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Epigraphische Datenbank Heidelberg

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Die Epigraphische Datenbank Heidelberg (EDH) ist eine Datenbank zur Sammlung und Präsentation lateinischer Inschriften.

Geschichte

Das Datenbank-Projekt wurde 1986 mit Mitteln des Gottfried Wilhelm Leibniz-Preises von Géza Alföldy begonnen und war nach einer Zwischenfinanzierung durch die Fritz Thyssen Stiftung (1991–1993) von 1993 an eine Forschungsstelle der Heidelberger Akademie der Wissenschaften. Bis 2007 wurde sie von Géza Alföldy geleitet, anschließend von Christian Witschel. Die Datenbank und die Forschungsstelle hatten ihren Sitz am Seminar für Alte Geschichte und Epigraphik der Universität Heidelberg. Ende 2021 stellte die Heidelberger Akademie der Wissenschaften das Projekt ein. Die Daten werden seither dauerhaft von der Universitätsbibliothek Heidelberg zur Verfügung gestellt.

Das Archivgut der Epigraphischen Datenbank Heidelberg befindet sich im Universitätsarchiv Heidelberg.<ref>Francisca Feraudi-Gruénais: Das Archivgut der Epigraphischen Datenbank Heidelberg (EDH) im Heidelberger Universitätsarchiv. (Januar 2022, Digitalisat).</ref>

Konzept

Die Aufgabe der Epigraphischen Datenbank Heidelberg besteht darin, möglichst alle lateinischen Inschriften des Römischen Reiches mittels einer kostenfreien Datenbank im Internet zugänglich zu machen und damit eine leicht zu erschließende Grundlage für die Erforschung der epigraphischen Quellen zu schaffen. Durch sorgfältige Aufnahme und textkritische Bearbeitung der Quellen genügt die Datenbank höchsten wissenschaftlichen Anforderungen. Den Schwerpunkt bilden die lateinischen Inschriften, daneben in geringerem Umfang auch bilingue (vor allem lateinisch-griechische) und griechische Texte. Die in abkürzungsreicher Schreibweise verfassten, teils aufgrund des Erhaltungszustandes nur schwer entzifferbaren und oft nur fragmentarisch erhaltenen epigraphischen Zeugnisse werden in der EDH mit Auflösungen und Ergänzungen wiedergegeben und können zusammen mit weiteren forschungsrelevanten Daten (unter anderem Fundort, Maße, Datierung, Bibliographie, sozial-historische Klassifizierung), mit Fotografien oder mit Zeichnungen abgerufen werden. Der Datenbestand wurde bis 2021 ständig erweitert und aktualisiert.

Im Rahmen des international koordinierten Datenbankportals europeana-EAGLE (Europeana network of Ancient Greek and Latin Epigraphy) wurde an einer Zusammenführung der maßgeblichen epigraphischen Datenbankvorhaben gearbeitet mit dem Ziel, möglichst alle lateinischen und griechischen Inschriften der Antike über eine gemeinsame Suchmaske abfragbar zu machen. Im Sinne einer im Jahr 2003 vereinbarten Arbeitsteilung fiel der EDH die Bearbeitung der lateinischen und bilinguen Inschriften aus den außeritalischen Provinzen des Römischen Reiches mit Ausnahme Spaniens zu.

Neben seinem rein wissenschaftlichen Auftrag sahen es die Mitarbeiter des Projekts als eine wichtige Aufgabe an, auch dem interessierten Laienpublikum den Zugang zur antiken Quellengattung der Inschriften zu erleichtern. Dem trug die benutzerfreundliche Online-Präsentation genauso Rechnung wie diverse Aktivitäten an Projekttagen, Wissenschaftsnächten, Tag des offenen Denkmals oder epigraphische Lehreinheiten im gymnasialen Lateinunterricht.

Aufbau

Die EDH besteht aus den vier Teildatenbanken:

  • Epigraphische Text-Datenbank
  • Epigraphische Bibliographie-Datenbank
  • Epigraphische Fotothek-Datenbank
  • Epigraphische Geographie-Datenbank

Die Datenbank umfasst rund 82.000 Inschriften und wird seit Ende 2021 nicht mehr erweitert und bearbeitet. Seit 2002 ist die vollständige Text-Datenbank mit allen verfügbaren Informationen zu Inschrifttext und Inschriftträger über das Internet zugänglich, nachdem bereits seit 1997 ein Teil des Gesamtdatenbestandes online abgefragt werden konnte. Im Jahr 2003 konnte die Online-Dateneingabe in die EDH realisiert werden, womit es Wissenschaftlern ohne eigene Datenbank technisch möglich gemacht ist, in der Form einer externen Mitarbeit ihre epigraphischen Daten von jedem beliebigen Standort aus über die EDH im Internet zugänglich zu machen. Es folgte die Online-Schaltung der beiden weiteren Teildatenbanken: 2004 der Epigraphischen Bibliographie-Datenbank mit derzeit ca. 16.700 Datensätzen und 2007 der Epigraphischen Fotothek-Datenbank mit derzeit rund 43.000 Datensätzen. Im Jahr 2012 wurde die Epigraphische Geographie-Datenbank mit 30.700 Einträgen in Betrieb genommen. Alle vier Teildatenbanken wurden ständig aktualisiert und erweitert. Insbesondere die gemeinsame Präsentation von Inschrifttext und Abbildung ermöglicht es dem Benutzer, Lesung und Original direkt miteinander zu konfrontieren.

Seit 2004 kann die Epigraphische Bibliographie Heidelberg online abgefragt werden. Seit 2007 steht der Bestand der Epigraphischen Fotothek Heidelberg online zur Verfügung.

Literatur

  • Andreas Dafferner, Francisca Feraudi-Gruénais, Heike Niquet: Die Epigraphische Datenbank Heidelberg. In: Manfred Hainzmann, Christoph Schäfer (Hrsg.): Alte Geschichte und Neue Medien. Zum EDV-Einsatz in der Altertumsforschung (= Computer und Antike. Band 5). Scripta-Mercaturae-Verlag, St. Katharinen 2000, ISBN 3-89590-092-3, S. 45–65.
  • Christian Witschel: Die Epigraphische Datenbank Heidelberg (EDH). In: Volker Sellin, Eike Wolgast, Sebastian Zwies (Hrsg.): Die Forschungsvorhaben der Heidelberger Akademie der Wissenschaften. Universitätsverlag Winter, Heidelberg 2009, ISBN 978-3-8253-5569-2, S. 227–232.
  • Francisca Feraudi-Gruénais, Elisabeth Neubert: Blick in die Historikerwerkstatt: Die Epigraphische Datenbank Heidelberg (EDH) – lateinische Inschriften der römischen Antike online. In: Skriptum. Band 5, 2015, S. 7–17 (Digitalisat).
  • Epigrapische Datenbank Heidelberg (EDH). In: Heidelberger Akademie der Wissenschaften. Jahrbuch 2021. Heidelberg 2022, S. 221–225 (Digitalisat).

Weblinks

Einzelnachweise

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