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Ernst Unger (Mediziner, 1875)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Ernst Unger (* 2. April 1875 in Berlin; † 13. September 1938 in Prenzlau) war ein deutscher Chirurg.

Leben

Ernst Unger studierte Medizin und promovierte 1898. In den Jahren 1903 bis 1906 war er Schüler Ernst von Bergmanns, anschließend Oberarzt an der I. Chirurgischen Universitätsklinik und übernahm 1919 die II. Chirurgische Abteilung am Rudolf-Virchow-Krankenhaus. 1932 richtete er den ersten zentralen Blutspendedienst Deutschlands ein. Unger war Professor der Medizin und wurde wegen seiner jüdischen Herkunft im April 1933 aus seinen Ämtern gedrängt.<ref>Deutsche Akademie der Naturforscher, Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina (Hrsg.): Leopoldina, Jahrbuch 1994. 1995, S. 507.</ref> und 1936 gezwungen, seine Privatklinik zu verkaufen. Im Jahr 1938 verunglückte er tödlich bei einem Autounfall auf der Autobahn und starb im Kreiskrankenhaus Prenzlau.<ref>Slatomir Joachim Wenske: Die Herausbildung urologischer Kliniken in Berlin - Ein Beitrag zur Berliner Medizingeschichte Dissertation, Klinik für Urologie der Medizinischen Fakultät Charité, Berlin 2008, S. 90. (PDF; 2,0 MB)</ref><ref name="buch-7oaWN2uWcl4C-151">Volker Klimpel: Ärzte-Tode. Königshausen & Neumann, 2005, ISBN 9783826027697, S. 151 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref>

Unger gilt als ein Pionier der Organtransplantation. Er leistete fundamentale Arbeiten zur Nierentransplantation.<ref>Ernst Unger: Ueber Nierentransplantationen (1909). In: Heinz-Peter Schmiedebach, R. Winau und Rudolf Häring (Hrsg.): Erste Operationen Berliner Chirurgen 1817–1931. De Gruyter, Berlin/New York 1990, ISBN 3-11-011951-X, S. 216 ff.</ref> In den Jahren 1909 bis 1910 führte er Nierentransplantationen zwischen Hunden verschiedener Rassen durch. Bis 1910 konnte Unger über einhundert Transplantationen berichten, die jedoch letztendlich alle nicht auf Dauer erfolgreich waren. Ende 1909 versuchte er, einem Affen die Niere eines totgeborenen Kindes zu transplantieren; auch dieser Versuch scheiterte. Das Misslingen dieses Versuches führte Unger auf rein technische Probleme zurück.<ref>Martina Maibaum: Die Geschichte der Nierentransplantation. Dissertation, Universität Münster, 2002, S. 20, urn:nbn:de:hbz:6-85659542506.</ref> 1910 transplantierte er die beiden Nieren eines Schweinsaffen aus Borneo in die Leiste einer 21-jährigen Patientin, bei welcher sich ein Nierenversagen andeutete.<ref>Untitled. In: mondry.de. Abgerufen am 2. Januar 2015.</ref> Die Frau starb am zweiten Tag nach dem Eingriff an einem Lungenödem. Unger folgerte, dass zwischen Tieren und Menschen eine biochemische Barriere existiert, welche entsprechende Transplantationen unmöglich macht.

Mit Fritz Bleichröder führte Unger eine Reihe von Experimenten mit Kathetern durch. Ziel war es, Medikamente punktgenau an die entsprechend betroffenen Organe zu platzieren.<ref name="buch-s6JQAAAAYAAJ-">Eugen Fröhner: Handbuch der tierärztlichen Chirurgie und Geburtshilfe... W. Braumüller, 1923.</ref>

Privatklinik

Datei:Gedenktafel Derfflingerstr 21 (Tierg) Ernst Unger.JPG
Gedenktafel Derfflingerstr 21 (Tierg) Ernst Unger

Ernst Unger hatte sich 1905 von den Architekten Alfred Breslauer und Paul Salinger in Berlin-Tiergarten eine fünfgeschossige Privatklinik errichten lassen. Das Gebäude trägt den Namen Haus Unger und steht aktuell unter Denkmalschutz.<ref>@1@2Vorlage:Toter Link/www.stadtentwicklung.berlin.deStadtentwicklung Berlin: Haus Unger (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im Dezember 2023. Suche im Internet Archive )Vorlage:Toter Link/archivebot</ref><ref>Studentenwerk: Haus Unger</ref>

Veröffentlichungen (Auswahl)

  • Das Colostrum. Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin, 1898.
  • Über Nierentransplantation. In: Berliner Klinische Wochenschrift. Jahrgang 46, 1909, S. 1057–1060.
  • Nierentransplantationen. In: Berliner Klinische Wochenschrift. Jahrgang 47, 1910, S. 573–578.
  • Bemerkungen zur intraarterielle Therapie. In: Berliner Klinische Wochenschrift. Jahrgang 49, 1912, S. 1504.
  • Über die Technik der Organtransplantationen: (Ausschliesslich Geschlechtsorgane). Urban & Schwarzenberg, 1930.

Literatur

  • Hartmut Collmann: Ernst Unger (1875–1938). In: Ulrike Eisenberg, Hartmut Collmann, Daniel Dubinski: Verraten – Vertrieben – Vergessen. Werk und Schicksal nach 1933 verfolgter deutscher Hirnchirurgen. Hentrich & Hentrich, Berlin 2017, ISBN 978-3-95565-142-8, S. 65–81.
  • Rolf Winau, Ekkehard Vaubel: Chirurgen in Berlin. 100 Portraits. Berlin 1983, S. 101.
  • Enno A. Winkler: Ernst Unger: (1875-1938): eine Biobibliographie. Internationale Verlags-Anstalt, Berlin 1975.
  • Enno A. Winkler: Ernst Unger: A Pioneer in Modern Surgery. In: Journal of the History of Medicine and Allied Sciences. 1982, S. 269–286.

Weblinks

Einzelnachweise

<references />

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