Drakos-Selinitsa-System
Das Drakos-Selinitsa-System ({{#invoke:Vorlage:lang|full |CODE=el |SCRIPTING=Grek |SERVICE={{#if: {{#invoke:TemplUtl|faculty| 0 }} | neu}}griechisch |SUITABLE=prefix neu}}) südlich des Ortes Agios Dimitrios der Gemeinde Dytiki Mani auf der griechischen Halbinsel Peloponnes erstreckt sich entlang eines unterirdischen Flussbettes über mehr als einen Kilometer vom Meer ins Landesinnere. Die Höhle ist lokal auch als Katafygi-Höhle ({{#invoke:Vorlage:lang|full |CODE=el |SCRIPTING=Grek |SERVICE={{#if: {{#invoke:TemplUtl|faculty| 0 }} | neu}}griechisch |SUITABLE=prefix neu}}, Zufluchtshöhle) bekannt.
Fundstätten von menschlichen Knochen und schwarzer Tonware bezeugen die frühere Bedeutung der Höhle als Kultstätte oder Schutzort.<ref group="AP">S. 26–27</ref>
Das System hat mehrere Verzweigungen in drei Etagen. Die obere und der Hauptgang der mittleren mit Ausnahme des hintersten Teils sind inaktiv vados (trocken; die Höhlenbildung abgeschlossen), der hinterste Teil ist zumindest noch gelegentlich aktiv vados (von Wasser durchflossen, die Höhlenbildung ist nicht abgeschlossen). Die untere Etage sowie die Drakos-Quelle sind phreatisch (gänzlich von Wasser ausgefüllt). Die Temperatur in der Höhle entspricht mit etwa 18 °C der Jahresmitteltemperatur; die Luftfeuchtigkeit beträgt etwa 80 %.
Mit einer vermessenen Gesamtlänge von vier Kilometern<ref group="KI" name="S5">S. 5</ref> ist das Drakos-Selinitsa-System die viertlängste Höhle Griechenlands (Stand 2005).<ref name="Speleo1" />
Name
Im Griechischen bedeutet das Wort καταφυγή (katafygi) „Rückzugsgebiet, Zufluchtsort“. Die offizielle Bezeichnung der griechischen speläologischen Gesellschaft ist Drakos-Selinitsa-System (σύστημα Δράκου – Σελινίτσας) nach der weiter südlich gelegenen Drakos-Quelle ({{#invoke:Vorlage:lang|full |CODE=el |SCRIPTING=Grek |SERVICE={{#if: {{#invoke:TemplUtl|faculty| 0 }} | neu}}griechisch |SUITABLE=prefix neu}}, Drachen), sowie der alten slawischen Bezeichnung Selinitsa für Agios Nikolaos.<ref group="Anm." name="Name" />
Lage
Der Höhleneingang befindet sich an einem Felsenstrand etwa 500 m südlich von Agios Dimitrios (3,5 km südlich von Agios Nikolaos).<ref group="AP">S. 26</ref>
Die untere Etage steht über die 470 m (169.5°) entfernt gelegene Drakos-Quelle mit dem Messenischen Golf (Messiniakos Kolpos) in Verbindung.
Der Hauptgang der mittleren Etage verläuft in etwa südöstlicher Richtung parallel zu einer 900 Meter nordöstlich von Platsa verlaufenden Störung<ref group="KI" name="S119">S. 119</ref> und endet in einem lehmgefüllten Siphon. Die obere Etage verläuft nahezu parallel zur Küste, die Drakos-Höhle von der Mündung in nordöstlicher Richtung.
Klassifikation
- Großhöhle (Ganglänge ≤5000 m)
- Sekundärhöhle (Entstehung zeitlich nach dem umgebenden Gestein)
- Karsthöhle (umgebender Kalkstein)
- Horizontalhöhle (räumliche Anlage)
- Tropfsteinhöhle, Aktive Wasserhöhle (Höhleninhalt)
- Höhlensystem (zusammenhängendes, verzweigtes Netz von Hohlräumen)
Geologie
Die Höhle befindet sich in Plattenkalk aus dem Eozän in einer gegenüber der Horizontalen um 10° gekippten Bankung.
Der Eingangsbereich ist von Brekzie überdacht; in den massiven Kalkstein ist häufig Hornstein eingelagert. In den obersten Bereichen der Versturzhalle – mit 170 m × 80 m einer der größten Griechenlands<ref name="Speleo4" /> – finden sich Schichten kristallinen Schiefergesteins.
Die Speläotheme (sekundäre Mineralablagerungen, Sinter) bestehen aus Calcit, sowie – sehr selten – aus Aragonit. Excentriques auf Tropfsteinen in den phreatischen Teilen belegen die vadose Entstehung (Eiszeit).
Befahrungsgeschichte
Die erste Erkundung erfolgte 1928 (Sarri und Georgalas: Ganglänge etwa ein Kilometer).<ref name="Speleo4" /> Schon in der ersten Beschreibung wurde auf eine mögliche Verbindung mit der Drakos-Quelle hingewiesen.<ref name="Sarri" /> Die erste Kartierung erfolgte 1953 durch den schwedischen Biospeläologen Knut Lindberg und den Begründer der griechischen Speläologie Ioannis Petrocheilos;<ref name="Petrochilos" /> die dokumentierte Ganglänge betrug damals 1250 m.<ref group="AP">S. 27</ref> In weiteren Befahrungen unter der Leitung von Ioannis Ioannis gelang es, die Ganglänge auf 1900 m auszudehnen. Die vollständige Kartierung der Katafygi Selinitsa erfolgte Ende der 1970er durch Mitglieder der griechischen speläologischen Gesellschaft mit einer Länge von etwa 2000 m.<ref name="Speleo4" />
Nach ersten Erkundungen 1980–1985 durch deutsche, tschechische und besonders britische<ref name="Cordingley" /><ref name="Perou" /> Höhlentaucher (Katafygi Selinitsa 850 m, Drakos 650 m)<ref group="KI" name="S111">S. 111</ref> wurden die beiden Höhlen im November 2004 nach fünfjähriger Vorarbeit durch griechische Höhlentaucher verbunden.<ref name="CDgr" /><ref group="KI" name="S116">S. 116</ref> Die Anforderungen waren dabei beträchtlich: Aquazepps, Trimix-Tauchgänge bei maximalen Tiefen von 56 m<ref group="KI" name="S6">S. 6</ref> und Tauchzeiten von über drei Stunden. Die Länge des Siphons Selinitsa–Drakos beträgt etwa 850 m;<ref name="Crossley" /><ref group="KI" name="S5">S. 5</ref> die Verbindung der beiden Höhlen befindet sich etwa einen Kilometer vom Eingang der Katafygi Selinitsa.<ref group="KI" name="S111">S. 111</ref>
Gefahren
Die Katafygi Selinitsa ist keine Schauhöhle, sondern eine sogenannte wilde Höhle, deren Befahrung nicht ungefährlich ist.
Die hinteren Abschnitte des Hauptganges (nach der „Sandburg“ etwa 300 Meter vom Eingang), sowie die obere Etage sind erfahrenen Speläologen vorbehalten.<ref name="Duckeck" /> Die wassergefüllten Abschnitte sind nur nach ausreichender Höhlentauchzertifikation und Genehmigung durch die griechischen Behörden zu befahren.<ref name="Merkouri" />
Literatur
<references group="AP" />
<references group="KI" />
Einzelnachweise
<references> <ref name="Speleo1"> Vorlage:Literatur </ref> <ref name="Sarri"> Vorlage:Literatur </ref> <ref name="Petrochilos"> Vorlage:Literatur </ref> <ref name="Speleo4"> Vorlage:Literatur </ref> <ref name="Cordingley"> Vorlage:Internetquelle </ref> <ref name="Perou"> Vorlage:YouTube </ref> <ref name="CDgr"> Vorlage:Internetquelle </ref> <ref name="Crossley"> Vorlage:Internetquelle </ref> <ref name="Duckeck"> Vorlage:Internetquelle </ref> <ref name="Merkouri"> Vorlage:Internetquelle </ref> </references>
Anmerkungen
<references group="Anm."> <ref name="ASM"> ASM: Höhlenkataster der griechischen spelälogischen Gesellschaft ESE (Vorlage:ElS </ref> <ref name="Name"> καταφυγή Vorlage:N.Sg. bedeutet allgemein Zuflucht und καταφύγιο Zufluchtsort. Auch in der griechischen Fachliteratur werden verschiedene Namen verwendet, etwa: Σπήλαιο Καταφύγη / Καταφύγγη (Spileo Katafygi / Katafyngi), Σπήλαιο Σελινίτσ (Spileo Selenitsa), Σπήλαιο Καταφύγη Άγίου Δημητρίου Σελινίτσας Μάνης (Zufluchtshöhle von Agios Dimitrios des maniotischen Selenitsa). Daraus ergeben sich eine Vielzahl von Transkriptionen, unter denen die Höhle zu finden ist. Etwa hat ein Druckfehler (γγ) in der Publikation von Petrochilos zur Transkription Katafyngi geführt. Die Drakos-Quelle (Vorlage:ElS, Drachen) wird als Σπήλαιο Δράκος (Drakos-Höhle) oder Υπόγειος ποταµός Δράκος (unterirdischer Drakos-Fluss) bezeichnet. </ref> </references>
Weblinks
- Kataphygi Selenitsas – The Last Refuge (Thomas Gramanitsch, englisch)
- Katafygi Cave (Uwe Bücher, englisch)