Einblütiges Perlgras
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| Einblütiges Perlgras | ||||||||||||
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| Datei:Melica uniflora sl12.jpg
Einblütiges Perlgras (Melica uniflora) | ||||||||||||
| Systematik | ||||||||||||
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| Wissenschaftlicher Name | ||||||||||||
| Melica uniflora | ||||||||||||
| Retz. |
Das Einblütige Perlgras (Melica uniflora) ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Perlgräser (Melica) innerhalb der Familie Süßgräser (Poaceae).
Beschreibung
Vegetative Merkmale
Das Einblütige Perlgras ist eine ausdauernde krautige Pflanze. Von der kriechenden Grundachse mit langen Ausläufern gehen 15 bis 50 Zentimeter hohe Halme aus.<ref name="Conert1992" /> Die oberirdischen Pflanzenteile sterben im Winter ab, die Knospen bilden sich an den unterirdischen Pflanzenteile.
Die einfachen Laubblätter sind frischgrün, dünn und schlaff. Die Blattscheiden sind verwachsen, die Blatthäutchen ringförmig. Am obersten Blatt verlängert sich das Blatthäutchen längs des Halms auf der von der Blattspreite abgewandten Seite. Die Blattspreiten sind 5 bis 20 Zentimeter lang und 3 bis 6 Millimeter breit.<ref name="Conert1992" />
Generative Merkmale
Der rispige Blütenstand ist offen mit langen, aufrecht stehenden Verzweigungen. Diese tragen wenige große Ährchen. An deren Spelzen fallen die gewölbten, rotbraunen Hüllspelzen auf, während die Deckspelzen grün gefärbt sind. Jedes Ährchen hat nur zwei Blüten, eine untere zwittrige und eine obere sterile. Die Spelzen der sterilen Blüte sind zu einem kolbigen Körper verwachsen. Die Hüllspelzen sind ungleich; die untere ist dreinervig und 3 bis 4 Millimeter lang, die obere fünfnervig und 4 bis 7 Millimeter lang.<ref name="Conert1992" /> Die Deckspelze des untersten Blütchens ist 4 bis 5,5 Millimeter lang, die des sterilen Blütchens bis 3 Millimeter lang.<ref name="Conert1992" /> Die Vorspelze des untersten Blütchens ist so lang wie die Deckspelze.<ref name="Conert1992" /> Die Staubbeutel sind 1,5 bis 2,2 Millimeter lang.<ref name="Conert1992" /> Die Blütezeit reicht von Mai und Juni.
Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 18.<ref name="Oberdorfer2001" />
Ökologie
Das Korn reift im Sommer und fällt zusammen mit der sterilen Blüte aus den Hüllspelzen. Die Spelzen dieser Blüte enthalten Öl, das von Ameisen verzehrt wird und so zur Myrmekochorie beiträgt.
Das unterste gestreckte Internodium eines fertilen Triebs ist etwas verdickt und stellt ein Speicherinternodium dar, das mehrere Jahre funktionstüchtig bleibt.<ref name="Conert1992" /> An den Knoten der vier untersten gestreckten Internodien werden regelmäßig Knospen von Erneuerungssprossen angelegt, von denen im Frühjahr mehrere zu neuen Trieben auswachsen.<ref name="Conert1992" /> Diese neuen Triebe wachsen waagrecht im Boden und richten sich dann auf. So entstehen lockere Herden.<ref name="Conert1992" /> Von den ähnlichen, aber lockerrasigen Nickenden Perlgras (Melica nutans) und dichtrasigen Bunten Perlgras (Melica picta) unterscheidet es sich durch diese Wuchsform in ausgedehnten, oft großen Herden.
Ähnliche Arten
Das Einblütige Perlgras hat aufrecht stehende Ährchen in einem verzweigten, mehrästigen rispigen Blütenstand. Das Wimper-Perlgras (Melica ciliata) und das Siebenbürgische Perlgras (Melica transsilvanica) haben eine erheblich dichtere, walzliche Ährenrispe und Deckspelzen, die am Rande lang bewimpert sind. Im Gegensatz zur Artengruppe Melica nutans (mit dem Nickenden Perlgras Melica nutans und dem Bunten Perlgras Melica picta) mit 2 bis 3 zwittrigen Blüten hat das Einblütige Perlgras neben den 1bis 2 sterilen Blüten nur eine zwittrige Blüte im Ährchen.<ref name="Schmeil und Fitschen2024" /> Da Epitheton „uniflora“ bedeutet „einblütig“.
Vorkommen
Das Einblütige Perlgras ist in Europa, in Nordafrika und Vorderasien<ref name="POWO" /> verbreitet, fehlt aber in Portugal, Südspanien, Nordskandinavien und Russland<ref>G. Hegi: Illustrierte Flora von Mitteleuropa, 2. Auflage, Band 1, Carl Hanser Verlag, München 1965.</ref>. Das Areal stimmt mit dem der Rotbuche (Fagus sylvatica) weitgehend überein.<ref name="Conert1992" /> In Deutschland ist es meist ziemlich häufig, fehlt aber zum Beispiel im Südosten. In Österreich kommt es in Wien, Niederösterreich, Burgenland und der Steiermark vor<ref>Manfred A. Fischer, Karl Oswald, Wolfgang Adler: Exkursionsflora für Österreich, Liechtenstein und Südtirol. 3., verbesserte Auflage. Land Oberösterreich, Biologiezentrum der Oberösterreichischen Landesmuseen, Linz 2008, ISBN 978-3-85474-187-9.</ref>.
Das Einblütige Perlgras wächst auf frischem bis mäßig trockenem, nährstoff- und basenreichen, meist kalkarmen oder entkalkten, neutralen bis mäßig sauren, lockeren bis verdichteten, humosen, sandig-steinigen oder reinen, mittelgründigen bis tiefgründigen Lehmböden.<ref name="Oberdorfer2001" /> In alten Buchenwäldern bildet es manchmal große Teppiche, wenn die Bäume ausreichend Licht durchlassen. Es ist ein Lehmzeiger. Es ist eine Kennart des Perlgras-Buchenwalds (Melico-Fagetum), kommt aber auch in anderen Gesellschaften der Verbände Carpinion oder Quercion pubescentis vor und ist insgesamt eine Querco-Fagetea-Klassencharakterart.<ref name="Oberdorfer2001" /> Es steigt im Kanton Wallis in Jeur Brûlée bei Martigny bis in eine Höhenlage von 1520 Meter auf.<ref name="Conert1992" />
Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 2+w (frisch aber mäßig wechselnd), Lichtzahl L = 2 (schattig), Reaktionszahl R = 2 (sauer), Temperaturzahl T = 4 (kollin), Nährstoffzahl N = 3 (mäßig nährstoffarm bis mäßig nährstoffreich), Kontinentalitätszahl K = 2 (subozeanisch).<ref name="InfoFlora" />
Taxonomie
Die Erstveröffentlichung von Melica uniflora erfolgte 1779 durch Anders Jahan Retzius in Observationes Botanicae, Band 1, S. 10. Synonyme für Melica uniflora <templatestyles src="Person/styles.css" />Retz. sind: Melica lobelii <templatestyles src="Person/styles.css" />Vill., Melica nutans subsp. uniflora <templatestyles src="Person/styles.css" />(Retz.) Ehrh.<ref name="POWO" />
Quellen
Literatur
- (Abschnitt Vorkommen)
- Mogens Skytte Christiansen: Gräser. Süßgräser, Sauergräser und Binsen (BLV-Bestimmungsbuch), 4. Aufl., München, Wien, BLV 1993, ISBN 3-405-13615-6
- Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. 8. Aufl., Stuttgart, Eugen Ulmer, 2001, ISBN 3-8001-3131-5.
Einzelnachweise
<references> <ref name="InfoFlora"> Melica uniflora Retz. In: Info Flora, dem nationalen Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora. Abgerufen am Vorlage:FormatDateSimple. </ref> <ref name="Oberdorfer2001"> Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. 8. Auflage. Stuttgart, Verlag Eugen Ulmer, 2001. ISBN 3-8001-3131-5. S. 228. </ref> <ref name="Conert1992"> Hans Joachim Conert: Familie Poaceae. S. 461–463. In: Gustav Hegi: Illustrierte Flora von Mitteleuropa. 3. Auflage, Band I, Teil 3, Verlag Paul Parey, Berlin und Hamburg 1992, ISBN 3-489-52020-3. </ref> <ref name="POWO"> Datenblatt Melica uniflora bei POWO = Plants of the World Online von Board of Trustees of the Royal Botanic Gardens, Kew: Kew Science. </ref> <ref name="Schmeil und Fitschen2024">Michael Koltzenburg: Melica. In: Schmeil-Fitschen: Die Flora Deutschlands und angrenzender Länder. 98. Auflage. Verlag Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2024. ISBN 978-3-494-01943-7. S. 308.</ref> </references>
Weblinks
- Melica uniflora Retz., Einblütiges Perlgras. auf FloraWeb.deVorlage:Abrufdatum
- Einblütiges Perlgras. In: BiolFlor, der Datenbank biologisch-ökologischer Merkmale der Flora von Deutschland.
- Vorlage:BIB
- Gesamtverbreitung von Melica uniflora.
- Thomas Meyer: Datenblatt mit Bestimmungsschlüssel und Fotos bei Flora-de: Flora von Deutschland (alter Name der Webseite: Blumen in Schwaben).