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Evangelische Kirche Aš

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Datei:Kostel Nejsvětější Trojice Aš 19 století kresba.jpg
Rekonstruktion der Kirche

Die Evangelische Kirche Aš, eine Dreifaltigkeitskirche, befand sich in zentraler Lage neben dem Rathaus in der Stadt (deutsch Asch) im Nordwesten von Tschechien. Sie fiel 1960 nach Renovierungsarbeiten einem Brand zum Opfer.

Geschichte

Erste Kirche

Die Gründung der Kirche und Pfarre datiert in die Zeit von 1250 bis 1270. Die erste Kirche war eine dem Heiligen Ludwig gewidmete, gotische Steinkirche. 1264 gründete Vogt Heinrich von Plauen in Asch eine Komturei des Deutschen Ordens, der 1270 die Pfarrei und das Kirchenpatronat übertragen wurde. Am 1. Mai 1273 bestätigte König Ottokar II. den Marienbrüdern die Kirchen und Patronatsrechte von Plauen, Reichenbach und Asch. Darauf erhielt am 23. Mai 1289 der Deutsche Orden Pfarrei und Patronat zurück. Laut Urkunde vom 1. Februar 1290 bestätigte Vogt Heinrich von Plauen dem Deutschen Orden das Patronat der Kirche von Asch und deren Tochterkirche in Adorf. Des Weiteren erlangte die Ascher Pfarre eine Hofstätte in Adorf, zwei Höfe in Mühlhausen bei Adorf und eine Wiese in Adorf.<ref>Johann Tittmann: Heimatskunde des Ascher Bezirkes. Gugath, 1893, S. 39.</ref> Als erster katholischer Pfarrer ist 1294 ein gewisser Conrad, vormals Kaplan des Vogtes von Plauen<ref>Asch - Böhmen — Kirchenwesen. Abgerufen am 20. April 2026.</ref> nachgewiesen. 1341 erneuerte Kaiser Ludwig IV. dem Deutschen Orden das Patronatsrecht von Asch.<ref>Johann Tittmann: Heimatskunde des Ascher Bezirkes. Gugath, 1893, S. 155.</ref> Mit dem Übergang von Asch an die Herren von Zedtwitz übernahmen diese das Pfarrbesetzungsrecht.<ref>Georg Loesche: Geschichte Des Protestantismus in Oesterreich in Umrissen. S. 173.</ref> Die evangelischen Grundherren von Zedtwitz führten im Ascher Ländchen die Reformation ein und förderten sie. 1542 wirkte Johann Kruger aus Eisleben als erster evangelischer Pfarrer.

Zweite Kirche

Datei:Kostel Nejsvětější Trojice Aš 17 století.JPG
Die Kirche im 17. Jahrhundert
Datei:Kostel Nejsvětější Trojice Aš 19 století.JPG
Historische Ansicht

1622 wurde der Vorgängerbau mit Ausnahme des Turmes durch eine neue Kirche im Stil der Renraissance ersetzt.<ref>Ehemalige Kirche der Heiligen Dreifaltigkeit in Aš. Abgerufen am 19. April 2026.</ref> Baufälligkeit und die wachsende Gemeine bewogen die Herrschaft zum Neubau der evangelischen Kirche in Asch, ermöglicht durch die Reichsunmittelbarkeit.<ref>Georg Loesche: Geschichte Des Protestantismus in Oesterreich in Umrissen. S. 173.</ref> Bauaufseher war der Kastenvorsteher und Gerichtsgeschworene Egidius Martius.<ref>Emil Hildemann: Geschichte der evangelischen Kirchengemeinde A. B. Asch. Berthold, 1899, S. 24.</ref> Ein altes Stuhlbuch aus dem Pfarrarchiv beschrieb die Kirche folgendermaßen: Das Gotteshaus hatte drei Emporen, bezeichnet als die oberen Mannständ, die mittlere und die obere Empore. Links und Rechts neben dem Altar befanden sich die Sitze der Rats- und Richterstände, über dem Altar der sogenannte Schulchor, gegenüber auf der Westseite stand die Orgel und rechts vom Altar auf der Nordseite die Kanzel. Der Haupteingang lag im Westen.

Der Gemeinde standen in dieser Kirche insgesamt 880 Sitzplätze zur Verfügung. Die Anzahl der sogenannten Mannsstühle betrug 358, davon 168 auf Asch, fünf auf den Ortsteil Ängerlein, 14 auf Lauterbach, 17 auf Mähring, fünf auf Mühlbach, 12 auf Neuhausen, 10 auf Nassengrub, 34 auf Niederreuth, drei auf Neuenbrand, 24 auf Oberreuth, sechs auf Reichenbach, 15 auf Schönlind, fünf auf Schildern, vier auf den Ortsteil Tiefenreuth, 13 auf Schönbach, 10 auf Wildenau, 13 auf Wernersreuth und Himmelreich. Daraus ergibt sich, dass der Umfang der Parochie derselbe war, wie Ende des 19. Jahrhunderts. Obwohl die Dörfer Ober- und Niederreuth sowie Neuenbrand schon immer zum Pfarrsprengel Asch gehört haben, kamen sie erst Mitte des 16. Jahrhunderts an die Herren von Zedtwitz.<ref>Emil Hildemann: Geschichte der evangelischen Kirchengemeinde A. B. Asch. Berthold, 1899, S. 23.</ref> Markgraf Christian von Brandenburg-Bayreuth soll 1623 für seine nach Asch gepfarrten Untertanen beim Kaiser interveniert haben.<ref>Ch F. Pertsch: In das Fichtelgebirg: historisch-topographischer Führer. Pertsch, 1881, S. 13–14.</ref> Hans Heinrich von Zedtwitz erhielt von der Reformationskommission den Befehl die lutherischen Prädikaten durch katholische Priester zu ersetzen. Diese konnten sich jedoch nicht lange in Asch halten. Versuche der Rekatholisierung nach dem Dreißigjährigen Krieg scheiterten am Widerstand der Herren von Zedtwitz,<ref>Evangelische Gemeinde in Asch. Abgerufen am 20. April 2026.</ref> die sich als Inhaber des Reichslehens Asch auf das Rechtsprinzip Cuius regio, eius religio beriefen. Nach dem Westfälischen Frieden setzte man erneut zwei evangelische Prediger in Asch ein.<ref>Georg Loesche: Geschichte Des Protestantismus in Oesterreich in Umrissen. S. 173.</ref> In Folge blieb die Kirche ununterbrochen evangelisch. 1682 wurde der Kirchturm renoviert.<ref>Johann Tittmann: Heimatskunde des Ascher Bezirkes. Gugath, 1893, S. 157.</ref>

Dritte Kirche

Datei:Die Industriestadt Asch (Aš), Hugo Charlemont 1896 crop.jpg
Asch mit evangelischer Kirche rechts
Datei:Aš, evangelický kostel Nejsvětější Trojice před zánikem (Archiv ČCE) 08.jpg
Kirchenruine nach dem Brand von 1960
Datei:Aš pozůstatek kostela svaté Trojice (2).jpg
Grundmauern der Kirche heute

1747 begann der Bau der dritten Kirche. Dabei baute man die Mauern der neuen Kirche um die alte Kirche herum und trug deren Dach erst danach ab. Das alte Holz diente als Baumaterial für eine Interimskirche.<ref>Johann Tittmann: Heimatskunde des Ascher Bezirkes. Gugath, 1893, S. 41.</ref> 1749 wurde die neue Kirche mit Emporen, Stühlen, steinernem Pflaster und Schieferdach versehen. Die Einweihung fand am 1. Adventsonntag 1749 statt. Weil man deren Bretter erneut benötigte, musste die bis dahin von der Gemeinde genutzte hölzerne Interimskirche weichen.<ref>Emil Hildemann: Geschichte der evangelischen Kirchengemeinde A. B. Asch. Berthold, 1899, S. 58.</ref> 1751 begann das Verschalen, Verputzen und Stuckieren der Decke. 1755 widmete die Kürschnerzunft den Hauptaltar.<ref>Johann Tittmann: Heimatskunde des Ascher Bezirkes. Gugath, 1893, S. 42.</ref> 1756 ersetzte man den alten Taufstein aus der Vorgängerkirche durch einen neuen, der auf der den Emporen zugewandten Seite die Inschrift trug:<ref>Emil Hildemann: Geschichte der evangelischen Kirchengemeinde A. B. Asch. Berthold, 1899, S. 66.</ref>

„Gott zu Ehren und der Kirche zur Zierde hat aus Dankbarkeit gegen Gott Meister Johann Christian Kirchhof, ansehnlicher Bürger allhier, Weiß- und Semischgerber wie auch Handelsmann nebst seiner Eheliebsten Frau Anna Cunigunda geb. Goßlerin diesen Taufstein verfertigen lassen Anno 1756.“

1851 sammelte ein Spendenkomitee 2.000 Gulden zum Bau einer Orgel. Mit dem Werk mit 32 Registern wurde der Orgelbauer Karl Reichelt aus Zwickau beauftragt und 1855 vom Orgelbauer Kreutzbach aus Borna vollendet. 1863 weihte man neue Turmglocken, gegossen von Jank in Leipzig.<ref>Johann Tittmann: Heimatskunde des Ascher Bezirkes. Gugath, 1893, S. 42.</ref> 1911 kaufte der Ehrenbürger von Asch Gustav Geipel für die Kirche eine neue imposante Orgel,<ref>Ehemalige Kirche der Heiligen Dreifaltigkeit in Aš. Abgerufen am 19. April 2026.</ref> die als größte der Gegend galt. Als Ersatz für die im Ersten Weltkrieg 1916 eingeschmolzenen, erhielt die Kirche 1921 neue Glocken.<ref>Asch - Böhmen — D. Abgerufen am 21. April 2026.</ref> Nach der Vertreibung der Deutschen Bevölkerung nach dem Zweiten Weltkrieg blieb die Kirche unbenutzt und befand sich folglich in einem renovierungsbedürftigen Zustand. 1958 erfolgten auf Drängen der Denkmalbehörde Instandsetzungsmaßnahmen.<ref>Asch - Böhmen — D. Abgerufen am 21. April 2026.</ref> Am 16. Januar 1960 brannte die Kirche nach der Explosion eines Heizofens nieder. Nur die Außenmauern blieben stehen. 1987<ref>Ehemalige Kirche der Heiligen Dreifaltigkeit in Aš. Abgerufen am 21. April 2026.</ref> wurde die Kirchenruine vollständig beseitigt, da sie einer geplanten Straße im Weg stand. Heute erinnern noch Grundmauerreste und Grabsteine an die untergegangene Kirche.

Architektur

Die Kirche wirkte in ihrer äußeren Erscheinung schlicht. Der bedeutend ältere Turm mit quadratischen Unterbau, der in eine schlankere achteckige Form überging, war mit einem zwiebelförmigen Kuppeldach versehen. Die Kirche selbst besaß einen rechteckigen Grundriss, mit östlichen polygonalen Abschluss. An der Westseite befand sich ein mit Bogen verdachtes und mit Pfeilern geschmücktes Hauptportal, von dem rechts und links je ein Treppenaufgang in die erste Emporen-Gallerie führte. An der Nord- und Südseite befand sich ein Seitenportal mit Treppenaufgang. Das Gotteshaus enthielt 3.500 Sitzplätze und konnte mindestens 5.000 Personen fassen. Die Haupt- und Seitenfassaden waren durch Pfeiler in Wandfelder gegliedert, durchbrochen von 38 rechteckigen ovalen Fenstern.<ref>Emil Hildemann: Geschichte der evangelischen Kirchengemeinde A. B. Asch. Berthold, 1899, S. 66–67.</ref>

Ausstattung

Datei:Aš, interiér evangelického kostela Nejsvětější Trojice (Archiv ČCE) 02.jpg
Innenraum

Der Kanzelaltar mit dem Wappen der Familie von Zedtwitz war eine Arbeit von Simon Zeitler, der als vogtländischer barocker Meister gilt. Er fertigte auch den aufwendig gestalteten Taufstein, der mit einer altarförmigen Holzschnitzerei dahinter verbunden war. Ihr zentrales Motiv ist Johannes der Täufer bei der Taufe Jesu. Eine Reihe von Grabmälern aus dem evangelischen Friedhof und einige Epitaphien der Familie von Zedtwitz sind Teil des Lapidariums im Stadtmuseum Aš.

Pfarrer bis zum 19. Jahrhundert

  1. Johann Kruger aus Eisleben, 1542
  2. Johannes Müller, 1550–1560
  3. Erold Bösewetter, 1661
  4. Konrad Hahn († 1668)
  5. Johann Bayer († 1696)
  6. M. Marquart († 1711)
  7. Isaak Spengler aus Neukirchen († 1728)
  8. Johann Kießling († 1749)
  9. Johann Michael Franz aus Schleiz († 1756)
  10. Wilhelm Löber († 1787)
  11. Anton Martius († 1815)
  12. Gottlob Brandstetter († 1828)
  13. Karl August Just († 1831)
  14. Johann Christ. Künzel († 1850)
  15. Heinrich Alberti († 1853)
  16. Max Soedel, seit 1856 Oberpfarrer, bis 1869 Kirchen- und Schulinspektor<ref>Johann Tittmann: Heimatskunde des Ascher Bezirkes. Gugath, 1893, S. 42–43.</ref>

Siehe auch

Literatur

  • Magdalena Šmrhová: Asch und Umgebung in alten Ansichten. Hosivice 2011, ISBN 978-80-86914-34-3, S. 46ff.

Weblinks

Commons: Evangelische Kirche Aš – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references /> Koordinaten: 50° 13′ 33″ N, 12° 11′ 6″ O

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