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Ernst Sellin

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Datei:Ernst Sellin.jpg
Ernst Sellin, 1918

Ernst Franz Max Sellin (* 26. Mai 1867 in Alt Schwerin, Mecklenburg-Schwerin; † 1. Januar 1946 in Epichnellen, Landkreis Eisenach, Thüringen) war ein deutscher evangelischer Theologe und Biblischer Archäologe. Als einer der ersten Hochschullehrer verband er die alttestamentliche Wissenschaft mit der Archäologie. Er lehrte als Professor für Altes Testament an den Universitäten Wien (1897–1908), Rostock (1908–1913), Kiel (1913–1921) und Berlin (1921–1935).

Leben

Ernst Sellin, ein Sohn des evangelischen Theologen und Pastors Wilhelm Sellin (1838–1931) und der Apothekertochter Ida, geb. Rötger (1844–1923), sowie Enkel Carl Wilhelm Sellins, wuchs in Dassow auf, besuchte die Lauenburgische Gelehrtenschule in Ratzeburg und studierte Evangelische Theologie und Orientalische Sprachen an der Universität Rostock<ref>Eintrag im Rostocker Matrikelportal</ref>, der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen und der Universität Leipzig. In Leipzig wurde er 1889 mit einer Arbeit über Die verbal-nominale Doppelnatur der hebräischen Participien und Infinitive und ihre darauf beruhende verschiedene Construktion zum Dr. phil. promoviert.

Nachdem er in Leipzig und Erlangen die Studien fortgesetzt hatte, erwarb er 1890 in Erlangen den Grad eines Lizentiaten der Theologie mit einer in lateinischer Sprache verfassten Dissertation über die Psalmen.<ref>Disputatio de origine carminum, quae primus psalterii liber continet</ref> Vom 1. Oktober 1890 bis 1891 leistete er Militärdienst als Einjährig-Freiwilliger in Marburg. Von 1891 bis 1894 arbeitete er als Gymnasiallehrer am Friedrich-Franz-Gymnasium in Parchim. Anschließend war er Repetent und nach seiner Habilitation (Beiträge zur israelitischen und jüdischen Religionsgeschichte) 1895 bis 1897 Privatdozent in Erlangen. Sellin unternahm 1899 seine erste Reise ins Heilige Land, wo er die Stätte Tell Taʿannek mit dem biblischen Ort Taanach identifizierte, dessen Ausgrabung er später leitete.

Ab 1897 lehrte er zunächst als außerordentlicher und von 1899 bis 1908 als ordentlicher Professor für Altes Testament an der Universität Wien, wo er 1904/05 und 1908 Dekan der Evangelisch-Theologischen Fakultät war. Danach wechselte er nach Rostock (1908–1913), dann nach Kiel (1913–1921). Im Ersten Weltkrieg meldete er sich freiwillig und war er Soldat im Reserve-Jäger-Bataillon Nr. 18.<ref>Gustav Stoffleth: Geschichte des Reserve-Jäger-Bataillons Nr. 18; Verlag Bernard & Graefe, Berlin 1937, {{#if: {{#if: | {{#invoke:TemplUtl|faculty|{{{suffix}}}}} }}

 | trim | 362821119 }} DNB 362821119 Katalogeintrag der Deutschen Nationalbibliothek | DNB trim | 362821119 }} 362821119

}}{{#ifeq: 0 | 0 | {{#if: {{#invoke:URIutil|isDNBvalid|362821119}} | | (???)}} }}</ref> Von 1919 bis 1921 war er zweimal Rektor der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel.<ref>Rektoratsreden (HKM)</ref> Seine letzte Station vor der Emeritierung war eine ordentliche Professur für Altes Testament an der Friedrich-Wilhelms-Universität Berlin (1921–1935). Er wurde mit Ehrendoktorwürden der Universität Leipzig (1899) und der University of St Andrews in Schottland (Doctor of Divinity, 1932) ausgezeichnet.

Sellin war ab 1895 verheiratet und hatte zwei Kinder (1904 und 1907 geboren).

Werk und Wirkung

Sellin erkannte früh die Wichtigkeit der Archäologie in Bezug auf seine theologischen Arbeiten und leitete von 1902 bis 1904 die Ausgrabungen auf dem Tell Taʿannek in Palästina. Einen weiteren Schwerpunkt seiner Arbeit bildete die archäologische Erforschung der Stadt Jericho (Tell es Sultan) von 1907 bis 1909 und Sichem (Tell Balata) von 1913 bis 1914. Sellin veröffentlichte zahlreiche Werke, sein wichtigstes, das Lehrbuch Einleitung in das Alte Testament (1910; zuletzt 12. Auflage 1979 bearbeitet von Georg Fohrer), galt über Generationen als Standardwerk.

Sellin stellte Anfang des 20. Jahrhunderts die These auf, Mose sei als „Märtyrer“ von den Israeliten getötet worden. In seiner Studie Der Mann Moses und die monotheistische Religion stützt sich Sigmund Freud auch auf Erkenntnisse Sellins. In seiner Schrift von 1936 verteidigte Sellin das Alte Testament gegen die zeitgenössischen Angriffe.

Sellin sei ein heute „zu Unrecht“ vergessener Alttestamentler, meinte Jan Assmann.<ref>Jan Assmann: Exodus. Die Revolution der Alten Welt. München 2015, S. 330.</ref> Sigmund Freuds Mosesbuch sei „offenbar viel stärker von Sellin beeinflusst (…) als bisher angenommen“.<ref>Jan Assmann: Exodus. Die Revolution der Alten Welt. München 2015, S. 334.</ref> An Sellins These von der Identität des leidenden Gottesknechts bei Deutero-Jesaja mit Mose knüpfte später Klaus Baltzer an.<ref>Jan Assmann: Exodus. Die Revolution der Alten Welt. München 2015, S. 438.</ref> In den 1980er Jahren erarbeite Ulrich Palmer eine Dissertation zu Leben und Werk von Sellin. Diese erschien 2012 gedruckt mit einem Beitrag von Hermann Michael Niemann. Siegfried Kreuzer erforschte in mehreren Beiträgen das Wiener Umfeld und die Ausgrabungen von Sellin und publizierte einen Nachdruck der Grabungsberichte von Taanach, ergänzt mit den späteren Forschungen zu Taanach und zu den von Sellin gefundenen Keilschrifttexten.

Schriften (Auswahl)

  • Beiträge zur israelitischen und jüdischen Religionsgeschichte, 1896
  • Studien zur Entstehungsgeschichte der jüdischen Gemeinde, 1901
  • Tell Taʿannek. Bericht über eine mit Unterstützung der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften und des k. k. Ministeriums für Kultus und Unterricht unternommene Ausgrabung in Palästina, Wien 1904; Nachdruck in: S. Kreuzer (Hg.), Taanach / Tell Taʿannek. 100 Jahre Forschungen zur Archäologie, zur Geschichte, zu den Fundobjekten und zu den Keilschrifttexten, Wiener Alttestamentliche Studien 5, Wien-Frankfurt am Main 2006, 131–270. ISBN 978-3-631-55104-2
  • Eine Nachlese auf dem Tell Taʿannek in Palästina, Wien 1906; Nachdruck in: S. Kreuzer (Hg.), Taanach / Tell Taʿannek. 100 Jahre Forschungen zur Archäologie, zur Geschichte, zu den Fundobjekten und zu den Keilschrifttexten, Wiener Alttestamentliche Studien 5, Wien-Frankfurt am Main 2006, 271–317. ISBN 978-3-631-55104-2
  • Das Rätsel des deuterojesajanischen Buches, 1907
  • Die israelitisch-jüdische Heilandserwartung, 1909
  • Der alttestamentliche Prophetismus. A. Deichert’sche Verlagsbuchhandlung, Leipzig 1912.
  • Jericho. Die Ergebnisse der Ausgrabungen, 1913 (mit Carl Watzinger)
  • Einleitung in das Alte Testament, 1910, 12 Auflagen bis 1979 (bis 7. Aufl. 1935 aktualisiert von Sellin, danach von Leonhard Rost und Georg Fohrer).
  • Mose und seine Bedeutung für die israelitisch-jüdische Religionsgeschichte, A. Deichersche Verlagsbuchhandlung Dr. Werner Scholl, Leipzig, 1922
Datei:Heinz Johannes ‚Sichem – Die Ausgrabung von Sichem Der Tempel (Frühjahr 1927).‘ In E. Sellin ‚Die Ausgrabung von Sichem. Kurze vorläufige Mitteilung über die Arbeit im Frühjahr 1927‘.jpg
Die Ausgrabung von Sichem – Der Tempel (Frühjahr 1927)

Literatur

  • Siegfried Kreuzer: Palästinaarchäologie aus Österreich. Ernst Sellins Ausgrabungen auf dem Tell Taʿannek in Israel (1902–1904). In: Zeitenwechsel und Beständigkeit. Beiträge zur Geschichte der Evangelisch-theologischen Fakultät in Wien 1821–1996. [Schriftenreihe des Universitätsarchivs, Bd. 10]. Wien 1997. S. 257–276, ISBN 978-3-85114-314-0.
  • Siegfried Kreuzer: Die Ausgrabungen des Wiener Alttestamentlers Ernst Sellin in Tell Taʿannek (Taanach) von 1902 bis 1904 im Horizont der zeitgenössischen Forschung. In: Protokolle zur Bibel 13 (2004), S. 107–130.
  • Siegfried Kreuzer (Hrsg.): Taanach / Tell Taʿannek. 100 Jahre Forschungen zur Archäologie, zur Geschichte, zu den Fundobjekten und zu den Keilschrifttexten. Mit Beiträgen von Frank S. Frick, Wayne Horowitz, Siegfried Kreuzer, Takayoshi Oshima, Regine Pruzsinszky, Mark S. Ziese und Wolfgang Zwickel sowie einem Nachdruck der Grabungsberichte von Ernst Sellin und der Textedition von Friedrich Hrozný. (Wiener Alttestamentliche Studien; 5). Lang, Wien/Frankfurt 2006. ISBN 978-3-631-55104-2.
  • Siegfried Kreuzer: Ernst Sellin und Gottlieb Schumacher. In: Charlotte Trümpler (Hrsg.): Das große Spiel. Archäologie und Politik zur Zeit des Kolonialismus (1860–1940). Essen 2008. S. 136–145, 655f. ISBN 978-3-8321-9063-7.
  • Siegfried Kreuzer: Das Verständnis des biblischen Monotheismus bei Ernst Sellin. In: Wiener Jahrbuch für Theologie 2012. Wien 2013. S. 175–187. ISBN 978-3-8471-0065-2.
  • Ulrich Palmer: Ernst Sellin – Alttestamentler und Archäologe. Mit einem Beitrag von Hermann Michael Niemann Beiträge zur Erforschung des Alten Testaments und des Antiken Judentums. Lang, Frankfurt am Main u. a. 2012. ISBN 978-3-631-61078-7.
  • {{#if: Georg Sauer|Georg Sauer: }}Sellin, Ernst Franz Max. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL){{#if:9|. Band 9, Bautz, {{#switch:9

|1=Hamm 1975. 2., unveränderte Auflage. Hamm 1990, ISBN 3-88309-013-1 |2=Hamm 1990, ISBN 3-88309-032-8 |3=Herzberg 1992, ISBN 3-88309-035-2 |4=Herzberg 1992, ISBN 3-88309-038-7 |5=Herzberg 1993, ISBN 3-88309-043-3 |6=Herzberg 1993, ISBN 3-88309-044-1 |7=Herzberg 1994, ISBN 3-88309-048-4 |8=Herzberg 1994, ISBN 3-88309-053-0 |9=Herzberg 1995, ISBN 3-88309-058-1 |10=Herzberg 1995, ISBN 3-88309-062-X |11=Herzberg 1996, ISBN 3-88309-064-6 |12=Herzberg 1997, ISBN 3-88309-068-9 |13=Herzberg 1998, ISBN 3-88309-072-7 |14=Herzberg 1998, ISBN 3-88309-073-5 |15=Herzberg 1999, ISBN 3-88309-077-8 |16=Herzberg 1999, ISBN 3-88309-079-4 |17=Herzberg 2000, ISBN 3-88309-080-8 |18=Herzberg 2001, ISBN 3-88309-086-7 |19=Nordhausen 2001, ISBN 3-88309-089-1 |20=Nordhausen 2002, ISBN 3-88309-091-3 |21=Nordhausen 2003, ISBN 3-88309-110-3 |22=Nordhausen 2003, ISBN 3-88309-133-2 |23=Nordhausen 2004, ISBN 3-88309-155-3 |24=Nordhausen 2005, ISBN 3-88309-247-9 |25=Nordhausen 2005, ISBN 3-88309-332-7 |26=Nordhausen 2006, ISBN 3-88309-354-8 |27=Nordhausen 2007, ISBN 978-3-88309-393-2 |28=Nordhausen 2007, ISBN 978-3-88309-413-7 |29=Nordhausen 2008, ISBN 978-3-88309-452-6 |30=Nordhausen 2009, ISBN 978-3-88309-478-6 |31=Nordhausen 2010, ISBN 978-3-88309-544-8 |32=Nordhausen 2011, ISBN 978-3-88309-615-5 |33=Nordhausen 2012, ISBN 978-3-88309-690-2 |34=Nordhausen 2013, ISBN 978-3-88309-766-4 |35=Nordhausen 2014, ISBN 978-3-88309-882-1 |36=Nordhausen 2015, ISBN 978-3-88309-920-0 |37=Nordhausen 2016, ISBN 978-3-95948-142-7 |38=Nordhausen 2017, ISBN 978-3-95948-259-2 |39=Nordhausen 2018, ISBN 978-3-95948-350-6 |40=Nordhausen 2019, ISBN 978-3-95948-426-8 |41=Nordhausen 2020, ISBN 978-3-95948-474-9 |42=Nordhausen 2021, ISBN 978-3-95948-505-0 |43=Nordhausen 2021, ISBN 978-3-95948-536-4 |44=Nordhausen 2022, ISBN 978-3-95948-556-2 |45=Nordhausen 2023, ISBN 978-3-95948-584-5 |46=Nordhausen 2023, ISBN 978-3-95948-590-6 |47=Nordhausen 2024, ISBN 978-3-689-11006-2 |48=Nordhausen 2025, ISBN 978-3-689-11017-8 }}{{#if:|, Sp. }}{{#if:1370–1372|, Sp. {{#iferror:{{#expr:1370–1372}}|1370–1372|{{#expr:1*1370–1372*0}}–{{#expr:-(0*1370–1372*1)}}}}}}}}{{#if:|}}{{#if:https://web.archive.org/web/20070629121807/http://www.bautz.de/bbkl/s/s2/sellin_e_f_m.shtml%7C}}.{{#if: 9 | |{{#ifeq:||}}}}

Weblinks

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Einzelnachweise

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