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Eckart Muthesius

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Friedrich Eckart Muthesius (* 17. Mai 1904 in der Kolonie Nikolassee;<ref>Geburtsregister Nr. 94/1904, StA Zehlendorf</ref> † 27. August 1989 in Kloster<ref>Eckart Muthesius - Person - Archivportal-D. Abgerufen am 18. März 2026.</ref><ref name=":6" />) war ein deutscher Architekt und Innenarchitekt der klassischen Moderne. Bekannt wurde er vor allem durch den Entwurf und die Ausstattung des Palastes Manik Bagh in Indore. Weitere Arbeitsschwerpunkte lagen im Wohnungs-, Krankenhaus- und Zweckbau. In der Zeit des Nationalsozialismus war er unter anderem an der Planung von Krankenhaus- und Lagerbauten beteiligt, darunter auch Bauten für Konzentrations- und Zwangsarbeiterlager.

Leben

Herkunft und Familie

Datei:Ohne Titel (Anna Muthesius mit Sohn Eckart).jpg
Anna Muthesius mit ihrem Sohn Eckart Muthesius
Fotografie von Rudolf Dührkoop, um 1907<ref>Berlinische Galerie. Berlinische Galerie, 1907, abgerufen am 7. März 2026: „Erworben aus Mitteln der Stiftung Preußische Seehandlung, Berlin“</ref>

Eckart Muthesius war das dritte von fünf Kindern des Architekten Hermann Muthesius und dessen Frau Anna. Er wuchs in einem kunst- und reformorientierten Umfeld auf: Seine Mutter war ausgebildete Konzertsängerin, entwarf als Autodidaktin Innenarchitektur und Reform-Damenmoden und publizierte zur ästhetischen Erneuerung von Kleidung und Wohnkultur.<ref name=":0" /> Sein Vater war Architekt und Architekturtheoretiker sowie Mitbegründer des Deutschen Werkbunds.

Datei:Potsdamer Chaussee 49A (Berlin-Nikolassee).jpg
Das Elternhaus in Berlin-Nikolassee an der Rehwiese war ein Treffpunkt von Künstlern, Architekten und Reformern der Vorkriegszeit.<ref></ref> Der frühe Kontakt zu Fragen von Gestaltung, Materialgerechtigkeit und internationalem Austausch prägte Muthesius’ architektonisches Selbstverständnis nachhaltig.<ref name=":0" />

Seine Patenonkel waren Charles Rennie Mackintosh<ref name=":0" /> und Francis Henry Newbery.<ref name="Der Palast Des Maharadschas in Indore" details="S. 12." /> Zu seinem erweiterten familiären Umfeld gehörte der Architekt Walter Kratz (1899–1957), ein Neffe von Hermann Muthesius, der ebenfalls im Atelier Muthesius ausgebildet wurde und für Eckart Muthesius tätig war.<ref></ref> Muthesius war Mitglied im Verein Berliner Künstler<ref>Geschichte des Vereins Berliner Künstler. Verein Berliner Künstler, 2016, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 26. Mai 2016;: „Der VBK ist somit der älteste Künstlerverein Deutschlands. Viele bekannte Künstler, Bildende Künstler und Architekten, gehörten seit dieser Zeit zu seinen Mitgliedern. Namen wie Adolph Menzel, Oskar Begas, Carl Steffeck, Max Liebermann, Philipp Franck, Walter Leistikow, Hans Baluschek, Otto Nagel, Georg Kolbe, Eckhard Muthesius kennt jeder Berliner. Heinrich Zille und Emil Orlik zeigten in ihren Porträts und Milieudarstellungen das Berliner Leben der 1920er Jahre. Conrad Felixmüller und A. Paul Weber stellten sich in der Nachkriegszeit kritisch und humorvoll zum Treiben in der geteilten Stadt.“</ref> und im BDA.<ref></ref> Für die Berufsausübung als Architekt war er zudem in der Zeit des Nationalsozialismus Mitglied der Reichskammer der bildenden Künste.<ref name=":15" />

Ausbildung

Zwischen 1920 und 1921 absolvierte Muthesius jeweils halbjährige handwerkliche Lehrzeiten als Tischler, Schlosser und Maler.<ref name="Der Palast Des Maharadschas in Indore">Reto Niggl: Biograhie und Werk. In: Der Palast Des Maharadschas in Indore., 1996, S. 149–150.</ref> Anschließend studierte er an der Kunstgewerbe- und Handwerkerschule in Berlin-Charlottenburg sowie am Polytechnikum in London.<ref name=":14" /> Zu seinen Lehrern gehörte der Maler und Entwurfszeichner Harold Bengen, der als Mitglied der Berliner Secession zur Vermittlung moderner Gestaltungsprinzipien beitrug.<ref name="Der Palast Des Maharadschas in Indore" /> Zeitweise arbeitete er bereits während dieser Ausbildung im Atelier seines Vaters Hermann Muthesius in Berlin-Nikolassee.<ref name="Der Palast Des Maharadschas in Indore" /> Danach sammelte er praktische Berufserfahrung in London, unter anderem in den Architekturbüros von Charles Holloway James sowie des Architekturhistorikers und Fotografen Francis Rowland Yerbury.<ref name="Der Palast Des Maharadschas in Indore" /> Dabei kam er auch mit den Ideen des Städteplaners Raymond Unwin und der englischen Gartenstadtbewegung in Kontakt.<ref>Austin Williams: the house of muthesius. In: The Architects’ Journal. 23. November 2000, abgerufen am 27. Februar 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref name="Der Palast Des Maharadschas in Indore" /> Nach seiner Rückkehr nach Berlin heiratete er am 5. Juni 1925 die belgisch-schottische Sängerin Miette Hardy.<ref name="Der Palast Des Maharadschas in Indore" /> 1926 besuchte Muthesius die Eröffnungsfeierlichkeiten des Bauhauses in Dessau.<ref name="Der Palast Des Maharadschas in Indore" /> Ein Jahr später, 1927, besuchte Muthesius, gemeinsam mit seinem Vater, die Werkbund-Ausstellung „Die Wohnung“ in Stuttgart mit der Mustersiedlung auf dem Weißenhof.<ref name=":18" details="S. 28"></ref>

Frühe Berufsjahre in Berlin

Nach dem Tod seines Vaters 1927<ref>Biografie von Hermann Muthesius (1861–1927). In: Sächsische Biografie ISGV e. V. Abgerufen am 28. Februar 2026.</ref> führte Muthesius, im Alter von 23 Jahren, unter anderem die begonnenen Arbeiten am Geschäftshaus Potsdamer Platz /Ecke Potsdamer Straße in Berlin weiter, darunter eine neuartige Lichtreklame.<ref name="Der Palast Des Maharadschas in Indore" details="S. 151." /> Gemeinsam mit Klemens Weigel (1904–1987),<ref>R 9361-V/153832. Bundesarchiv, abgerufen am 7. März 2026 (Laut einer Personalakte im Bundesarchiv [Bestand R 9361-V] existiert eine Akte zu Klemens Weigel.).</ref> Meisterschüler und Mitarbeiter von Hermann Muthesius, gründete er anschließend ein eigenes Architekturbüro.<ref name="Der Palast Des Maharadschas in Indore" details="S. 151." /><ref name=":14" />

Datei:Marathonallee 25 (09096336).jpg
Wohnhaus Marathonallee 25 in Berlin-Westend, 1930 nach Entwurf von Eckart Muthesius für Fritz Huber errichtet. Der kubische Klinkerbau mit Walmdach gehört zu den frühen Arbeiten des Architekten und steht in der Tradition der Neuen Sachlichkeit.<ref name=":16" />
Datei:Berlin Frohnau Hainbuchenstraße 26.JPG
Haus Pegler, Hainbuchenstraße 26, Berlin: 1929 von Eckart Muthesius in Zusammenarbeit mit Klemens Weigel erbaut.<ref name=":1" /> Weigel arbeitete bei einzelnen Projekten mit ihm zusammen,<ref></ref> darunter auch das Wohnhaus in der Quantzstraße 6 in Berlin-Nikolassee um 1932<ref name=":2" /> sowie Haus W. in Guben, dem Geburtsort Weigels.<ref></ref><ref name="Der Palast Des Maharadschas in Indore" details="S. 151." />

Indore und Manik Bagh

1929 lernte Muthesius in Oxford Shri Yeshwant Rao Holkar Bahadur kennen. Dieser beauftragte seinen Freund und Mentor Muthesius<ref>Moderne Maharajah, un mécène des années 1930. Musée des Arts Décoratifs, abgerufen am 25. September 2019 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> im Jahr 1931 seinen Palast Manik Bagh in der Hauptstadt Indore zu bauen und einzurichten.<ref>Indische Visionen. In: Der Spiegel. Nr. 12, 1989, S. 254–258 (online).</ref> Yeshwant Rao Holkar II. war zu diesem Zeitpunkt Maharadscha von Indore. Neben eigenen Möbeln und Leuchten stattete Muthesius den Palast zusätzlich mit Möbeln von Eileen Gray, Le Corbusier, Jacques-Émile Ruhlmann, Louis Sognot, Charlotte Perriand und Teppichen von Ivan da Silva Bruhns aus.<ref></ref> Den Einbau der Klimaregulierung im Palast realisierte er zusammen mit seinem Freund Heinz Riefenstahl.<ref>Museum Folkwang – Sammlung Online – Former Ballroom, Manik Bagh Palace, Indore. Abgerufen am 27. Februar 2026.</ref><ref></ref> Zwischen Dezember 1931 und Januar 1932 wurden die Möbelentwürfe für den Palast Manik Bagh im Porza-Haus in Berlin ausgestellt.<ref name="Der Palast Des Maharadschas in Indore" details="S. 151." /> Auch im Rahmen des Großen Staatspreises der Preußischen Akademie der Künste wurden 1932 Arbeiten Muthesius’ für Indore gezeigt.<ref name="Der Palast Des Maharadschas in Indore" details="S. 151." /><ref>Großer Staatspreis 1932. Abgerufen am 7. März 2026.</ref> Auch wurden seine Entwürfe, Fotografien und Modelle seiner Arbeiten für Indore 1934 in der Town Hall in Mumbai ausgestellt.<ref name="Der Palast Des Maharadschas in Indore" details="S. 153." />

Nach Aufhebung der Privilegien der indischen Fürstenhäuser im Jahr 1976 musste die Familie Holkar den Palast Manik Bagh veräußern. Teile der originalen Innenausstattung wurden 1980 in Monte Carlo versteigert. Das Gebäude selbst besteht weiterhin und wird heute als Verwaltungsgebäude der indischen Steuerbehörden in Indore genutzt.<ref>About Manik Bagh. Archiviert vom Vorlage:IconExternal am 3. Januar 2026; (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Zeit des Nationalsozialismus

Wettbewerbe und staatliche Aufträge

1934 beteiligte sich Muthesius an einem Wettbewerb für das Deutsche Haus der Weltausstellung 1935 in Brüssel. Nachdem ein erster Entwurf abgelehnt worden war, regte Adolf Hitler einen Wettbewerb an und gab dafür die Architekten Eckart Muthesius, Emil Fahrenkamp und Ludwig Ruff vor.<ref name=":19">Zentralinstitut für Kunstgeschichte: Vortrag // Aya Soika: Mies van der Rohe. Der deutsche Pavillon für die Weltausstellung Brüssel 1935. 5. Juni 2024, abgerufen am 6. März 2026: „Unmut äußerten im Anschluss sowohl Maiwalds Team als auch Adolf Hitler, der den Entwurf als Heustadl abqualifiziert haben soll und einen kleinen Wettbewerb vorschlug. Er gab drei Namen vor, von denen zwei erstaunen: Eckart Muthesius, Emil Fahrenkamp und Ludwig Ruff.“</ref><ref name=":17"></ref> Die organisatorische Durchführung lag bei Eugen Hönig, der weitere Architekten zur Teilnahme einlud.<ref name=":17" /> In diesem Zusammenhang wurden weitere Architekten, darunter Ludwig Mies van der Rohe und Karl Wach, einbezogen.<ref name="Der Palast Des Maharadschas in Indore" details="S. 152." /><ref>Eckart Muthesius, Ludwig Ruff, Emil Fahrenkamp, Ludwig Mies van der Rohe und Sep Ruf in Brüssel, um 1934. Vintage-Gelatine-Silberabzug. Auktion „Fotografie des 19.–21. Jahrhunderts“, Los 4107. In: LOT-ART. Art Investment Platform. Galerie Bassenge, Berlin., abgerufen am 12. März 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Die Modelle und Entwürfe sollten Anfang Juli 1934 vorgelegt werden.<ref name=":19" details="S. 91" /> Der Wettbewerb stand im Kontext der kulturpolitischen Repräsentationsbestrebungen des nationalsozialistischen Staates.<ref>Zentralinstitut für Kunstgeschichte: Vortrag // Aya Soika: Mies van der Rohe. Der deutsche Pavillon für die Weltausstellung Brüssel 1935. 5. Juni 2024, abgerufen am 6. März 2026.</ref><ref></ref>

1941 erhielt Muthesius im Wettbewerb für das Allgemeine Krankenhaus Berlin-Oranienburg einen ersten Preis.<ref name="Der Palast Des Maharadschas in Indore" details="S. 153." /><ref>Bodo Becker: Lehnitz vor 80 Jahren! Vor 80 Jahren auf den Seiten des Briesetal-Botens: Die Nordbahngemeinden im Zweiten Weltkrieg. In: Unser Lehnitz. Christian Studier, 16. Oktober 2019, abgerufen am 7. März 2026 (Foto: Modell des geplanten Kreiskrankenhauses von Architekt Eckart Muthesius (1904-1989)): „Im November 1940 fand mit großem publizistischen Propagandaaufwand und viel brauner Prominenz die Grundsteinlegung für ein Bauvorhaben statt, das nie vollendet werden sollte. Es handelte sich um die Errichtung eines Kreiskrankenhauses hinter dem Grundstück des ehemaligen Jüdischen Erholungsheims in Lehnitz. Zu diesem Zeitpunkt war das Gebäude bereits ein zum Kreiskrankenhaus Oranienburg gehöriges Hilfskrankenhaus. Obwohl laut Aussage des Berichtes die Finanzierung gesichert sein sollte, erinnerte nur eine riesige Baugrube noch Jahrzehnte später an das gescheiterte Projekt. Von dem Aushub erhielt der „Weiße Strand“ seine schöne Liegefläche.“</ref><ref>Bodo Becker: Zwangsarbeit und Kriegsende in Lehnitz. T. 1. Unser Lehnitz, 25. Februar 2024, abgerufen am 7. März 2026 (Foto): „Modell des Hermann-Göring-Kreiskrankenhauses Niederbarnim in Lehnitz. Entwurf: Architekt Muthesius“</ref>

Tätigkeit in Indien 1936–1939

Von 1936 bis 1939 wurde Muthesius, mit einem auf zehn Jahre angelegten Vertrag,<ref name="Der Palast Des Maharadschas in Indore" details="S. 152." /> der offizielle beratende Architekt für die Städtebau- und Sanierungsbehörde des Fürstenstaates Indore<ref name=":5"></ref> und war dort an der Einführung einer westlichen modernen Formensprache in die zeitgenössische indische Architektur beteiligt. 1938 bereiste er gemeinsam mit dem Bildhauer Constantin Brâncuși Städte Zentralindiens, darunter Maheshwar, Omkareshwar, Mandu und Bhopal, zur Vorbereitung eines nicht realisierten Meditationstempels für Rao Holkar.<ref name="Der Palast Des Maharadschas in Indore" details="S. 152." /> Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs musste Muthesius Britisch-Indien verlassen.<ref name=":5" />

Berufliche Stellung und Mitgliedschaften

1938 ist Muthesius im Reichsadressbuch der staatlichen und kommunalen Baubehörden und Baubeamten mit Wohnsitz in Berlin-Nikolassee (Potsdamer Chaussee 49, dem elterlichen Haus Muthesius) verzeichnet.<ref name=":15"></ref> Das Verzeichnis erfasste Architekten, die der Reichskammer der bildenden Künste angehörten, einer Unterorganisation der 1933 gegründeten Reichskulturkammer.<ref></ref> Die Mitgliedschaft in der Reichskammer der bildenden Künste war Voraussetzung für die Ausübung des Berufs als Architekt.<ref></ref> Die Mitgliedschaft in der Reichskammer war zugleich Teil der nationalsozialistischen Berufslenkung; insbesondere jüdische Architekten wurden ausgeschlossen.<ref></ref><ref></ref>

Krankenhaus- und Lagerbauten im Krieg

Ab Juli 1943 war Muthesius gemeinsam mit Hellmut Remmelmann als Architekt bei der Planung von Funktionsbauten des im Rahmen des Großlagerbaus errichteten Gemeinschaftslagers Hiesfelder Bruch bei Dinslaken eingebunden. In den Bauakten werden Muthesius & Remmelmann als Teilnehmer mehrerer Baubesprechungen genannt. Ihnen werden Planungen für Krankenbaracke, Wasch- und Badehaus sowie Küchenbaracke zugeschrieben. Ob das Büro darüber hinaus auch Wohnbaracken übernahm, bleibt in den Akten offen.<ref name=":14"></ref>

Datei:Außenlager Eberswalde des KZ Ravensbrück- Zwei Steinbaracken und Waschhaus Baudenkmal 09175492 2024-08-21 1.jpg
Erhaltene Steinbaracken des ehemaligen KZ-Außenlagers Eberswalde. Muthesius und Hellmut Remmelmann werden in den Bauakten als verantwortliche Architekten genannt.<ref name=":10" />

Ebenso war Muthesius 1943 auch gemeinsam mit Remmelmann an der Planung des sogenannten Gemeinschaftslagers West in Eberswalde beteiligt. Das im Auftrag der Rüstungskommission III des Reichsministeriums für Bewaffnung und Munition errichtete Barackenlager wurde ab September 1944 als Außenlager des Konzentrationslagers Ravensbrück genutzt.<ref name=":9" /> Zwei der Baracken stehen noch heute und sind seit 1998 denkmalgeschützt.<ref name=":10" />

Nachkriegszeit und Spezialisierung

Im Nachkriegsdeutschland spezialisierte er sich auf den Bau von Krankenhäusern und Zweckbauten, insbesondere für die US-Armee.<ref></ref><ref>Officer’s club of the US Army. Abgerufen am 27. Februar 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Bald nach Kriegsende unterhielt Muthesius ein Atelier in der Kronprinzenallee 226, der heutigen Clayallee, in Berlin-Dahlem.<ref name="Der Palast Des Maharadschas in Indore" details="S. 153." /> Zwischen 1946 und 1947 errichtete er sich in Kloster auf Hiddensee ein eigenes Sommerhaus.<ref name=":0" /> 1954 entwarf Muthesius auf Hiddensee ein weiteres Sommerhaus für die Familie Vogt, das später von Walter Felsenstein genutzt wurde und als Haus Pjerregard bezeichnet wird.<ref name=":0" /><ref name=":7" /> Beide Hiddensee-Entwürfe basieren auf einer L-förmigen Grundstruktur, die durch einen gerundeten Abschluss akzentuiert wird.<ref name=":0" />

Datei:KlosterKirchweg3a.jpg
Sommerhaus in Kloster auf Hiddensee, 1947 errichtet. Holzbau mit reetgedecktem Walmdach und L-förmigem Grundriss, eingebettet in die Dünenlandschaft.<ref name=":3">Sommerfrische auf Hiddensee – Das Ferienhaus von Eckart Muthesius in Kloster. Abgerufen am 27. Februar 2026.</ref><ref name=":4"></ref> In den 1950er Jahren hielt sich der Schriftsteller Erich Arendt wiederholt auf Hiddensee auf und wohnte zeitweise in diesem Haus.<ref></ref> Heutiger Besitzer ist der Galerist Judy Lybke.<ref>Steffen Mau: Logbuch Suhrkamp Wiederbegegnung mit Krusos Hiddensee – Logbuch Suhrkamp. Logbuch Suhrkamp, 13. November 2019, abgerufen am 28. Februar 2026: „In Kloster hat sich der Galerist „Judy“ Lybke, der Entdecker von Neo Rauch, das schöne Muthesius-Haus gesichert, von wo aus man den besten Blick über die Insel hat.“</ref>
Datei:KlosterHügelweg19HausFelsenstein.jpg
Haus Felsenstein, Kloster auf Hiddensee, 1955 für den Regisseur Walter Felsenstein entworfen. Zweigeschossiges Holzhaus mit reetgedecktem Walmdach und L-förmigem Grundriss, das Motive des Sommerhauses Muthesius aufgreift und in veränderter Form weiterentwickelt.<ref name=":3" /><ref name=":0" /><ref name=":4" />

In den 1950er Jahren verlagerte Muthesius seinen beruflichen Schwerpunkt nach Frankfurt am Main.<ref></ref><ref></ref> 1954 wurde er dort vom Regierungspräsidium Wiesbaden als Schätzer und Sachverständiger für Hochbau und Krankenhausbauwesen öffentlich bestellt und vereidigt.<ref></ref> Im selben Jahr erhielt auch der langjährige Mitarbeiter und Projektpartner Klemens Weigel eine entsprechende Bestellung.<ref></ref> Eine Veröffentlichung der Fachzeitschrift Bauwelt nennt Muthesius unter den Berliner BDA-Architekten, die zwischen 1955 und 1959 nach Westdeutschland oder ins Ausland übersiedelten.<ref></ref> Parallel unterhielt Muthesius von 1953 bis 1963 ein Atelier in Berlin am Teltower Damm 23;<ref name="Der Palast Des Maharadschas in Indore" details="S. 154." /> in Frankfurt führte er bis 1971 ein Architekturbüro in der Savignystraße 31 und war weiterhin als Mitglied des Bundes Deutscher Architekten tätig.<ref></ref> Ab Mitte der 1960er Jahre hatte Muthesius über zwei Jahrzehnte sein Berliner Büro im Souterrain der Schlüterstraße 45.<ref>Liste, Karte, Datenbank / Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt – Berlin. Abgerufen am 27. Februar 2026.</ref><ref></ref> Seit Beginn der 1970er Jahre firmierte er dort als Studio M und arbeitete weiterhin mit Klemens Weigel zusammen.<ref name="Der Palast Des Maharadschas in Indore" details="S. 155." />

Werk

Architektur und Innenarchitektur

1925–1932

  • 1925: Lichtreklame am ehemaligen Mädlerhaus in Berlin<ref name="Der Palast Des Maharadschas in Indore" details="S. 151." />
  • 1927–1928: Planung und Ausbau von Crawfords Reklame-Agentur GmbH in der Potsdamer Straße 111, Berlin<ref name="Der Palast Des Maharadschas in Indore" details="S. 151." /><ref></ref>
  • 1928: Ladengeschäft Revelation für Francis Kennedy in der Tauentzienstraße 11, Berlin<ref name="Der Palast Des Maharadschas in Indore" />
  • 1928: Wohnhaus für Carl August von Gablenz in Berlin<ref>Vorlage:WasmuthsBaukunst</ref>
  • 1928–1929: Wohnhaus für Senatspräsident Albrecht von Hagen in Berlin-Schlachtensee<ref name="Der Palast Des Maharadschas in Indore" details="S. 151." />
  • um 1929: Ausstattung einer Wohnung mit Bildergalerie für O. T. Falk in London<ref name="Der Palast Des Maharadschas in Indore" details="S. 151." />
  • 1929: Haus Pegler in Berlin-Frohnau, Hainbuchenstraße 26<ref name=":1">Eintrag 09012015 in der Berliner Landesdenkmalliste</ref><ref name=":8" />
  • 1929: Ausgestaltung der Jockey Bar in Berlin, Lutherstraße 2<ref name=":6"></ref>
  • 1929–1932: Innenausstattung des Palastes Manik Bagh für den Maharadscha von Indore<ref name="Der Palast Des Maharadschas in Indore" details="S. 151." />
  • 1930: Wohnhaus für Fritz Huber in Berlin-Westend, Marathonallee 25<ref name=":16">Eintrag 09096336 in der Berliner Landesdenkmalliste</ref>
  • 1930: Landhaus Dr. Seifert in Bergen auf Rügen<ref name="Der Palast Des Maharadschas in Indore" details="S. 151." />
  • 1931: Entwurf für ein Landhaus am Rajpilia Tank bei Indore für den Maharadscha von Indore<ref name="Der Palast Des Maharadschas in Indore" details="S. 116–121." />
  • 1931–1932: Haus Auerbach und Steinitz, Schwielowsee<ref>HIDAweb BLDAM Brandenburg: Suche. Abgerufen am 27. Februar 2026.</ref>
  • 1932: Wohnhaus „Haus B“ in Schkopau an der Saale (mit Klemens Weigel)<ref name=":8"></ref>

1933–1945

  • 1933–1934: Wettbewerbsentwürfe Deutsches Haus für die Weltausstellung Brüssel 1935<ref name=":17" />
  • 1934: Entwurf für ein Hausboot für den Maharadscha von Indore<ref name="Der Palast Des Maharadschas in Indore" details="S. 135." />
  • 1934: Wohnhaus Frankenberg in Kleinmachnow<ref>Nicola Bröcker: Kleinmachnow bei Berlin – Wohnen zwischen Stadt und Land 1920–1945. Gebrüder Mann Verlag, Berlin 2010.</ref>
  • 1934–1935: Planung für ein Appartementhaus in Indien<ref name="Der Palast Des Maharadschas in Indore" details="S. 157." />
  • 1934–1935: Personal- und Gästehaus in Indore<ref name="Der Palast Des Maharadschas in Indore" details="S. 157." />
  • 1935: Wohnhaus, Warnenweg 6, Berlin-Westend<ref>F Rep. 270 Allgemeine Kartensammlung, Nr. 11457, Bauakte Wannenweg (Charlottenburg). Wohngebäude und Gartenzaun, Architekten Eckart Muthesius und Klemens Weigel, Baupläne Nov. 1935 bis März 1936. Landesarchiv Berlin, abgerufen am 12. März 2026.</ref>
  • 1936–1937: Planung für den Thronsaal Purdar Hall des Maharadscha von Jaipur<ref name="Der Palast Des Maharadschas in Indore" details="S. 157." />
  • 1936–1937: Stadtplanungsstudien für den Staat Hyderabad
  • 1936–1937: Privathaus für einen Rechtsanwalt in Bombay
  • 1937: Planung für ein 500-Betten Hospital in Indore<ref></ref>
  • 1937: Ausstattung eines Eisenbahnsalonwagens für den Maharadscha von Indore<ref name="Der Palast Des Maharadschas in Indore" details="S. 125–133." />
  • 1940: Sanatoriumsbau in Bad Saarow<ref name=":14" /><ref name=":0" />
  • 1941: Allgemeines Krankenhaus Oranienburg<ref name="Der Palast Des Maharadschas in Indore" details="S. 153." />
  • 1943–1944: Funktionsbauten für das Gemeinschaftslager Hiesfelder Bruch bei Dinslaken, Krankenbaracke, Wasch und Badehaus, Küchenbaracke, Mitarbeit mit Hellmut Remmelmann<ref name=":14" />
  • 1943–1944: Zwei Steinbaracken und Waschhaus, KZ-Außenlager, Eberswalde<ref name=":10">KZ-Außenlager, Barnim, Eberswalde, Am Bahnhof Eisenspalterei. Entwurf, Muthesius, Eckart & Remmelmann, H.?, Architekt, aus Berlin. In: HIDAweb BLDAM Brandenburg. Denkmale in Brandenburg, abgerufen am 27. Februar 2026: „Östlich des alten Walzwerks. Das dortige Gelände 1943 von den benachbarten Ardelt-Werken mit einem Arbeitslager für 650 Kriegsgefangene bebaut (Entwurf: Eckart Muthesius und H. Remmelmann, Berlin). Die Anlage anfangs bestehend aus sechs massiven Häftlingsbaracken sowie Wirtschaftstrakten und Bauten für Wachpersonal. 1944 Erweiterung nach Nordosten um zwei Häftlingsbaracken (wohl im Zusammenhang mit Umnutzung des Lagers zum Nebenlager des KZ Ravensbrück). Während des letzten Kriegsjahres waren hier rund 1000 Gefangene interniert, die härteste Zwangsarbeit in der Rüstungsproduktion der Ardelt-Werke verrichten mussten. Das gesamte Lager im Grundriss erhalten, die meisten Bauten aber später erheblich überformt. Äußerlich in fast originalem Zustand nur noch die zwei 1944 ergänzten Baracken. Sie legen Zeugnis ab von den damals hier begangenen nationalsozialistischen Verbrechen. Quellen: Archiv BOA (Bauakten Kranbau Eberswalde II und III).“</ref><ref name=":9"></ref>
  • 1945: Instandsetzung: OMGUS-Hauptquartier für die US-Armee in Berlin<ref name="Der Palast Des Maharadschas in Indore" details="S. 153." />

1946–1955

  • 1945/1946: Entwurf und Planung eines Sportpalastes in Moskau, Ausführung durch andere<ref name="Der Palast Des Maharadschas in Indore" details="S. 153." />
  • um 1946: Harnack-Haus mit Offiziers-Klub für die US-Armee in Berlin-Dahlem<ref>Harnack House – Offiziersclub. 31. August 2022, abgerufen am 27. Februar 2026.</ref>
  • um 1946: Umbau des Berliner Kammergerichts am Heinrich-von-Kleist-Park für die Alliierte Kontroll-Kommission<ref name="Der Palast Des Maharadschas in Indore" details="S. 153." />
  • 1948: Marine Bar im Harnack-Haus in Berlin-Dahlem (mit Willy Kreuer)<ref></ref>
  • 1948: Möblierung der Privat-Residenzen der US-amerikanischen Generäle Dwight D. Eisenhower und Lucius D. Clay in Berlin-Dahlem<ref name="Der Palast Des Maharadschas in Indore" details="S. 153." />
  • 1948: Sommerhaus Muthesius in Kloster auf Hiddensee<ref name=":0"></ref>
  • 1949–1953: 1000-Betten-Krankenhaus in Landstuhl für das US-Hauptquartier Heidelberg<ref name="Der Palast Des Maharadschas in Indore" details="S. 153." />
  • 1949–1953: Ausführung von Militärgebäuden in Landstuhl, Kaiserslautern, Neubrücke, Bad Hersfeld, Frankfurt<ref name="Der Palast Des Maharadschas in Indore" details="S. 153." />
  • 1949–1953: Rundfunkgebäude Radio Freies Europa in München, Englischer Garten<ref name="Der Palast Des Maharadschas in Indore" details="S. 153." />
  • 1953: Hotelbau Haus Marina in Frankfurt am Main, Savignystraße 31<ref name="Der Palast Des Maharadschas in Indore" details="S. 154." />
  • nach 1953: medizinisches Zentraldepot der US-amerikanischen Armee in Croix-Chapeau<ref name="Der Palast Des Maharadschas in Indore" details="S. 154." />
  • nach 1953: Kliniken in Bordeaux, Croix-Chapeau, Evreux, Orly.<ref name="Der Palast Des Maharadschas in Indore" details="S. 154." />
  • nach 1953: Wohnanlage in Sèvres bei Paris (mit M. P. O. Bauer)<ref name="Der Palast Des Maharadschas in Indore" details="S. 154." />
  • 1953–1970: Raststätten im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums: Tankstelle Camberg, Frankfurt-Nord, Darmstadt, Limburg, Straßenmeisterei Offenbach<ref name="Der Palast Des Maharadschas in Indore" details="S. 154." />
  • 1955: Ausstellungsstände für die Frankfurter Automobilausstellung<ref name="Der Palast Des Maharadschas in Indore" details="S. 154." />
  • 1955: Einrichtung eines Kurhauses in Westerland (abgebrochen)<ref name="Der Palast Des Maharadschas in Indore" details="S. 154." />
  • 1955: Ferienhaus Felsenstein, heute Pjerregard<ref name=":7">Ferienhaus auf der Insel Hiddensee | Haus Pjerregard. Abgerufen am 28. Februar 2026.</ref><ref name=":0" /> für den Regisseur Walter Felsenstein in Kloster (Insel Hiddensee), Hügelweg 19 (unter Denkmalschutz)

1956–1978

Datei:Lietzenburger Straße 90 (Berlin-Charlottenburg).JPG
Wohn- und Geschäftshaus Lietzenburger Straße 90 /Ecke Knesebeckstraße 53, Berlin-Charlottenburg. 1965–1967 nach Entwurf von Eckart Muthesius und Klemens Weigel für das Modehaus Braasch-Modelle errichtet; schlanker, dreiseitig freistehender Bau mit französischen Fenstern, rundbogigen Öffnungen im ersten Obergeschoss, schmiedeeisernen Brüstungen und originalen Markisen.<ref>Liste, Karte, Datenbank / Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt – Berlin. Abgerufen am 28. Februar 2026.</ref>
  • 1962–1963: Wohnbauten in der Siedlung Detmerode für das Volkswagen-Werk in Wolfsburg<ref name="Der Palast Des Maharadschas in Indore" details="S. 155." /><ref></ref>
  • 1965–1967: Wohn- und Geschäftshaus in Berlin-Charlottenburg, Lietzenburger- /Ecke Knesebeckstraße (mit Klemens Weigel)<ref name=":2">Eintrag 09096311 in der Berliner Landesdenkmalliste</ref>
  • vor 1970: Geschäftshaus für die Weinberger Musikverlag GmbH in Frankfurt am Main, Oeder Weg 26<ref>Bestand S8-1, Haus Dr. [Otto] Blau Oederweg 26. In: Arcinsys. Institut für Stadtgeschichte Frankfurt a. M., 20. April 1956, abgerufen am 12. März 2026.</ref>
  • vor 1970: Wohnanlage in Frankfurt-Sulzbach für die Farbwerke Hoechst<ref name="Der Palast Des Maharadschas in Indore" details="S. 155." />
  • vor 1970: Einfamilienhäuser Kutsch, von Livonius, Nitschke, Rothe-Rimpler in Berlin<ref name="Der Palast Des Maharadschas in Indore" details="S. 155." />
  • vor 1970: Einfamilienhaus Prentzel in Frankfurt am Main<ref name="Der Palast Des Maharadschas in Indore" details="S. 155." />
  • vor 1970: Einfamilienhaus F. Albrecht in Hamburg<ref name="Der Palast Des Maharadschas in Indore" details="S. 155." />
  • 1970: Haus der Konfektion. Mit Lichtspieltheater in Frankfurt am Main, Kaiserstraße 54<ref name="Der Palast Des Maharadschas in Indore" details="S. 155." />
  • 1970: Wohnanlagen in Berlin: Erfurter Straße, Westfälische Straße, Calandrellistraße, Viktoria-Luise-Platz<ref name="Der Palast Des Maharadschas in Indore" details="S. 155." />
  • 1970: Einfamilienhaus J. W. Menne in Oberursel<ref name="Der Palast Des Maharadschas in Indore" details="S. 155." />
  • 1973: Rockfabrik Alois Heintze in Berlin, Tempelhofer Ufer<ref name="Der Palast Des Maharadschas in Indore" details="S. 155." />
  • 1978: Wohnhaus Dr. W. Lehmann in Berlin-Grunewald, Griegstraße<ref name="Der Palast Des Maharadschas in Indore" details="S. 155." />

Publizistische Arbeiten

Bereits in den 1920er Jahren publizierte Muthesius in der britischen Fachzeitschrift The Architects’ Journal zu zeitgenössischer Architektur und Ausstellungen. In seinem 1925 dort veröffentlichten Aufsatz Modern German Domestic Architecture unterschied Muthesius zwischen der vor 1900 dominierenden, pittoresk-romantischen Villenarchitektur und einem funktional organisierten Landhaus neuer Prägung. Er betonte die Vereinfachung der Baukörper, die kompakte Grundrissorganisation und die stärkere Orientierung der Wohnräume zur Sonnenseite und zum Garten. Zugleich äußerte er sich zurückhaltend gegenüber radikalen oder „abstrakten“ Tendenzen des zeitgenössischen Bauens und verwies auf klimatische Bedingungen als Argument gegen kubische, flachdachige Bauformen.<ref name=":11"></ref> In seinem 1926 erschienenen Beitrag über das Deutsche Museum in München hob Muthesius die funktionale Organisation des Gebäudes, den Einsatz von Stahlbeton sowie die monumentale Turmarchitektur hervor. Er verstand Museumsbauten als didaktisch strukturierte Räume, in denen Technik und Architektur eine Einheit bilden sollten.<ref name=":12"></ref> Anlässlich der Verkehrsausstellung 1925 in München äußerte sich Muthesius zurückhaltend gegenüber expressiven oder „bizarren“ Formexperimenten. Er betonte, dass gestalterische Mittel der Vermittlung dienen und nicht zum Selbstzweck werden sollten. Muthesius würdigte zugleich die Entwicklung einer sachlich-funktionalen Warenhausarchitektur, etwa am Beispiel der von Alfred Messel entworfenen Wertheim-Bauten in Berlin. Er sah darin einen Ausdruck einer neuen, an praktischen Anforderungen orientierten Architektursprache.<ref name=":13"></ref>

Fotografie, Zeichnung und Entwurfsstudien

Quellen belegen Muthesius auch als Bildautor. Die Ausstellung Eckart Muthesius and Manik Bagh – Pioneering Modernism in India zeigt Vintage-Fotografien von Muthesius sowie ergänzend Aquarelle, Zeichnungen und Designstudien.<ref>Staatliche Museen zu Berlin: Museum für Asiatische Kunst on Tour in India. Abgerufen am 3. März 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref>Eckart Muthesius and Manik Bagh Pioneering Modernism in India. Curated by Raffael Dedo Gadebusch. Dr. Bhau Daji Lad Museum, 2025, abgerufen am 3. März 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Auktionskatalogeinträge dokumentieren zudem Vintage-Abzüge von Manik-Bagh-Interieurs mit Blindstempel „Architekt E. Muthesius Berlin“.<ref>Artist Index: Muthesius, Eckart. Abgerufen am 3. März 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref>Artist Index: Muthesius, Eckart. Abgerufen am 3. März 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)): „Vintage sepia-toned matte gelatin silver print. 27,8 × 21,7 cm. Architekt E. Muthesius Berlin blindstamp in lower right corner.“</ref>

Seine zeichnerischen Fähigkeiten wurden unter anderem durch den privaten Zeichenlehrer Walter Kratz (1899–1957) geprägt, der Muthesius im technischen Zeichnen unterrichtete und sein Augenmerk auf konstruktive Aspekte lenkte. Einige Aquarelle entstanden in Zusammenarbeit mit anderen Künstlern, darunter der Modeillustratorin Trude Rein (1908–1998) sowie dem Architekten, Maler und Designer Bruno Ernst Scherz (1889–1955).<ref name=":18" />

Rezeption

Zeitgenössische Wahrnehmung

2003 erwarb das Metropolitan Museum of Art in New York mehrere Einrichtungsobjekte aus dem von Muthesius entworfenen Palast Manik Bagh in Indore für seine Sammlung moderner Kunst.<ref></ref> Der Palast in Indore wurde auch im 21. Jahrhundert als Referenz moderner Indien-Rezeption aufgegriffen; so bezog sich Karl Lagerfeld 2011 bei seiner Chanel-Kollektion „Paris–Bombay“ ausdrücklich auf das Gebäude.<ref></ref>

Möbel und Leuchten aus dem von Muthesius entworfenen Palast Manik Bagh erzielen auf internationalen Auktionen weiterhin hohe Preise. Bei einer Auktion von Sotheby’s in Paris wurden 2018 einzelne Lose mit Schätzpreisen von bis zu 120.000 Euro bewertet.<ref>Design-Auktion in Paris: Die schönsten Stücke bei Sotheby’s. 1. Mai 2018, abgerufen am 7. März 2026.</ref>

Wiederentdeckung und Ausstellungen

Datei:Moderne Maharajah, Musée des arts décoratifs, Paris 3 October 2019 01.jpg
Bei der Ausstellung im Jahr 2019 im Musée des Arts Décoratifs wurden unter anderem mehrere rekonstruierte Innenräume des Palasts sowie Möbelentwürfe, Fotografien und Filmaufnahmen aus dem Umfeld des Projekts präsentiert

1989 wurden einige seiner Möbelentwürfe durch ClassiCon<ref>Eckart Muthesius 1904–1989. ClassiCon – Classic Contemporary Design, abgerufen am 28. Februar 2026.</ref> und Tecnolumen<ref>Tecnolumen: Eckart Muthesius. In: Tecnolumen. Abgerufen am 28. Februar 2026.</ref> neu aufgelegt.<ref name=":5" /> In Briefen aus den frühen 1980er Jahren, u. a. an Leni Riefenstahl, hielt Muthesius fest, dass der von ihm entworfene Palast Manik Bagh inzwischen erneut Aufmerksamkeit als Beispiel des Art déco erhielt. Zugleich plante er, seine Erinnerungen an das Indien-Projekt in einer Publikation festzuhalten zu wollen.<ref>Staatsbibliothek zu Berlin – Handschriftenabteilung, Nachlass Leni Riefenstahl, Signatur: Nachl. 590, 139, Mp. 23; vgl. Korrespondenz zwischen Leni Riefenstahl, Gisela Jahn, Eckart Muthesius und Vera Muthesius. In: Kalliope-Verbund. Abgerufen am 18. März 2026.</ref>

Zum 50. Jahrestag der Unabhängigkeit Indiens organisierte das Werkbundarchiv zusammen mit dem Goethe-Institut 1997 eine größere Retrospektive seiner Arbeiten.<ref></ref><ref></ref>

2019 widmete das Musée des Arts Décoratifs in Paris dem Maharadscha von Indore und seinem Umfeld die Ausstellung Moderne Maharajah. Un mécène des années 1930. Die Schau präsentierte mehr als 500 Objekte aus dem Palast Manik Bagh sowie Archivmaterialien zur Zusammenarbeit zwischen dem Maharadscha Yeshwant Rao Holkar II. und Eckart Muthesius.<ref>Moderne Maharajah, un mécène des années 1930. Abgerufen am 10. März 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Anlässlich seines 120. Geburtstags gastierte das Museum für Asiatische Kunst mit der Ausstellung Eckart Muthesius and Manik Bagh im Kiran Nadar Museum of Art (KNMA) in Neu-Delhi und im Museum of Art & Photography (MAP) in Bengaluru. Anschließend wurde die Ausstellung im Dr. Bhau Daji Lad Museum in Mumbai gezeigt und sollte anschließend ab Ende 2025 im Humboldt Forum in Berlin-Mitte gezeigt werden.<ref>Staatliche Museen zu Berlin: Museum für Asiatische Kunst gastiert mit Ausstellung „Eckart Muthesius and Manik Bagh“ in Indien</ref>

Nachlass und Überlieferung

Die Überlieferung zu Eckart Muthesius und seinem familiären Umfeld ist lückenhaft. Im Jahr 1945 wurden im von Eckart Muthesius bewohnten Haus in Berlin-Nikolassee zahlreiche Kisten mit Zeichnungen, Briefen und weiteren Unterlagen aus dem Umfeld seines Vaters Hermann Muthesius vernichtet. Ein Teil dieser Papiere blieb allerdings erhalten und gelangte später ins Werkbundarchiv in Berlin.<ref></ref> Eine bauhistorische Studie verweist auf ein Privatarchiv der Witwe Vera Muthesius.<ref name=":0" /> In der Handschriftenabteilung der Staatsbibliothek zu Berlin ist zudem Korrespondenz überliefert, in der Eckart und Vera Muthesius als Korrespondenzpartner erscheinen (u. a. im Nachlass Leni Riefenstahl).<ref>Kalliope | Verbundkatalog für Archiv- und archivähnliche Bestände und nationales Nachweisinstrument für Nachlässe und Autographen. Abgerufen am 3. März 2026.</ref> Ein geschlossener, öffentlich inventarisierter Nachlass ist damit nicht belegt.

Grabstätte

Sein Grab befindet sich auf dem Friedhof Nikolassee in Berlin in der Familiengruft seiner Eltern.

Datei:Muthesius Grab auf dem Evangelischen Kirchhof Berlin-Nikolassee.jpg
Familiengrab auf dem Evangelischen Kirchhof Berlin-Nikolassee<ref>Liste, Karte, Datenbank / Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt - Berlin. Abgerufen am 6. März 2026.</ref>

Auszeichnungen

Literatur

  • Eckart Muthesius: Modern German Domestic Architecture. In: The Architects’ Journal. 4. Februar 1925.<ref name=":11" />
  • Eckart Muthesius: Beitrag als Fortsetzung zu Modern German Domestic Architecture. In: The Architects’ Journal. 11. Februar 1925.
  • Eckart Muthesius: At a German Exhibition. In: The Architects’ Journal. 27. Januar 1926.<ref name=":13" />
  • Eckart Muthesius: Current Architecture: The Deutsches Museum at Munich. In: The Architects’ Journal. 26. Mai 1926.<ref name=":12" />
  • Reto Niggl (Hrsg.): Eckart Muthesius 1930. Der Palast des Maharadschas in Indore. Architektur und Interieur. Arnoldsche Verlagsanstalt, Stuttgart 1996, ISBN 3-925369-55-4.
  • Reto Niggl (Hrsg.): Eckart Muthesius. Indien 1930–1939. Architektur, Design, Photography. Goethe-Institut, München 1999, ISBN 3-00-003905-8. (Katalog zur Wanderausstellung)
  • Raffael Dedo Gadebusch (Hrsg.): Eckart Muthesius and Manik Bagh. Pioneering Modernism in India. Berlin 2024, ISBN 978-3-88609-896-5.<ref>Eckart Muthesius and Manik Bagh | Architektur | Themen & Motive | SMB Shop. Abgerufen am 28. Februar 2026.</ref>

Weblinks

Einzelnachweise

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