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Evangelische Marienschwesternschaft Darmstadt

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Die Evangelische Marienschwesternschaft e.V. ist eine Schwesternkommunität mit Sitz in Darmstadt-Eberstadt. Die Mitglieder der Kommunität leben und wirken auf dem Gelände "Kanaan".

Gründung

Die Marienschwesternschaft wurde in der Nachkriegszeit am 30. März 1947 nach einer geistlichen Erweckung unter Jugendlichen von Mutter Basilea Schlink (Dr. Klara Schlink) zusammen mit Mutter Martyria Madauss (Erika Madauss) und dem Superintendenten der Methodistenkirche Paul Riedinger gegründet, der ihnen auch ihre Namen verlieh. In den Jahren danach errichteten die Schwestern ihr Mutterhaus sowie die Mutterhauskapelle in eigener Arbeit aus Trümmersteinen des im Krieg zerstörten Darmstadt.

Einem Ruf Jesu folgend, kam Dr. Klara Schlink nach Ausbildung und Studium, zusammen mit Erika Madauss, nach Darmstadt zurück. Die von Gott gegebene Verheißung für Bibelkurse erfüllte sich nicht wie gedacht, so waren es Jahre des Wartens. Der Dienst während des Zweiten Weltkriegs in den Darmstädter Mädchenbibelkreisen führte durch die Zerstörung Darmstadts in der Bombennacht vom 11./12. September 1944 zur Erweckung. Trotz der Folgen des Krieges mit schwierigen Lebensumständen wuchs die Jugendarbeit. Der christliche Glaube und die Beziehung zu Jesus gewann für viele von ihnen neue persönliche Bedeutung. In Folge der Erweckung wurden die ersten sieben Schwestern 1947 eingekleidet.

Franziskusbrüder

Seit 1967 ist der Evangelischen Marienschwesternschaft die „Evangelische Kanaan-Franziskusbruderschaft“ angeschlossen. Die kleine Gemeinschaft wurde 20 Jahre nach der Gründung der Schwesternschaft ins Leben gerufen und lebt ebenfalls auf dem Gelände „Kanaan“.<ref>Kanaan-Franziskusbrüder. In: Kanaan. Abgerufen am 9. März 2026.</ref>

Ihr geistliches Vorbild ist Franz von Assisi, dem Mutter Basilea schon Jahre vor der Gründung innerlich begegnet ist.<ref>Basilea Schlink: Franziskus und seine Stätten reden heute. 6. Auflage. Ev. Marienschwesterschaft, Darmstadt-Eberstadt 1976, ISBN 978-3-87209-296-0.</ref>

Die Brüder orientieren sich an den Richtlinien der Kommunität, deren zentrale Maxime lautet: „Tut Buße, das Himmelreich ist nahe.“ In ihrem gemeinsamen Leben soll etwas von der Wirklichkeit des Reiches Gottes aufleuchten – zur Verherrlichung Gottes.<ref>Kanaan-Franziskusbrüder. In: Kanaan. Abgerufen am 9. März 2026.</ref>

Aufträge

Kanaan
Eingang zur Pforte und Mutterhauskapelle

Die Evangelischen Marienschwestern sind nach Maria, der Mutter Jesu, benannt, die ihren Sohn in Liebe und Treue von der Krippe bis zum Kreuz begleitete. Ihre vorbehaltlose Hingabe und ihr vertrauender Gehorsam gelten der Kommunität als geistliches Vorbild.<ref>Aus Liebe zu Gott - Marienschwestern, Kanaan, Darmstadt. In: Kanaan. Abgerufen am 9. März 2026.</ref> Sie leben außerdem nach den evangelischen Räten: Gehorsam, Armut, Keuschheit.<ref>Berufen als Marienschwester? -. In: Kanaan. Abgerufen am 9. März 2026.</ref>

Von Anfang an geht die Gemeinschaft den sogenannten „Glaubensweg“, wie er insbesondere in dem Buch Realitäten – Gottes Wirken heute erlebt<ref>Basilea Schlink: Realitäten: Gottes Wirken - heute erlebt. 19. Auflage. Evangelische Marienschwesternschaft e.V, Darmstadt-Eberstadt 2007, ISBN 978-3-87209-266-3.</ref> von Mutter Basilea beschrieben ist. Die Schwestern und Brüder vertrauen in allen Bereichen ihres Lebens auf die Versorgung durch den himmlischen Vater.

Schon früh war es Mutter Basilea ein zentrales Anliegen, mit der zunächst deutschen Schwesternschaft stellvertretend Buße für die Verbrechen des Nationalsozialismus zu tun. Aus der Auseinandersetzung mit der Schuldgeschichte Deutschlands entwickelte sich eine Buß- und Gebetsbewegung im Blick auf das jüdische Volk und den Staat Israel. In diesem Zusammenhang entstand 1958 das Buch Israel – Mein Volk.<ref>Basilea Schlink: Israel, mein Volk. 7. Aufl., 31. - 33. Tsd. Evang. Marienschwesternschaft, Darmstadt-Eberstadt 1993, ISBN 978-3-87209-250-2.</ref> Unter dem Namen „Beit Avraham“ wurde 1961 in Jerusalem die erste Niederlassung gegründet. 50 Jahre konnte dieses Haus bestehen, in dem Juden, besonders solche, die in Konzentrationslagern gelitten haben, eine Zeit der Erholung erleben konnten.<ref>Wir für Israel - Gottes Bundesvolk, Erwählung, Gebet, Sühne als Deutsche. In: Kanaan. Abgerufen am 9. März 2026.</ref> Bis heute engagiert sich die Schwesternschaft im Gebet für Israel; regelmäßig wird zum Beginn des Sabbats ein Fürbittegebet gehalten.<ref>Gottesdienste und Gebetszeiten - Kanaan, Darmstadt, Kapelle. In: Kanaan. Abgerufen am 9. März 2026.</ref>

Ein fester Bestandteil des geistlichen Lebens auf Kanaan ist das tägliche Gebet um 15 Uhr, zur Todesstunde Jesu Christi. Die Betrachtung der Passion Jesu nimmt in der Spiritualität der Schwesternschaft einen zentralen Platz ein und ist das Thema in mehreren Schriften Mutter Basileas.<ref>Basilea Schlink, Basilea Schlink: Ich will hier bei dir stehen: Jesu Lieben u. Leiden damals u. heute. 2. Aufl., 6. - 9. Tsd. Evangelische Marienschwesternschaft, Darmstadt-Eberstadt 1977, ISBN 978-3-87209-302-8.</ref> Das Leben der Schwestern ist von dem Anliegen geprägt, Jesus Christus durch ihr Leben ein Trost zu sein.

Ein weiteres Charisma der Evangelischen Marienschwestern ist ihr Anbetungsauftrag.<ref>Anbetung - Gebete - Lobpreis - Gebetshilfen Marienschwestern, Kanaan. In: Kanaan. Abgerufen am 9. März 2026.</ref> Dieser kommt unter anderem in der Veröffentlichung von Anbetungsliedern zum Ausdruck.<ref>To Jesus our king: songs from the Evangelical Sisters of Mary = Für Jesus unseren König: Lieder der Evangelischen Marienschwestern. 1. Auflage. Evangelische Marienschwesternschaft e.V, Darmstadt-Eberstadt 2017, ISBN 978-3-87209-343-1.</ref> Darüber hinaus ist es ihr Anliegen, Gott auch in der Natur öffentlich Anbetung zu bringen. In diesem Zusammenhang verbreitet die Gemeinschaft weltweit sogenannte Lobpreistafeln mit Bibelworten und Liedversen, die in der Natur auf den Schöpfer hinweisen. Zudem unterhält die Schwesternschaft Lobpreiskapellen in der Schweiz.<ref>kanaan-schweiz.de. Abgerufen am 9. März 2026.</ref>

Standorte

Das Mutterhaus der Evangelischen Marienschwesternschaft liegt an der Heidelberger Landstraße in Darmstadt-Eberstadt. Es befindet sich auf einem etwa neun Hektar großen Gelände mit dem Namen „Kanaan“ – in Anlehnung an das Land, das Gott Abraham und seinen Nachkommen verheißen hat (1. Mose 12).

In seiner Anlage weist das Gelände auf biblische Orte hin, darunter den See Genezareth,<ref>Nach biblischem Vorbild: Darmstadts See Genezareth. 2. März 2026, abgerufen am 9. März 2026.</ref> den Jordan, den Jakobsbrunnen, den Berg Tabor sowie eine Bethlehem-Grotte. Ein zentraler Bestandteil ist der sogenannte „Jesu Leidensgarten“, der die Stationen des Passionsweges Jesu darstellt. Auch in den Niederlassungen sind solche Gärten der Leiden Jesu zu besuchen.<ref>Kanaan-Zentren in aller Welt, um die Liebe Gottes weiterzugeben. In: Kanaan. Abgerufen am 9. März 2026.</ref>

Kanaan ist täglich von 9 bis 18 Uhr für Besucher geöffnet und versteht sich als Ort der Stille, des Gebets und der Begegnung mit Jesus.<ref>Kanaan entdecken - Als Gast - Führungen - öffentliche Gebete. In: Kanaan. Abgerufen am 9. März 2026.</ref>

Neben dem Mutterhaus bestehen in mehreren Ländern Niederlassungen der Gemeinschaft mit kleineren Kanaan-Zentren. Diese befinden sich in Australien, Brasilien, Finnland, Großbritannien, Israel, Kanada, Norwegen, Paraguay, der Schweiz und den Vereinigten Staaten.<ref>Kanaan-Zentren in aller Welt, um die Liebe Gottes weiterzugeben. In: Kanaan. Abgerufen am 9. März 2026.</ref>

Kritik

Die Marienschwestern kamen in die Kritik ihnen wurde von liberal-protestantischer oder evangelikaler Seite Gesetzlichkeit, Rekatholisierung oder Irrlehre vorgeworfen, andere verurteilten sie wegen charismatischer Gaben. Zwei ehemalige Schwestern veröffentlichten Ende der 90er Jahre einen „Aussteigerbericht“, der lebhaft diskutiert wurde. Eine der beiden früheren Schwestern, Marianne Jansson, schrieb auch eine an der Universität Helsinki eingereichte theologische Magisterarbeit über die Marienschwestern.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Kritik vonseiten der ehemaligen Schwester Adaja (Charlene Andersen) (Memento vom 19. Juni 2009 im Internet Archive)</ref>

Literatur

  • Basilea Schlink: Vater der Liebe. Evang. Marienschwesternschaft, Darmstadt-Eberstadt 1957.
  • Basilea Schlink: Realitäten – Gottes Wirken heute erlebt. Zeugnishafte Erlebnisberichte aus dem Leben der Schwestern. Evang. Marienschwesternschaft, Darmstadt-Eberstadt 1965.
  • Basilea Schlink: Wie ich Gott erlebte ... sein Weg mit mir durch sieben Jahrzehnte. Evang. Marienschwesternschaft, Darmstadt-Eberstadt 1965.
  • Basilea Schlink: Der niemand traurig sehen kann. Ein beliebter täglicher Begleiter durch das ganze Jahr.
  • Joela Krüger: Die Revolution der Versöhner. Evangelische Marienschwesternschaft Darmstadt. In: Anna-Maria aus der Wiesche, Frank Lilie (Hg.): Kloster auf Evangelisch. Berichte aus dem gemeinsamen Leben. Vier-Türme-Verlag, Münsterschwarzach 2016, ISBN 978-3-89680-904-9, S. 122–124.
  • Lexikon für Theologie und Kirche, Band 3, Sp. 1047f.
  • Roland Dotzert et al.: Stadtlexikon Darmstadt, Konrad Theiss Verlag GmbH, Stuttgart 2006, ISBN 3-8062-1930-3 und ISBN 978-3-8062-1930-2, S. 604.
  • Hinrich E. Bues: Christwerden im Geiste Marias. Charisma und Geschichte der Darmstädter und Schönstätter Marienschwestern, eine Studie zur missionarischer Spiritualität neuer geistlicher Gemeinschaften. Patris Verlag, Vallendar 2006, ISBN 3-87620-292-2 (Dissertation, Phil.-Theol. Hochschule Vallendar).

Weblinks

Commons: Evangelische Marienschwesternschaft Darmstadt – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references/>

Koordinaten: 49° 49′ 48,6″ N, 8° 38′ 36,8″ O

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