Eingeweide
Als Eingeweide (von mittelhochdeutsch und frühneuhochdeutsch ingeweide, von gleichbedeutend mittelhochdeutsch geweide;<ref>Friedrich Kluge, Alfred Götze: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 20. Auflage. Herausgegeben von Walther Mitzka. De Gruyter, Berlin / New York 1967; Neudruck („21. unveränderte Auflage“) ebenda 1975, ISBN 3-11-005709-3, S. 159.</ref> regional mittelhochdeutsch auch ingewaid „Eingeweid“<ref>Vgl. Gundolf Keil: Die „Cirurgia“ Peters von Ulm. Untersuchungen zu einem Denkmal altdeutscher Fachprosa mit kritischer Ausgabe des Textes (= Forschungen zur Geschichte der Stadt Ulm. Band 2). Stadtarchiv, Ulm 1961 (zugleich Philosophische Dissertation Heidelberg 1960: Peter von Ulm. Untersuchungen zu einem Denkmal altdeutscher Fachprosa mit kritischer Ausgabe des Textes), S. 369 (Eingeweid) und 386 (Gederm: „eingeweid des pauches“, viscera).</ref>) bezeichnet man im weiteren Sinne die Gesamtheit der in den großen Körperhöhlen als Viszeralorgane in Brust-, Bauch- und Beckenhöhle sowie im Kopf-Hals-Bereich gelegenen inneren Organe.<ref>Franz-Viktor Salomon u. a. (Hrsg.): Anatomie für die Tiermedizin. 2., erweiterte Auflage. Enke, Stuttgart 2008, ISBN 978-3-8304-1075-1.</ref> Im alltäglichen Sprachgebrauch wird der Begriff synonym mit den Baucheingeweiden (Eingeweide des Bauches, Organe des Abdomens) verwendet.<ref name="duden">Duden I 21. Auflage</ref>
Ein medizinischer Fachausdruck für das bzw. die Eingeweide ist auch Viszera (lateinisch viscera), die Zugehörigkeit zu den Eingeweiden wird mit dem Adjektiv viszeral bezeichnet. Die Chirurgie an den Eingeweiden wird Viszeralchirurgie genannt. Die Lehre von den Eingeweiden heißt Splanchnologie (griechisch τὰ σπλάγχνα tà splánchna (Pluralwort) „Eingeweide“).
Eingeweide des Kopfes
Der menschliche Schädel beherbergt im sogenannten Eingeweideschädel bzw. Splanchnocranium die Sinnesorgane für das Sehen, Hören, Riechen und Schmecken.<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref><ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref> Hierzu zählen der Nasenraum sowie die Zunge, die Mandeln und Speicheldrüsen, die sich in der Mundhöhle befinden.<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref><ref name=":1">{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref>
Eingeweide des Halses
Hierzu zählen Schilddrüse, Speiseröhre, Kehlkopf und Luftröhre; sie erfüllen das Spatium viscerale, den Bindegewebsraum zwischen dem tiefen und dem mittleren Blatt der Halsfaszie, welcher den Halseingeweiden freie Verschiebbarkeit beim Atmen und Schlucken erlaubt.<ref name=":1" /><ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref>
Eingeweide der Brust
Die Brusteingeweide liegen in der Brusthöhle. Dies sind die Organe der Atmung und des Kreislaufs, das Diaphragma (Zwerchfell) sowie die Organe und Leitbahnen des Mediastinums.<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref>
Eingeweide des Bauches
Zu den Eingeweiden des Bauches zählen Magen, Leber, Galle, Dünndarm, Dickdarm, Enddarm, Milz, Pankreas sowie die paarigen Nieren, Nebennieren und Harnleiter.<ref name=":0" />
Eingeweide des Beckens
Die im kleinen Becken befestigten Organe werden zu den Beckeneingeweiden gezählt, dies sind Rectum, Harnblase und Beckenboden sowie beim Mann der Samenleiter (Ductus deferens), die Samenblase (Vesiculae seminales) und die Prostata, während es bei der Frau die Tuben, die Ovarien, der Uterus und die Vagina sind.<ref name=":0">{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref>
Eingeweide bei Tieren
Bei Schlachttieren spricht man auch von Innereien, in der Jägersprache vom „Aufbruch“. Ein durch einen Schuss in die Eingeweide verwundetes Stück Wild wird als „weidwund“ (auch „waidwund“) bezeichnet.<ref>Haseder, S. 876.</ref>
Siehe auch
- Geschichte des Wahrsagens
- Hieromantie (Wahrsagen aus Opfermaterial)
- Darm (Intestinum)
- Magen-Darm-Kanal
Literatur
- Hans Frick, Helmut Leonhardt, Dietrich Starck: Spezielle Anatomie II. Georg Thieme Verlag, New York 1992, ISBN 3-13-356904-X.
- Ilse Haseder, Gerhard Stinglwagner: Knaurs Großes Jagdlexikon. Weltbild, Augsburg 2000, ISBN 3-8289-1579-5.
- Ernst Bargheer: Eingeweide: Lebens- und Seelenkräfte des Leibesinneren im deutschen Glauben und Brauch. Berlin/Leipzig 1931.
Einzelnachweise
<references />