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Erich Rajakowitsch

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Datei:Erich Rajakowitsch.jpg
Erich Rajakowitsch

Erich Rajakowitsch, später Erich Raja (* 23. November 1905 in Triest, Österreich-Ungarn; † 14. April 1988<ref>Präzises Sterbedatum nach Theodor Venus, Alexandra-Eileen Wenck: Die Entziehung jüdischen Vermögens im Rahmen der Aktion Gildemeester. Eine empirische Studie über Organisation, Form und Wandel von „Arisierung“ und jüdische Auswanderung in Österreich 1938–1941. Oldenbourg, Wien u. a. 2004, ISBN 3-7029-0496-4 (Veröffentlichungen der Österreichischen Historikerkommission 20, 2), (Nationalsozialistische Institutionen des Vermögensentzuges 2), S. 486</ref> in Graz) war ein österreichischer Jurist und SS-Obersturmführer, der als Mitarbeiter Adolf Eichmanns während des Zweiten Weltkrieges in den deutsch besetzten Niederlanden maßgeblich an Judendeportationen beteiligt war.

Leben

Rajakowitsch, dessen Vater Mittelschulprofessor war, wuchs nach dem Ende des Ersten Weltkrieges in Graz auf und beendete dort seine Schullaufbahn mit der Matura. An der Universität Graz absolvierte er ein Studium der Rechtswissenschaft, das er im November 1931 abschloss.<ref>Theodor Venus, Alexandra-Eileen Wenck: Die Entziehung jüdischen Vermögens im Rahmen der Aktion Gildemeester. Eine empirische Studie über Organisation, Form und Wandel von „Arisierung“ und jüdische Auswanderung in Österreich 1938–1941. Oldenbourg, Wien u. a. 2004, ISBN 3-7029-0496-4 (Veröffentlichungen der Österreichischen Historikerkommission 20, 2), (Nationalsozialistische Institutionen des Vermögensentzuges 2), S. 142.</ref> Seine studentische Sozialisation erfuhr er im Akademischen Corps Teutonia zu Graz, das politisch deutsch-national, antisemitisch und antidemokratisch ausgerichtet war.<ref>Richard Bayer: Chronik des akademischen Corps Teutonia zu Graz. 2. Teil. Graz 1974, S. 22 ff.</ref> Nach Studienabschluss und Gerichtsjahr war der promovierte Jurist als Konzipient und Rechtsanwalt in Graz tätig.<ref name="Amery689">Jean Améry: Werke: Ausgewählte Briefe 1945–1978, Klett-Cotta, Stuttgart 2007, ISBN 978-3-608-93568-4, S. 689.</ref> Von Anfang 1938 bis zum November 1938 war Rajakowitsch Konzipient in der Wiener Kanzlei Heinrich Gallop.<ref>Theodor Venus, Alexandra-Eileen Wenck: Die Entziehung jüdischen Vermögens im Rahmen der Aktion Gildemeester. Eine empirische Studie über Organisation, Form und Wandel von „Arisierung“ und jüdische Auswanderung in Österreich 1938–1941. Oldenbourg, Wien u. a. 2004, ISBN 3-7029-0496-4 (Veröffentlichungen der Österreichischen Historikerkommission 20, 2), (Nationalsozialistische Institutionen des Vermögensentzuges 2), S. 120, 130.</ref> Rajakowitsch war ab 1934 mit Anna Maria Rintelen, der Tochter von Anton Rintelen, verheiratet.<ref name="Spiegel11/1965" />

Verwicklung in Arisierungsgeschäfte nach dem Anschluss Österreichs

Nach dem „Anschluss Österreichs“ an das Deutsche Reich trat Rajakowitsch zum 1. Mai 1938 der NSDAP bei (Mitgliedsnummer 6.330.373).<ref>Bundesarchiv R 9361-III/549079</ref><ref name="Spiegel11/1965">{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}{{#if:| Zitat: {{

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Zweiter Weltkrieg – Juristischer Berater Adolf Eichmanns

Nach Beginn des Zweiten Weltkrieges wurde Rajakowitsch im Herbst 1939 Mitglied der SS (SS-Nummer 353.201)<ref>Bundesarchiv R 9361-III/549079</ref><ref name="Castan/Schneider50">Joachim Castan/Thomas F. Schneider (Hrsg.): Hans Calmeyer und die Judenrettung in den Niederlanden Göttingen 2003, S. 50.</ref> und in Nisko im Zuge des Nisko-Plans eingesetzt.<ref>Institut Theresienstädter Initiative: Theresienstädter Studien und Dokumente, 2003, S. 363.</ref> Bei der SS stieg er 1940 bis zum SS-Obersturmführer auf.<ref name="Klee477">Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich. Frankfurt am Main 2007, S. 477.</ref>

Durch Eichmann kam Rajakowitsch im Frühjahr 1940 zum Eichmannreferat des Reichssicherheitshauptamtes nach Berlin.<ref name="Castan/Schneider50" /> Rajakowitsch wurde enger Mitarbeiter Eichmanns und Referent „zur Bearbeitung juristischer Fragen bei den Zentralstellen für jüdische Auswanderung in Wien, Prag und Berlin“.<ref>Eichmann über Rajakowitsch. Zitiert bei: Hannah Arendt: Eichmann in Jerusalem. Ein Bericht von der Banalität des Bösen. Piper, 1995, S. 73.</ref> Laut Eichmann war er ein „außerordentlich gemäßigter und kluger Jurist, auf dessen Hilfe ich deswegen nicht gerne verzichtete, weil er die lebendige praktische Juristik und nicht die trockene Behördenjuristerei verkörperte“.<ref>Zitiert nach: Die Bevölkerung Madagaskars sollte umgesiedelt werden - Adolf Eichmann gibt an, Juden auf ein "Inselreservat" verschleppen lassen zu wollen - Fortsetzung der Dokumentation (Teil 13). In: Die Welt vom 26. August 1998.</ref> Zusammen mit Eichmann und Theodor Dannecker gehörte Rajakowitsch zu den Mitarbeitern des Eichmannreferats, die sich bis August 1940 mit dem nie umgesetzten Madagaskarplan zur Deportation europäischer Juden auf die afrikanische Insel befassten.<ref name="Castan/Schneider50" />

Aufbau der Zentralstelle für jüdische Auswanderung in Amsterdam

Ab April 1941 war Rajakowitsch in den deutsch besetzten Niederlande eingesetzt. Seine Aufgabe dort sollte den Aufbau der Zentralstelle für jüdische Auswanderung in Amsterdam sowie die Gründung und Leitung eines Auswanderungsfonds beinhalten. Da sich der Reichskommissar für die Niederlande Arthur Seyß-Inquart im Kompetenzstreit um die niederländischen „Judenangelegenheiten“ mit der SS gegen den Höheren SS- und Polizeiführer Hanns Albin Rauter kurzzeitig durchsetzen konnte, wurde schließlich Hans Fischböck Leiter des Auswanderungsfonds.<ref name="Manoschek37" /><ref>Rauter am 18. April 1941 schriftlich an Seyß-Inquart bezüglich der Errichtung einer Zentralstelle für jüdische Auswanderung in Amsterdam. <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />{{#if:20050429102334

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  }}</ref> Rajakowitsch war, wie schon zuvor in der Tschechoslowakei und Österreich, Geschäftspartner der Dresdner Bank in den Niederlanden.<ref>Hans-Joachim Heuer: Geheime Staatspolizei - über das Töten und die Tendenzen der Entzivilisierung. Walter de Gruyter, 1995, ISBN 978-3-11-014516-8, S. 99.</ref>

Referatsleiter beim BdS in den Niederlanden

Im August 1941 übernahm Rajakowitsch schließlich die kommissarische Leitung des „Sonderreferats J“ der Gestapo-Abteilung beim Befehlshaber der Sicherheitspolizei und des SD (BdS) in Den Haag Wilhelm Harster, das „zur Bekämpfung des Judentums in seiner Gesamtheit, deren Ziel die Endlösung der Judenfrage durch Aussiedlung sämtlicher Juden“ war.<ref>Mathias Middelberg: Judenrecht, Judenpolitik und der Jurist Hans Calmeyer in den besetzten Niederlanden 1940–1945. V&R Unipress, Göttingen 2005, ISBN 3-89971-123-8, S. 130f.</ref> Ab Februar 1942 firmierte das „Sonderreferats J“ als Abteilung IV B 4 und Rajakowitsch wurde durch Wilhelm Zoepf als Abteilungsleiter abgelöst und vertrat ihn in Abwesenheit.<ref>Mathias Middelberg: Judenrecht, Judenpolitik und der Jurist Hans Calmeyer in den besetzten Niederlanden 1940–1945. V&R Unipress, Göttingen 2005, ISBN 3-89971-123-8, S. 131.</ref> In dieser Funktionen war Rajakowitsch auch in die Deportation von Juden aus den Niederlanden in die Vernichtungslager involviert.<ref>Brigitte Bailer-Galanda: Die Entstehung der Rückstellungs- und Entschädigungsgesetzgebung: Die Republik Österreich und das in der NS-Zeit entzogene Vermögen. 2003, S. 543.</ref> Rajakowitsch selbst übernahm in der Dienststelle des BdS in Den Haag im Februar 1942 das Referat II B (Einziehung von Vermögenswerten sowie Ein- und Ausbürgerungen).<ref name="Albrich175">Thomas Albrich, Winfried Garscha, Martin Polaschek (Hrsg.): Holocaust und Kriegsverbrechen vor Gericht. Der Fall Österreich. Studienverlag, Innsbruck 2006, ISBN 3-7065-4258-7, S. 175.</ref>

Meldung zur Waffen-SS

Im Oktober 1943 wechselte Rajakowitsch zur Waffen-SS und absolvierte einen Offizierslehrgang an der SS-Junkerschule in Bad Tölz. Danach nahm er bis Kriegsende am Deutsch-Sowjetischen Krieg teil.<ref name="Albrich175" />

Nachkriegszeit

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges befand sich Rajakowitsch kurzzeitig in amerikanischer Kriegsgefangenschaft, aus der er jedoch entweichen konnte.<ref name="Albrich175" /> Rajakowitsch tauchte unter und hielt sich ab 1946 in Triest auf.<ref name="Blaschitz103–136">Edith Blaschitz: NS-Flüchtlinge österreichischer Herkunft: Der Weg nach Argentinien. In: Jahrbuch 2003. Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (Hrsg.), Wien 2003, S. 103–136.</ref>

Die Anwaltskanzlei Weber/Rajakowitsch an der Adresse Wien I, Schottenring 1/Hessgasse 6 war nach Kriegsende verwaist und wurde von dem durch die Rechtsanwaltskammer eingesetzten Kurator Gustav Warmuth übernommen, dessen eigene Kanzlei aufgrund von Bombenschäden nicht mehr nutzbar war. Warmuth hatte in den Räumen der ehemaligen Kanzlei Weber/Rajakowitsch Massen an Akten aufgefunden, die unvollständig und ungeordnet waren. Nach seiner Aktensichtung wurden laut Warmuth {{

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}}<ref>Warmuth am 1. Dezember 1948 schriftlich an das Bezirksgericht Innere Stadt Wien. Zitiert bei: Gabriele Anderl, Dirk Rupnow, Alexandra-Eileen Wenck, Historikerkommission der Republik Österreich: Die Zentralstelle für Jüdische Auswanderung als Beraubungsinstitution. Oldenbourg Wissenschaftsverlag, 2004, S. 316.</ref> Unter den Akten befand sich auch Material zum „Auswanderungsfonds“.<ref>Gabriele Anderl, Dirk Rupnow, Alexandra-Eileen Wenck, Historikerkommission der Republik Österreich: Die Zentralstelle für Jüdische Auswanderung als Beraubungsinstitution. Oldenbourg Wissenschaftsverlag, 2004, S. 22.</ref> Diverse staatliche Stellen, wie z. B. das Volksgericht nahmen Akteneinsicht und die Besatzungsbehörden luden Warmuth in diesem Zusammenhang in den Nachkriegsjahren zu Vernehmungen vor.<ref>Gabriele Anderl, Dirk Rupnow, Alexandra-Eileen Wenck, Historikerkommission der Republik Österreich: Die Zentralstelle für Jüdische Auswanderung als Beraubungsinstitution. Oldenbourg Wissenschaftsverlag, 2004, S. 316.</ref>

Der amerikanische Abwehrdienst Counter Intelligence Corps (CIC) stieß während Ermittlungen zu Eichmann bereits 1946 auf den Namen Rajakowitsch. Aufgrund einer Anfrage aus Österreich bezüglich von Restitutionsansprüchen jüdischer Österreicher fahndete der CIC 1947 erfolglos nach Rajakowitsch.<ref name="Breitman360f">Richard Breitman, Norman J. W. Goda, Paul Brown: The Gestapo. In: Richard Breitman, Norman J. W. Goda, Timothy Naftali, Robert Wolfe: U.S. Intelligence and the Nazis. Cambridge UP, Cambridge 2005, ISBN 0-521-61794-4, S. 360f.</ref>

Nachdem in Österreich ein Haftbefehl gegen Rajakowitsch erlassen worden war, setzte er sich 1951 nach Buenos Aires ab und stellte von dort einen Antrag auf „Belassung auf freien Fuss“. Nach Stattgabe dieses Antrages zog er im August 1952 vorübergehend nach Graz. Das gegen Rajakowitsch vor dem Grazer Landesgericht für Strafsachen anhängige Verfahren nach dem Kriegsverbrechergesetz wurde 1953 eingestellt.<ref name="Blaschitz103–136" /> Über das Generalkonsulat in Triest ließ er sich, nachdem er schon mehrere Jahre vor seiner rechtskräftigen Verurteilung (siehe unten, „Prozess in Wien“) wieder die österreichische Staatsbürgerschaft zurückerhielt,<ref name="AZ-19671005" /> schließlich einen gültigen Pass auf den Namen Erich Raja ausstellen.<ref name="Wiesenthal252">Simon Wiesenthal: Doch die Mörder leben. Herausgegeben und eingeleitet von Joseph Wechselberg. Droemer/Knaur, München und Zürich 1967, S. 252.</ref>

Unternehmer in Mailand

Die Central Intelligence Agency (CIA) wurde 1953 auf Raja aufmerksam. Er hatte in Triest in die Im- und Exportfirma Enneri & Company investiert und eine Zweigstelle des Unternehmens in Mailand aufgebaut, wohin später auch der Firmensitz verlegt wurde und Raja schließlich seinen Wohnsitz nahm. Dieses Unternehmen spielte bald eine wichtige Rolle im Handel mit Staaten des Ostblocks, u. a. exportierte sie Quecksilber in die Tschechoslowakei. Wegen dieser Transaktionen wurde das Unternehmen im Jänner 1954 auf die U.S. Government Watch List aufgenommen. Die CIA, die über keine Kenntnisse von Rajas NS-Vergangenheit verfügte, versuchte im Juni 1959 diesen erfolglos für eine geheimdienstliche Tätigkeit gegen die DDR und die Volksrepublik China zu gewinnen. Schließlich wurden die Transaktionen von Enneri & Co. sowie auch Raja durch die CIA beobachtet.<ref name="Breitman360f" />

Nach der Scheidung von seiner ersten Frau ehelichte Raja 1957 Giulona Tendella, eine Sekretärin der Enneri & Co.<ref name="Wiesenthal252" />

Prozess in Wien

Auch infolge des Eichmann-Prozesses in Jerusalem, wo auch der Name Rajakowitsch fiel, wurden 1961 in Österreich die Ermittlungen gegen Raja aufgenommen.<ref>Alfred Ableitinger: Geschichte der Steiermark. Historische Landeskommission für Steiermark (Hrsg.), Graz 2004, S. 111.</ref> Durch Simon Wiesenthal mit dem von ihm gegründeten Dokumentationszentrum des Bundes Jüdischer Verfolgter des Naziregimes und das Institut für Kriegsdokumentation in Amsterdam wurde belastendes Material gegen Raja gesammelt.<ref name="Blank">Bernhard Blank: „Gefährdung von Menschenleben durch den Eisenbahn-Transport nach Auschwitz“. Die österreichische Justiz und die Geschworenenprozesse gegen die Eichmann-Gehilfen Franz Novak und Erich Rajakowitsch von 1961 bis 1987. Abstract. In: Website des Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes.</ref> Wiesenthal ermittelte Anfang 1962 Rajas Aufenthaltsort in Mailand.<ref name="Castan/Schneider51">Joachim Castan, Thomas F. Schneider (Hrsg.): Hans Calmeyer und die Judenrettung in den Niederlanden. Göttingen 2003, S. 51.</ref> Im Mai 1962 sandten österreichische Behörden eine Liste mit Fragen über Raja an die israelische Regierung, die Eichmann noch vor seiner Hinrichtung gestellt werden sollten.<ref name="Breitman360f" /> Nach Rajakowitsch wurde schließlich wegen Beihilfe zum Mord gefahndet. Er setzte sich Anfang April 1963 aus seiner Mailänder Wohnung ab und gelangte über die Schweiz und München nach Österreich. Am 14. April 1963 stellte er sich in Wien freiwillig der Justiz und wurde in Untersuchungshaft genommen.<ref name="Blaetter-1963-Mai">Chronik des Monats April 1963: 4.4. – NS-Verbrechen. In: Blätter für deutsche und internationale Politik. Blätter Verlagsgesellschaft (Hrsg.), Jg. 1963, Heft 05 (Mai), S. 329–331, Berlin 1963; <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />{{#if:20140505175440

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  }} In: DEA – Das Elektronische Archiv. Hrsg. Richard Stahl.</ref> In diesem Zusammenhang wurde der Öffentlichkeit auch die Beschäftigung von Rajas ehemaligem Vorgesetzten Oberregierungsrat Harster im oberbayerischen Regierungspräsidium bekannt, der in den Niederlanden wegen seiner NS-Verstrickungen in Abwesenheit zu zwölf Jahren Haft verurteilt worden war. Daraufhin wurde Harster umgehend {{
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}} pensioniert.<ref name="Blaetter-1963-Mai" />

Am 13. Februar 1965 begann der Prozess gegen Raja vor dem Geschworenengericht am Wiener Landesgericht für Strafsachen.<ref name="Loitfeller">Sabine Loitfellner: Die Rezeption von Geschworenengerichtsprozessen wegen NS-Verbrechen in ausgewählten österreichischen Zeitungen 1996–1975. Bestandsaufnahme, Dokumentation und Analyse von veröffentlichten Geschichtsbildern zu einem vergessenen Kapitel österreichischer Zeitgeschichte. (PDF; 825 kB) S. 103 f. In: Justiz und NS-Gewaltverbrechen. Teilprojekt »Gesellschaft und Justiz – Entwicklung der rechtlichen Grundlagen, öffentliches Echo und politische Auseinandersetzungen um die Ahndung von NS-Verbrechen in Österreich«. Finanziert durch den Jubiläumsfonds der Oesterreichischen Nationalbank. Recherche-Bericht.</ref> Raja war im Rahmen des Verbrechenskomplexes Schreibtischverbrechen wegen des Tatvorwurfs „bestellter Mord“ an jüdischen Opfern angeklagt. Die Anklage fußte im Wesentlichen auf einem durch Wiesenthal eingebrachten Fernschreiben, das von Raja verfasst worden war. Darin hatte Raja {{

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}}.<ref name="Spiegel11/1965" /> Da nach zweijährigen Ermittlungen weiteres stichhaltiges Beweismaterial gegen Raja nicht vorlag, ließ der Staatsanwalt die Mordanklage fallen und plädierte stattdessen auf eine Verurteilung nach § 87 Strafgesetz 1852 (in der Wiederverlautbarung StG 1945). Durch diesen Paragrafen konnte „boshafte Sachbeschädigung“, insbesondere beim Eisenbahnbetrieb oder der absichtlichen Gefährdung von Menschenleben geahndet werden. Raja wurde auf dieser Rechtsgrundlage am 2. März 1965 durch die Geschworenen zu zweieinhalb Jahren schweren Kerker verurteilt und aufgrund der Anrechnung seiner Zeit in der Untersuchungshaft ein halbes Jahr nach Prozessende aus dem Gefängnis entlassen.<ref name="Spiegel11/1965" /><ref name="Loitfeller" />

Der Prozess wurde von zwölf im Gerichtssaal anwesenden Prozessbeobachtern verfolgt, welche die niederländischen Medien mit Prozessberichten versorgten. Nach dem Urteil gegen Raja wurde der österreichischen Justiz Nachlässigkeit im Umgang mit NS-Verbrechen vorgeworfen.<ref>Otto M. Maschke: Verständnissuche – Österreich in der Sicht der Niederlande. In: Oliver Rathkolb und andere: Mit anderen Augen gesehen. Internationale Perzeptionen Österreichs 1955–1990. Österreichische Nationalgeschichte nach 1945. Wien 2002, S. 374.</ref>

Versuch der Rehabilitierung

Nach seiner Haftentlassung verfasste Raja eine Rechtfertigungsschrift mit dem Titel Kopfjagd auf Rajakowitsch, die 1966 in Offenbach am Main erschien.<ref>Gabriele Anderl, Dirk Rupnow, Alexandra-Eileen Wenck, Historikerkommission der Republik Österreich: Die Zentralstelle für Jüdische Auswanderung als Beraubungsinstitution. Oldenbourg Wissenschaftsverlag, 2004, S. 184.</ref>

Weiterhin lag auch noch nach Rajas Strafverbüßung in Österreich ein Haftbefehl gegen ihn wegen Beteiligung am Holocaust aus den Niederlanden vor.<ref name="Amery689" /> Um der drohenden Festnahme zur Auslieferung zuvorzukommen kehrte er, nachdem ihm bereits an seinem Urlaubsort Piran in Jugoslawien der Reisepass abgenommen wurde, nach Wien zurück. Kurz danach, um den 4. Oktober 1967, lud Enrico alias Erich Raja in das Café Landtmann zu einer Pressekonferenz, da er sich durch die Berichterstattung {{

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}} erklärt worden.<ref name="AZ-19671005">Vorlage:Str replace</ref> Überdies bezeichnete Raja in der Pressekonferenz Wiesenthal als einen Lügner. Und er bestritt während der NS-Zeit Wissen über den Holocaust gehabt zu haben, obwohl er „überzeugter Nationalsozialist“ gewesen sei.<ref name="Castan/Schneider51" />

Mit Wiesenthal führte Raja gerichtliche Auseinandersetzungen um dessen Publikation Doch die Mörder leben und konnte die Beschlagnahme erreichen: Nach zeitgenössischer Darstellung (Wiener AZ, 5. Oktober 1967) {{

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}} Nach späterer Darstellung im Jahr 1968 erfolgte die Beschlagnahme erst im November 1967,<ref>Politische Studien: Monatshefte der Hochschule für Politische Wissenschaften München, Ausgaben 177–182, Isar-Verlag, München 1968, S. 87.</ref> also nach der Pressekonferenz. Die betreffende Publikation beinhaltete demnach die Behauptung, Raja wäre nach Kriegsende sowjetischer Agent gewesen.<ref>Zeitschrift für Geopolitik, Band 39, 1968, S. 93.</ref>

Bis 1987 versuchte Raja wiederholt erfolglos, das Strafverfahren gegen ihn neu aufrollen zu lassen.<ref name="Blank" /> Die Universität Graz wollte ihm trotz der gegen ihn bestehenden Vorwürfe noch 1986 seinen aberkannten akademischen Grad Doktor zukommen lassen.<ref>Wolfgang Neugebauer: Ansprache bei der Eröffnung der Anne Frank-Ausstellung in der Gedenkstätte Mauthausen, 13. September 1999.</ref>

Literatur

  • Richard Breitman, Norman J. W. Goda, Paul Brown: The Gestapo. In: Richard Breitman, Norman J. W. Goda, Timothy Naftali, Robert Wolfe: U.S. Intelligence and the Nazis. Cambridge UP, Cambridge 2005, ISBN 0-521-61794-4, S. 359ff.
  • Joachim Castan, Thomas F. Schneider (Hrsg.): Hans Calmeyer und die Judenrettung in den Niederlanden; Katalog zur gleichnamigen Ausstellung. V&R unipress, Göttingen 2003, ISBN 3-89971-122-X.
  • Mathias Middelberg: Judenrecht, Judenpolitik und der Jurist Hans Calmeyer in den besetzten Niederlanden 1940–1945. V&R Unipress, Göttingen 2005, ISBN 3-89971-123-8.
  • Theodor Venus, Alexandra-Eileen Wenck: Die Entziehung jüdischen Vermögens im Rahmen der Aktion Gildemeester. Eine empirische Studie über Organisation, Form und Wandel von „Arisierung“ und jüdische Auswanderung in Österreich 1938–1941. Oldenbourg, Wien u. a. 2004, ISBN 3-7029-0496-4 (Veröffentlichungen der Österreichischen Historikerkommission 20, 2), (Nationalsozialistische Institutionen des Vermögensentzuges 2).
  • Simon Wiesenthal: Doch die Mörder leben. Herausgegeben und eingeleitet von Joseph Wechselberg. Droemer/Knaur, München und Zürich 1967.
  • Anna Hájková: The Making of a Zentralstelle: Die Eichmann-Männer in Amsterdam. Theresienstädter Studien und Dokumente (2003), S. 353–382, doi:10.17613/M6Z05Q

Weblinks

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Einzelnachweise

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