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Evelyn Klengel-Brandt

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Evelyn Klengel-Brandt (geb. Brandt; * 13. Dezember 1932 in Berlin; † 8. März 2026) war eine deutsche Vorderasiatische Archäologin. Sie leitete von 1990 bis 1997 das Vorderasiatische Museum in Berlin, zuvor war sie bereits ab 1978 dessen stellvertretende Direktorin.

Werdegang und Leistungen

Evelyn Klengel-Brandt begann ihre Tätigkeit im Vorderasiatischen Museum in Ost-Berlin schon 1951 als Museumspädagogin. Zuerst arbeitete sie an der Beseitigung der Kriegsschäden mit. Das Museum wurde schließlich 1953 wieder eröffnet. Im selben Jahr begann sie zunächst als Gasthörerin mit dem Studium der Klassischen und Orientalischen Archäologie an der Humboldt-Universität zu Berlin, was auch ein Studium der Sprachen Assyrisch und Hethitisch einschloss. 1959 schloss sie ihr Studium ab und legte eine Diplomprüfung ab. Anschließend wurde sie wissenschaftliche Mitarbeiterin am Museum. 1964 promovierte sie über Terrakotten aus Assur, wobei sie auch auf die 1958 und 1959 aus der Sowjetunion zurückgekehrte Beutekunst zurückgreifen konnte. Klengel-Brandt wurde 1970 Kustos und 1978 stellvertretende Direktorin des Vorderasiatischen Museums. Ihr oblag in erster Linie die Bearbeitung der Kleinkunst, insbesondere der Siegel, Siegelabrollungen, Terrakotten und Plastiken. 1990/91 wurde sie zunächst kommissarisch, ab 1992 regulär Direktorin des Museums in Nachfolge von Liane Jakob-Rost. Diese Position hatte sie bis zum Jahresende 1997 inne. Ihr folgte Beate Salje nach.<ref>Generationentreff in Babylon. Abgerufen am 10. März 2026.</ref> Auch nach dem Ende ihrer Diensttätigkeit am Museum setzt Klengel-Brandt einen Teil ihrer wissenschaftlichen Arbeit fort.

Klengel-Brandt hielt Vorträge im In- und Ausland und lehrte an der Humboldt-Universität. Erste Studienreisen führten sie 1967 in den Irak, nach Syrien, in den Libanon und nach Ägypten. Danach war sie mehrfach in offizieller, leitender Funktion bei Ausgrabungen des Zentralinstituts für Archäologie und Alte Geschichte und der Generaldirektion der Irakischen Altertümerverwaltung im Irak tätig, etwa bei Rettungsgrabungen 1979 in Diyala und 1982 am mittleren Euphrat. Obwohl sich Klengel-Brandt eher als Museums- denn als Grabungsarchäologin betrachtete, leitete sie nach der Wende von 1993 bis 1998 die Ausgrabung des Museums am Tell Knēdiğ im Nordosten Syriens. Lutz Martin war für die Grabung vor Ort verantwortlich. Für die Kulturhistorische Reihe des Verlages Koehler & Amelang steuerte sie zwei Bände bei. Noch 2020 publizierte sie gemeinsam mit Hans-Ulrich Onasch eine Neubearbeitung der Terrakotta-Bestände des Museums und kehrte damit zu ihren akademischen Anfängen zurück. Bei ihrem Tod galt sie als letzte Zeitzeugin für die Aufbaujahrzehnte der Museumsinsel nach dem Zweiten Weltkrieg.

Evelyn Klengel-Brandt war bis zu dessen Tod 2019 mit dem Altorientalisten Horst Klengel verheiratet. Im März 2026 starb sie im Alter von 93 Jahren.

Literatur

  • Ralf-Bernhard Wartke: Dr. Evelyn Klengel-Brandt verlässt das Vorderasiatische Museum, In: EOS 1/1998, S. 10

Schriften

  • Die Terrakotten aus Assur. Teil 1: Menschliche Figuren. Humboldt-Universität, Philosophische Fakultät, Berlin 1964 [ungedruckte Dissertation].
  • mit Horst Klengel: Die Hethiter. Geschichte und Umwelt. Eine Kulturgeschichte Kleinasiens von Catal Hüyük bis zu Alexander dem Großen (= Kulturhistorische Reihe). Koehler und Amelang, Leipzig 1970.
    • auch: Die Hethiter und ihre Nachbarn. Eine Kulturgeschichte Kleinasiens von Catal Hüyük bis zu Alexander dem Großen, Schroll, Wien/München 1970 [2. Auflage 1975].
    • auch: Buchclub Ex Libris, Zürich 1975.
  • Reise in das alte Babylon. Prisma, Leipzig 1970 [2. Auflage 1971, 3. Auflage 1977].
    • auch: Utazás az ókori Babilónba. Corvina Kiadó, Budapest 1973.
    • auch: Starověký Babylón. Vyšechrad, Prag 1983.
    • auch: Drevnij Vavilon (= Serija Populjarnaja istoričeskaja biblioteka). Rusič, Smolensk 2001, ISBN 5-8138-0273-8.
  • Die Terrakotten aus Assur im Vorderasiatischen Museum Berlin. Deutscher Verlag der Wissenschaften, Berlin 1978.
  • Magie im alten Vorderasien. Vorderasiatisches Museum, Berlin 1980.
  • Der Turm von Babylon. Legende und Geschichte eines Bauwerkes (= Kulturhistorische Reihe). Koehler und Amelang, Leipzig 1982 [2., veränderte Auflage 1992].
    • auch: Schroll, Wien/München 1982, ISBN 3-7031-0559-3.
    • auch: Vavilonskaja bašnja. Legenda i istorija (= Po sledam isčeznuvšich kul'tur Vostoka). Nauka, Moskau 1991, ISBN 5-02-016599-9.
  • Assyrien. Die archäologischen Denkmäler (= Kleine Schriften des Vorderasiatischen Museums, Heft 3). Vorderasiatisches Museum, Berlin 1982.
  • mit Joachim Marzahn: Sumer (= Kleine Schriften des Vorderasiatischen Museums, Heft 5). Vorderasiatisches Museum, Berlin 1986.
  • Syrien, Kleinasien (= Kleine Schriften des Vorderasiatischen Museums, Heft 6). Vorderasiatisches Museum, Berlin 1986.
  • Die Herrscher von Assur. Ein wiederentdecktes Reich im Alten Orient. Kinderbuchverlag, Berlin 1988, ISBN 3-358-00479-1.
  • Herausgeberin: Mit sieben Siegeln versehen. Das Siegel in Wirtschaft und Kunst des Alten Orients. Philipp von Zabern, Mainz 1997, ISBN 3-8053-2032-9.
  • mit Horst Klengel: Spät-altbabylonische Tontafeln. Texte und Siegelabrollungen (= Vorderasiatische Schriftdenkmäler der Staatlichen Museen zu Berlin, Neue Folge, Heft 13 = Heft 29). Philipp von Zabern, Mainz 2002, ISBN 978-3-8053-3103-6.
  • Die Herrscher von Assur. Ein wiederentdecktes Reich im Alten Orient. Kinderbuchverlag, Berlin 1988, ISBN 3-358-00479-1 / Philipp von Zabern, Mainz 2005, ISBN 3-8053-3359-5.
  • mit Lutz Martin und Sabina Kulemann-Ossen: Tall Knēdiǧ. Die Ergebnisse der Ausgrabungen des vorderasiatischen Museums Berlin in Nordost-Syrien von 1993 bis 1998 (= Wissenschaftliche Veröffentlichungen der Deutschen Orient-Gesellschaft, Band 113). Harrassowitz, Wiesbaden 2005, ISBN 3-447-05569-3.
  • mit Nadja Cholidis: Die Terrakotten von Babylon im Vorderasiatischen Museum in Berlin (= Wissenschaftliche Veröffentlichungen der Deutschen Orient-Gesellschaft, Band 115). 2 Bände [Text- und Tafelband], Saarländische Druck & Verlagsanstalt, Saarwellingen 2006, ISBN 978-3-939166-02-3.
  • Die neuassyrische Glyptik aus Assur (= Wissenschaftliche Veröffentlichungen der Deutschen Orient-Gesellschaft, Band 140 = Ausgrabungen der Deutschen Orient-Gesellschaft in Assur. Reihe F: Fundgruppen, Band 7). Harrassowitz, Wiesbaden 2014, ISBN 978-3-447-10196-7.
  • mit Hans-Ulrich Onasch: Die Terrakotten aus Assur im Vorderasiatischen Museum Berlin. Von der frühdynastischen bis zur parthischen Zeit (= Wissenschaftliche Veröffentlichungen der Deutschen Orient-Gesellschaft, Band 156 = Ausgrabungen der Deutschen Orient-Gesellschaft in Assur. Reihe F: Fundgruppen, Band 10). Harrassowitz, Wiesbaden 2020, ISBN 978-3-447-11394-6.

Weblinks

Einzelnachweise

<references />

Vorlage:Klappleiste/Anfang Friedrich Delitzsch (1899–1918) | Otto Weber (1918–1928) | Walter Andrae (1928–1951) | Gerhard Rudolf Meyer (1951–1977) | Liane Jakob-Rost (1978–1990) | Evelyn Klengel-Brandt (1990–1997) | Beate Salje (1998–2014) | Markus Hilgert (2014–2018) | Lutz Martin (2018–2019, kommissarisch) | Barbara Helwing (seit 2019)

Stellvertretende: Evelyn Klengel-Brandt (1978–1990) | Ralf-Bernhard Wartke (1992–2014) | Lutz Martin (2014–2019) | Nadja Cholidis (seit 2019) Vorlage:Klappleiste/Ende

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