EUMETSAT
Die EUMETSAT (European Organisation for the Exploitation of Meteorological Satellites; deutsch: Europäische Organisation für die Nutzung meteorologischer Satelliten) in Darmstadt betreibt die Meteosat- und MetOp-Wettersatelliten.
Sie ist eine zwischenstaatliche Organisation mit Sitz in Darmstadt, Deutschland, mit derzeit 30 europäischen Mitgliedstaaten (Belgien, Bulgarien, Dänemark, Deutschland, Estland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Irland, Island, Italien, Kroatien, Lettland, Litauen, Luxemburg, die Niederlande, Norwegen, Österreich, Polen, Portugal, Rumänien, Schweden, die Schweiz, die Slowakei, Slowenien, Spanien, Tschechien, Türkei, Ungarn und das Vereinigte Königreich).
EUMETSAT ist Mitglied der Coordination Group for Meteorological Satellites (CGMS) und stellt deren Sekretariat. EUMETSAT ist beobachtendes Mitglied des CCSDS.
Missionen
Die gelieferten Datenprodukte (Satellitenbilder + andere Messwerte) bilden die Grundlage für Wetterbeobachtung und -vorhersage. Alle Produkte stehen langfristig zur Verfügung und können so zur Beobachtung von Klimaveränderungen genutzt werden.
Meteosat
EUMETSAT betreibt derzeit eine Flotte von fünf geosynchronen Wettersatelliten namens Meteosat. Von Positionen bei 0° bis 41,5° östlicher Länge aus überwachen die Satelliten das Wettergeschehen in Europa, Afrika und Teilen Asiens. Vier der Satelliten gehören zur zweiten Satellitengeneration (MSG – Meteosat Second Generation), die im Zeitraum von 2004 bis 2018 in Betrieb ging. Die erste Meteosat-Generation stammte aus den 1970er bis 1990er Jahren; der letzte dieser älteren Satelliten – Meteosat-7 – wurde 2017 abgeschaltet.<ref>Eumetsat: EUMETSAT nimmt Meteosat-7 nach fast 20 Dienstjahren außer Betrieb. 11. April 2017, abgerufen am 12. Mai 2023.</ref>
Die dritte Generation der Satelliten, Meteosat Third Generation (MTG), ging mit Meteosat-12 am 4. Dezember 2024 in den operativen Betrieb.<ref>Europas fortschrittlichster Wettersatellit ist jetzt voll betriebsbereit. EUMETSAT, 4. Dezember 2024, abgerufen am 1. Januar 2025.</ref><ref>Meteosat Series | EUMETSAT. 15. April 2020, abgerufen am 5. Juli 2021 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
EUMETSAT Polar System (EPS)
Um den globalen Überblick zu vervollständigen, betreibt EUMETSAT derzeit die beiden ersten von drei polarumlaufenden Satelliten (MetOp). Sie werden in Kooperation mit der Europäischen Weltraumorganisation (ESA), der französischen Raumfahrtagentur CNES und der europäischen Industrie entwickelt. Der Start des ersten MetOp Satelliten erfolgte am 19. Oktober 2006. Die Erdbeobachtungen von polaren Umlaufbahnen werden gemeinsam von EUMETSAT und dem US-amerikanischen Wetterdienst NOAA im Rahmen des Initial Joint Polar System (IJPS) durchgeführt. Das IJPS beinhaltet den Austausch von Instrumenten und Daten sowie die gegenseitige Unterstützung im Satellitendaten-Empfang.
Die ersten Satelliten im IJPS sind NOAA-18 und MetOp-A. Am 6. Februar 2009 wurde NOAA-19 gestartet, der im Mai des gleichen Jahres den Routinebetrieb aufgenommen und NOAA-18 abgelöst hat. An Bord von NOAA-19 befindet sich ein Microwave Humidity Sounder (MHS) Instrument von EUMETSAT.
MetOp-B wurde am 17. September 2012 um 18:28 Uhr MESZ (22:28 Uhr Ortszeit) erfolgreich gestartet. Der Start erfolgte vom Kosmodrom Baikonur in Kasachstan mit einer Rakete des Typs Sojus 2.1a. Der Start des letzten Satelliten der MetOp-Reihe (MetOp-C) erfolgte am 7. November 2018 mit einer Sojus-Rakete von Kourou in Französisch-Guayana.
Als erster Satellit der zweiten Generation des EUMETSAT Polar System wurde Metop Second Generation A1 am 13. August 2025 (02:37 CEST) in Kourou gestartet.<ref>Eumetsat: Successful launch of Metop-SGA1 to take weather forecasting to new heights. 13. August 2025, abgerufen am 13. August 2025.</ref>
Als Ergänzung zur Metop Serie plant EUMETSAT die EPS-Sterna Konstellation. Sie sollen die Lücken zwischen den Bahnebenen von Metop, JPSS und FY-3 Satelliten besetzen und die Wettervorhersage in polaren Regionen verbessern. Die Satelliten sind deutlich kleiner als die Metop Satelliten und haben nur ein Mikrowellenradiometer als Instrument.<ref>EPS-Sterna | EUMETSAT. 10. Mai 2023, abgerufen am 14. März 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Die ESA startete am 16. August 2024 den Arctic Weather Satellite (AWS), der als Vorläufermission dient. Die ersten sechs EPS-Sterna Satelliten sollen 2029 starten.<ref>EUMETSAT Council approves EPS-Sterna | EUMETSAT. Abgerufen am 14. März 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Ab 2034 wird das System durch EPS-Aeolus ergänzt. Die Mission ist die Nachfolgemission des ESA Satelliten Aeolus, der die Windgeschwindigkeitsmessung mittels eines Ultraviolettlasers demonstrierte.<ref>EPS Aeolus | EUMETSAT. 10. Mai 2023, abgerufen am 15. März 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Die Mission brachte deutlich messbare Verbesserung in der Wettervorhersage, wodurch der Plan für eine permanente Mission aufkam.<ref>Improving new Aeolus wind data for forecasts. Abgerufen am 15. März 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Jason
70 % der Erdoberfläche ist von Ozeanen bedeckt; Meeresströmungen und Phänomene wie beispielsweise El Niño beeinflussen das Wetter und die Klimaentwicklung erheblich.
Jason 1 und der Erdbeobachtungssatellit TIMED wurden am 7. Dezember 2001 gestartet; Jason 1 war bis Juli 2012 aktiv. Jason-2 (auch OSTM (Ocean Surface Topography Mission) genannt) war von Juni 2008 bis Oktober 2019 in Betrieb. Jason 3 ist seit dem 17. Januar 2016 in Betrieb. Jason 2 maß kontinuierlich Meeres- und Wellenhöhen, unter anderem für Seewettervorhersagen. EUMETSAT und NOAA kontrollierten ihn und verteilten die gesammelten Daten.
Sentinel
Die Sentinel Satelliten sind Teil des Copernicus Programms der Europäischen Union, das EUMETSAT unter anderem in Kooperation mit der ESA und dem ECWMF implementiert.
Für Sentinel-3 übernimmt EUMETSAT die Missionskontrolle im Routinebetrieb und liefert Daten über die Meere. Der Satellit misst unter anderem die Meeresfarbe, Oberflächentemperatur und Wellenhöhe. Sentinel-3A wurde 2026 gestartet, Sentinel,-3B folgte 2018. Der Start für Sentinel-3C und -3D ist für 2026 sowie 2028 geplant.<ref>Sentinel-3 | EUMETSAT. 26. Mai 2020, abgerufen am 15. März 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Während Sentinel-4 ein Instrument der Meteosat Satelliten der dritten Generation (MTG-S) ist, ist Sentinel-5 ein Instrument der Metop-SG-A Satelliten. Beide messen die Konzentration von Atmosphärengase wie Methan, Stickoxide, Schwefeloxide oder Aerosole. Sentinel-6 (auch Jason-CS) ist die Nachfolgemission der Jason Satellitenreihe und erweitert die Messreihe der Meereshöhe. Der erste Satellit Sentinel-6 Michael Freilich wurde 2020 gestartet, Sentinel-6B folgte im Jahr 2025. Die Mission ist eine Kooperation zwischen der EU, EUMETSAT, ESA, NOAA, NASA und CNES. EUMETSAT trägt die Projektverantworkung und ist für das Bodensegment verantwortlich.<ref>EO Portal: Sentinel-6. 26. Januar 2026, abgerufen am 15. März 2026.</ref> Des Weiteren ist EUMETSAT auch an den Copernicus Erweiterungsmissionen CO2M und Cristal beteiligt die frühestens 2027 gestartet werden sollen.
GOSAT
Im Mai 2019 wurde bekannt, dass EUMETSAT und JAXA für künftige Messungen der Treibhausgase (über den GOSAT-Satelliten) kooperieren werden.<ref>Treibhausgase aus All überwachen. In: schweizerbauer.ch. 15. Mai 2019, ehemals im Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar); abgerufen am 19. Mai 2019. (Seite nicht mehr abrufbar. Suche im Internet Archive )</ref>
Nutzung der Daten
Die Daten und Wetterbilder sind primär dazu bestimmt, von den nationalen Wetterdiensten der Mitgliedstaaten und kooperierenden Staaten genutzt zu werden. Darüber hinaus hat eine Reihe anderer Nutzer Lizenzen erworben, Zugang zu den Meteosat-Daten zu erhalten.
Die Hauptnutzer verbreiten Wetterbilder und Daten an andere Endnutzer. Beispielsweise werden die Wetterbilder und -filme zusammen mit Wettervorhersagen Tag für Tag über das Fernsehen ausgestrahlt oder über das Internet angeboten. So nutzt ein Großteil der europäischen Bevölkerung EUMETSAT Daten.
Einige Universitäten und Forschungsinstitute benötigen Meteosat-Daten für die Weiterbildung und ihre eigenen Forschungen. Kommerzielle Organisationen nutzen die Daten entweder als Endnutzer, so wie Fluggesellschaften, oder als Serviceanbieter wie Fernsehanstalten oder kommerzielle Wettervorhersagen. Meteosat-Daten werden oft durch lokal installierte Empfangseinrichtungen empfangen, wie sie beispielsweise an Schulen, Sportflugplätzen, Yachten oder bei Privatpersonen zu finden sind.
Satelliten-Auswertungszentren (Satellite Application Facilities) SAFs
EUMETSATs Satelliten-Auswertungszentren (Satellite Application Facilities) SAFs sind ein integraler Bestandteil des verteilten EUMETSAT Bodensegmentes. SAFs nutzen die Erfahrungen und Expertisen der Mitgliedstaaten und sind verantwortlich für die anwendungsbezogene Prozessierung von Satellitendaten. Jedes SAF wird von einem internationalen Konsortium entwickelt und betrieben, das unter der Leitung eines nationalen Wetterdienstes steht. Forschung, Daten, Produkte und Dienstleistungen der SAFs ergänzen dabei die Aktivitäten der EUMETSAT Zentraleinrichtung in Darmstadt.
Zurzeit existieren acht SAFs in unterschiedlichen Entwicklungsstadien, mit Spezialisierung auf folgende Bereiche:
- Support to Nowcasting and very short range forecast (Nowcasting und Kurzfristvorhersage)<ref>Homepage Support to Nowcasting and very short range forecast</ref>
- Ocean and Sea Ice (Ozean und Meereis)<ref>Homepage Ocean and Sea Ice </ref>
- Climate Monitoring (Klimaüberwachung)<ref>Homepage Climate Monitoring Satellite Application Facility (CM SAF)</ref>
- Numerical Weather Prediction (numerische Wettervorhersage)<ref>Homepage Numerical Weather Prediction</ref>
- Land Surface Analysis (Landoberflächenanalyse)<ref>Homepage Land Surface Analysis</ref>
- Radio Occultation Meteorology (Meteorologische Nutzung von Radio-Okkultations Sensoren)<ref>Homepage Radio Occultation Meteorology</ref>
- Atmospheric Composition Monitoring (Überwachung atmosphärischer Gase und Aerosole, z. B. Ozon, SO2, NO2, HCHO.... )<ref>Homepage Atmospheric Composition Monitoring</ref>
- Support to Operational Hydrology and Water Management (operationelle Hydrologie und Wasserwirtschaft)<ref>Homepage Hydrology and Water Management</ref> – H SAF
Das Satelliten-Auswertungszentrum für die Klimaüberwachung
Das Satelliten-Auswertungszentrum für die Klimaüberwachung (Satellite Application Facility on Climate Monitoring, CM SAF) nutzt die inzwischen über mehrere Jahrzehnte vorliegenden Satellitendaten, um daraus Datensätze zur langjährigen Beschreibung atmosphärischer Parameter (insbesondere des Energie- und Wasserkreislaufs) abzuleiten und diese insbesondere für Zwecke der Klimaüberwachung zur Verfügung zu stellen. Das Auswertungszentrum wird durch den Deutschen Wetterdienst koordiniert und durch weitere europäische Wetterdienste unterstützt. Die langjährigen satellitenbasierten Datensätze der bodennahen Strahlung sind auch eine Datengrundlage für Planungszwecke im Bereich der Solarenergie.<ref>Neuer satelliten-basierter Klimadatensatz bodennaher Strahlungsparameter</ref> Weitere Produkte sind beispielsweise langjährigen Datensätze zur Bewölkung oder des Wasserdampfgehalts der Erdatmosphäre.
Mitgliedsstaaten
Siehe auch
Weblinks
Einzelnachweise
<references />
Koordinaten: 49° 51′ 54″ N, 8° 37′ 37″ O
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