Eubulides von Milet
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Eubulides von Milet (altgriechisch Εὑβουλίδης Eubulídēs, latinisiert Eubulides Milesius) war ein antiker griechischer Philosoph aus Milet. Er lebte im 4. Jahrhundert v. Chr. In der Philosophiegeschichte zählt man ihn zur Strömung der Megariker.
Eubulides’ Schriften sind verloren; erhalten sind lediglich einige spärliche Testimonien (antike Berichte über Leben und Lehre).
Leben
Die Lebensdaten Eubulides’ sind unbekannt. Eine Quelle<ref>Eusebius von Caesarea, Praeparatio evangelica 15,2,5.</ref> berichtet, dass er in einer Schrift Aristoteles diffamiert haben soll. Dort wird eine 342 oder 341 v. Chr. geschlossene Ehe Aristoteles’ vorausgesetzt; außerdem wird vermutet, dass der 335 v. Chr. verstorbene Philipp II. Adressat der Verleumdung ist. Daraus ergibt sich, dass Eubulides die betreffende Schrift im Zeitraum von 342 bis 335 v. Chr. abgefasst hat. Eine Falschinformation dürfte die Behauptung sein, dass Demosthenes Schüler von Eubulides gewesen sein soll.<ref name="GGPh215">Klaus Döring: Eubulides aus Milet. In: Hellmut Flashar (Hrsg.): Grundriss der Geschichte der Philosophie. Die Philosophie der Antike, Band 2/1, Schwabe, Basel 1998, S. 215–218, hier: S. 215.</ref> Laut Diogenes Laertios soll von Eubulides in einer antiken Komödie die Rede gewesen sein. Dort wird er als spitzfindiger und angeberischer Eristiker dargestellt.<ref name="DL">Diogenes Laertios, Über Leben und Lehren berühmter Philosophen 2,108</ref>
Werk
Die Schriften Eubulides’ sind verloren. Dass Eubulides eine Komödie namens Zecher verfasst haben soll,<ref>Athenaios, Deipnosophistai 10,437d–10,437e.</ref> dürfte eine Fehlinformation sein.<ref name="GGPh215"/>
Logische Schlüsse
Eubulides beschäftigte sich mit logischen Schlüssen, insbesondere mit Fehlschlüssen. Man unterschied in der Antike verschiedene Arten von Schlüssen, der man zu ihrer Kennzeichnung Namen gab. In Eubulides Schriften soll von folgenden sieben die Rede gewesen sein:<ref name="DL"/> dem Lügner (pseudómenos; siehe Lügner-Paradox), dem Verborgenen (dialanthánōn), der Elektra (Eléktra), dem Verhüllten (egkekalymménos; siehe Fehlschluss des Verhüllten), dem Haufenschluss (sōrítēs; siehe Paradoxie des Haufens), dem Gehörnten (keratínēs; siehe Hörnerfrage) und dem Kahlkopf (phalakrós; siehe Calvus).
Ob Eubulides der Urheber von manchen dieser Schlüsse war, ist unbekannt.<ref>Siehe dazu die Zusammenstellung der antiken Berichte bei Robert Muller: Les mégariques. Fragments et témoignages, traduits et commentés par Robert Muller, Paris 1985, S. 75–86.</ref> Den Haufenschluss hat bereits zuvor Zenon von Elea angewandt. Etwa zur Lebenszeit Eubulides' hat Aristoteles eine umfangreiche Schrift über Fehlschlüsse verfasst, die Sophistischen Widerlegungen, in denen der Verhüllte und der Lügner vorkommen.<ref>Klaus Döring: Eubulides aus Milet. In: Hellmut Flashar (Hrsg.): Grundriss der Geschichte der Philosophie. Die Philosophie der Antike, Band 2/1, Schwabe, Basel 1998, S. 215–218, hier: S. 216.</ref> Ebenfalls unbekannt ist, ob Eubulides die erwähnten Schlüsse nur zu eristischen Zwecken gebraucht hat, oder ob er einen eigenständigen Beitrag zur Wissenschaft der Logik leisten wollte.<ref name="GGPh217">Klaus Döring: Eubulides aus Milet. In: Hellmut Flashar (Hrsg.): Grundriss der Geschichte der Philosophie. Die Philosophie der Antike, Band 2/1, Schwabe, Basel 1998, S. 215–218, hier: S. 217.</ref>
Umkehrbarkeit von Aussagen
In Aristoteles’ Analytica priora<ref>Aristoteles, Analytica priora 25a1–25a26.</ref> geht dieser davon aus, dass von den von ihm aufgestellten vier kategorischen Aussagen drei umgekehrt werden können. Nach Alexander von Aphrodisias<ref>Die Stelle ist nur in einer arabischen Übersetzung erhalten und findet sich beispielsweise bei A. Badawi: Commentaires sur Aristote perdus en grec et autres épitres, Beirut 1971, S. 66.</ref> ging Eubulides hingegen davon aus, dass alle vier konvertierbar seien. Widersprüchlich dazu ist der Bericht von Themistios,<ref>Die Stelle ist nur in einer arabischen Übersetzung erhalten und findet sich beispielsweise bei A. Badawi: La transmission de la philosophie greque au monde arabe, 2. Auflage, Paris 1987, S. 180.</ref> der Eubulides die Ansicht zuschreibt, dass Aussagen nicht umkehrbar seien.<ref name="GGPh217"/>
Überlieferung
Die wichtigste Quelle zu Eubulides ist Diogenes Laertios. Weitere Textstellen findet man bei Eusebius von Caesarea, Alexander von Aphrodisias, Sextus Empiricus,<ref>Sextus Empiricus, Adversus mathematicos 7,13.</ref> Athenaios und Themistios. Dazu kommen einige kurze Erwähnungen bei anderen Autoren. Seit 1990<ref>Gabriele Giannantoni: Socratis et Socraticorum Reliquiae, Band 4, Neapel 1990, S. 88.</ref> ist man der Ansicht, dass auch in fragmentarisch erhaltenen Auszügen des 28. Buchs von Epikurs Über die Natur von Eubulides die Rede ist. Eine weitere, möglicherweise Eubulides betreffende Stelle ist bei Aristoteles erhalten.<ref name="GGPh215"/>
Quellensammlungen
- Klaus Döring: Die Megariker. Kommentierte Sammlung der Testimonien (= Studien zur antiken Philosophie 2). Grüner, Amsterdam 1971, ISBN 90-6032-003-4
- Gabriele Giannantoni (Hrsg.): Socratis et Socraticorum Reliquiae. Band 1, Bibliopolis, Neapel 1990, Abschnitt II-B (online)
- Robert Muller: Les mégariques. Fragments et témoignages. Vrin, Paris 1985, S. 29–32
Literatur
- Klaus Döring: Eubulides aus Milet. In: Hellmut Flashar (Hrsg.): Grundriss der Geschichte der Philosophie. Die Philosophie der Antike, Band 2/1, Schwabe, Basel 1998, ISBN 3-7965-1036-1, S. 215–218
- Robert Muller: Euboulidès de Milet. In: Richard Goulet (Hrsg.): Dictionnaire des philosophes antiques. Band 3, CNRS Éditions, Paris 2000, ISBN 2-271-05748-5, S. 245–248
Anmerkungen
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- Grieche (Antike)
- Philosoph (Antike)
- Megariker
- Person (Milet)
- Geboren im 5. Jahrhundert v. Chr.
- Gestorben im 4. Jahrhundert v. Chr.
- Mann