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Edwin (Northumbria)

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Edwin (auch: Eadwine, Eaduuine, Edwine, Etguin, Æduinus, Ædwine) (* um 584 in York<ref>Alkuin: VersEubor 91</ref>; † 12. Oktober 633 bei Doncaster) war von 616 bis 633 König des angelsächsischen Königreiches Deira bzw. Northumbria.

Leben

Edwin stammte aus dem Königshaus Deiras. Er war der Sohn des vormaligen Königs Ælle (560–588/590) von Deira. Seine Schwester Acha war mit seinem Vorgänger Æthelfrith (593–616) verheiratet.<ref name="cannon33">John Cannon, Anne Hargreaves: The Kings and Queens of Britain, Oxford University Press, 2009 (2. überarb. Aufl.), ISBN 978-0-19-955922-0, S. 33.</ref>

Edwin war zuerst mit Cwenburh, der Tochter des Königs Ceorl von Mercia, verheiratet, mit der er die beiden Söhne Osfrith und Eadfrith hatte.<ref name="he2-14">Beda: HE 2,14</ref> Die Kinder Æthelhun, Æthelthryth, Uscfrea<ref name="he2-14" /> und Eanflæd (* um 625)<ref name="he2-9" /> stammen aus seiner zweiten Ehe mit Æthelburg, der Tochter des Königs Æthelberht I. von Kent. Eanflæd heiratete später König Oswiu (642–670).

Exil

Datei:English kingdoms.svg
Bernicia und seine Nachbarreiche

König Æthelfrith von Bernicia annektierte Deira, das möglicherweise bereits vor diesem Schritt von Bernicia abhängig war, im Jahr 604 und trieb die männlichen Angehörigen des Königshauses ins Exil. Um seine Herrschaft über Deira weiter zu legitimieren, heiratete er Acha, die Tochter des vormaligen Königs Ælle. Edwin, der als Sohn Ælles ebenfalls Thronansprüche hatte, floh außer Landes zum walisischen König von Gwynedd. Æthelfrith setzte in der Folge alles daran, ihn auszuschalten.<ref name="nic77">Nicholas J. Higham: An English Empire: Bede, the Britons, and the Early Anglo-Saxon Kings, Manchester University Press, 1995, ISBN 978-0-7190-4423-6, S. 77–80.</ref>

Um diese Zeit heiratete er Cwenburh, die Tochter des Königs Ceorl von Mercia, mit der er zwei Söhne, Osfrith und Eadfrith, hatte.<ref name="enc163">Philip Holdsworth: Edwin, King of Northumbria. In: Lapidge et al. (Hrsg.): The Blackwell Encyclopaedia of Anglo-Saxon England. Wiley-Blackwell, Oxford u. a. 2001, ISBN 978-0-631-22492-1, S. 163–164.</ref> Æthelfrith Einfluss in Mercia wurde so stark, dass der geflohene Edwin von dessen König Ceorl nicht mehr geschützt werden konnte und in East Anglia Asyl suchte.<ref name="nic146">Nicholas J. Higham: An English Empire: Bede, the Britons, and the Early Anglo-Saxon Kings, Manchester University Press, 1995, ISBN 978-0-7190-4423-6, S. 146–147.</ref>

Um 616 gewährte Rædwald von East Anglia dem vertriebenen Edwin, der sich als rechtmäßigen Thronerben sah, Asyl.<ref name="enc385">Nicholas J. Higham, Rædwald, in: Lapidge et al. (Hrsg.): The Blackwell Encyclopaedia of Anglo-Saxon England, Wiley-Blackwell, Oxford u. a. 2001, ISBN 978-0-631-22492-1, S. 385.</ref> Æthelfrith bot Rædwald eine hohe Summe, wenn er Edwin töten oder ausliefern würde, im Falle der Ablehnung drohte er mit Krieg. Rædwald war (nach Eingreifen seiner Frau zugunsten Edwins) nicht bereit seinen Schützling zu verraten und zog mit seinen Truppen nach Norden. Am Fluss Idle kam es 616 zur entscheidenden Schlacht, Æthelfrith wurde vernichtend geschlagen und kam bei den Kämpfen ums Leben. Rædwald hatte in der für seine Truppen siegreichen Schlacht allerdings auch den Verlust seines Sohnes Rægenhere zu beklagen.<ref name="he2-12">Beda: HE 2,12</ref> Vermutlich führte dieser Sieg zu Rædwalds Anerkennung als Bretwalda innerhalb der Heptarchie.<ref name="enc385" />

Erste Jahre als König

Edwin zog unter der Protektion Rædwalds weiter nach Norden und übernahm 616 die Herrschaft in Deira und Bernicia. Æthelfriths Söhne, darunter die späteren Könige Eanfrith, Oswald, Oswine und Oswiu, mussten nun ihrerseits ins Exil zu den Pikten und Skoten.<ref name="asc617">Angelsächsische Chronik zum Jahr 617</ref><ref name="nic77" /> Bald darauf eroberte Edwin das britische Königreich Elmet unter König Ceredig ap Gwallog<ref>Annales Cambriae zum Jahr 616</ref> (in den südlichen Pennines beim heutigen Leeds).<ref name="enc163" /> Er gliederte auch das kleine, südlich des Humber gelegene angelsächsische Königreich Lindsey seinem Reich an.<ref name="frank115">Frank Merry Stenton: Anglo-Saxon England, Oxford University Press, 2001 (3. Aufl.), ISBN 978-0-19-280139-5, S. 115–116.</ref> Die Könige von Lindsey spielten politisch keine eigenständige Rolle mehr.<ref name="frank48">Frank Merry Stenton: Anglo-Saxon England, Oxford University Press, 2001 (3. Aufl.), ISBN 978-0-19-280139-5, S. 48.</ref> Nach und nach wurde Edwin von allen britischen und angelsächsischen Königen als fünfter Bretwalda (Oberkönig) anerkannt. Nur das Königreich Kent konnte sich seinem Einfluss entziehen. Die Besetzung der strategisch wichtigen Inseln Anglesey und Isle of Man deutet darauf hin, dass Edwin mit einer nennenswerten Flotte auch die Schifffahrt in der Irischen See kontrollierte.<ref name="enc163" />

Glaubenswechsel

Während Edwins Regierung erreichte die christliche Mission von Kent ausgehend 625 auch Northumbria. Um seine Stellung auf der britischen Insel zu stärken, plante Edwin die Heirat von Æthelburg, der Schwester des Königs Eadbald von Kent. Da dieser aber, im Gegensatz zu Edwin, Christ war, bestand er darauf, dass ihr und ihren Begleitern die freie Religionsausübung gestattet sei und auf einer Konversion Edwins und damit auch Northumbrias.<ref name="he2-9">Beda: HE 2,9</ref> Edwin willigte ein, sodass 625 Justus, der Erzbischof von Canterbury, Paulinus zum Bischof für Northumbria weihte.<ref>Angelsächsische Chronik zum Jahr 625</ref> Dieser sollte seinen Sitz in York nehmen und die Mission in Edwins Reich vorantreiben. Zunächst zögerte Edwin, obschon der neuen Religion freundlich gesinnt, seinen eigenen Glaubenswechsel offenbar mehrmals hinaus.<ref name="enc163" />

Nach der Überlieferung Bedas war der endgültige Beschluss, Christ zu werden, Folge eines Attentates auf ihn am 20. April 626, das durch das Eingreifen eines seiner Gefolgsmänner mit Namen Lilla eben noch verhindert werden konnte. Edwin soll geschworen haben Christ zu werden, wenn er herausfinden würde, wer hinter dem Anschlag steckte und wenn er diesen besiegen würde. Es stellte sich heraus, dass der Attentäter Eomer von Cwichelm, dem König von Wessex, gedungen worden war. Edwin zog nach seiner Genesung mit einem Heer gegen die Truppen von Wessex, die tatsächlich bei Win Hill & Lose Hill geschlagen werden konnten. Edwin erfüllte nach Beratung mit dem Witenagemot sein Versprechen, ließ sich und seine Tochter Eanflæd, die am Tag des Attentats zur Welt gekommen, war taufen.<ref name="he2-9" /> Diese Erzählung ist sicherlich literarisch ausgeschmückt, deutet aber die politische Brisanz eines Glaubenswechsels an. Mit Edwin mussten sich seine einflussreichsten Gefolgsmänner im Jahr 627 ebenfalls in York von Paulinus taufen lassen, damit keine Uneinigkeit in seinem Reich entstand.<ref name="enc163" /> Nach der walisischen Überlieferungstradition wurde Eanflæd am Ostertag 626 und Edwin mit 12.000 Angeln am Ostertag 627 von Rhun mab Urien getauft.<ref>Annales Cambriae zum Jahr 626</ref><ref>Nennius: Historia Brittonum, 63</ref>

Spätere Jahre und Tod

Edwin begann mit dem Bau der steinernen Church of St Peter, einem Vorgängerbau des mehrmals zerstörten heutigen York Minster.<ref name="asc626">Angelsächsische Chronik zum Jahr 626</ref> Er richtete im Jahr 627 für Paulinus in York das Bistum ein und setzte sich für die Verbreitung des neuen Glaubens in seinem Reich ein.<ref name="enc163" /> Der Überlieferung zufolge soll ein „Goldenes Zeitalter“ begonnen haben.<ref name="he2-16">Beda: HE 2,16</ref> Edwin „überredete“ auch Eorpwald von East Anglia, einen der letzten Heiden unter den angelsächsischen Königen, um 627<ref>Die Datierung der Taufe in der Angelsächsischen Chronik auf das Jahr 632 gilt als unrichtig.</ref> vom „Aberglauben der Götzenbilder“ (idolorum superstitionibus) abzulassen und für sich und sein ganzes Land das Christentum anzunehmen.<ref name="he2-15">Beda: HE 2,15</ref> Eorpwald wurde vermutlich in Northumbria getauft.<ref>Nicholas J. Higham: The convert kings: power and religious affiliation in early Anglo-Saxon England, Manchester University Press, 1997, ISBN 978-0-7190-4828-9, S. 102–103.</ref> Mit der Bekehrung East Anglias verfolgte Edwin sicher auch politische Ziele: Sein Einfluss auf East Anglia, gestützt auf northumbrische Geistliche, wuchs erheblich an und stärkte seine hegemoniale Macht.<ref name="nic181" /> Alkuin berichtete, dass Edwin milde Gesetze erlassen haben soll.<ref>Alkuin: VersEubor 217</ref> Im Jahr 627/628 erschlug der „Heide“ (vir gentilis) Ricbert König Eorpwald. East Anglia kehrte zum Heidentum zurück.<ref name="he2-15" /> Inwieweit diese Tat religiös oder politisch motiviert war, blieb unklar.<ref name="ric30">Richard Hoggett: The Archaeology of the East Anglian Conversion (Anglo-Saxon Studies), Boydell & Brewer, 2010, ISBN 978-1-84383-595-0, S. 30–31.</ref> Das Nichteingreifen Edwins nach der Ermordung Eorpwalds deutet darauf hin, dass Ricbert durch die antinorthumbrische Stimmung in East Anglia großen Rückhalt hatte.<ref name="nic181">Nicholas J. Higham: The convert kings: power and religious affiliation in early Anglo-Saxon England, Manchester University Press, 1997, ISBN 978-0-7190-4828-9, S. 181–183.</ref>

Datei:Saint King Edwin of Northumbria.jpg
Darstellung Edwins auf einem Fenster der St Mary Church in Sledmere/Yorkshire

Die Besetzung der Inseln Isle of Man und Anglesey war möglicherweise der Grund zur Rebellion des Königs Cadwallon ap Cadfan von Gwynedd, der sich mit Penda von Mercia verbündete.<ref name="enc163" /> Gemeinsam brachten sie eine ansehnliche Streitmacht zusammen, der es gelang, das northumbrische Heer am 12. Oktober 633 in der Schlacht von Hatfield Chase bei Doncaster zu vernichten. Edwin fiel im Kampf;<ref name="enc163" /> ebenso sein Sohn Osfrith. Sein Sohn Eadfrith musste sich ergeben und wurde später von Penda ermordet.<ref name="he2-20">Beda: HE 2,20</ref> Nach Edwins Tod musste Æthelburg mit ihren Kindern und dem Bischof Paulinus, der sie nach Northumbria begleitet hatte, nach Kent fliehen, wo sie freundlich aufgenommen wurden.<ref name="he2-20" /> Unmittelbare Folge der Niederlage war die erneute Teilung von Northumbria: Während sich im südlichen Deira Edwins Verwandter Osric halten konnte, fiel Bernicia an den zurückgekehrten Eanfrith, Æthelfriths Sohn, und damit an die dortige alte Dynastie zurück. Beide konnten sich nur ein Jahr halten und wurden 634 von Cadwallon, der Northumbria brandschatzte, getötet.<ref name="enc163" />

Verehrung

Da Penda ein Heide war, galt Edwin als ein Märtyrer. Edwins Tochter Eanflæd förderte den Kult um ihn, der, ausgehend von Whitby, jedoch nie die Bedeutung des Kultes um seinen Neffen Oswald († 642) erlangte.<ref name="enc163" /> Der Legende nach soll Edwins Leichnam nach der Schlacht von Hatfield Chase zunächst in Edwinstowe („Edwin’s Ruhestätte“) versteckt worden sein. Seine Kopfreliquie wurde nach York in die St. Peter’s Church, mit deren Bau er begonnen hatte, gebracht; sein Körper wurde nach Whitby überführt. Mehrere Kirchen in England sind nach ihm benannt. Edwin wurde durch Papst Gregor XIII. (1572–1585) als Märtyrer anerkannt.<ref>St. Edwin in Catholic Encyclopedia bei newadvent.org</ref> Die katholische Kirche begeht seinen Gedenktag am 12. Oktober.

Literatur

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  • Lapidge et al. (Hrsg.): The Blackwell Encyclopaedia of Anglo-Saxon England. Wiley-Blackwell, Oxford u. a. 2001, ISBN 978-0-631-22492-1.
  • David W. Rollason: Northumbria, 500–1100: Creation and Destruction of a Kingdom. Cambridge University Press, Cambridge 2003, ISBN 978-0-521-81335-8.

Quellen

Weblinks

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Anmerkungen

<references />

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