Ein Tag im Jahr
Ein Tag im Jahr ist ein Buch von Christa Wolf.
Christa Wolf folgte 1960 einem Aufruf der Moskauer Zeitung Iswestija, den 27. September 1960 zu beschreiben. Die Idee ging zurück auf einen vergleichbaren Aufruf von Maxim Gorki aus dem Jahre 1936, der unter dem Titel Ein Tag der Welt in der damaligen Sowjetunion große Popularität erlangte.<ref>Der zweite "Tag der Welt". Aufruf zur Mitarbeit an einem Buch, In: Neue Zeit, 23. September 1960, S. 4</ref> Christa Wolf beließ es nicht nur bei dem 27. September 1960. Sie beschrieb fortan jeden 27. September bis zum Jahre 2000. 2003 veröffentlichte sie die Tagebucherzählungen unter dem Titel Ein Tag im Jahr (1960–2000).<ref>Evelyn Finger: Kann man wünschen, weniger zu wissen, ZEIT Online, 9. Oktober 2003</ref> Es entstand eine Sammlung intimer autobiografischer Erzählungen, die ihre Authentizität durch ihre Erstellung zum jeweiligen Zeitpunkt erzielen, anders als bei herkömmlichen Autobiografien, die meist Jahrzehnte später geschrieben werden. Ein Tag im Jahr ist darüber hinaus Zeitzeugnis der deutsch-deutschen Geschichte.
Aufschlussreich sind die Orte, an denen sich Christa Wolf jeweils aufhielt: 1960/61 in Halle (Saale), dann bis 1974 Kleinmachnow, dann meist im Ferienhaus in Meteln (Mecklenburg) bis 1982, Berlin 1983/84 (nach dem Brand in Meteln Suche nach neuem Haus, Angebot aus Klein-Trebbow), 1985 Köln (Gedenkfeier für den verstorbenen Heinrich Böll, Wolf von Grass und Lenz ignoriert, herzlich von Lew Kopelew begrüßt), 1986 Zürich (Treffen mit Max Frisch), Woserin in Mecklenburg von 1987 bis 1989 (Besuch von Ilse und Otl Aicher noch mit gemeinsamer Hoffnung auf einen dritten Weg), Berlin 1990 (nach dem „Wahlschock“ vom 18. März, Resignation angesichts des 3. Oktober), wieder Woserin 1991 (Auflösung der Poliklinik in Sternberg, Probleme mit dem neuen Grundstücksrecht für das eigene, von der Ev. Kirche gekaufte Ferienhaus, das alte Pfarrhaus), dann Santa Monica (USA), 1993 bis 2000 Berlin-Pankow.
Christa Wolf setzte diese spezielle Tagebuchform auch nach der Veröffentlichung des ersten Bandes bis zu ihrem Tod fort. 2013 wurde aus dem Nachlass ein Nachfolgeband mit dem Titel Ein Tag im Jahr im neuen Jahrhundert veröffentlicht, der ihre Notate zum 27. September der Jahre 2001 bis 2011 enthält, herausgegeben von Gerhard Wolf.
Einzelnachweise
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