Eliasfriedhof
Der Eliasfriedhof in Dresden gilt als kulturhistorisch bedeutendster Friedhof der Stadt.<ref>Marion Stein: Friedhöfe in Dresden. Verlag der Kunst, Dresden 2000, S. 13.</ref> Die seit 1876 stillgelegte und seit 1924 aus verkehrs- und sicherheitspolizeilichen Gründen geschlossene Begräbnisstätte in der Pirnaischen Vorstadt steht unter Denkmalschutz.<ref>Vgl. Dehio-Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Dresden. Aktualisierte Auflage. Deutscher Kunstverlag, München und Berlin 2005, S. 83.</ref> Der 13.162 m² große<ref>Grundbuch Dresden Altstadt I, Blatt 3230, 10. August 1993</ref> Friedhof wurde auf Grund seiner besonderen Bedeutung im Jahr 2015 in das Förderprogramm „National wertvolle Kulturdenkmäler“ der Bundesregierung aufgenommen.
Geschichte
Anfänge als Pest- und Armenfriedhof
Im Jahr 1680 wurde die Pest, die bereits zwei Jahre zuvor in Wien ausgebrochen war, nach Dresden eingeschleppt. Innerhalb weniger Monate starben mehr als 5000 Menschen – ein Drittel der gesamten Bevölkerung der Stadt – infolge der Pest. Dresden hatte zu dem Zeitpunkt nur wenige Begräbnisstätten: Der Frauenkirchhof und der Friedhof am Bartholomäus-Hospital waren bereits im 16. Jahrhundert zu klein geworden. Der daraufhin angelegte und 1680 aufgrund der Pest erweiterte Johanniskirchhof vor dem Pirnaischen Tor allein konnte die Toten der Epidemie nicht fassen. Aus Angst vor Ansteckung der Bevölkerung durch die Toten ordnete der wenig später selbst an der Pest erkrankte Kurfürst Johann Georg II. 1680 an, einen als Notfriedhof konzipierten Pestfriedhof außerhalb der Stadt anzulegen. Die Kosten für den Grunderwerb und die Einrichtung desselben sollten aus dem „Gotteskasten“ – einer Sammelbüchse für milde Gaben<ref>Karl Wilhelm Eck, Archiv des Ärars des Elias-, Trinitatis- und Johannisfriedhofes zu Dresden, E 1, 24. Mai 1853.</ref> – bestritten werden. Am 10. Juli 1680 wurde das Bauland vor dem Ziegeltor, „hinter den Lehmgruben und Ziegelbrennereien gelegen“,<ref>Marion Stein: Friedhöfe in Dresden. Verlag der Kunst, Dresden 2000, S. 14.</ref> vom Bürgermeister Viegner (nach anderen Quellen Wiegner) an den Rat zu Dresden verkauft<ref>Sächsisches Staatsarchiv, Hauptarchiv Dresden, 10684 Stadt Dresden Stadtgericht, Nr. 2016.</ref> und innerhalb kürzester Zeit der Friedhof auf offenem Feld angelegt.
Nach Abklingen der Seuche wurde das Gelände in den folgenden Jahren als Armenfriedhof genutzt. Die Toten durften kostenfrei durch deren Angehörige selbst beerdigt werden. Auch Ortsfremde, „Selbstmörder, Hingerichtete und Ungetaufte“<ref>Marion Stein: Friedhöfe in Dresden. Verlag der Kunst, Dresden 2000, S. 15.</ref> fanden auf dem „Pestilenzkirchhof“ ihre letzte Ruhestätte. Das Grundstück bestand zu dem Zeitpunkt aus einer unregelmäßigen Fläche,<ref>Stadtplan von Dresden, um 1690, Sächsisches Staatsarchiv, Hauptstaatsarchiv Dresden, 12884, Karten und Risse, Signatur/Inventar-Nr.: Schr 009, F 001, Nr 002 & (KH 138)</ref> über dessen Aussehen und Gestaltung nichts bekannt ist. Es scheint weder eine Friedhofsmauer noch eine Kapelle gegeben zu haben. Die vermögenden Bürger Dresdens ließen sich auf dem Frauenkirchhof oder dem Johanniskirchhof beisetzen. Oft besaßen reiche Familien dort eigene offene Gruftanlagen, deren Belegungsrecht an die nachkommenden Generationen vererbt wurde. Adelige Einwohner der Stadt konnten zudem innerhalb von Kirchengebäuden, wie der alten Frauenkirche oder der Sophienkirche, bestattet werden.
Friedhof der hohen Stände im 18. und 19. Jahrhundert
Im Jahr 1721 wurde der Johanniskirchhof ein letztes Mal erweitert. Drei Jahre später wurde der bereits 1714 geschlossene Frauenkirchhof auf Beschluss des Rats der Stadt Dresden säkularisiert, um an seiner Stelle die neue Frauenkirche zu erbauen. Als neuer Friedhof für die höheren Stände wurde der Eliasfriedhof gewählt, da der Johannisfriedhof nicht mehr vergrößert werden konnte. Um die neue Funktion als moderne Bestattungsanlage erfüllen zu können, waren umfassende Umbauten nötig, die vom Rat der Stadt beschlossen wurden. Das Friedhofsareal wurde in westlicher Richtung um 4000 Quadratmeter erweitert,<ref name="Spitzhofer 174">Christine Spitzhofer: Der Dresdner Eliasfriedhof und seine Grufthäuser nach Entwürfen von George Bähr. In: Die Dresdner Frauenkirche. Jahrbuch 2003. Band 9. Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 2003, S. 174 ff.</ref> das Gelände durch ein Wegenetz gegliedert und von einer Mauer umzogen. Planung und Bauausführung lagen dabei in den Händen von George Bähr und Johann Gottfried Fehre. Valentin Ernst Löscher setzte bei Kurfürst Friedrich August I. das Gruftrecht für den Friedhof durch,<ref name="Spitzhofer 174" /> sodass Bähr von Mai bis Juli 1723 Gruftbauten mit Schwibbogenfront an der Friedhofsmauer errichten konnte. Es entstanden insgesamt 41 Grufthäuser an der West- und Nordmauer, an die sich an der Ost- und Südmauer nicht überbaute Grüfte anschlossen. Während Grüfte traditionell bereits auf älteren Friedhöfen wie dem Johannis- und Frauenkirchhof angelegt worden waren, stellten geschlossene Grufthäuser eine Neuerung im Dresdner Raum dar.<ref>Marion Stein: Friedhöfe in Dresden. Verlag der Kunst, Dresden 2000, S. 16.</ref> Sie wurden in Reihe angelegt und waren von einem gemeinsamen Dach überdeckt. Während sich im durch ein kunstvolles schmiedeeisernes Gitter verschlossenen oberirdischen Raum oft aufwändig gestaltete Epitaphe befanden, erfolgte die eigentliche Beisetzung in dem mehrere Meter tiefen Gewölbe unter dem Aufbau. Die Grufthäuser wie auch die Schwibbogengrüfte waren begehrt und wurden durch Erbpacht vergeben; konnten als Teil des Privatbesitzes auch verkauft werden. In der Folgezeit wurden auch Erbbegräbnisstätten durch kleineren Gruftausbau im übrigen Gelände angelegt. Die Gräber, mit Ausnahme derer an der Friedhofsmauer, sind nach Osten ausgerichtet.<ref name="Spitzhofer 174" /> Das Totenbettmeisterhaus, das die Reihe der Grufthäuser unterbricht, wurde erst 1864 im Zuge einer Straßenbegradigung errichtet.<ref>Stadtarchiv B XV 160 t Vol. II, 28. Oktober 1864.</ref>
Der Friedhof entwickelte sich auch wegen seiner Grufthäuser in der Zeit Friedrich Augusts I. zur bevorzugten Ruhestätte des Adels und der wohlhabenden Bürger der Stadt. Zur Unterscheidung vom älteren Johannisfriedhof war jetzt die Bezeichnung „Neuer Kirchhof“ üblich, so auch auf der ersten Zeichnung der Erweiterung im Jahr 1724. Wenig später begann sich die Bezeichnung Elias-Kirchhof nach dem Propheten Elija, der Tote erwecken konnte,<ref>Vgl. 1. Buch der Könige, Kapitel 17. {{#switch: {{{4}}} | NA ={{{4}}} | OT | BHS ={{{4}}} | LXX ={{{4}}} | VUL ={{{4}}} | #default =EU}}</ref> durchzusetzen. Der erste Beleg dafür findet sich bei Johann Christian Crell.<ref>Johann Christian Crell: Das fast auf dem höchsten Gipfel seiner Vollkommenheit und Glückseligkeit prangende Königliche Dreßden. Dritte, stark erweiterte Auflage 1726, S. 122 (Digitalisat).</ref> Eine Entlastung des sich bald füllenden Eliasfriedhofs erfolgte durch die Anlage des Trinitatisfriedhofs im Jahr 1815. Dort wurden dann Mitte des 19. Jahrhunderts zehnmal so viel Bestattungen vorgenommen wie auf dem Eliasfriedhof,<ref>Stadtarchiv Dresden: Acta die Verwaltung des Johannis-, Elias- und Trinitatisfriedhofs betr., 2.1 B.XV.160t Vol. I, 1851–1858 Fol. 170 und 183.</ref> wofür vor allem Platzmangel verantwortlich war.
Der Eliasfriedhof seit seiner Schließung 1876 bis 1945
Auf Grund eines medizinischen Gutachtens beschlossen die Stadtverordneten Dresdens im August 1864 nach langer Diskussion die Schließung des Eliasfriedhofs.<ref>Stadtarchiv Dresden: Stadtverordnetenarchiv, Drucke der Sitzungsprotokolle, 1350 am 4. Mai 1864, S. 49 und 52, 3.2 Filmrolle 5.</ref> Dafür waren hygienische Bedenken maßgeblich, weil sich bewohnte Gebäude der Stadt dem Friedhof immer mehr annäherten. Aber erst am 13. August 1866 gab die Kirchen-Inspektion bekannt, dass die Schließung in Abstimmung mit der Königlichen Superintendentur, dem Rath zu Dresden und mit Zustimmung des Stadtverordneten-Collegiums sowie mit Genehmigung der Königlichen Kreisdirektion am 4. Mai 1866 in Aussicht genommen sei.<ref>Dresdner Anzeiger Nr. 225 am 13. August 1866.</ref> Bestehende Grüfte und Grabstellen konnten für weitere 10 Jahre genutzt werden, soweit sie nicht schon vollständig mit Särgen besetzt waren. Denjenigen, die einen Anspruch auf eine Gruft- oder Grabnutzung nachweisen konnten, wurde unentgeltlich eine andere Grabstelle auf dem Trinitatisfriedhof zugewiesen. Am 21. Juni 1876 fand die letzte Bestattung auf dem Eliasfriedhof statt.
Der Friedhof verfiel in den folgenden Jahren zunehmend. Die Grufthäuser im westlichen Teil des Friedhofs waren bereits um 1890 baufällig, weshalb im Jahr darauf die Dächer auf den Grüften 1 bis 10 abgebrochen wurden.<ref>Archiv des Ärars des Elias-, Trinitatis- und Johannisfriedhofes zu Dresden, E 1 II, 7. April 1891.</ref> Die Güntzgruft blieb vorerst unverändert erhalten. Deren Dach war dann 1925 baufällig und wurde im Auftrag vom Rat der Stadt – Hochbauamt unter Rückbau zu einem Flachdach repariert.<ref>Archiv des Ärars des Elias-, Trinitatis- und Johannisfriedhofes zu Dresden, E 1 II, 30. November 1925.</ref> Um 1900 begann sich der Efeu auf dem Friedhofsgelände auszubreiten, der ganze Grabfelder überwuchs und den Sandsteingrabmalen zusetzte. Als romantischer Ort wurde er jedoch auch Inspirationsquelle für Maler:<ref>Gertraud Enderlein: Der Eliasfriedhof in Dresden. In: Mitteilungen des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz. Nr. 12, 1923, S. 198.</ref> Max Pechstein beispielsweise schuf 1906 sein Gemälde Eliasfriedhof in Dresden, während Franz Radziwill den Eliasfriedhof 1927 und 1928 in einem Aquarell und einem Ölgemälde festhielt.<ref>Franz Radziwill in Dresden, 1927/1928. Isensee, Oldenburg 2006, S. 12.</ref>
Auf Antrag des »Vereinigten Bezirks- und Bürgervereins der Pirnaischen Vorstadt« wurde im September 1907<ref>Archiv des Ärars des Elias-, Trinitatis- und Johannisfriedhofes zu Dresden, E 8, 23. Oktober 1907.</ref> durch den für die Öffentlichkeit weitgehend geschlossenen Friedhof von der Pestalozzi Straße (damalige Schreibweise, heute Pestalozzistraße) zur Lothringer Straße ein Fußweg angelegt, der mit Holzzäunen gegen das Friedhofsareal abgetrennt wurde. „… wie eine tiefe, nie zu heilende Wunde schneidet seit einigen Jahren ein häßlicher, eingepfählter Weg den Kirchhof in zwei Teile und das Trippeltrappel vieler eiliger Menschenfüße tönt nun tagtäglich hinab zu den Schläfern unterm grünen Rasen“, beklagte der Landesverein Sächsischer Heimatschutz 1912.<ref name="Westphal 219">Marianne L. Westphal: Der alte Eliaskirchhof in Dresden. In: Mitteilungen des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz. Nr. 2, 1912, S. 219.</ref> 1915 legte Oberbürgermeister Otto Beutler die Anregung vor, eine Gedächtnishalle für die im Ersten Weltkrieg gefallenen Dresdner unentgeltlich einzurichten. Dafür gab es von Seiten der Kirche keine Zustimmung, vielmehr sollte das Gelände verkauft oder ersatzweise gegen städtisches Grundeigentum getauscht werden.<ref>Archiv des Ärars des Elias-, Trinitatis- und Johannisfriedhofes zu Dresden, E 1 II, 23. Februar 1915 bis 11. Oktober 1915.</ref> Insofern hatte das Ersuchen des Stadtrats, 1918 einen Kinderspielplatz einrichten zu wollen, keine Chance und wurde mit Hinweis auf Verletzung der Pietät rundheraus abgelehnt.<ref>Archiv des Ärars des Elias-, Trinitatis- und Johannisfriedhofes zu Dresden, E 1 II 25. Juli 1918.</ref> In der Folge verfiel der Friedhof, dessen Zukunft ungewiss war und in dessen Pflege kaum investiert wurde.<ref name="Spitzhofer 174" /> Es kam vermehrt zu Vandalismus an den Grabmälern und den Grüften. Grabsteine hatten sich über die Jahrzehnte gelockert und Grüfte waren einsturzgefährdet, sodass der Friedhofsdurchgang 1924 aus verkehrs- und sicherheitspolizeilichen Gründen<ref>Dresdner Anzeiger, 15. Juli 1924.</ref> wieder geschlossen wurde. Das Landeskonsistorium genehmigte auf Antrag die vollständige Schließung sowie die bereits ab 1916 mögliche Säkularisierung. Diese wurde daraufhin von dem verantwortlichen Friedhofsausschuss unter dessen Vorsitzenden Superintendent Ficker zum 18. Juli 1928 vollzogen.<ref>Archiv des Ärars des Elias-, Trinitatis- und Johannisfriedhofes zu Dresden, E 1 III 18. Juli 1928.</ref> Zur Sicherung der Anlage wurde 1932 das Totenbettmeisterhaus einem Friedhofsarbeiter vom Trinitatisfriedhof gegen geringe Miete als Dienstwohnung mit der Verpflichtung überlassen, auf dem Friedhof Aufsicht zu führen.<ref>Archiv des Ärars des Elias-, Trinitatis- und Johannisfriedhofes zu Dresden, E 1 III, 1. November 1932.</ref> Bereits im Vorjahr waren die Reste der westlichen Gruftbauten abgetragen und die Grüfte verfüllt worden. Die Grufthäuser im Norden wurden hingegen 1939 neu gedeckt.
Der Eliasfriedhof nach 1945
Während der Luftangriffe auf Dresden im Februar 1945 wurden die noch vorhandenen Grufthäuser sowie das Totenbettmeisterhaus zerstört, dessen Ruine nach 1966<ref>Archiv des Ärars des Elias-, Trinitatis- und Johannisfriedhofes zu Dresden, E 2, 25. Februar 1966.</ref> abgetragen wurde. Weitere Schäden, die jeweils vom Einschlag einer Stabbrandbombe herrühren, lassen sich auf einigen Grabplatten nachweisen. Im Jahr 1948<ref> Landeshauptstadt Dresden, Archiv Stadtplanungsamt, Schlüsselnummer XI382.</ref> wurde ein schmaler Streifen des östlichen Friedhofsteils bei der Erweiterung des Güntzplatzes aufgegeben.<ref>Der östliche Rand des Friedhofs ging ursprünglich bis zu den heutigen Straßenbahnschienen.</ref> Die neue östliche Friedhofsmauer wurde durch Eisengitter unterbrochen, die durch Vermittlung des Amtes für Denkmalspflege hierher gelangten.<ref>Archiv des Ärars des Elias-, Trinitatis- und Johannisfriedhofes zu Dresden, E 2, Aktenvermerk am 19. Dezember 1964.</ref> Der Eliasfriedhof verfiel im Laufe der Jahre weiter und verwilderte insbesondere durch einen massiven, mehrere Meter hohen Ahornbewuchs.
Eigentümer des Friedhofs ist das Ärar des Elias-, Trinitatis- und Johannisfriedhofes zu Dresden, dem jedoch durch fehlende Einnahmen seit der Schließung 1876 die Mittel zum Erhalt des Friedhofs fehlen. Die daher bereits seit 1927 mit Unterbrechungen laufenden Verhandlungen zum Verkauf des Friedhofs mündeten am 13. Januar 1989 in eine rechtsverbindliche »Vereinbarung zur Sicherung, Erhaltung und teilweise Rekonstruktion des Eliasfriedhofes in Dresden sowie seine Überführung in Volkseigentum« mit dem Rat der Stadt Dresden.<ref>Archiv des Ärars des Elias-, Trinitatis- und Johannisfriedhofes zu Dresden, E 2 I, 13. Januar 1989.</ref> Im Jahr 1995 wurde vom Stadtrat jedoch mit Verweis auf den Wegfall der Vertragsgrundlagen durch die geänderten gesellschaftlichen Verhältnisse nach der Wende erklärt, das die Vereinbarung hinfällig sei.<ref>Archiv des Ärars des Elias-, Trinitatis- und Johannisfriedhofes zu Dresden, E 2 I, 6. September 1995 und E 2 II, 2. Mai 1997.</ref>
Die Kosten für eine teilweise Instandsetzung des Friedhofs wurden auf 850.000 bis 1,5 Millionen DM geschätzt,<ref name="Hilbig">Birgit Hilbig: Verfall des Eliasfriedhofs soll endlich gestoppt werden. In: Sächsische Zeitung, 14. November 1996, S. 12.</ref> wobei Nutzungsvarianten Führungen zu ausgewählten Gräbern bekannter Persönlichkeiten und den Wiederaufbau der Bährschen Grufthäuser sowie des Totengräberhäuschens zur Einrichtung eines Museums umfassten.<ref name="Hilbig" /> Daraufhin gründete sich im November 1998 der „Förderverein Eliasfriedhof Dresden e. V.“, der sich für den Erhalt und die Pflege des Friedhofs einsetzt.<ref>Förderverein Eliasfriedhof Dresden soll Verfall aufhalten. In: Dresdner Neueste Nachrichten, 21. November 1998, S. 2.</ref> Der Verein befreite den Friedhof von Wildwuchs und sicherte Grabstellen, sodass das Gelände ab September 1999 eingeschränkt für die Öffentlichkeit geöffnet werden konnte.<ref>Eliasfriedhof in Dresden wieder begehbar. In: Lausitzer Rundschau, 7. September 1999.</ref><ref>Birgit Hilbig: Wertvolle Grabmale wieder sichtbar. In: Sächsische Zeitung, 11. September 1999, S. 11.</ref> Durch Spendengelder konnten zunächst offene Grüfte geschlossen und Grabsteine wieder aufgestellt werden. Von 1999 bis 2002 wurden zwölf erhaltene Grufthäuser George Bährs an der Nordmauer des Eliasfriedhofs restauriert. Vier weitere Grufthäuser, die kurz vor Beginn der Sanierungsarbeiten 1999 während eines Sturms zerstört wurden,<ref>Die Grufthäuser des Eliasfriedhofs in Dresden. In: Dresdner Neueste Nachrichten, 1. April 2009, S. 10.</ref> wurden Ende 2016 wieder errichtet. Im April 2017 pflanzten Mitglieder der Stiftung Frauenkirche Dresden anlässlich des 500. Jahrestags der Reformation eine Lutherbuche. Die Grufthalle der Familie Güntz ist zwischenzeitlich wieder hergestellt worden, und zwar angepasst an den Zustand von vor 1925.
Eine öffentliche Zugängigkeit des Friedhofs ist aufgrund von Sicherheitsbedenken und zum Schutz der wertvollen Bausubstanz derzeit nur zu einem ausgewählten Termin, dem so bezeichneten „Friedhofsfreitag“ möglich (eine vierstündige allgemeine Öffnung an jedem Freitag), der 2024 erstmals angeboten und 2025 bis Oktober durch den Förderverein, der zwischenzeitlich erheblichen Mitgliederzuwachs erfuhr, abgesichert wird bzw. werden kann. Der Förderverein organisiert darüber hinaus Führungen auf dem Friedhof; Termine sind dessen Website zu entnehmen. Ehrgeiziges nächstes Ziel des Fördervereines ist, das ehemalige und abgebrochene Totenbettmeisterhaus wieder aufzubauen.<ref>Informationen des Fördervereins am 11. Juli 2025 anlässlich des 150. Todestages von Güntz und zugehörige öffentliche Informationstafeln.</ref>
Bedeutende Grabstätten
Aus den Anfangsjahren des Eliasfriedhofs sind keine Grabmäler erhalten. Das älteste bekannte Grabmal auf dem Friedhof ist das des Offiziers Johann Georg Lichtenegger (1672–1729). Der jüngste Grabstein des Friedhofs ist der des 1840 verstorbenen Geodäten Wilhelm Gotthelf Lohrmann. Der Grabstein in Form eines Sandsteinquaders war so stark verwittert, dass er im Jahr 2008 durch den Steinmetzmeister Elmar Vogel aus Dresden durch eine Kopie ersetzt wurde.<ref>Lohrmann-Grabmal wird enthüllt. In: Dresdner Neueste Nachrichten, 5. April 2008, S. 14.</ref> Der originale Grabstein trug ein Kreuz aus Sandstein, das bereits bei der Neufassung der Inschrift anlässlich der Jahrhundertfeier der Technischen Hochschule Dresden 1928 nicht mehr vorhanden war. Der erhaltene Teil des ursprünglichen Grabmals wird in einem Grufthaus aufbewahrt.
Zahlreiche Grabmale des Friedhofs wurden von namhaften Künstlern entworfen oder geschaffen. Das Grab des Komponisten Johann Gottlieb Naumann schuf vermutlich Franz Pettrich. Bei der Grabinschrift handelt es sich um ein von Christian Gottfried Körner verfasstes Gedicht. Der Grabstein selbst wurde von Körner und weiteren Freunden Naumanns gestiftet.<ref>Christine Spitzhofer: Der Dresdner Eliasfriedhof und seine Grufthäuser nach Entwürfen von George Bähr. In: Die Dresdner Frauenkirche. Jahrbuch 2003. Band 9. Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 2003, S. 173.</ref> Eine Kopie der Grabplatte befindet sich im Lapidarium des Loschwitzer Kirchhofs. Pettrich werden weitere Grabmale zugeschrieben, so das des Hofkellermeisters Johann Gottlieb Hock (1739–1810).
Der Bildhauer Johann Christian Kirchner entwarf sein eigenes Grabmal, das einen lebensgroßen Chronos mit Stundenglas zeigt. Die Ausführung geschah durch seinen Bruder Gottlieb Kirchner. Caspar David Friedrich entwarf die Grabmäler von Christian Ernst Ulrici (1750–1825), Augusta Kind und dem Major Ernst Müller. Ausgeführt wurden die Entwürfe Friedrichs von Christian Gottlieb Kühn. Kühn schuf auch die Engelsfiguren am Grabstein von Gottlob Friedrich Thormeyer, den dieser selbst entworfen und geschaffen hatte.<ref>Ursula Pietzsch: Antike Löwen und ein Musenreigen. Im vergangenen Dezember jährte sich der 170. Todestag des Bildhauers Christian Gottlieb Kühn. In: Dresdner Neueste Nachrichten, 15. Februar 1999, S. 13.</ref> Das Grabmal für Christian Gottlieb Welker stammt von Johann Christian Feige d. J., Sohn von Johann Christian Feige.
Im Jahr 1857 fand der Maler Johan Christian Clausen Dahl auf dem Eliasfriedhof seine letzte Ruhe. Seine Gebeine wurden am 29. Mai 1934 an seinen Geburtsort Bergen übergeführt, wo ihm ein monumentales Grabmal errichtet wurde. Der einfache Grabstein Dahls, der seinen Vornamen mit „Johann“ falsch angibt, verblieb auf dem Eliasfriedhof und ist einer der wenigen Steine, die nicht in Sandstein ausgeführt wurden.
Der Dresdner Mäzen Justus Friedrich Güntz fand seine letzte Ruhestätte in einem Grufthaus an der Westmauer des Friedhofs. Nach Abtragen der dortigen Grufthäuser in den 1930er-Jahren blieb seine Gruft als einzige aufgrund der Bedeutung des Bestatteten für die Stadt Dresden erhalten. Sie wurde bei der Bombardierung Dresden 1945 schwer beschädigt und musste wegen des schlechten Allgemeinzustandes nach 1950 oberirdisch abgetragen werden. Seit 2011 engagierte sich der Förderverein des Eliasfriedhofs für eine Rekonstruktion des Grabes.<ref>Katja Schlenker: Verein will Güntz-Grabmal wiedererrichten. In: Sächsische Zeitung, 3. Mai 2011, S. 17.</ref><ref>Kay Haufe: Das vergessene Grab von Dresden-Mäzen Güntz. In: Sächsische Zeitung, 21. November 2013, S. 17.</ref> Von Oktober bis Dezember 2015 erfolgte die Rekonstruktion<ref name="sag">sag: Verschollenes Denkmal zurück auf Eliasfriedhof. In: Sächsische Zeitung, 14. November 2015, S. 16.</ref> sowie am 31. Mai 2016 die Wiedereinweihung der Güntzgruft.
1973 wurden mehrere Grabmale zum Schutz vor Witterungseinflüssen in die Werkstatt des Bildhauers Werner Hempel gebracht.<ref>Archiv des Ärars des Elias-, Trinitatis- und Johannisfriedhofes zu Dresden, E 2, 11. Oktober 1973.</ref> Um sie der interessierten Öffentlichkeit wieder sichtbar zu machen, befanden sich drei Grabsteine seit 1987 im Palais im Großen Garten.<ref>Archiv des Ärars des Elias-, Trinitatis- und Johannisfriedhofes zu Dresden, E 2 II, 29. April 1998.</ref> Im November 2015 kehrte dann die sogenannte „Schlangenvase“ der Familiengrabstätte Walter, und im Juni 2021 die Grabmale der Familie Damoiseau, der Familie Weinlig sowie das von Johann Christian Kirchner auf den Eliasfriedhof zurück.
Persönlichkeiten, die hier ihre letzte Ruhestätte gefunden haben
- August von Ammon (1799–1861), Augenarzt, Grablage: B4-14
- Christoph von Ammon (1766–1850), evangelischer Theologe, Grablage: B4-15
- Ernst Ehrenfried Blochmann (1789–1862), Gründer der Blochmannschen Druckerei, Grablage: S80 (seit der Landabtretung 1948 nicht mehr vorhanden)
- Carl August Böttiger (1760–1835), Schriftsteller und Pädagoge, Grablage: C7-36
- Johan Christian Clausen Dahl (1788–1857), norwegischer Maler, Gebeine 1934 nach Bergen übergeführt, ehemalige Grablage: A21-14
- Ernst Theodor Echtermeyer (1805–1844), Schriftsteller und Literaturhistoriker, Grablage: C8-27
- Johann August Giesel (1751–1822), Architekt, Grablage: C2-1
- Friedrich Ferdinand Gottlieb von Globig (1771–1852), Geheimer Rat und Oberkammerherr, Grablage: C12-14
- Justus Friedrich Güntz (1801–1875), Redakteur und Stifter, Grufthaus 11
- Peter Carl Wilhelm von Hohenthal (1754–1825), Konferenzminister, Grablage: C9-2
- Johann Adam Gottlieb Kind (1747–1826), Richter und Rechtswissenschaftler
- Johann Christian Kirchner (1691–1732), Hofbildhauer, Grablage: A27-14
- August Alexander Klengel (1783–1852), Komponist, Grablage: A2-4
- Johann Christian Klengel (1751–1824), Maler, Grablage: A2-3
- Johann Gottlieb Kotte (1797–1857), Hornist, Grablage: A22-15
- Wilhelm Gotthelf Lohrmann (1796–1840), Geodät und Topograph, Grablage: D22-2
- Carl Christian Meinhold (1740–1827), Buchdrucker, Grablage: D9-2
- Johann Gottlieb Morgenstern (1687–1763), Hofmusiker, Grablage: Grufthaus 29
- Johann Gottlieb Naumann (1741–1801), Komponist, Grablage: D5-6
- Ludwig Ferdinand Pauli (1793–1841), Schauspieler, Grablage: B15-2
- Traugott Leberecht Pochmann (1762–1830), Maler, Grablage: B18-14
- Adelheid Reinbold (1800–1839), Schriftstellerin
- Franz Volkmar Reinhard (1753–1812), evangelischer Theologe, Grablage: C9-3, 1825 vom Johanniskirchhof übergeführt
- Johanne Justine Renner (1763–1856), bekannt als „Gustel von Blasewitz“, Grablage: D10-1
- Christian Gottlob Roßberg (1740–1822), Registrator, Schreibmeister und Kalligraphielehrer, Ratsgruft
- Johann Christian Schöttgen (1687–1751), Pädagoge und Historiker, Grablage unbekannt<ref>Karl Gautsch: Der sächsische Geschichtsschreiber und Rector an der Kreuzschule zu Dresden M. Johann Christian Schöttgen. In: Archiv für die sächsische Geschichte. 1878, S. 348 (Digitalisat).</ref><ref>In den Grablegungsbüchern von 1860, die sich im Archiv des Ärars des Elias-, Trinitatis- und Johannisfriedhofes zu Dresden befinden, ist kein entsprechender Eintrag enthalten.</ref>
- Carl Christian Seltenreich (1765–1836), evangelischer Theologe, Grablage: S114
- Gottlob Friedrich Thormeyer (1775–1842), sächsischer Hofbaumeister, Grablage: C5-32
- Karl Christian Tittmann (1744–1820), Superintendent, Ratsgruft
- Karl August Tittmann (1775–1834), Jurist und Beamter, Ratsgruft
- Johann August Tittmann (1774–1840), königl.-sächs. Bergrath, Grablage: A12-21
- Friedrich Wilhelm Tittmann (1784–1864), Archivar, Ratsgruft
- Christian Heinrich Voigt (1727–1792), Gold- und Silberfabrikant, Grufthaus 28
- Christoph Theodosius Walther (1699–1741), Prediger und Missionar, Grablage: A31-20
- Christian Weinlig (1681–1762), Bürgermeister, Grufthaus 37
- Christian Ehregott Weinlig (1743–1813), Kreuzkantor und Komponist, Grufthaus 37
- Christian Traugott Weinlig (1739–1799), Architekt, Grufthaus 37
- Eduard Zeis (1807–1868), Chirurg, Grablage: C5-42
- Johann Gottlieb Zillmann (1786–1846), Stadtmusikus, Grablage: S92
Literatur
- Cornelius Gurlitt: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen. 21. Heft: Stadt Dresden, Teil 1. In Commission bei C. C. Meinhold & Söhne, Dresden 1900, S. 199–207.
- Hansjoachim Kluge: Dresdens Friedhöfe und Grabdenkmäler in der Zeit der Freiheitskriege und der Romantik. Verlag Buchdruckerei der Wilhelm und Bertha v. Baensch Stiftung, Dresden [?] 1937. (Hinweis: Der Vorname des Autors wurde 1937 falsch publiziert, richtig ist Hans Joachim.)
- Hans Joachim Kluge: Caspar David Friedrich – Entwürfe für Grabdenkmäler und Denkmäler, Berlin 1993, ISBN 3-87157-160-1.
- Förderverein Eliasfriedhof Dresden e. V. (Hrsg.): Eliasfriedhof. Dresden 1999.
- Marion Stein: Friedhöfe in Dresden. Verlag der Kunst, Dresden 2000, ISBN 90-5705-130-3, S. 12–30.
Weblinks
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- Website des Fördervereins Eliasfriedhof Dresden e. V.
- Sammlung von Fotografien des Friedhofs um 1910, unter anderem von Susanne Homann
Einzelnachweise
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