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Europäische Sonnenwende

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Europäische Sonnenwende
Datei:Heliotropium europaeum 2004-10-xx-p1010074.jpg

Europäische Sonnenwende (Heliotropium europaeum)

Systematik
Kerneudikotyledonen
Asteriden
Euasteriden I
Familie: Raublattgewächse (Boraginaceae)
Gattung: Sonnenwenden (Heliotropium)
Art: Europäische Sonnenwende
Wissenschaftlicher Name
Heliotropium europaeum
L.

Die Europäische Sonnenwende (Heliotropium europaeum)<ref name="FloraWeb" /> ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Sonnenwenden (Heliotropium) innerhalb der Familie der Raublattgewächse (Boraginaceae). Sie ist die einzige Art dieser Gattung, die auch in Mitteleuropa vorkommt.

Beschreibung

Datei:Heliotropium europaeum L ag1.jpg
Illustration
Datei:HELIOTROPIUM EUROPAEUM - AGUDA - IB-323 (Herba berruguera).JPG
Aus Wickeln zusammengesetzter Blütenstand

Vegetative Merkmale

Bei der Europäischen Sonnenwende handelt es sich um eine einjährige, krautige Pflanze, die Wuchshöhen von meist 20 bis 30 (5 bis 35) Zentimetern erreicht.<ref name="FloraWeb" /> Die Pflanzenteile sind geruchlos.<ref name="FloraWeb" /> Die oberirdischen Pflanzenteile sind weich und weiß behaart. Der stielrunde, hellgrüne Stängel ist meist ab der Basis an den Knoten weit verzweigt und dicht angedrückt, kurz behaart.<ref name="FloraWeb" />

Die wechselständig angeordneten Laubblätter sind in Blattstiel und Blattspreite gegliedert. Der Blattstiel ist 0,5 bis 2,5 Zentimeter lang. Die einfache und ganzrandige Blattspreite ist elliptisch bis spatelig und auf beiden Seiten behaart.<ref name="FloraWeb" /><ref name="Hegi1966" />

Generative Merkmale

Die Blütezeit reicht von Juni bis September. Die Blütenstände sind einfach oder gelegentlich gegabelte Wickel, die sich während der Fruchtreife strecken. Die Wickel sind 2 bis 6 Zentimeter lang und dicht mit Blüten besetzt.<ref name="Hegi1966" /> Im Gegensatz zu vielen anderen Heliotropium-Arten, deren Blüten sehr gut riechen, sind die Blüten der Europäischen Sonnenwende fast vollkommen geruchlos. Die zwittrigen Blüten weisen eine Länge von 3 bis 4 Millimetern auf und sind bei einem Durchmesser von 2 bis 5 Millimetern radiärsymmetrisch.<ref name="FloraWeb" /> Die Blütenkrone ist weiß bis bläulich-weiß,<ref name="FloraWeb" /> im Schlund oft auch etwas gelb. Der Kelch ist fast bis zum Grund in lanzettliche, dicht weichhaarige zuletzt sternförmig ausgebreitete Zipfel geteilt.<ref name="Hegi1966" /> Die Staubblätter sind in die Kronröhre eingeschlossen.<ref name="Hegi1966" /> Der Fruchtknoten ist vierteilig, hat einen kurzen Griffel und eine aufgesetzte, kegelförmige, pfriemlich verlängerte, vorn kurz zweispaltige Narbe.<ref name="Hegi1966" />

Die Klausenfrucht zerfällt erst bei Reife in bei einer Länge von 2,25 Millimetern ei-birnenförmige Klausen mit grob warziger Oberfläche.<ref name="FloraWeb" />

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 32.<ref name="Oberdorfer2001" />

Ökologie

Bei der Europäische Sonnenwende handelt es sich um einen Therophyten.<ref name="FloraWeb" />

Giftigkeit

Alle Pflanzenteile sind giftig.

Hauptwirkstoffe sind Cynoglossin<ref name="Hegi1966" /> und Heliotrin.

Vergiftungserscheinungen: Cynoglossin steigert die Herzfrequenz, erweitert die Pupillen, lähmt das Atemzentrum und kann den Tod durch Herzstillstand in der Diastole hervorrufen.

Besonders bei Tieren kann es durch Beimengung von Heliotropium-Samen zu Vergiftungen kommen, die auch zum Tod führen können.

Datei:P1000546 Heliotropium europaeum (Boraginaceae) Flower.JPG
Habitus, Laubblätter und Blütenstände

Vorkommen

Das ursprüngliche Areal der Europäischen Sonnenwende liegt wahrscheinlich im östlichen Mittelmeergebiet und in Vorderasien. Nach POWO kommt sie ursprünglich vor Marokko und Portugal bis Kasachstan, Arabien und Indien.<ref name="POWO" /> Sie braucht nährstoffreichen, neutral bis basisch reagierenden Lehm- oder Lössboden, der meist kalkhaltig ist und Gegenden mit frühfrostarmem, sommerwarmem Klima. Die Europäische Sonnenwende wächst auf nährstoffreichen Äckern, Weinbergen, Ruderalstellen oder als Gartenunkraut. Da es sich um eine sehr wärmeliebende Art handelt, war sie in Mitteleuropa aber schon immer selten. In Deutschland kommt sie beständig nur in Hessen, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg vor und gilt dort als vom Aussterben bedroht bzw. stark gefährdet. Unbeständig findet sie sich in Berlin, Hamburg, Nordrhein-Westfalen und Bayern.

Die Europäische Sonnenwende ist pflanzensoziologiasch überregional eine Charakterart des Eragrostion-Verbands und lokal eine Charakterart des Geranio-Allietum aus dem Fumario-Euphorbion-Verband.<ref name="Oberdorfer2001" /> Sie steigt im Kanton Wallis bis 1370 Meter Meereshöhe auf.<ref name="Hegi1966" />

Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 2 (mäßig trocken), Lichtzahl L = 4 (hell), Reaktionszahl R = 4 (neutral bis basisch), Temperaturzahl T = 4+ (warm-kollin), Nährstoffzahl N = 4 (nährstoffreich), Kontinentalitätszahl K = 4 (subkontinental), Salztoleranz 1 = tolerant.<ref name="InfoFlora" />

Taxonomie

Die Europäische Sonnenwende wurde 1753 von Carl von Linné in Species Plantarum Band 1 Seite 130 als Heliotropium europaeum erstbeschrieben.

Literatur

  • Lutz Roth, Max Daunderer, Kurt Kormann: Giftpflanzen – Pflanzengifte. Vorkommen, Wirkung, Therapie, allergische und phototoxische Reaktionen. Mit Sonderteil über Gifttiere. 6., überarbeitete Auflage, Sonderausgabe. Nikol, Hamburg 2012, ISBN 978-3-86820-009-6.

Einzelnachweise

<references> <ref name="Oberdorfer2001"> </ref> <ref name="FloraWeb"> Heliotropium europaeum L., Europäische Sonnenwende. auf FloraWeb.deVorlage:Abrufdatum </ref> <ref name="InfoFlora"> Heliotropium europaeum L. In: Info Flora, dem nationalen Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora. Abgerufen am Vorlage:FormatDateSimple.</ref> <ref name="Hegi1966">Gustav Hegi: Illustrierte Flora von Mitteleuropa. 1. Auflage, unveränderter Textnachdruck Band V, Teil 3. Verlag Carl Hanser, München 1966. S. 2132–2133.</ref> <ref name="POWO">Heliotropium europaeum. In: POWO = Plants of the World Online von Board of Trustees of the Royal Botanic Gardens, Kew: Kew ScienceVorlage:Abrufdatum</ref> </references>

Weblinks