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Entrückung

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Mit dem Begriff Entrückung (zu {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)) bezeichnet man in einem religiösen oder mythologischen Zusammenhang das Phänomen, dass eine Person leibhaftig aus der irdisch-konkreten Erscheinungswelt an einen anderen Ort, meistens in eine himmlische Sphäre versetzt wird. Im Alten und im Neuen Testament werden mehrere dieser Ereignisse beschrieben.

Begriffliche Abgrenzung

Gerhard Lohfink schlug 1971 folgende terminologische Unterscheidung vor:

  • Entrückung; sie stellt eine Ortsveränderung dar und es erfolgt eine leibliche Aufnahme in die göttliche Welt. Sie hat in der Regel endgültigen Charakter und wird aus der Perspektive der Hinterbliebenen dargestellt. Dennoch gibt es auch zeitweise Entrückungen.
  • Himmelsreise; die Ortsveränderung betrifft allein die Seele, die sich in einem Vorgang der Ekstase vom Leib abgelöst hat. Auch sie findet in der Regel während eines begrenzten Zeitraumes statt und wird aus der Perspektive dessen dargestellt, der die Reise erlebt.<ref>Gerhard Lohfink: Die Himmelfahrt Jesu: Untersuchungen zu den Himmelfahrts- und Erhöhungstexten bei Lukas. Kösel, München 1971, referiert nach Christfried BöttrichEntrückung. In: Michaela Bauks, Michael Pietsch, Stefan Alkier (Hrsg.): Das wissenschaftliche Bibellexikon im Internet (WiBiLex), Stuttgart Oktober 2013Vorlage:Abrufdatum</ref>

Im übertragenen Sinn wird der Begriff auch für einen Zustand „geistiger Ferne“ verwendet, wie etwa im Rausch, im Traum, in der Meditation oder in der Trance.<ref>Christiane Burbach: Sehnsucht nach dem Anderen. S. 1–19 Vortrag (PDF; 470 KB)</ref>

Germanische Mythologie

Die Entrückung, besonders die Bergentrückung, ist nach Hanns Bächtold-Stäubli auch bei vielen Stämmen im Raum Germanien anzutreffen, deren Vorstellungen als germanische Mythologie belegt ist. Diese findet sich unter anderem auch in der Bergentrückung der Kyffhäusersage.<ref name="Bächtold-Stäubli" />

Griechische und römische Antike

Die griechischen Sagen berichten vom Elysion, einer „Insel der Seligen“, auf die jene Helden entrückt wurden, die von den Göttern geliebt wurden und denen sie Unsterblichkeit schenken wollten. Auch Entrückungen in Flüsse wurden berichtet.<ref name="Bächtold-Stäubli">Artikel Entführung, Entrückung. In: Hanns Bächtold-Stäubli (Hrsg.): Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens, de Gruyter, Berlin 1987, Bd. 2, Sp. 851–852 (unveränderter Nachdruck der Auflage von 1930) (Textarchiv – Internet Archive).</ref> Von Kaiser Nero wurde angenommen, dass er entrückt worden sei und als Antichrist wiederkehren werde.<ref name="Bächtold-Stäubli" /> Auch die spätantike Siebenschläfer-Legende stellt ein Beispiel einer Entrückung dar, hier in einer Höhle.<ref name="Bächtold-Stäubli" />

Jüdische Religion (Altes Testament)

Im Tanach bzw. Alten Testament wird eine Entrückung von Henoch (Vorlage:Bibel/Link) (zu {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value) oder {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value); Vorlage:Bibel/Link) und von Elija (Vorlage:Bibel/Link) berichtet. Beide wurden demnach wegen ihres Glaubens durch Gott hinweg- und in den Himmel aufgenommen. Dabei stellte man sich den Aufenthalt in dauernder Nähe Gottes vor (vgl. Paradies), bei dem die Entrückten dem Tode entzogen waren.

Auch die Propheten Jesaja, Jeremia und Ezechiel beschreiben Entrückungen im Zusammenhang mit der jeweiligen göttlichen Berufung.

Im Buch Daniel wird die Entrückung des Menschensohnes beschrieben. (Vorlage:Bibel/Link)

Christliche Entrückungslehren

In der byzantinischen apokalyptischen Tradition vertrat Pseudo-Ephraem im 4. Jahrhundert ein Konzept, das zwischen der Entrückung der christlichen Gemeinde und der Wiederkunft Christi (Parusie) 3½ Jahre ansetzte. Er meinte, die Trübsalszeit würde so lange dauern.<ref>Mark Hitchcock: Könnte die Entrückung heute stattfinden? Christlicher Mediendienst, Hünfeld 2008, ISBN 978-3-939833-13-0, S. 116.</ref> Der Kirchenvater Augustinus von Hippo (345–430) deutete in seinem Hauptwerk De civitate Dei das in Vorlage:Bibel/Link prophezeite Geschehen so, dass die lebend Entrückten, „in der Zeitspanne, während sie durch die Lüfte emporgetragen werden, sowohl sterben als auch wieder zum Leben erweckt werden“. Dies dürfe man jedenfalls nicht für unmöglich erklären.<ref>„neque enim dicendum est fieri non posse, ut, dum per aera in sublime portantur, in illo spatio et moriantur et reuiuescant“. Augustinus, civ. XX,20, zitiert nach Aurelius Augustinus: Vom Gottesstaat. Übersetzt von Wilhelm Thimme. dtv, München 1978, Bd. 2, ISBN 3-423-06088-3, ISBN 3-7608-3535-X, (2. Aufl. 1985, ISBN 3-423-02160-8), S. 636.</ref>

Fra Dolcino († 1307) lehrte die Entrückung und die zeitlich davon abgesetzte Wiederkunft Christi auf die Erde. Dolcino war der Ansicht, dass nur seine Gruppe der Apostelbrüder entrückt werde.<ref>Mark Hitchcock: Könnte die Entrückung heute stattfinden? Christlicher Mediendienst, Hünfeld 2008, ISBN 978-3-939833-13-0, S. 118f.</ref>

Der Baptist Morgan Edwards publizierte 1788 in Philadelphia ein Buch, in dem er wie Pseudo-Ephraem die Ansicht von den 3½ Jahren zwischen Entrückung und Wiederkunft Christi lehrte.<ref>Mark Hitchcock: Könnte die Entrückung heute stattfinden? Christlicher Mediendienst, Hünfeld 2008, ISBN 978-3-939833-13-0, S. 120.</ref>

Entrückung im dispensationalistischen Lehrsystem

Im 19. Jahrhundert wurde die Lehre von der Entrückung im Zuge des Dispensationalismus formuliert. Dieser lehrt eine prämillenaristische Eschatologie, in der eine 1000-jährige Herrschaft Jesu Christi über die Erde erwartet wird. Dieser Herrschaft gehe eine Große Trübsalszeit voraus, in der der Antichrist über die Erde herrsche. Die Christen würden vor, während oder nach der Trübsalszeit von der Erde entrückt. Eine Veranschaulichung im Alten Testament sei das Bild von Henoch, der vor dem großen Gericht (Sintflut) entrückt wurde. Als biblische Belegstellen werden Vorlage:Bibel/Link, Vorlage:Bibel/Link und vor allem in Vorlage:Bibel/Link herangezogen. Laut der dispensationalistischen Auslegung dieser Stellen werden von einem Moment auf den anderen sämtliche gläubigen Christen in einer Art Himmelfahrt von der Erde verschwinden. Das zugrundeliegende griechische Verb harpazo, das mit entrücken übersetzt wurde, bedeutet an sich reißen, rauben.

Bis ins 19. Jahrhundert spielte die Entrückung für die christliche Lehre nur eine marginale Rolle und wurde meist als detaillierte Beschreibung der Wiederkunft Christi gesehen. Populär wurde sie vor allem durch John Nelson Darby, der in den 1830er Jahren die Lehre von einer zukünftigen Trübsalszeit mit Verweis auf Vorlage:Bibel/Link und Vorlage:Bibel/Link verbreitete. Diese sogenannte Große Trübsal wurde von den Kirchenvätern und Reformatoren wie Martin Luther oder Johannes Calvin als Ereignis der Vergangenheit gesehen, das mit der Tempelzerstörung im Jahr 70 n. Chr. und der darauffolgenden Judenverfolgung im Zusammenhang stehe. Ein Teil der neocalvinistischen Bewegung ist immer noch dieser Meinung. Seit Darby hat sich in großen Teilen der evangelikalen Bewegung die Deutung verbreitet, dass die Entrückung am Ende der Weltgeschichte liege. Es folgte eine Diskussion, ob die Entrückung – die nun losgelöst vom zweiten Kommen Christi gesehen wurde – vor, während oder nach der Großen Trübsal eintreten werde, wobei die Vorentrückungslehre am weitesten verbreitet ist.

1995 bis 2007 veröffentlichten der einflussreiche US-amerikanische evangelikale Baptistenpastor Tim LaHaye und Autor Jerry B. Jenkins eine populäre Romanserie Left Behind, die sich mit der Entrückung und deren Folgen befasste. Trotz großer Verbreitung der Serie werfen ihnen sogar evangelikale Kritiker vor, das biblische Buch der Offenbarung des Johannes und weitere Bibeltexte zu selektiv zu interpretieren und somit eine Art Fahrplan in Form amerikanischer Pop-Endzeit-Literatur zu schaffen.<ref>Hans-Werner Deppe: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Rezension des Buches Die Entrückung (Memento vom 4. März 2016 im Internet Archive) (CV Dillenburg 2004)</ref><ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Betanien-Verlag, Augustdorf (Memento vom 2. April 2015 im Internet Archive)</ref><ref>Jürgen Moltmann: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Die Endzeit hat begonnen. Warum viele Amerikaner die Bibel als verschlüsselten Fahrplan der Weltgeschichte lesen. (Memento vom 3. April 2015 im Internet Archive) In: Die Zeit, Nr. 51/2002</ref><ref>Florian Niedlich: Facetten der Popkultur: Über die ästhetische und politische Kraft des Populären. Transscript, Bielefeld 2012, ISBN 978-3-8376-1728-3, S. 212</ref>

Der anglikanische Bischof und Neutestamentler Nicholas Thomas Wright, dessen Bücher auf Deutsch in evangelikal geprägten Verlagen erscheinen, kritisiert das dispensationalistische System, die populistischen Entrückungslehren und die Auslegung von Vorlage:Bibel/Link scharf.<ref>N.T. Wright: Surprised by Hope. Rethinking Heaven, the Resurrection, and the Mission of the Church, New York 2008, S. 118.</ref> Der Dispensationalismus verbreite eine einseitig pessimistisch-weltabgewandte Form der Eschatologie, die die christliche Hoffnung auf die transformative Erneuerung der Schöpfung durch Gottes Heilshandeln, das durch weltzugewandtes und soziales Engagement schon jetzt bruchstückhaft vorweggenommen werden solle, karikiere.<ref>N.T. Wright: Surprised by Hope. Rethinking Heaven, the Resurrection, and the Mission of the Church, New York 2008, S. 130–136.</ref>

Entrückung in der neutestamentlichen Bibelwissenschaft

Von einem Einzug der Entrückten in den Himmel ist in Vorlage:Bibel/Link keine Rede. Der Neutestamentler Otto Betz versteht den Vers vielmehr so, dass gemeint ist, sie würden Christus bei dessen Herrschaftsantritt über die Erde begleiten.<ref>Otto Betz: Entrückung II. In: Theologische Realenzyklopädie Bd. 9, Walter de Gruyter, Berlin 1982, ISBN 3-11-008575-5, S. 683–690, hier S. 686.</ref> Laut dem Theologen Stefan Schreiber spielt die Prophezeiung auf den antiken Brauch der {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value) im hellenistischen Herrscherkult an, bei dem die Honoratioren der Stadt bei Rückkehr einer hochgestellten Persönlichkeit ihren Respekt dadurch bekundeten, dass sie ihr entgegengingen und sie in die Stadt geleiteten.<ref>Stefan Schreiber: Eine neue Jenseitshoffnung in Thessaloniki und ihre Probleme (1 Thess 4,13-18). In: Biblica 88, Heft 3 (2007), S. 326–350, hier S. 332 f.; ähnlich N.T. Wright: Surprised by Hope. Rethinking Heaven, the Resurrection, and the Mission of the Church, New York 2008, S. 130–136.</ref>

Zeitpunkt der Entrückung

Gestützt auf Jesu Aussagen, dass nur Gott den Zeitpunkt von Jesu Wiederkommen kennt (Vorlage:Bibel/Link), und dass es Jesu Anhängern nicht zustehe, diesen Zeitpunkt zu erfahren (Vorlage:Bibel/Link), gehört es zur gängigen theologischen Lehrmeinung, dass der exakte Zeitpunkt der Entrückung weder berechnet werden kann noch darf. Viele Autoren legen sich jedoch auf eine bestimmte chronologische Reihenfolge der in der Bibel angekündigten Ereignisse fest. So hat Mark Hitchcock in der christlichen Fachliteratur vier verschiedene Hauptmodelle entdeckt:

  • Die Entrückung vor der Großen Trübsal,
  • nach 3½ Jahren der auf sieben Jahre veranschlagten Trübsalszeit,
  • nach der Trübsalszeit oder
  • nach 5½ Jahren innerhalb der Trübsalszeit. Das zuletzt genannte Denkmodell ist weniger verbreitet; es geht davon aus, dass die Entrückung vor der Öffnung des siebten Siegels (Vorlage:Bibel/Link) stattfinden wird.<ref>Mark Hitchcock: Könnte die Entrückung heute stattfinden? Christlicher Mediendienst, Hünfeld 2008, ISBN 978-3-939833-13-0, S. 58f.</ref> Sie wird in der Offenbarung aber nicht erwähnt.

Entrückung als Translokation

Im Sinne eines übernatürlichen Ortswechsels berichtet das neue Testament beispielsweise folgenden Fall: Der Geist des Herrn entrückt Philippus nach der Taufe des Kämmerers, woraufhin Philippus in Aschdod „gefunden“ wird (Vorlage:Bibel/Link).

Islam

Vorlage:Hinweisbaustein Die Schriften des Islam beschreiben zahlreiche Entrückungen, beginnend mit der Himmelfahrt Mohammeds, die im Koran (Sure 17,1), in Hadithen, in der Koranexegese und der islamischen Geschichtsschreibung beschrieben wird. Zudem spielt die Idee der Entrückung im Glauben an den Mahdi eine zentrale Rolle.<ref>Udo Tworuschka, Monika Tworuschka: Die großen Religionsstifter. Buddha, Jesus und Muḥammad – ein Vergleich. Springer, Heidelberg/Berlin/New York 2018, ISBN 978-3-476-04776-2, S. 179–187.</ref> Siehe auch Ghaiba.

Volkskunde

Die Volkskunde unterscheidet zwischen Entführung und Entrückung. Entrückung bedeutet hier die dauerhafte Translozierung eines lebenden Menschen ins Jenseits, Entführung dagegen eine wunderbare Versetzung eines Menschen von einem Ort zum anderen, die zeitlich beschränkt ist.<ref name="Bächtold-Stäubli" /> Nicht ganz folgerichtig werden sagenhafte Herrscher, die in einem Berg warten und wiederkehren, wenn das Vaterland in Gefahr ist, als bergentrückt bezeichnet.<ref name="Bächtold-Stäubli" /> Der sterbende britische König Artus wird bei Malory von seiner Halbschwester Morgan le Fay auf die mythische Insel Avalon gebracht, von der er einst als „zukünftiger König“ (rex futurus) wiederkehren wird.

Mediale Verarbeitung

TV/Film

Bücher

Literatur

  • Günter Haufe: Entrückung und eschatologische Funktion im Spätjudentum. In: Zeitschrift für Religions- und Geistesgeschichte 13, Heft 2 (1961), S. 105–113.
  • Gerhard Maier: Er wird kommen. Was die Bibel über die Wiederkunft Jesu sagt (= R.-Brockhaus-Taschenbuch. Bd. 522) (= ABC-Team.). R. Brockhaus Verlag, Wuppertal 2001, ISBN 3-417-20522-0.
  • Armin Schmitt: Entrückung – Aufnahme – Himmelfahrt. Untersuchungen zu einem Vorstellungsbereich im Alten Testament (= Forschung zur Bibel. 10). Verlag Katholisches Bibelwerk, Stuttgart 1973, ISBN 3-460-21021-4.
  • Stefan Schreiber: Eine neue Jenseitshoffnung in Thessaloniki und ihre Probleme (1 Thess 4,13-18). In: Biblica 88, Heft 3 (2007), S. 326–350.
  • Hans Wißmann, Otto Betz: Entrückung. In: Theologische Realenzyklopädie Bd. 9, Walter de Gruyter, Berlin 1982, ISBN 3-11-008575-5, S. 680–690.

Weblinks

Commons: Entrückung – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Entrückung – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

<references />

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