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Elastische Faser

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Datei:Elastic fibers weigerts elastic stain non-lactating mammary glands.png
Elastische Fasern in der Milchdrüse, angefärbt mit der Elastika-Färbung nach Weigert. Die elastischen Fasern erscheinen in blau-violetter Farbe

Elastische Fasern sind in der Anatomie ein Bestandteil der extrazellulären Matrix. Sie verleihen dem Gewebe elastische Eigenschaften.

Aufbau

Elastische Fasern bestehen aus zwei klar unterscheidbaren Komponenten, einem Elastinkern und den ihn umhüllenden Mikrofibrillen, die aus Fibrillinen und anderen Proteinen wie Fibulin-5 aufgebaut sind. Fibulin-5 vermittelt die Verbindung der elastischen Fasern in der extrazellulären Matrix mit den umgebenden Zellen durch Bindung an Integrine. Elastin ist für die namensgebende Eigenschaft der elastischen Fasern verantwortlich. Die einzelnen Elastin-Monomere sind durch kovalente Bindungen über jeweils bis zu 4 Lysin-Seitenketten verbunden und bilden Random Coil-Strukturen, die für die Elastizität der elastischen Fasern eine wichtige Rolle spielen.<ref name="Junqueira63">Luiz Carlos Uchôa Junqueira, José Carneiro: Histologie. Springer Verlag, 2004, ISBN 978-3540219651, S. 63.</ref>

Eigenschaften und Funktion

Die elastischen Fasern besitzen gummiartige Eigenschaften.<ref name="Junqueira64" /> Neben Elastizität verleihen sie dem Gewebe Mobilität.<ref name="Berg30">Frans van den Berg: Angewandte Physiologie. Georg Thieme Verlag, 2003, ISBN 978-3131160324, S. 30.</ref>

Sie können ihre Ausgangslänge durch Dehnung, beispielsweise durch die Kontraktion glatter Muskelzellen, um 150 Prozent verlängern und nehmen nach Wegfall der Kraft wieder ihre Ausgangslänge ein.<ref name="Junqueira63" /> Die Reißfestigkeit der elastischen Fasern liegt bei etwa 300 N/cm².<ref name="Berg30" /> Der Widerstand steigt mit zunehmender Dehnung.<ref name="Berg30" />

Kommen elastische Fasern in einem Gewebe zahlreich vor, nehmen diese eine gelbliche Farbe an. Als typisches Beispiel sei das „gelbe Band“ (Ligamentum flavum) genannt, dass zwischen den Wirbeln vorkommt.<ref name="Junqueira64">Luiz Carlos Uchôa Junqueira, José Carneiro: Histologie. Springer Verlag, 2004, ISBN 978-3540219651, S. 64.</ref> Die Elastizität der elastischen Fasern nimmt mit zunehmendem Alter ab.<ref name="Schiebler" /> Die größte Elastizität der elastischen Fasern liegt bei normaler Körpertemperatur vor. Bei unter 20 °C gehen die elastischen Fasern in eine kristalline, glasartige Struktur über, so dass sie zerbrechlich werden.<ref name="Berg30" />

Die elastischen Fasern bilden dreidimensionale Netzwerke und haben einen Durchmesser zwischen 0,2 und 5 Mikrometern.<ref name="Schiebler">Theodor H. Schiebler, Horst-W. Korf: Anatomie. Histologie, Entwicklungsgeschichte, makroskopische und mikroskopische Anatomie, Topographie. Springer, 2007, ISBN 978-3798517707, S. 39.</ref>

Vorkommen

Im Jahr 1845 wies Jakob Schroeder van der Kolk im Auswurf von Lungenkranken elastische Fasern nach.<ref>Paul Diepgen, Heinz Goerke: Aschoff/Diepgen/Goerke: Kurze Übersichtstabelle zur Geschichte der Medizin. 7., neubearbeitete Auflage. Springer, Berlin/Göttingen/Heidelberg 1960, S. 38.</ref> Elastische Fasern kommen in vielen Geweben vor. Zahlreich sind sie vor allem dort, wo elastische Eigenschaften eine wichtige Rolle für die Funktion des Organs oder Gewebes spielen. Elastische Fasern kommen zahlreich in der Haut, im elastischen Knorpel, in Gefäßwänden, im Lungengewebe und in den Stimmbändern vor.<ref name="Junqueira64" /> Die elastischen Fasern werden von embryonalen oder juvenilen Fibroblasten und von glatten Muskelzellen gebildet.<ref name="Schiebler" />

Histologie

In der Histologie sind die elastischen Fasern nur mit speziellen Färbungen sichtbar. Dazu gehören Orcein, Resorcinfuchsin (Elastika-Färbung nach Weigert) und Aldehydfuchsin.<ref name="Schiebler" />

Einzelnachweise

<references />