Zum Inhalt springen

Dirac-Kamm

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Datei:Dirac-comb.png
Dirac-Kamm

Der Dirac-Kamm (auch Dirac-Stoß-Folge oder Schah-Funktion) bezeichnet eine periodische Folge von Dirac-Stößen. Anschaulich besitzt er die Form eines Kamms und wird wegen dieser Ähnlichkeit auch häufig mit dem kyrillischen Buchstaben Ш (Schah) symbolisiert.

Anwendung findet der Dirac-Kamm in der Mathematik und der Signalverarbeitung mittels Fourier-Analysis.

Definition

Der Dirac-Kamm stellt eine periodische temperierte Distribution dar, die von der diracschen Delta-Distribution Gebrauch macht.

<math>\Delta_T(t) = \sum_{n\in\mathbb Z} \delta(t - n T)</math>

für eine Periode <math>T > 0</math>. Anschaulich ist der Dirac-Kamm also aus unendlich vielen Dirac-Stößen zusammengesetzt, die im Abstand <math>T</math> zueinander stehen.

Für die Anwendung des Dirac-Kamms auf eine Testfunktion <math>\phi\in C_c^\infty(\mathbb R)=\mathcal D(\mathbb R)</math> gilt

<math>\Delta_T \phi:=\sum_{n\in\mathbb Z}\phi(nT)</math>.

Fourier-Transformation des Dirac-Kamms

Die Poissonsche Summenformel besagt, dass der Dirac-Kamm (der Periode 1) ein Fixpunkt der Fourier-Transformation ist. Allgemeiner gilt

<math>
\mathcal{F} \{ \Delta_{T} \} =
\frac{1}{T} \, \Delta_{\frac{1}{T}},

</math>

wobei für die kontinuierliche Fourier-Transformation die in der Literatur zur Signalverarbeitung übliche Konvention

<math>\mathcal{F} \{f\}(t) = \int_{-\infty}^\infty f(x)\, e^{-2\pi \mathrm{i} t x} \,\mathrm{d} x </math>

verwendet wird.

Damit ergibt sich die wichtige Darstellung für Fourierreihen, die als Distributionsgrenzwert zu interpretieren ist:

<math> \sum_{k \in \mathbb{Z}} \exp(i t k) = 2 \pi \sum_{n \in \mathbb{Z}} \delta(t + 2\pi n)</math>

Für die Einheitsperiode <math> T = 1</math> ergibt sich unmittelbar nach reskalieren der Frequenz aufgrund der Skalierungseigenschaft der Delta-Distribution

<math> \sum_{k \in \mathbb{Z}} \exp(i 2 \pi k t) = \sum_{n \in \mathbb{Z}} \delta(t + n)\,.</math>

Abtastung und Alias-Effekte

Mit Hilfe des Dirac-Kamms lässt sich das Abtasten einer Funktion mathematisch durch Multiplikation mit der abzutastenden Funktion beschreiben:

Datei:Dirac-comb - Sampling.png
Abtasten durch Multiplikation mit einem Dirac-Kamm

Die Multiplikation eines glatten, schnellfallenden kontinuierlichen Signals mit einem Dirac-Kamm ist das Modell eines idealen Abtasters (engl.: sampler) mit der Abtastrate T.

In der Theorie der Signalverarbeitung stellt der Dirac-Kamm ein elegantes Hilfsmittel dar, um das Nyquist-Shannon-Abtasttheorem zu beweisen und störende Alias-Effekte zu verstehen.

Literatur

  • {{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}