Evangelische Kirche Beinstein
Die Evangelische Kirche Beinstein ist eine gotische Kirche im Waiblinger Ortsteil Beinstein. Seit dem 1. Januar 2023 ist die Kirchengemeinde Teil der evangelischen Verbundkirchengemeinde Korb-Beinstein im Kirchenbezirk Waiblingen der Evangelischen Landeskirche in Württemberg.
Geschichte
Vorgängerkirche
Teile des Turmes stammen vermutlich aus dem 12. oder 13. Jahrhundert. Gesichert ist, dass es eine Vorgängerkirche gegeben hat. 1225 tagte nachweislich das Landkapitel Schmiden in Beinstein. Diese Versammlungen fanden nur an Orten statt, die über eine eigene Kirche verfügten. 1366 wurde erstmals urkundlich eine Kirche erwähnt. Über das Aussehen und den genauen Standort dieser Kirche ist nichts bekannt. Die Kirche stand in vorreformatorischer Zeit unter dem Patrozinium eines Heiligen; welchem, lässt sich nicht mehr genau verfolgen. Es werden immer wieder St. Stephan, St. Sebastian oder St. Bernhard genannt.
Heutige Kirche
Mit dem Bau der heutigen Kirche wurde im Jahre 1454 (Chor) und 1470 (Schiff) begonnen. Sie gehörte zur Pfarrei Waiblingen und wurde 1472 von Württemberg dem Stift Stuttgart überlassen. Gleichzeitig wurde eine eigene Pfarrei eingerichtet. Die Kirche mit spätgotischem Westturm und Schiff besitzt noch Fresken der Erbauungszeit. 1954 wurde bei Renovierungsarbeiten zur 500-Jahr-Feier der Kirche unter dem Kirchenschiff eine ca. einen Meter dicke Grundmauer gefunden, welche auf einen Vorgängerbau hindeutet. Aus Denkmalschutzgründen durfte damals nicht weiter gegraben werden. Weitere Fragmente, welche auf einen Vorgängerbau hindeuten, wurden bei der Renovierung 2006/2007 gefunden.
Ausstattung
Wandmalerei: Wandmalerei im Chor stammen bauzeitlich von 1459.<ref>Katalog der Wandmalereien in den Kirchen und Kapellen Baden-Württemberg’s von der ottonischen Zeit bis zur Renaissance, von Dipl.-Ing. Klaus Klünder und Christa Regina Klünder [1]</ref> Die zum Teil stark beschädigten Bilder wurden 1921 von Karl Mayer und 1954 von H. Manz, Stuttgart, freigelegt. Die Wand über dem Chorbogen ist auf der Chorseite mit der Wurzel Jesse ausgemalt. Ranken führen mit Inschriftenbändern zu den Stammvätern und zehn Medaillons mit christologischer Bedeutung. Auf der nördlichen Chorwand ist eine thronende Maria, wahrscheinlich als Tempeljungfrau den Vorhang nähend, dargestellt. Es folgt die Marienkrönung und die sie hierbei Verehrenden der lauretanischen Litanei. Schließlich ist noch die Hostienmühle mit den Evangelistensymbolen und Aposteln in einer Landschaft zu sehen. Die 1954 auf der Südwand des Schiffes aufgedeckten Wandmalereien wurden in der gleichen Zeit gemalt: Christi Geburt, eine Frau in bürgerlicher Tracht, eine sitzende Maria und ein Mann, der auf sie weist.
Stuckarbeiten: Die Stuckdecke von 1590 ist ein recht frühes Beispiel für das erst fünfzig Jahre zuvor in Württemberg neue Handwerk. Die Spätrenaissance-Holzkanzel mit Schalldeckel von 1690 ist mit Stuckdekor und am Kanzelkorb mit vier farbig gefassten Evangelisten-Stuckfiguren versehen.
Empore: Die Empore, früher dreiseitig, ist heute nur noch zweiseitig (Nord und West). Im Chor war über einer Chorbestuhlung die Orgel auf einer Chorempore aufgestellt.
Glasmalerei: Der Stuttgarter Künstler Wolf-Dieter Kohler entwarf 1954 für das östliche Chorfenster ein Glasgemälde mit Motiven aus (Vorlage:Bibel/Link): Christus und seine Braut, die Gemeinde; Himmlisches Jerusalem; die Wasserströme des Lebens aus dem neuem Paradies. Gefertigt wurde es in der Stuttgarter Glaswerkstatt Saile.<ref>Carla Fandrey: Glasmalerei im Rems-Murr-Kreis. In: Kreissparkasse Waiblingen, Geschäftsbericht 1985, S. 20.</ref>
Orgel
Im Jahr 1728 baute Johann Christoph Herzer aus Schwäbisch Gmünd eine neue Orgel, die 1836 von Johann Viktor Gruol dem Jüngeren umgebaut und mit einem freien Pedal ausgestattet wurde. Der Stuttgarter Orgelbauer G. L. Friedrich erneuerte 1934 das Innenwerk unter Beibehaltung des barocken Gehäuses. Im Jahr 1949 folgte eine Revision durch die Firma E. F. Walcker & Cie. und 1954 der Abbau der Chorempore zugunsten der ebenerdigen Aufstellung des Instruments.
Die heutige Orgel hinter historischem Prospekt stammt von Orgelbaumeister Peter Plum aus Marbach am Neckar und wurde im November 1982 eingeweiht. Die Orgel verfügt über vierzehn Register und 1016 Pfeifen, die auf zwei Manuale und Pedal verteilt sind. Die Disposition lautet wie folgt:<ref>orgbase.nl: Orgel in Beinstein, abgerufen am 3. Januar 2017.</ref>
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- Koppeln: II/I, I/P, II/P
Glocken
Ursprünglich waren zwei Glocken vorhanden, die Osanna-Glocke von 1499, die heute noch existiert, und eine kleinere Glocke aus dem Jahre 1528.
Die kleinere Glocke von 1528 wurde im Jahre 1896 eingeschmolzen und zu einer Glocke mit dem Namen Concordia (Schlagton c2) umgegossen; im selben Jahr ermöglichte zudem eine private Spende den Guss einer dritten Glocke mit dem Namen Harmonie (Schlagton a1). Die beiden Glocken mussten 1917 im Ersten Weltkrieg als Metallspende abgeliefert werden.
1920 kamen zwei neue Glocken hinzu, die Notglocke (Nominal as1) und die Friedensglocke (Nominal c2). Im Januar 1942 mussten wegen des Zweiten Weltkriegs auch diese Glocken als Metallspende abgegeben werden.
Das heutige Geläut der Kirche besteht aus vier Glocken. Am 24. Januar 2014 wurde die Christusglocke in die Glockenstube hochgezogen. Die Indienststellung der Glocke erfolgte am 23. März 2014.
| Nr. |
Bild |
Name |
Gussjahr |
Gießer, Gussort |
Durchmesser (mm) |
Gewicht (kg) |
Schlagton |
Inschrift |
| 1 | Datei:Christusglocke3.jpg | Christusglocke (Betglocke) |
2013 | Albert Bachert, Karlsruhe |
1480 | 1.916 | des1 | Euer Herz erschreckt nicht, glaubt an Gott und glaubt an mich Meine Hoffnung, meine Freude, meine Stärke, mein Licht, Christus meine Zuversicht, auf dich vertraue ich und fürcht' mich nicht. |
| 2 | Datei:Osanna-Glocke-Beinstein.jpg | Osanna-Glocke (Schied-/Kreuzglocke) |
1499 | Bernhart Lachaman der Ältere, Heilbronn |
1150 | 930 | f1 | Osanna heiss ich, in unserer Frauen Ehr läut ich, Bernhart Lachaman goss mich 1499 |
| 3 | Datei:Friedensglocke Beinstein 2016.jpg | Friedensglocke (Zeichen-/Kreuzglocke) |
1951 | Heinrich Kurtz, Stuttgart |
1000 | 502 | as1 | Meinen Frieden gebe ich euch |
| 4 | Datei:Gedächtnisglocke Beinstein.jpg | Gefallenen-Gedächtnis-Glocke (Taufglocke) |
1951 | Heinrich Kurtz, Stuttgart |
840 | 353 | b1 | Ich lebe und ihr sollt auch leben |
Bilder
-
Turm während der Sanierung im Januar 2014
-
Innenraum der Kirche, April 2016
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Christusglocke kurz vor dem Aufzug in die Glockenstube, 24. Januar 2014
-
Läutende Christusglocke, 23. März 2014
Literatur
- Adolf Schahl (Bearb.): Die Kunstdenkmäler des Rems-Murr-Kreises, Band II. In: Die Kunst-denkmäler in Baden-Württemberg. (Hrsg.) Landesdenkmalamt Baden-Württemberg; München/Berlin 1983, S. 1197–1213
- Ortschaftsverwaltung Beinstein: Beinsteiner Heimatbuch, 1986.
- Evangelische Kirchengemeinde Beinstein: Die evangelische Kirche in Beinstein. Waiblingen 1987.
- Sabine Wöhr: Evangelische Kirche Beinstein – Sanierung des Kirchturms – Christusglocke. (Hrsg.) Ev. Kirchengemeinde Beinstein, Waiblingen 2014
Einzelnachweise
<references />
Weblinks
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- Die Kirche auf der Website der Kirchengemeinde
- Video des Geläutes bei youtube.de
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- Wikipedia:Vorlagenfehler/Schwesterprojekt
- Wikipedia:Koordinaten-Parameterfehler
- Kirchengebäude in Waiblingen
- Gotisches Bauwerk im Rems-Murr-Kreis
- Gotische Kirche
- Kirche in der Evangelischen Landeskirche in Württemberg
- Disposition einer Orgel
- Kulturdenkmal in Waiblingen
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- Beinstein
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