of the central Mediterranean. In: Antiquity. Band 46, Nummer 184, 1972, {{#invoke:URIutil|{{#ifeq:1|1|linkISSN|targetISSN}}|0003-598x|0}}{{#ifeq:1|0|[!]

}}{{#ifeq:0|1

        |{{#switch:00
                  |11= (print/online)
                  |10= (print)
                  |01= (online)
          }}

}}{{#ifeq:0|0

        |{{#ifeq:0|0
              |{{#if:{{#invoke:URIutil|isISSNvalid|1=0003-598x}}
                    |
                    |{{#invoke:TemplUtl|failure|ISSN ungültig}}}}}}

}}, S. 275–281, {{#invoke:Vorlage:Handle|f|scheme=doi|class=plainlinks|parProblem=Problem|errCat=Wikipedia:Vorlagenfehler/Parameter:DOI|errClasses=error editoronly|errHide=1|errNS=0 4 10 100}}.

Weblinks

[[wikt:{{#if:|{{{lang}}}:}}{{#if:|{{{1}}}|{{#invoke:WLink|getArticleBase}}}}|Wiktionary: {{#if:|{{{2}}}|{{#if:|{{{1}}}|{{#invoke:WLink|getArticleBase}}}}}}]]{{#switch: 1

|1|= – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen |0|-= |X|x= |#default= –

}}{{#if:| {{#ifeq: {{{lang}}} | de | {{#ifeq: 0 | 0 | }} | ({{#invoke:Multilingual|format|{{{lang}}}|slang=!|shift=m}}) }}}}

{{#invoke:TemplatePar|check

  |opt= 1= 2= lang= suffix=
  |template=Vorlage:Wiktionary
  |cat=Wikipedia:Vorlagenfehler/Schwesterprojekt
  }}

Einzelnachweise

<references />

{{#ifeq: s | p | | {{#if: 4153977-1 | |

}} }}{{#ifeq:||{{#if: | [[Kategorie:Wikipedia:GND fehlt {{#invoke:Str|left|{{{GNDCheck}}}|7}}]] }}{{#if: | {{#if: | | }} }} }}{{#if: | {{#ifeq: 0 | 2 | | }} }}{{#if: | {{#ifeq: 0 | 2 | | }} }}{{#ifeq: s | p | {{#if: 4153977-1 | | {{#if: {{#statements:P227}} | | }} }} }}{{#ifeq: s | p | {{#if: 4153977-1 | {{#if: {{#invoke:Wikidata|pageId}} | {{#if: {{#statements:P227}} | | }} }} }} }}{{#ifeq: s | p | {{#if: | | {{#if: {{#statements:P244}} | | }} }} }}{{#ifeq: s | p | {{#if: | {{#if: {{#invoke:Wikidata|pageId}} | {{#if: {{#statements:P244}} | | }} }} }} }}{{#ifeq: s | p | {{#if: | | {{#if: {{#statements:P214}} | | }} }} }}{{#ifeq: s | p | {{#if: | {{#if: {{#invoke:Wikidata|pageId}} | {{#if: {{#statements:P214}} | | }} }} }} }}Vorlage:Wikidata-Registrierung